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Warum muss ich Stärke zeigen?

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

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Sunshine_33
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Sunshine_33 » 31.10.2018, 09:56

Und um genau diesen Heilungsprozess zu unterstützen ist der Kranke in der Pflicht, mal für seine Angehörigen stark zu sein.
Nein, ist er nicht.
Jeder Mensch ist für sich allein verantwortlich.
Was soll dieses Hin-und Herschieben von Verantwortlichkeiten?
Auch ein Angehöriger hat die Möglichkeit, sich entsprechende Hilfen zu suchen, und die gibt es auch!
Es nervt mich echt extrem, das hier alles dem Alkoholiker in die Schuhe geschoben wird, auch die Verantwortung für andere Menschen.
Die Nummer "hilfloser armer Co" und "böser Alkoholiker" zieht bei mir überhaupt nicht !

Sunshine

Pellebär
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Pellebär » 31.10.2018, 10:55

Moin,

ich komme mal wieder auf das Kernthema zurück​.

Stärke​ zeigen muss ich gar nicht. Wenn ich mich stark fühle​, darf ich das kommunizieren. Ich kann nur meine Gefühle​ fühlen, meine Gedanken​ denken, meine Haltung leben und versuchen, so meinen Weg (mit)zuteilen. Wenn ich hier lüge, belüge ich mich selbst. Ob Andere mir glauben oder nicht, ist sekundär, wichtig ist, ich glaube an mich und an meinen Weg, sonst wäre​ er für​ mich nicht gangbar.

Wenn ich hier lese und schreibe, zeige ich, dass ein Leben ohne Alkohol​ lebenswert ist, lerne, dass andere Wege möglich sind, halte inne, um meinen Weg zu prüfen, um ihn eventuell zu korrigieren, aber nicht, um anderen zu gefallen.

LG PB

Cadda
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Cadda » 31.10.2018, 12:37

Hallo zusammen,

ich habe wohl auch vielen Angehörigen Leid zugefügt durch meine Krankheit. Unter Anderem dem Vater meiner beiden Kinder. Er ist noch nie auf die Idee gekommen, dass ich ihm nun im Nachhinein etwas schuldig bin. Er freut sich einfach bedingungslos, dass ich diese Krankheit nun im Griff habe und trocken bin. Er übergibt mir auch nach jedem seiner Wochenenden die Kinder, ohne das ich Pusten muss, ob ich auch wirklich keinen Alkohol getrunken habe. Er würde mir nun auch eine neue Liebe gönnen, selbst wenn dieser Jemand älter als ich- und ebenfalls trockener Alkoholiker ist. Er würde vielleicht sogar für positive Seite daran sehen: Zwei Menschen, die beide von der Krankheit betroffen sind, müssen nicht gemeinsam saufen, sie können auch durch Zusammenhalt und gemeinsame Erfahrungen zusammen trocken bleiben.

Worauf ich hinaus will, Yvonne: Deine Wut ist eigentlich weniger der KRANKHEIT Alkoholismus geschuldet, sondern der Trennung...

Ich verstehe es sogar. Aber mit solchen Sätzen über die neue Partnerin Deines Mannes, „alte Oma, alte Säuferin“ usw. kannst Du hier nun einmal keinen Blumenpott gewinnen.

Oder was meinst Du, wie viele um die 50 jährige, trockene Alkoholikerinnen sich hier tummeln, die in der neuen Partnerin Deines Mannes eben nicht nur die „alte Säuferin“ sehen, sondern eine Frau, die sich ihrer Krankheit angenommen hat und trocken sein/bleiben möchte?
Es gibt eben immer zwei Seiten.

Was das Thema angeht, Stärken/ Schwächen zeigen:
Also ich denke, dass viele hier eher stark rüberkommen, liegt einfach an Folgendem: Hier schreiben die Alloholiker, die nicht mehr trinken. Das ist nun mal das A und O der Krankheit. Dass man sich dann vor allen Dingen grundsätzlich stark fühlt, liegt einfach daran, dass Priorität Nummer 1 im Leben gelingt, nämlich: Nicht trinken.

Karsten
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Karsten » 31.10.2018, 12:48

Hallo,

die Schuldfrage hatten wir hier ja auch schon mal und ich sehe es so, dass man nicht völlig schuldig, aber auch nicht völlig schuldfrei ist.
Die Aufklärung in unserer Gesellschaft ist ausreichend und jeder weiß, wenn er ein Glas trinkt, dass er abhängig werden kann.
Auch bei einem Rückfall hätte man vorher gegensteuern können, vorausgesetzt man ist überhaupt erstmal trocken und nicht nur eine Zeit alkoholfrei.

@Cadda

Ich sehe da einen großen Unterschied, ob jemand aus seinem Leben wieder etwas gemacht hat oder nur nicht trinkt.

Seit dem ich die letzten Jahre wieder mehr soziale Kontakte habe, höre ich halt auch, dass es für andere Menschen nicht reicht, nur keinen Alkohol mehr zu trinken.
Es ist für sie keine besondere Leistung, sich nicht jeden Tag zu besaufen, weil sie die Krankheit nicht verstehen oder auch nicht als solche verstehen wollen.

Daher finde ich schon, dass ein bisschen Demut, gerade in der ersten Zeit angebracht wäre und sich nicht als etwas Besonderes zu geben, nur weil man nun nicht mehr jeden Tag besoffen ist.

Ja, hier schreiben nur trockene Alkoholiker/innen und Angehörige.
Das heist aber nicht, dass jeder sein Leben völlig im Griff hat.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Sunshine_33 » 31.10.2018, 12:56

die Schuldfrage hatten wir hier ja auch schon mal und ich sehe es so, dass man nicht völlig schuldig, aber auch nicht völlig schuldfrei ist.
Ich halte den Begriff "Schuld, schuldig" etc. grundsätzlich für verfehlt bei Krankheiten.
Und ich selbst fühle mich auch nicht schuldig, und schon gar nicht werde ich aufgrund meiner Krankheit in meinem weiteren Leben
nun in Sack und Asche gehen, wie das einige wohl gerne sehen würden bei Alkoholikern.
Kommt für mich überhaupt nicht in Frage.

LG Sunshine

Cadda
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Cadda » 31.10.2018, 13:11

Hallo Karsten,

da gebe ich Dir Recht, es kommt darauf an, wie ich mein Leben gestalte. Und natürlich hat man als trockener Alkoholiker wie jeder Andere auch, gute und schlechte Tage, Stimmungen und Zeiten.
Jeder hat natürlich auch Stärken und Schwächen.

Aber ich versuche mir zu erklären, weshalb hier weniger Schwäche gezeigt wird. So hattest Du es doch gefragt mit diesem Thema. Da denke ich einfach, dass natürlich viele mal schwach sind und vielleicht auch Suchtdruck im Spiel ist. Aber wenn das überwunden ist und ich das wieder hinter mir gelassen habe, kommt doch automatisch die Stärke zurück. Ich kann ja jetzt nur von mir ausgehen. Aber ich hab kn letzter Zeit mal gute und mal schlechte Tage gehabt. Mal war ich glücklich und mal antriebslos und traurig. Aber das hat sich immer wieder gegeben und hatte meiner Meinung nach nichts mit dem Thema Alkohol zu tun. Deshalb würde ich zum jetzigen Zeitpunkt in mein Tagebuch ebenfalls schreiben, dass alles in Ordnung ist und es mir gut geht.

Karsten
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Karsten » 31.10.2018, 13:16

Hallo Cadda,

darum geht es mir ja gerade.
Wenn es einen nicht so gut geht, dass auch kundzutun.
Wie gesagt, im geschützten Bereich liest man das ja auch öfter, aber hier im offenen Bereich eher selten.

Gruß
Karsten

Cadda
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Re: Warum muss ich Stärke zeigen?

Beitrag von Cadda » 31.10.2018, 13:24

Ich denke, das wird manchmal einfach nicht erwähnt, weil es oftmals nicht mit dem Thema Alkohol zu tun hat.

Beispiel:

Wenn ich heute mit Suchtdruck zu kämpfen hätte, dann würde ich das im Tagebuch erwähnen. Vielleicht nach Rst fragen, wie Andere damit umgehen.

Wenn ich aber auf dem Sofa liegen würde- und Liebeskummer hätte, würde ich das vielleicht nicht erwähnen und trotzdem schreiben, dass soweit alles ok ist (weil es mir viel wichtiger ist, dass ich vom Alkohol weg bin, als dieser blöde Liebeskummer).

Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine :-D

Aber wenn ich so darüber nachdenke: Solche Themen wären zwar nicht dem Alkoholismus geschuldet, würden aber die Tagebücher beleben.

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