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Meine Tage ohne Alkohol

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
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Caruso
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Beitrag von Caruso » 12.07.2006, 21:57

Hallo ihr Lieben,

mal ein kleiner Zwischenbericht von mir. Ich bin ja nun mittlerweile bei Tag 4 angelangt. Ein neues Gefühl für mich, die Tage zu zählen, an denen ich keinen Alkohol getrunken habe. Ich habe sonst eher die Tage bis dahin heruntergezählt, wann ich wieder unbeschwert Alkohol trinken kann. Ich sehne weder den Skat noch den Kegelabend herbei. Natürlich kann das Gefühl trügen, für mich hat es allerdings eine besondere Bedeutung. Ich meine es absolut Ernst nie wieder in meinem Leben Alkohol zu trinken. Heute morgen habe ich meine Sucht gegenüber dem ersten Menschen in meiner nahen Verwandtschaft zugegeben. Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich alkoholsüchtig bin. Sie war ziemlich geschockt. Sie hat mich zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass ich zuviel Alkohol trinke, aber nie an eine Sucht gedacht, bzw. es nicht ausgesprochen. Ich habe das Gefühl, sie nimmt das Ganze nicht so ernst, wie soll sie auch, ich habe schliesslich selbst lange genug dafür gebraucht. Jetzt heisst es standhaft bleiben. Es würde mich mal interessieren, wie bei Euch das Umfeld reagiert hat ?


Liebe Grüße

Caruso

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 12.07.2006, 23:13

Hallo caruso,
das hast Du gut gemacht, es Deiner Frau zu sagen. Ein guter Schritt. Das sie so reagiert hat, ist verständlich. Mein Mann hat mein Problem auch nicht ernst genommen. Ich denke, das tun sie erst einmal, weil sie Angst vor den nun folgenden Veränderungen haben und auch davor, wie weit es sie selber betrifft. Man wird ja seine Lebensumstände verändern, Du schreibst, Du vermisst die Skat-und Kegelabende nicht. Vielleicht merkt das Deine Frau schon und denkt sich: Au weia, was kommt da noch? Ich finde diese Reaktion verständlich, auch wenn sie einem erst negativ erscheint. Lass ihr Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Ich weiß beispielsweise, das es meinem Mann anfangs peinlich war, das ich vor anderen sagte, das ich Alkoholikerin bin. Auch wenn ich trocken bin. Das hat sich aber im Laufe der Zeit ganz ins Gegenteil verkehrt, heute ist er stolz, das ich schon so lange trocken bin und es ist ihm nicht mehr peinlich. Ich habe ihm auch mehrmals erklärt, das Alkohismus eine Suchterkrankung ist, er hat es dann auch kapiert. Woher sollen die Angehörigen auch so genau wissen, wie es mit dieser Krankheit ist, wenn sie sich nie damit ernsthaft beschäftigt haben? Deine Frau wird auch ein bsischen Angst haben, sich damit auseinandersetzen zu müssen. Eventuell damit klarzukommen, das Du es auch anderen sagen wirst. Aber sie wird am Ende auch stolz auf Dich sein, das ist GANZ SICHER ! Sie braucht noch Zeit, das ist alles.

Wenn ich es heute in meinem Unfeld sage, dann sind die Reaktionen bisher noch nie negativ gewesen. Eher im Gegenteil, ich werde manchmal um Rat gefragt, das ginge ja nicht, wenn ich es geheim halten würde, Ich hab selber viel Hilfe bekommen, und wenn ich kann, gebe ich das auch gern weiter.

Ich drücke Dir alle Daumen, das Du weiterhin trocken beliben kannst. Wenn Deine Frau soweit ist, wird sie Dich auch unterstützen. Das wird, glaube ich, nicht mehr lange dauern, wenn sie Dich liebt, und das tut sie sicher !

Einen lieben Gruß sendet Dir die Lilly

Annika
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Hallo

Beitrag von Annika » 13.07.2006, 14:21

Hallo Caruso,

ich bin immer wieder erstaunt wie unterschiedlich hier im Forum die Partner reagieren. Aber so unterschiedlich sind die Menschen halt und das ist auch gut so.

Du hast geschrieben, dass du auch bis zum völligen Kontrollverlust getrunken hast. Und deine Frau nimmt das ganze nicht so ernst.

Ich habe nie so viel getrunken, dass ich nichts mehr wußte, aber trotzdem so viel dass ich für alles um mich herum das Interesse verlor und immer bettschwer betrunken war.

Mein Partner, wäre nie ein Co geworden, er hätte mich zumindest auf Zeit verlassen, wenn ich mein Leben nicht geändert hätte.

Ich brauchte ihm das natürlich nicht beichten, ich habe ihm vorgelebt dass ich den Alkohol brauchte und mißbrauchte.

Manche Bekannten dachten ich spinne, spielten es runter und wollten in meiner Anwesenheit feiern und Alkohol trinken.

Gute Bekannte haben es geahnt, Freunde haben es sowieso gewußt und unterstützen mich.

Du schreibst du sehnst den Karten-und Kegelabend nicht herbei, ich würde diese Veranstaltungen dringend meiden.

Du hast eine Suchtkrankheit die genauso behandelt werden muß wie andere Krankheiten.
Und was bei anderen Krankheiten der Arzt oder der Gesundheitszustand an sich verbietet ,müssen wir uns selbst verbieten.

Das Verzichten auf solche Dinge ist in unserem Fall ein Gewinn.

Bitte vergiß das nie auf deinem Weg.

Gruß von Annika

Caruso
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Beitrag von Caruso » 15.07.2006, 08:28

Hallo ihr Lieben,

mittlerweile bin ich bei Tag 7 angelangt und muss sagen, es geht mir gut. Morgens aufzustehen und direkt alles mitzubekommen, was um einen herum passiert ist schon ein tolles Gefühl. Ich habe vor der Arbeit schon eine Stunde mit meinen Kids gespielt, das habe ich lange Zeit verpasst. Jetzt werde ich erstmal ein bisschen arbeiten und melde mich später nochmal.

Allen ein schönes Wochenende

Caruso

Zaubermaus
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Beitrag von Zaubermaus » 15.07.2006, 09:19

Hallo Caruso,

mein freund sagt auch, er möchte es alleine schaffen - nur erkennt er andereseits oder gibt es zumindest nicht zu, das er ein alkoholproblem hat.
was kann ich tun, das er den 1. schritt geht und "nur heute" das 1. glas stehenlässt ohne dass er sich von mir bevormundet fühlt?

ich drücke dir die daumen, dass du´s schaffst -

*Zaubermaus*

chiara
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Beitrag von chiara » 15.07.2006, 09:30

Hallo Caruso,

es ist sehr schwer mit einem Partner, der nicht einsehen kann oder möchte, dass der Trinkende nicht nur mal eben einen zuviel nimmt sondern Alkoholiker ist, auf Dauer trocken zu leben. Es ist zwar möglich; aber es ist harte Arbeit.
Ich selbst gebe nie die Hoffnung auf, dass auch mein Mann eines Tages versteht, was wirklich los ist; aber ich kann auch einsehen warum er seinen Kopf zuweilen in den Sand stecken muss. Ich glaube das ist seine Art erstmal damit zu überleben.
Auch nie ein Lob dafür zu bekommen, dass man das erste Glas stehen lässt, weil das ja für einen Nichtabhängigen keine Leistung an sich ist, kann manchmal schwer wiegen.
Ich kann, um jetzt eben nur aus meiner Beziehung zu berichten, einen so lieben Mann aber nicht desswegen gehenlassen, nur weil er das Wort Alkoholikerin nicht auf mich beziehen will.
Er ist ja in allen anderen Bereichen cooperativ. Ein völlig alkoholfreies Zuhause und auch keine Freizeitaktivitäten die mit Alkohol fest verknüpft zu sein scheinen...er selbst rührt auch kein Glas mehr an. In diesem Sinne erkennt er wohl die Krankheit sehr deutlich an, es tut ihm nur weh darüber zu sprechen.
Was Annika Dir geschrieben hat ist sehr sehr wichtig. Was bei anderen Krankheiten der Arzt verbietet müssen wir uns selbst verbieten. Und Veranstaltungen auf denen getrunken wird meide ich auch heute noch; muss ich, ich wäre auch heute ""noch"" zu labil für so etwas.
Es ist zwar sehr schade, dass dadurch manche Freundschaften und Hobby-Bekanntschaften in die Brüche gehen; letztendlich aber eine riesige Chance die richtigen Freunde und Bekannten für die trockene Zukunft zu finden.
Ich Wünsche Dir Alles Liebe
Gute 24
chiara

Caruso
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Beitrag von Caruso » 15.07.2006, 09:53

Hallo Zaubermaus,

ich kann es Dir nur aus meiner Sicht sagen. Ich habe auch oft schon von dem "Klick" im Kopf gelesen. Mein Problem liegt/lag auch nie da mal längere Zeit nichts zu trinken, deshalb mache ich mir auch jeden Tag auf's Neue bewusst, dass es so ist. Ich darf einfach keinen Tropfen Alkohol trinken, denn trinke ich das 1. Glas, werden die weiteren unweigerlich folgen. Das muss mir klar sein, dann ist sicher ein grosser Schritt getan, nur niemals vergessen, der erste Schluck wird mich wieder genau dahin führen, wo ich nicht mehr hin möchte und das sicher nicht für die nächsten Tage und Wochen, sondern für immer. Solange mir das nicht klar war, hätte ich für den Vollrausch wahrscheinlich sogar auf einen Lottogewinn verzichtet, denn ist das 1. Glas drin, kann ich mich nicht mehr wehren. Die Steuerungsfähigkeit habe ich nicht und ich werde sie auch nie wieder erlangen, da ich suchtkrank bin. Von daher halte ich es auch für absoluten Schwachsinn zu sagen, heute gönne ich mir mal einen und ab nächste Woche ist dann Schluss, das funktioniert nicht, kann ich, wie viele hier, aus Erfahrung sagen.

Liebe Grüße

Caruso

Karsten
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Beitrag von Karsten » 15.07.2006, 10:20

Hallo,

ich bitte Euch daran zu denken, dass dies hier "nur" der Vorstellungsbereich ist.
Danke.

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