Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Meine Wände

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

Moderator: Moderatoren

Eniba
neuer Teilnehmer
Beiträge: 363
Registriert: 24.06.2014, 21:16

Beitrag von Eniba » 31.07.2014, 15:40

Danke Kaleu,

Deine mit Worten gemalten Bilder gefallen mir sehr gut und helfen mir.

Toll über 4 Jahre!!!! Die weiterhin alles GUTE!
Enib

Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1291
Registriert: 08.02.2010, 20:06

Beitrag von Kaleu » 13.08.2014, 15:23

Wenn Du schon meinen alten Tröt hochholst.

Irgendwie passt das gerade.

Was machst Du eigentlich, wenn Du plötzlich da bist wo Du hin wolltest und erwischt Dich dass Du dort bist und merkst, dass es dieses hier gar nicht gibt weil es von dort kein dorthin mehr gibt?

Bisher gab's immer eine Treppe die es noch hochzusteigen galt, eine Wand die es hinter mir zu lassen galt, eine Grenze die es zu überwinden galt, ein Problem was es noch zu lösen galt.

Ja und dann?

Dann stehste ganz schön blöde da und rollst die Augen weil's auf einmal keinen Halt mehr gibt, keine Orientierungspunkte, keine Stützräder, kein Geländer, kein - da geht's weiter.

Genau da wollt ich hin - wie ich da war, war's doof, plötzlich musst ich ja wirklich von Grund auf alles lernen. Wie lebst Du wenn Dein Leben plötzlich nicht mehr dem erreichen von Zielen, dem erreichen von irgendwas, dem lösen von Problemen gewidmet ist sondern dem Leben selbst?

Kritische Masse.

Plötzlich lebst Du und weisst nicht wie das geht weil es kein "Und dann?" mehr gibt.

Wenn Du Dir Sorgen und Pläne machen gewöhnt bist ist keine Sorgen und Pläne zu haben die schwierigste Aufgabe von allen. Hätte mir ja auch mal Jemand sagen können dass glücklich sein gar nicht so leicht auszuhalten ist. Vor allem wenn die alten Stimmen kommen und Dich wissen lassen - "Du kannst doch aber nicht..." - "Du darfst doch aber nicht so einfach..."

Da muss ich mich dann schon erinnern.

Doch - Du kannst. Und Du darfst.

Und wie Du kannst!

Nur tanzen. So einfach.

Maria
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 6561
Registriert: 21.10.2007, 01:57

Beitrag von Maria » 23.08.2014, 08:32

Hallo Kaleu,

ich habe zuletzt wieder vermehrt gelesen und fand es waren viele wirklich lesenswerte Beiträge dabei.

Aber bei so manchem habe ich mich gefragt, welche Botschaft möchtest du eigentlich verkünden und ist es ein Kampf? Was ist der Grund, auf dem du stehst? Daher mache ich das mal hier.

Du schreibst bei Jürgen:
Kaleu hat geschrieben:Ich bin zwar ganz gut im Abgrenzen geworden, aber so gut, dass ich mir gewisse Sachen öfter geben könnte ohne dass sie mir dann doch zu nahe gehen, dann doch auch wieder nicht. Das ist ja auch eher eine Lebensaufgabe.
Abgrenzen finde ich generell ganz gut und ist auch notwendig & wird auch für mich persönlich immer ein Thema bleiben. In der Form, dass ich erkenne, wo ist es hilfreich mich abzugrenzen, zu meinem Schutz und wo ist es besser, mich zu öffnen, so dass ich mich nicht verschließe - ausgrenze. Eine Abgrenzung, dass mich einiges nicht mehr erreichen oder nahe gehen kann, strebe ich nicht an.

Für mich wird es eine Lebensaufgabe bleiben ein "gesundes" Mittelmaß zu finden. Das stelle ich immer mal wieder fest, dass mir das nicht immer gleich gut gelingt. Erkläre mir das so, dass das auch irgendwie nahe liegen kann, als Alkoholikerin, die ich ja bin & für die es zumindest in einer Sache ganz oder gar nicht heißt.
Kaleu hat geschrieben:Trotzdem ist der wichtigste Indikator dafür ob mir etwas gut tut und ob ich's kann oder nicht - ich selbst.

Und da gehen gerade die Alarmglocken an
Was mir als Summe deiner viele Beiträge auch in Erinnerung kommt ist, dass du mit einer Wucht oder überschwänglichen Energie (?) dabei bist. Also so, als würdest du unheimlich viel hier reinpowern aber auch gleichzeitig gegenhalten irgendwie :-?. Kann's nicht besser erklären.
Kaleu hat geschrieben:Nein, es ist mehr, dass Du nie weisst wo Du beim mitlesen reinstolperst
Na ja... es tauschen sich hier Mädels und Jungs ja auch aus über einen sehr langen Zeitraum teilweise und nicht nur sporadisch. Und unter Umständen kann das passieren, dass sie sich an einem Entwicklungsschritt befinden, den jemand beim sporadischen Mitlesen, nicht so mitbekommen hat... der dann seinerseits mit seinem Geschriebenem reinpoltert...;-)

Lieben Gruß
Maria

Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1291
Registriert: 08.02.2010, 20:06

Beitrag von Kaleu » 23.08.2014, 11:46

Aber bei so manchem habe ich mich gefragt, welche Botschaft möchtest du eigentlich verkünden und ist es ein Kampf?
Kampf? Nein. Ich wüsste nichtmal wo. Und ich hab auch keine Botschaft zu verkünden.

Trotzdem finde ich es ganz gut, dass Du das Wort Kampf erwähnst, es würde zu einem führen. Einen den ich früher mit mir geführt habe und der dazu geführt hat, dass ich irgendwann gesoffen habe.

Ich bin ein Mensch der gerade im Bereich der Selbsthilfe Dinge die mir auffallen offen anspricht. Ich weiss aber, dass ich Dinge die mir hier im Forum auffallen verschweigen muss, weil sie nicht erwünscht sind, nicht gehört werden wollen, und schlimmstenfalls zu irgend einer Art sinnlosem Geplänkel führen, bestenfalls noch schlicht und ergreifend gelöscht werden.

Was mich persönlich betrifft, führt das, wenn ich es über einen längeren Zeitraum praktiziere, zu eben dem inneren kampf, dass ich Dinge die ich gerne ansprechen würde aber immer wieder runterzuschlucken gezwungen bin.

Das würde mir jetzt nichts weiter ausmachen, wenn ich irgend einen Nutzen hätte der das aufwiegen würde, nur hab ich den nicht.

Ich merk beim Schreiben gerade wie es innerlich brodelt, weil ich Dir gerne eine Antwort schreiben mag - aber mir jedes Wort überlegen muss. Und genau das möchte ich nicht, es ist mir unangenehm und mir geht's nicht gut damit.

Genau das meine ich mit meinen inneren Alarmglocken. Ich merke, ich fühl mich beim Schreiben hier und auch während des Lesens enorm unwohl und dem möchte ich mich nicht aussetzen, weil es einfach keinen Gegenwert für mich gibt.
Was mir als Summe deiner viele Beiträge auch in Erinnerung kommt ist, dass du mit einer Wucht oder überschwänglichen Energie (?) dabei bist.
Absolut. Und da bin ich total stolz drauf. Die ist einer ganz enormen Lebensfreude geschuldet. Ich hab in den letzten Jahren all die Ketten um mich herum, mit denen ich mich gezwungen und eingesperrt habe, um so zu sein, wie andere es gerne möchten oder hören möchten oder wie ich sein soll, wie es vermeintlich in Augen anderer richtig ist usw., mühevoll und unter viel Anstrengung entledigt.

Seitdem merke ich zum ersten mal, dass ich am Leben bin, ich feiere das Leben in all seinen Facetten, feiere jede Gefühlsregung, bin überschwänglich, fröhlich, unschuldig, durchaus wuchtig, leidenschaftlich, dankbar, glücklich, ganz und gar, totales sein.

Dahinter verbirgt sich aber keinerlei Wut, die ist heute nicht mehr da, sondern die wuchs früher aus dem wegsperren von mir selbst. Und dieses wegsperren, kommt für mich nicht mehr in frage, denn es wachsen Gefühle wie Zorn und Wut die ich heute nicht mehr haben möchte, da ich mich in diesem Forum aber nicht frei fühle, möchte ich mich dem einfach nicht aussetzen. Ich habe keinen Nutzen davon.

Ich würde es nicht als Lernen sondern als Rückschritt, als sehr unangenehmen und schlimmen Rückschritt empfinden, anderen zu Liebe das wegsperren von mir selbst wieder zu erlernen.

Das hat für mich nichts mit gesundem Miteinander zu tun sondern mit gegenseitiger Erziehung. Ich weiss heute aus eigenem Erleben was Erziehung Menschen schreckliches antut.

Nun kann ich es durchaus nachvollziehen, wenn Jemand mit der überschwänglichen Wucht von mir nichts anzufangen mag. Ich muss sogar lachen wenn ich mir vorstelle, wie das für den Einen- oder Anderen rüberkommen mag und welche vedutzten Augen da der Ein- oder Andere hatte. Dabei wünsche ich mir überhaupt nicht irgendwen von irgendwas zu überzeugen, sondern alles was ich tue ist mich ausdrücken, mir ist dabei sogar gleich ob's nun jemand liest und davon einen Nutzen hat oder nicht - wenn ja, toll, wenn nein, auch gut, mir macht das Schreiben, das ausdrücken, das Spiel mit Worten Freude, andere Menschen, deren Worte, deren Antworten, deren Ideen, deren Weg sich auszudrücken. Je ungezwungener um so angenehmer. Und ich wünsche mir, dass ich ihn vielleicht mit Energie, Lebensfreude und auch diesem totalen Sein etwas anstecken, ihm dadurch etwas schenken kann und vor allem, dass ich sein Lachen und er mein Lachen teilen kann. Austausch eben.

Doch für mich kommt nur noch natürlich fliessender Austausch in Frage, keiner der zwangsweise in Korsett und Kanon gesperrt werden muss.

So wie ich das Leben selbst feiere mag ich die Menschen feiern und ich wünsche mir nicht mehr für jeden einzelnen, dass er genauso ungezwungen und total sein kann - halt mich aber von Orten fern wo das unerwünscht ist.

Ich müsste mich zu einem Menschen verändern der ich heute nicht mehr sein will oder die Anderen fühlen sich von mir genervt, ich will weder das Eine- noch das Andere. Es passt dann einfach nicht und das ist für mich okay.
Also so, als würdest du unheimlich viel hier reinpowern aber auch gleichzeitig gegenhalten irgendwie
Ich power nicht rein - im Sinne von aktivem reinpowern, ich lass beim Schreiben einfach fliessen. Diese Freude dabei, die Du als reinpowern empfindest, kommt von allein, von innen wenn ich ganz aufmache.

Das Gegenhalten - stimmt - hab ich auch gemerkt, das hab ich ja oben schon geschrieben, ich merke ich versuch mich wieder einzusperren, anderen zu Liebe. No Go, lieber nicht.
Mir sehr unangenehm.
Na ja... es tauschen sich hier Mädels und Jungs ja auch aus über einen sehr langen Zeitraum teilweise und nicht nur sporadisch. Und unter Umständen kann das passieren, dass sie sich an einem Entwicklungsschritt befinden, den jemand beim sporadischen Mitlesen, nicht so mitbekommen hat... der dann seinerseits mit seinem Geschriebenem reinpoltert...
Du meinst das jetzt auf mich bezogen mit dem Reinpoltern, gell? :D

Ich muss gerade lachen. Überall wo ich reingepoltert bin und wo ich Gegenwind bekommen habe, völlig offen, das hat mir nichts ausgemacht, nichtmal ein bisschen. Ich fands toll. Wirklich toll.

Das was ich unangenehm fand ist das - was verborgen ist. Subtil. Unter dem Deckmantel der Höflichkeit. Und das war zum größten Teil nichtmal in Threads in denen ich geschrieben hab, da hat mir das Lesen schon gereicht, dass ich gemerkt habe, nee, lass mal, hier passt Du nicht her.

Maria
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 6561
Registriert: 21.10.2007, 01:57

Beitrag von Maria » 23.08.2014, 12:25

Hallo Kaleu,

vielen Dank für deine Antwort.
Du meinst das jetzt auf mich bezogen...
Ich meine alles was ich hier geschrieben auf dich bezogen. Daher schreibe ich dir hier ja direkt in deinem Thread, weil ich dir meine Wahrnehmung (die keinen Anspruch darauf erhebt, dass ich "recht" habe) mitteilen wollte und mich der Bezug zu dich, als Austauschender hier, interessiert.

Und verstehe jetzt ein bisschen besser und kann deine Beiträge etwas anders für mich einordnen.

DANKE hierfür.

Lieben Gruß
Maria

Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1291
Registriert: 08.02.2010, 20:06

Beitrag von Kaleu » 23.08.2014, 12:43

die keinen Anspruch darauf erhebt, dass ich "recht" hab
Warum sagst Du das?

Genau das meine ich. Ist es wirklich so schlimm um das Forum oder vielleicht auch um die Gesellschaft bestellt, dass man sowas sagen muss?

Ich wäre zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass Du diesen Anspruch erhebst und genausowenig hätte ich Dir diesen Anspruch zugestanden.

Und umgekehrt wünsche ich mir, dass andere Menschen mit mir genau das gleiche tun. Mir weder unterstellen ich würde Recht haben wollen, noch mir einen Anspruch auf irgend eine Art Recht haben zu gewähren.

Warum ist sowas - gerade in einer Selbsthilfegruppe - nötig?

Ich stelle die Frage jetzt eher allgemein, vielleicht auch mir selbst, ich hab früher genau sowas geschrieben und das hat viel mit diesem selbst wegsperren zu tun.

Sind die Menschen denn tatsächlich alle so degneriert, dass ein völlig freier, offener und eherlicher Gedankenaustausch, ohne irgendwelche Unterstellungen zu vermuten, zu erwarten oder abzuwehren nicht möglich ist, ja sogar als wünschenswert geschult wird?

Und das Forum ist so, so voll davon, dass Menschen die sich einfach nur mitteilen wollen, abgewürgt werden, ihre Worte unterbunden, ihr Mitteilungsbedürfnis bewertet wird. Statt zu respektieren, dass ein anderer Mensch den Mut hat sich zu öffnen. Statt ihn darin zu bestärken und zu sagen - schreib Junge, schreib, hör nicht auf, lass es raus, was immer Dich bedrückt, mach's, tu's, sei total. Hier bist Du Willkommen, angenommen, Niemand bewertet Dich.

Statt dessen wird bewertet, gelenkt, erzogen, abgewürgt.

Und das nur logisch folgende Schweigen dann wieder kritisiert.

Das ist es was mich gerade in einer Selbsthilfegruppe so erschreckt.

Das sind hier alles Menschen - keine Krankheiten.

Und jedem einzelnen ob Alkoholiker, EKA, Co, trocken oder nass, gebührt vor allem erstmal Dank und Respekt für jedes einzelne Wort, jede Gefühlsregung, jeden Gedanken indem er versucht sich auszudrücken. Sich zu öffnen. Sich mitzuteilen. Mit Anderen zu teilen. Einen Teil von sich selbt zu teilen.
DANKE hierfür.
So gerne. Danke für Deine Gedanken und Dein Interesse.

Maria
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 6561
Registriert: 21.10.2007, 01:57

Beitrag von Maria » 23.08.2014, 13:21

Hallo Kaleu,
Warum sagst Du das?
Weil das u. a. auch mein Empfinden war.
Genau das meine ich.
Und aufgrund deiner Antwort ja nun sehe, dass es nicht ganz richtig wahrgenommen ist. Oder vielleicht habe ich es auch doch richtig wahrgenommen, weil es mitschwingt in deinen Beiträgen. Vielleicht nicht so wie du möchtest, aber dennoch klingt es ja schon mit.

Das meinte ich im Übrigen mit der Frage nach der Botschaft oder der Grund, der dich antreibt.
Ist es wirklich so schlimm ... um die Gesellschaft bestellt, dass man sowas sagen muss?


Mir geht's nicht um die Gesellschaft bzw. ist mir das zu groß.

Hier geht's mir nur lediglich um dich und wie ich dich und dein Geschriebenes zu einigen Themen wahrgenommen habe.

Lieben Gruß
Maria

Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1291
Registriert: 08.02.2010, 20:06

Beitrag von Kaleu » 23.08.2014, 13:37

Das meinte ich im Übrigen mit der Frage nach der Botschaft oder der Grund, der dich antreibt.
Ah, okay, jetzt weiss ich was Du meinst. Oh, jetzt schulde ich Dir aber richtig Dank, denn Du hast da was in mir angestossen und wenn ich in mich reinfühle, ja, da ist was, weisst was?

Ich hab Lust rauszuschreien:

Verdammte Sch**** - habt doch den Mut unschuldig zu sein!

Ja, da ist schon 'n Antrieb.

Danke für's drauf schubsen :)

Antworten