Ein neues trockenes Leben aufbauen - ein harter Weg

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
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FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 25.03.2017, 14:18

Hallo Ihr lieben Leute,

zur Zeit hänge ich etwas in den Seilen. Erst mal graut mir vor der Zeitumstellung, denn für mich mit meinen Zwängen und Phobien ist alles, was den gewohnten Lauf unterbricht eine Qual. Bis eine Psychotherapie greift, das kann dauern, wenn sie denn überhaupt erfolgreich ist. Zudem ist es in meiner Heimatstadt sehr schwer, einen Therapieplatz zu finden. Ich hatte eine Therapie, die ich beenden musste, denn ich kam mit der Dame nicht klar. Wenn das Vertrauen und du Sympathie nicht passen, öffnet man sich nicht, dann ist die ganze Sache für den Allerwertesten.

Zudem spinnt der Rest meiner Bauchspeicheldrüse derzeit extrem, die Liste der Lebensmittel, die ich vertrage, wird immer dünner. Und zum Teil teurer, weil ich nur noch das kaufen kann, was auch problemlos vertragen wird.

Nervös bin ich, unruhig, ich weiß nicht wieso. Allerdings habe ich in den letzten drei Nächten auch extrem mies geschlafen, war zwei Mal unterzuckert.

Ich stelle fest, dass das Schmerzmittel, welches speziell gegen die Schmerzen im Oberbauch und den Narben eingesetzt wird, so eine Art Morphin, heute nicht mehr dämpft. Der Schmerz direkt unter dem Brustbein, der von der Bauchspeicheldrüse verursacht wird und bis in die Flanken zieht, fängt an unerträglich zu werden. Dazu passen erhebliche Verdauungsprobleme. So langsam kann ich in diesem Bereich meine Diagnosen selbst stellen. Ich überlege die ganze Zeit, ob und wann es notwendig werden könnte, zur Klinik zu fahren, vorsichtshalber? Ich kann nur abwarten und hoffen. Gestern hatte ich abends Tomate gegessen, das habe ich absolut nicht vertragen, sehr wahrscheinlich wegen der Schale.

Schauen wir mal. Vielleicht bin ich deshalb nervös, weil da was im Gange ist. Drückt mir die Daumen.

Ein schönes Wochenende trotzdem!

Aurora
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Beitrag von Aurora » 25.03.2017, 16:28

Hallo Freddy,

ich drück dir die Daumen, dass sich alles auf ein erträgliches Maß wieder einpendelt.

Liebe Grüße
Aurora

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 25.03.2017, 19:50

Hallo Freddy,

wie geht es dir inzwischen?

Ich wünsche dir auch einen guten Sonntag.

Danke für deinen Eintrag bei mir. Darüber habe ich mich gefreut.

Viele Grüße und alles Gute!

Thalia

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 25.03.2017, 22:21

Hallo Aurora, hallo Thalia,

es geht. Ich bin wie jeden Tag immer mal wieder tierisch müde. Kann natürlich von den ganzen Medis kommen. Das ist übrigens eine Sache, die mir auch gewaltig stinkt. Auf der einen Seite bin ich so unendlich froh, frei von Alk und seinen Folgen zu sein nicht mehr ständig überlegen zu müssen, in der Mist noch reicht, wo ich ihn kaufe, damit es nicht so auffällt, ob das Geld reicht, wo ich die Flasche verstecke und so fort. Auf der anderen Seite muss ich nun auch ständig prüfen, ob die Medis reichen, ob das Insulin reicht, die Nadeln, die Teststreifen. Bedenken, wann mein Hausarzt wieder mal seine Praxis komplett geschlossen hat. Aber es ist nicht zu ändern, ohne die Medikamente geht es leider nicht mehr. Ich kann sogar noch dankbar sein, dass die Leber noch einigermaßen alles verstoffwechselt, das kann irgendwann vorbei sein. Als ich vor einiger Zeit Chemo hatte, da bekam die Leber noch mal richtig was ab, war von den Werten her entzündet.

Dafür hat sich die Bauchspeicheldrüse wieder beruhigt, habe allerdings heute auch komplett auf Fett verzichtet.

Es ist wie so oft, alles hat zwei Seiten, eine gute, eine schlechte. Das war immer so, nur ich habe mich den schlechten Seiten niemals gestellt. Konnte ich nicht. Deswegen habe ich getrunken, zwar auch in Gesellschaft, aber am liebsten alleine, weil ich mich dann ohne Interaktion in die Wunschstimmung versetzen konnte.

Ich muss sagen, dass ich sehr dankbar bin, dass meine Sozialarbeiterin mir teilweise mehr als es mit ihrem Arbeitgeber vereinbart wurde zur Seite steht. Auch mal so, zum Reden. Ich kommuniziere zwar auch mit meinen drei besten Freunden, aber zwei leben nicht hier, und wir können nicht dauernd skypen. Die müssen nebenbei auch noch arbeiten und haben Kinder. :)

Deswegen ist es gut, mit der Sozialarbeitern zusammen zu reden oder auch hier zu schreiben. Für eine reale SHG behindert mich das Problem mit der Sozialphobie.

Meine Eltern wohnen im gleichen Haus, aber das Verhältnis ist schlecht wie sonstwas. Normalerweise haben wir nichts zu bereden. Die waren in drei Jahren einmal kurz bei mir drinnen, ich war einmal 10 Minuten bei ihnen. Was sollten wir auch bereden? Ich kann und will nicht all die Schläge, Misshandlungen Demütigungen, Lügen und Zustände, die sie mir jnd meinen Geschwistern angetan haben, jemals vergessen. Denn sie sehen sich als absolut unschuldig an, lassen uns alle spüren, dass sie keine Kinder wollten. Wie haben Enkelkinder, die wollten niemals bei Oma und Opa übernachten. Das sagt alles.

Wie dem auch sei, ich freue mich, dass jetzt mittlerweile die Schmerzen im Oberbauch weg sind und ich langsam gut drauf bin. Ich werde jetzt mal schön die Musik aufdrehen, ich denke, entweder Ozzy oder Led Zeppelin.

Bis demnächst sagt der Freddy

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 26.03.2017, 12:01

Moin allerseits! So, Zeitumstellung auch bei mir vollzogen, wieder mal Probleme mit der Küchenuhr, eine Funkuhr. Die sollte sich ja eigentlich von selbst umstellen. Hat sie natürlich wieder mal nicht

Obwohl wieder eine miese Nacht mit Schlafapnoe, Unterzuckerung usw bin ich zwar müde, aber ungewöhnlich gut Frau. Es ist auch strahlender Sonnenschein. Ich habe beschlossen, meinen besten Freund zu fragen, ob er mich in eine Gemeinde im Umland fährt, dort tritt meine Tochter mit ihrer Theatertruppe auf. Meine Exfrau kommt auch, sie wohnt allerdings auch dort in der Nähe. Das Theaterstück hat meine Tochter geschrieben, etwas modernes, Thema wieder schwere Kost, Mobbing, Suizid, Aufarbeitung Ihrer Erlebnisse (der Trennung).

Meine Tochter, das muss ich dazu sagen, hat kaum mitbekommen, WIE ich getrunken habe. Die Flaschen waren für sie nicht sichtbar. Allerdings war sie 10/11, als wir uns trennten und es gab vorher, wenn wir dachten, sie schläft, Rabatz und Schreierei, wegen der Trinkerei. Wobei meine Frau natürlich Co war, ihr ging es dann beim Streit nicht mal um das Trinken an sich, sondern um das Geld, was dafür drauf geht inklusive der "Ideen",die ich unter Alk hatte, zum Beispiel Unmengen richtig teurer Delikatessen kaufen, von denen die Hälfte im Müll landete.

Leider hat unsere Tochter nach der Trennung, als ich mich eine zeitlang aufgegeben hatte, dann die Trinkerei mitbekommen. Sie hat mich in übelsten Situationen vorgefunden, bewusstlos im Erbrochenen liegend am Boden. Sie kam mich einmal in der Entgiftung besuchen, da hatte sie niemand gewarnt, dass ich ein komplettes Delirium Tremens hatte.

Das ist alles eine Sache, die ich mir niemals verzeihen kann. Unsere Tochter ist seit Jahren wegen all dem in Therapie.

Als ich noch getrunken habe, sah ich mich im Recht, erwartete, dass mich alle verstehen, Rücksicht nehmen. Ich hatte nicht im Geringsten auch nur eine Minute an mein Umfeld gedacht, außer, wie ich Diskussionen über meinen nächsten Schluck vermeide.

Es belastet mich nach wie vor sehr, was ich meinem Kind angetan habe. Dabei hatte ich mir auf Grund meiner eigenen beschissenen Kindheit geschworen, dass es mein Kind besser haben soll.

Sie freut sich, dass ich heute komme, mein Kumpel fährt mich, obwohl er etwas mit seiner Familie vorhatte. Er war der einzige, der mich während der ganzen Zeit stets begleitet hat, er hat sich viel gefallen lassen, vor allem, weil ich nass unfair war und absolut unzuverlässig, da ich meine Meinung alle fünf Minuten geändert habe.

Ich kann den Angehörigen von Alkoholikerin nur raten, solange der Betroffene nass ist, sich selbst zu schützen und Distanz aufzubauen. Wenn man aber erkennt, dass der Betroffene wirklich einsichtig ist und Hilfe sucht, dann ist ein stabiles soziales Umfeld wichtig. Ohne das schafft man es nicht. Und wenn es nur ein oder zwei Leute sind.

Bei mir hat mein besagter Kumpel geholfen, mein Vater, was ich ihm trotz den Misshandlungen usw. früher hoch anrechne, vor allem, weil er das erste mal wirklich vernünftig geblieben ist, und eben meine Tochter und meine Exfrau mit letzterer habe ich heute ein gutes freundschaftliches Verhältnis. Aber zusammen leben, das können wir nicht. Das funktioniert nicht.

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 26.03.2017, 12:40

Moin Freddy,

vielen Dank, dass du das alles hier so schonungslos aufschreibst. Ich kann davon viel für mich "mitnehmen", so unterschiedlich unsere Situationen auch sind. Die Sucht und die daraus entstehenden Gefühle sind ja doch ähnlich.

Wenn du heute das Theaterstück deine Tochter ansiehst, bedeutet ihr das bestimmt viel. Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern. Ich hab auch immer noch mit Schuldgefühlen und Scham zu tun, obwohl ich ja weiß, dass viel von dem, wie ich mich verhalten habe, durch meine Suchterkrankung so war, und ich deshalb nicht "schuldig" bin, sondern krank. Aber dennoch war vieles schlimm und hat anderen Menschen Leid zugefügt. Und das darf mir auch sehr leid tun.

Ich finde das ganz und gar nicht leicht, für mich zu klären, wofür ich mich verantwortlich halte und wofür ich aufgrund der Suchterkrankung gar nicht verantwortlich sein kann. Daran arbeite ich auch nach wie vor.

Klar ist mir nur, dass ich die Krankheit gestoppt habe und daher für mein Handeln heute die Verantwortung trage und auch tragen kann. Auch meinen Mitmenschen, meinem Kind gegenüber. Was ich heute tue, zählt. Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern.

Einen schönen Tag dir heute!

Thalia

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 27.03.2017, 15:27

Hallo Thalia, hallo alle zusammen!

Das Theaterstück war sehr gut, aber schwere Kost, meine Tochter hat entgegen meiner Annahme nicht mitgespielt, sondern das Stück geschrieben und leitet die Gruppe von Schülern. Ich bin sehr stolz und auch froh, dass sie, was Phobien und Ängste sowie mangelndes Selbstwertgefühl angeht, nichts von mir hat, sondern mehr nach meiner Frau kommt. Sie ist gerne unter Menschen, kommt überall gut klar, redet mit dem Bürgermeister, irgendwelchen Journalisten, beim Regional-TV usw., das mir schwindelig wird. Fast bin ich neidisch geworden. Also trotz allem war die Erziehung doch in dem Punkt ganz gut. Allerdings am Thema des Stücks kann ich erahnen, wie sehr sie damals die Streitereien, bei denen sie nie wusste, worum es geht, und die plötzliche Trennung schwer getroffen.

Es war für mich das erste mal seit über drei Jahren, dass ich bei so einer Veranstaltung war, normalerweise bin ich nur daheim, bei Ärzten, im Krankenhaus oder im Supermarkt. Es war in gewisser Weise Stress, die Sozialphobie...., das Stigma Alkoholismus, auch wenn es ja dort keiner wusste, dann die lange Zeit der Isolation, denn auch die Jahre davor, als ich getrunken habe, war ich meistens daheim. Dann dass ich mit Rollator gehen muss, das extreme Übergewicht. Um das alles zu umschiffen suche ich nach einer psychologischen Ergotherapie. Ich hatte eine, aber die Dame erging sich in auswendig gelernten Plattitüden, das brachte mir nichts.

Heute ist dafür ein Tag, den ich unter der Kategorie "abgehakt" vergesse. Es ist nach einer kalten Nacht schlagartig so warm, ich hasse diese Extreme. Es hat derzeit 20 Grad, mein Kreislauf ist platt wie Blattgold und ich bin seit der Umstellung gestern noch müder als sonst. Ich fühle, dass eine depressive Episode im Anmarsch ist. Das bedeutet, unter Umständen kann ich ein paar Tage gar nicht raus, mache nichts, aber seit der Umstellung 2015 auf ein Antidepressivum, das ich ganz gut vertrage, geht es, die Episoden dauern nicht lange. Früher waren mal locker 2 Monate komplett verloren.

Allerdings fällt mir in diesen Phasen etwas auf: wenn ich so platt und depressiv bin habe ich auch kein TV oder Musik angestellt. Dann fällt mir ein Luxus auf, den ich mir immer gewünscht hätte, der mir einfach nicht gegönnt war: absolute Ruhe. Obwohl ich ziemlich zentral lebe, ist hier in den Nebenstraßen wenig Autoverkehr. Das Haus ist Altbau, wirklich dicke Wände und gute neue Fenster. Ich habe weder daheim bei den Eltern, noch in der Studenten-WG und schon gar nicht mit Frau und Kind Ruhe gehabt. Auch auf der Arbeit war immer Stress, Lärm, Hektik und da wir in der City arbeiteten, war auch von draußen immer Lärm.

Das ist etwas, was ich genieße: diese herrliche Ruhe. Ich habe extremen Nachholbedarf, was das angeht.

Bis demnächst, LG vom Freddy

FatFreddy
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Beitrag von FatFreddy » 30.03.2017, 10:56

Grüß Gott, alle zusammen,

gleich steht mal wieder ein Arztbesuch an. Nächste Woche wird dann hammerhart, da wir im Krankenhaus was rausgeschnitten. Näher kann ich mich im offenen Bereich dazu nicht auslassen, für den geschlossenen fehlt mir mit der EU Rente schlicht die Kohle.

Ansonsten alles im grünen Bereich, bis auf Heuschnupfen, der sich rasant einstellte, denn in den letzten Tagen kam es zu einer regelrechten Explosion der Flora. Übrigens 4 Wochen früher als noch in den 80ern. Mein Vater hat, sozusagen als einziges Hobby, das Wetter bei uns seit 1968 archiviert. Ich habe die Aufzeichnungen gestern mal ausgiebig durchgeschaut.

So, ab zum Arzt, jetzt muss ich mich sputen.

Euer Freddy

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