Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Vertrauen und Mut / Thalia

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

Moderator: Moderatoren

Antworten
Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3692
Registriert: 27.06.2014, 10:50

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Thalia1913 » 05.08.2018, 11:51

Vor gut vier Jahren kam ich hier ins Forum. Da hatte ich bereits die ersten sechs oder sieben trockenen Monate hinter mir, aber erst in der Auseinandersetzung mit meiner Suchterkrankung kam ich wirklich zu der Erkenntnis, Alkoholikerin zu sein. Wie mir Katharsis hier mal sinngemäß schrieb, war ich in der Hinsicht eine „Harte Nuss“: durch das Lesen, was andere Alkoholiker schrieben, konnte ich ganz langsam meine eigene Sucht als körperliche und seelische Erkrankung erfassen und im (hier) darüber Schreiben den Kontakt - die Verbindung - zu mir und zu anderen entstehen lassen. Diese Verbindung, das Gefühl der Verbundenheit, ist der zentrale Pfeiler meines trockenen, zufriedenen (ich nenne es auch gern „glücklichen“) Lebens.

Diese Möglichkeit, in Verbindung zu anderen - und zu mir selbst - zu treten, hat das Forum mir geboten, und das Forum ist die Summe all der Menschen, die sich hier ebenfalls der Möglichkeit geöffnet haben, in Verbindung zu treten. In welcher individuellen Forum auch immer. Vielen Dank dafür.

Jede / jeder, der heute hier liest und der Einsamkeit der Sucht entfliehen möchte, kann diesen Schritt gehen und in Verbindung treten.

Für mich schließt der Austausch über Alkoholismus / (Co-)Abhängigkeit immer alles mit ein, was mich/den jeweiligen Menschen ausmacht. Das kann ich nicht trennen.

Ich schrieb neulich Karsten in seinem gelöschten Thread etwas von „loslassen“. Mir geht es öfter so, dass ich bei anderen etwas erkenne, das ich, wenn ich nur bei mir bleibe, genauso gut auf mich selbst beziehen kann oder sollte. Karsten riet mir, mich um mich zu kümmern, damit hätte ich genug zu tun, und wenn ich seine Worte einfach so nehme, wie sie da standen, dann kann ich nur dafür danken.

Es geht nicht ums Forum, es geht um die Verbindung zwischen Menschen. Das Gefühl der Verbundenheit, das überall entstehen kann, wo der Wunsch danach besteht. Dazu gehört auch, loslassen zu können. Es ist Zeit für mich, weiter loszulassen.

Gruß,
Thalia

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32961
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Karsten » 05.08.2018, 12:52

Hallo Thalia,

was möchtest du denn noch loslassen?

Gruß
Karsten

viola
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 15772
Registriert: 04.01.2010, 11:16

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von viola » 05.08.2018, 20:58

Liebe Thalia,

das ist so schade. Ich habe mir schon gedacht, dass du an diesem Punkt kommst, und wenn ich du wäre, würde es mir nicht anders gehen.
Vielen Dank für deine hier-sein und für dein auch-für-mich-da-sein. Ich habe den Austausch mit dir immer geschätzt. Konnte viel nachdenken und mich an der einen oder anderen zum Stelle weiter überprüfen und von dir was mitnehmen. Dafür danke. Auch für das Reha-Ding, du weißt schon.

Verbindungen zwischen Menschen sind wichtig, hier haben wir auch welche geknüpft.

Dir eine gute Zeit, pass auf dich auf und lass es dir immer gut gehen, LG Viola

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32961
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Karsten » 05.08.2018, 22:26

Guten Abend Thalia,

das Wort loslassen ist ja so eine Ausdrucksweise, wo man ja eigentlich keine Agumente dagegen hat.
Kann es sein, dass du dieses Wort jetzt nur benutzt?

Für mich ist der Zusammenhang zwischen unserem Disput und dem jetzt plötzlichen loslassen nicht zu übersehen.

Warum sagst du nicht einfach, dass dir meine Worte nicht gefallen haben und du deswegen gehst?

Ich fände es aufrichtiger, wenn es denn so ist.

Gruß
Karsten

Penta
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2457
Registriert: 19.06.2010, 19:51

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Penta » 06.08.2018, 05:47

Hallo Thalia,

ich freue mich für dich.
Das Loslassen hat auch für mich ausschließlich mit mir zu tun. Es kann entlasten und gleichzeitig Freiräume schaffen und klärt für mich Verantwortlichkeiten.
Es hat für mich nichts damit zu tun, gleichgültig zu werden oder gar Abschiede zu inszenieren.
Loslassen ist für mich nicht gleichbedeutend mit Fallen-lassen oder Ver-lassen. Denn wohin es geht, bleibt beim Loslassen unbedeutend.
Ich freue mich deshalb für dich, weil ich dich begleiten darf, seit du hier bist und damit deine Entwicklung erlebe. Ich hoffe, das bleibt noch sehr lange so.
Ich denke, dass echte und konstruktive Verbindungen zwischen Menschen nur gelingen, wenn die Beteiligten das Loslassen beherrschen, denn es bleibt nicht aus, dass sich Menschen hin und wieder zu nahe kommen.
Über die Jahre habe ich auch im Kontakt zu dir erfahren, wie Loslassen funktioniert, ohne zu kränken oder Kränkungen zu erfahren. Auch ich vertraue dir. Ich denke, Vertrauen ist eine, wenn nicht sogar die wichtigste Grundlage für das Loslassen.

Auch ich danke dir für dein Hier-Sein,
Penta

Correns
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2644
Registriert: 09.01.2010, 18:52
Geschlecht: Männlich

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Correns » 06.08.2018, 07:02

Guten Morgen Thalia,

Loslassen ist oftmals schwierig. Jedenfalls für mich.
Manche Dinge kann ich recht einfach loslassen, an anderen scheine ich regelrecht zu klammern.
Vermutlich ist es vor allem dann schwer, wenn ich zu einer Sache eine hohe emotionelle Bindung eingegangen bin.
Dadurch wird es schwer und die Gefahr steigt, den richtigen Zeitpunkt loszulassen zu verpassen.
Ich hoffe sehr, dass Du einen für Dich passenden Weg findest.
Du hättest es verdient!

Viele Grüße
Correns

Hartmut
Moderator
Moderator
Beiträge: 15129
Registriert: 13.02.2007, 22:21

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Hartmut » 06.08.2018, 09:23

Hallo Thalia,

ich bedanke mich für unseren Austausch und kann sehr gut nach vollziehen das „weiter loslassen“ ein wichtiger Schritt für den Einen oder Anderen ist. Schön, dass du Trocken werden konntest und vieles auch hier weitergegeben hast. Ich lasse ein Leben lang von Sachen, Menschen, Ansichten und Gedanken ganz oder teilweise los.Genauso wie ich wieder an etwas festhalte was ich schon mal losgelassen hatte. Es ist was Eigenes.

Nun hat unsere Krankheit auch was von Loslösen von Alkohol zu tun aber es gibt kein Loslassen von der Sucht. Behalte deinen Weg so bei das du immer das Eine von dem Anderen unterscheiden kannst.

Gruß Hartmut

Pellebär
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1902
Registriert: 21.11.2012, 17:00

Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Pellebär » 06.08.2018, 16:01

Moin liebe​ Thalia,

danke für deine Geduld mit dem Forum. Du hast nachgefragt, Mut gemacht, hast dich nicht beirren lassen, hast das Forum lebendig gemacht und bist dabei deinen Weg gegangen​.

Meine Geduld erschöpft​ sich auch gerade. Das macht mich traurig.

Ich wünsche mir sehr, dass wir uns nicht ganz verlieren.

Sei lieb gegrüßt​ PB

Antworten