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Lebensschicksal "Sucht-Gen"

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

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dmg
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Lebensschicksal "Sucht-Gen"

Beitrag von dmg » 06.01.2015, 14:15

Guten Tag liebe Mitgeplagten,

ich hab mir am 18. Mai 2012 das letzt mal die Kante gegeben und bin seit dem "trocken". Mit Worten wie "trocken" hab ich zwar nach wie vor meine Schwierigkeiten, aber ich bin - daran hab ich keinen Zweifel - Alkoholiker.

Ich hab etwa mit 14 angefangen, regelmäßig Alkohol zu trinken. Etwa mit 17 oder 18 wurde es dann täglich. In der Zeit zwischen 14 und 19 hab ich auch recht viel gekifft und an den Wochenenden LSD genommen. Während der Drogenzeit lief der Alk nur so nebenher und hatte keine große Bedeutung. Als ich die Drogen dann weggelassen hatte, wurde der Alkohol wichtiger. Ich hab ausschließlich Bier getrunken. Mein Pensum lag bei etwa 7 - 10 Bier am Tag. Wenn es an einem Tag tatsächlich nur 4 Bier waren, waren es "automatisch" am nächsten Abend 10.

Ich hab immer wieder versucht, weniger zu trinken oder mal "eine Woche Pause" zu machen. Das verschlimmerte mein Verlangen aber eher, und es wurde mir - ich schätze ab 32 - klar, dass es für mich nur den Totalverzicht geben kann. Da ich durch das viele Bier gesundheitliche Probleme bekommen habe (Gicht), und mir das Verstecken meiner Sauferei vor meinen drei größer werdenden Kindern immer mieser erschien, wagte ich endlich den für mich ganz großen Schritt. Ich erzählte meinem Bruder, meinen Eltern und meiner Ehefrau, dass ich mich für einen Alkoholiker halte und dass es für mich einen Totalverzicht geben muss und ich eine Art Therapie machen werde. Meine Frau und meine Eltern meinten und meinen noch, dass ich etwas übertreibe und nehmen das ganze nicht so ernst. Grundsätzlich unterstützen sie mich aber natürlich. Mein Bruder ist der einzige, mit dem ich mich zu diesem Thema vernünftig unterhalten kann, ohne verharmlosende Sätze zu hören.

Meine "Therapie" mag hier so manchem, der eine harte Entgiftung durchgemacht hat, geradezu lachhaft erscheinen. Trotzdem war es für mich das richtige Mittel und auch ganz entscheidend für meinen Erfolg. Ich bin zu einer örtlichen Drogenberatung und hab mich dort offenbart. Mit dem Berater verabredete ich mich zunächst im Vier-Wochen-Rhythmus zu weiteren Gesprächen. Später vergrößerten wir den Abstand. Seit geraumer Zeit machen wir keine Termine mehr aus.
Mit etwas Abstand betrachtet, waren diese Termine für mich vor allem Zielmarken auf einem Zeitstrahl der Abstinenz. Diese Zielmarken waren für mich ungeheuer wichtig und ich wollte mir vor mir selbst und vor dem Berater auf keinen Fall die Blöße geben, hier zu versagen. So hab ich die Zeit des größten Saufdrucks relativ gut überwunden und fühle mich nun auch als "geheilt".

Ein mindestens ebenso wichtiger Schritt war die massive Änderung meiner Gewohnheiten. Die offizielle Bezeichnung meiner Sucht mag "Alkoholiker" sein. Anfühlen tut es sich jedoch wie eine Sucht nach Bier. Daher halte ich auch alkoholfreies Bier - völlig egal, ob nun "-arm" oder "-frei" - für MICH für genauso gefährlich, wie normales Bier. So etwas kommt mir nicht mehr ins Glas! Soziale Gewohnheiten, die mit Alkohol in Verbindung standen, habe ich aufgegeben.

Da das Hirn von Dominik immer nach etwas Schlechtem verlangt, hatte ich mit dem Beenden des Alkohols plötzlich einen unwahrscheinlichen Drang nach Zucker. Jeden Tag musste plötzlich Schockolade und Cola her.... Am Anfang dachte ich mir noch, "Wenns hilft ists doch recht..." aber dann wurde mir die Ursache des ganzen Quatsches klar:

ICH HAB DIESES VERDAMMTE VERMALEDEITE VERFLIXTE SUCHT-GEN

Ich war süchtig nach Zigaretten, süchtig nach Kiffen, süchtig nach LSD, süchtig nach Alkohol, mehrfach süchtig nach Zucker, süchtig nach Laufen und vermutlich auch süchtig nach Aufmerksamkeit. Und es wird wohl noch viel kommen...

Meine EINE Aufgabe für die Zukunft ist es also, trocken zu bleiben. Die ZWEITE und möglicherweise schwierigere: Aufpassen wann eine Gewohnheit wieder zur Sucht wird. Wann aus Wunsch Drang wird. Wann aus Bewusst Unbewusst wird. Denn ganz gleich ob Alkohol oder sonst etwas, ich will Herr über mein Hirn und Herr über mein Leben sein! Ich will mich nicht mehr hingeben!

Ich wünsche Euch allen viel Erfolg. Viele Grüße,
Dominik

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