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Lebendigkeit

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

Moderator: Moderatoren

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Mäuki
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Beitrag von Mäuki » 29.01.2015, 03:10

Hallo Andreas,
ich fand dein Post nicht unsensibel.Ich bin nicht so empfindlich.
Ich bin nicht auf den Weg nach unten.Ich bin unten
Nein Mitgefühl hilft nur begrenzt,da hast du schon Recht.Ich bejammer mich selber schon genug.

Ja es wird wohl der Schlüssel sein........Vertrauen in andere.......
und besonders in mich.
Ich habe keinen.
Ich bin mein Leben lang stark gewesen.
Hab alles gemeistert,Arbeit,Kinder..........usw.

Ich war nie wirklich in der Opferrolle,jetzt glaub ich schon.
Ich wills vielleicht auch...........ich weiß nicht genau.......
Ich bin wütend,traurig,verletzt,usw...........

Und die Welt dreht sich weiter..............................
und ich sitz und denk..........aber was ist mit mir.......
es ist passiert............und hat keine Konsequenzen.

Ich will das man mir hilft.............irgendwann muß mir doch mal jemand helfen.

Ich kann was mit deinen Gedanken anfangen,habe teilweise dieselben.
Und dann sitzt da jemand in mir und sagt............man kann doch nicht einfach so weiter machen,als ob nichts passiert ist ?

Heute habe ich mit meiner Mutter telefoniert.Es war ein 6 Min.langes nichtssagendes Gespräch.Hätt ko... können.Erbechen halt.

Ich habe Angst das es nie anders wird in mir.Und ja Angst ist hinderlich,es ist so als legt sich eine Nebelwand um dich.Sitzend darin,damit man bloß nicht verletzt wird.

Vielen Dank Andreas,

LG Ilo

panem
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Beitrag von panem » 29.01.2015, 18:46

Hallo Mäuki,

bei deinem vorletzten Post musste ich schmunzeln. Nicht wegen deiner Aussagen, sondern weil ich das erste mal gedacht habe: wow, sie ist sauer und zwar richtig (mit dem Fuß auf den Boden stampfen). Und das finde ich total gut! Es zeigt, dass Du aus deiner Starre herausbrechen kannst. Das Du Pläne schmieden kannst und Dir Dinge vornimmst. Es herrscht nicht nur Gleichgültigkeit gegenüber den Ungerechtigkeiten. Ich persönlich finde das ist sehr gut.

Und dann bei deinem letzten Post: wieder eine ganz traurige Mäuki. Andreas hat das schon ziemlich gut formuliert. Du musst aus deiner Opferrolle herauskommen. Das mag jetzt hart klingen, aber ganz ehrlich: aus der Sche*** kannst nur Du dich allein rausholen. Ärzte und Medikamente, Therapeuten usw. können dich auf dem Weg dahin unterstützen und dir Anstöße geben. Sie können Dich begleiten und Dir bestimmt auch helfen. Aber die Hauptarbeit muss von Dir kommen. So ungerecht es ist und so wenig es Du dir vielleicht gerade vorstellen kannst. Die Arbeit und die Verarbeitung finden in deinem Kopf statt und nicht bei den Ärzten.

Ich habe auch Jahrelang in der Vergangenheit festgehangen, wollte verstehen, begreifen, die Dinge, die passiert sind irgendwie einordnen können. Das ging über 10 Jahre so. Und dann hat mir mal eine schlaue Ärztin gesagt, dass es an mir liegt, wie ich mein Leben verbringe: Sie können für den Rest ihres Lebens in der Vergangenheit hängen, die sich nicht ändern lässt. Oder sie gucken in die Zukunft und gestalten Ihr Leben so, wie sie es wollen. Darauf haben sie Einfluss, auf die Vergangenheit nicht.

Mir persönlich hat das sehr geholfen die Vergangenheit loszulassen. Ich wollte mich nicht den Rest meines Lebens mit Dingen beschäftigen, für die ich nichts konnte, die ich aber auch nicht hätte ändern oder verhindern können.

Ich hoffe ich lese bald wieder was von der wütenden mäuki!

vg,
panem

Mäuki
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Beitrag von Mäuki » 02.02.2015, 00:40

Hallo Panem,
ich hab deinen Beitrag schon einige Male gelesen.
Meine Wut die ich verspüre ,kann ich wohl aufschreiben,aber sie bleibt in mir.
Teilweise verspüre ich das ich unkontrolliert handeln könnte,
meine Gedanken tun es.
Auf und ab..........immer und immer wieder.
Ja ich weiß ,jedenfalls ein Teil von mir,ich kann da nur selber was tun.

Aber der andere Teil in mir kann nicht und was anderes in mir will nicht.
Das was nicht will,erstickt bald an dem ganzen Dreck.
Es sitzt da und wartet...........das endlich jemand hört was passiert ist ....
und das dann auch was passiert.Es fragt sich was noch passieren muß.

Jeder regt sich auf wenn jemand auf der Straße hinfällt und keiner hilft.
Das ist die größte Katastrophe,aber wenn jemand jahrelang ein Verbrechen über sich ergehen lassen mußte oder hat...........
der muß selber aufstehen.
Was wäre wenn ich es als Kind gesagt hätte............
ich glaube es wäre nichts passiert.
Ich glaube es ist das Kind was da sitzt ..........allein.......wie immer.
Augen zu und durch.

Jetzt werd ich gerade mal wieder traurig............der gefühlte hunderste Stimmungswechsel heute.

Ich komm einfach nicht weiter,ich fühl mich wie erstarrt.
Und warum sollte sich was ändern..........ich glaub ich bin so.
Schon immer gewesen,das wird mir immer mehr bewußt.
Ich bin eben anders als andere,ich fühle mich nicht zugehörig in dieser Welt.Das ist nicht immer einfach.

Im Moment ist es gerade unschön.......
an die Arbeit mag ich gar nicht denken.
Fühle mich dem überhaupt nicht gewachsen,ich will keine Verantwortung für Menschenleben.Kann kaum die Verantwortung für mich tragen.

Ich kann nicht loslassen zur Zeit,da bin ich meilenweit von entfernt.
Ich denke sehr oft daran.....geht nicht anders.
Vielleicht denk ich zum ersten Mal richtig daran und wundere mich immer wieder wie egal es ist in dieser Welt.Das macht mich traurig und läßt mich allein da stehen. ( Und damit meine ich nicht das Forum hier,bin froh das es da ist)

Hatte nochmal in der Klinik angerufen..........aber eher als 12.2 geht nicht.
Na ja warum auch,denen gehts ja auch gut.
Son Dreck.

LG Mäuki

Sonnenblume
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Beitrag von Sonnenblume » 02.02.2015, 11:20

Hallo Mäuki und auch Panem,

schreibe sonst nicht im Offenen, aber was Panem da geschrieben hat, so sehe ich das heute auch und es geht mir viel viel besser damit.
Ich habe auch Jahrelang in der Vergangenheit festgehangen, wollte verstehen, begreifen, die Dinge, die passiert sind irgendwie einordnen können. Das ging über 10 Jahre so. Und dann hat mir mal eine schlaue Ärztin gesagt, dass es an mir liegt, wie ich mein Leben verbringe: Sie können für den Rest ihres Lebens in der Vergangenheit hängen, die sich nicht ändern lässt. Oder sie gucken in die Zukunft und gestalten Ihr Leben so, wie sie es wollen. Darauf haben sie Einfluss, auf die Vergangenheit nicht.

Mir persönlich hat das sehr geholfen die Vergangenheit loszulassen. Ich wollte mich nicht den Rest meines Lebens mit Dingen beschäftigen, für die ich nichts konnte, die ich aber auch nicht hätte ändern oder verhindern können.
Manchmal ist es ein weiter Weg bis dahin, aber ich denke es ist möglich.

Danke Panem für diese Worte.

lieber Gruß Sonnenblume :)

Mäuki
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Beitrag von Mäuki » 13.02.2015, 02:49

ICH BIN SO SAUER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich war heute in der Klinik zum Vorgespräch.Ich bat darum das mein Partner mit reinkommen darf.Ich fühle mich dann einfach sicherer.Und was sagten sie.......................

NEIN! Und ihre Argumentation dafür einfach lächerlich.Sie wollten sich allein ein Bild von mir machen.Aber sie saßen da zu zweit.Auch mein Einwand das er ja nur da sitzen würde........
galt nicht.

Engstirnig beharrten sie auf ihre Meinung.Dadurch hatte ich keinen guten Start.
Ich wollte nie wieder Dinge tun die ich nicht möchte.
Und ich hab mich schon wieder dazu bringen lassen.
Sie haben mich nicht ernst genommen und eine von mir gesetzte Grenze überschritten.
Möglich das sie so ganz nett waren,meine Wut überwiegt jetzt.
Ich habe mich zum Schluß für mein Verhalten entschuldigt,ich war auch da ziemlich sauer und hab mich auch da aufgeregt.
Aber eigentlich wollte ich mich gar nicht entschuldigen.Gab gar kein Grund für.
Wenn die Vollidioten mich für würdig halten mich zu behandeln,das werden sie noch im Teamgespräch besprechen,werd ich dahin gehen.
6 Wochen Therapie stationär.Und dann.............keine Ahnung..........entweder gut......oder irgendwann wieder in die Klappse.Hab das Konzept nicht verstanden.
Am Montag muß ich da anrufen ob ich da hin will,und ob die mich aufnehmen.Wenn die mich nicht aufnehmen werd ich die verklagen,wegen unterlassene Hilfeleistung.
Irgendwie ist es vielleicht auch gut da...........
aber ich bin so sauer ............wahrscheinlich auch nur voll dämlich..........
und auch ziemlich traurig und ziemlich allein......
ich könnt ko...............erbrechen

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 13.02.2015, 07:58

Guten Morgen Mäuki,

pack´Deine Wut ein und renne so lange damit um den Block, bis sie verraucht ist, denn sie ist jetzt nicht hilfreich und versuche doch mal, einen Rhythmus zu finden, der Dich nachts schlafen lässt, so dass Du wirklich Ruhe finden kannst, um Dich zu erholen.

Du hattest es nicht mit Vollidioten zu tun, sie wollten Dich auch nicht gängeln.
Eine geraume Zeitlang schilderst Du bereits, dass Du ohne Deinen Partner eingehen würdest, wieder zum Alkohol greifen oder evtl. auch den Weg zur Klippe suchen würdest, wenn er nicht mehr an Deiner Seite wäre. Mich hat das immer erschreckt und diese andere Abhängigkeit würde mich persönlich seelisch zerstören.
Jetzt ist es aber momentan noch so, wie es ist und Dein Partner gibt Dir die einzig mögliche Sicherheit, was ebenfalls bedeutet, dass Du in seiner Gegenwart in anderer Verfassung bist als allein.
Die Argumentation der Psychologen war in meinen Augen also nicht lächerlich, sondern absolut notwendig. Um sich ein Bild von Deinem wirklichen Zustand zu machen, ja, um zu sehen, womit sie es tatsächlich zu tun haben. Nur wenn eine umfassende und quasi „unverfälschte“ Diagnose gestellt werden kann, kann auch eine Behandlung erfolgen, die Dir tatsächlich auch helfen wird, sonst verbrätst Du nur unnötig Energie und Lebenszeit.

Es war sicherlich sehr schwierig für Dich, dieses Gespräch allein führen zu müssen, aber Deine Reaktion darauf lässt fast vermuten, dass genau hier das Problem liegt und das wird den Psychologen nicht entgangen sein.
Vielleicht gelingt es Dir ja, umzudenken: Keine Vollpfosten, keine Grenzüberschreitung, sondern Spezialisten, denen Du eben nicht vollkommen gleichgültig bist und die sich ernsthaft und kompetent mit Deinem Problem auseinandersetzen. Ähnlich wie ein Arzt, der Dir auf eine schmerzhafte Stelle kloppt um herauszufinden, wie er Dir am besten helfen kann.

Dämlich bist Du nicht, nur durcheinander und traurig und das ist völlig normal. Allein bist Du nicht, denn da ist Dein Partner und es erwartet Dich Unterstützung, wenn Du dich darauf einlassen kannst und eine stationäre Therapie durchziehst. Wütend bist Du, aber das muss ja nicht so bleiben, wenn Du das Ganze sacken lassen kannst.

Alles Gute
Katha

Mäuki
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Beitrag von Mäuki » 13.02.2015, 18:56

Hallo Katha,
ja danke für deine offenen Worte.Du hast schon Recht.Gefühl und Verstand sind bei mir oft unterschiedlich.Gefühle waren oft gar nicht vorhanden,manchmal kann ich damit nicht so recht umgehen.
Ja ich will mich drauf einlassen,ich hoffe das sie mich aufnehmen,auch wenn ich mich wohl wie ein pubertierendes Etwas aufgeführt habe......teilweise. :oops:
Lg Mäuki

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 14.02.2015, 10:20

Hallo Mäuki,

Kinder und Pubertierende finde ich persönlich ja höchst spannend, weil man direkt dabei zusehen kann, wie sie sich weiter entwickeln und neue Wege finden. So ähnlich, wie wenn ein Alkoholiker trocken wird – da weiß man auch nie, was am Ende dabei herauskommt ;-).
Ich bin ganz zuversichtlich, dass Du die nötige Unterstützung erhalten wirst und sich dadurch auch Dein Leben zum Positiven hin verändern wird.
Mit den Gefühlen ging´s mir ähnlich wie Dir und ich war immer auf der Suche nach „Normalität“. Manchmal kam mir dann der ketzerische Gedanke, dass ich das, was gemeinhin so als „normales Verhalten“ eingestuft wird, für mich gar nicht will und so muss ich dann wohl weiterhin in meiner eigenen Spur laufen, mich im Auge behalten und an den Dingen arbeiten, die mich an mir selbst stören und die ich auch tatsächlich ändern kann. Den Rest von mir muss die Menschheit dann wohl ungefiltert ertragen… oder eben auch nicht ;-).

Dir wünsche ich noch einen schönen Sonntag.

Liebe Grüße
Katha

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