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Trocken in Corona Zeiten

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
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Karsten
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Karsten » 03.05.2020, 19:06

Hallo Andreas,

in dieser Zeit sind die Möglichkeiten ja begrenzt und gerade wenn man von zu Hause aus arbeitet, verbringt man noch mehr Zeit alleine. Da kann das Grübeln schon aufkommen, gerade auch, wenn du immer zu Hause getrunken hast.
Vielleicht zwischendurch spazieren gehen, telefonieren, dich hier austauschen und ablenken.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Carl Friedrich » 03.05.2020, 19:45

Andreas71 hat geschrieben:
03.05.2020, 15:38
Es muss einem aber immer bewusst sein, dass der Alkohol ständig in einem Versteck lauert und nur darauf wartet wieder zuzuschlagen.
Hallo!

Der Alkohol lauert nirgends. Der Alkohol ist völlig inaktiv. Damit er uns gefährlich wird, müssen wir aktiv auf ihn zugehen und ihn konsumieren. Dein Vergleich ist daher ungenau.

Was Du meinst, ist das sog. Suchtgedächtnis, das einem vorgaukeln möchte, wie schön es doch wäre, etwas zu trinken. Bei mir hat es sich gemeldet, als ich in Situationen kam, in denen ich früher getrunken habe.

Im Hirn gibt es bei frisch Abstinenten noch die Verknüpfung zwischen einer bestimmten räumlichen, sachlichen oder persönlichen Situation auf der einen Seite und dem Griff zum Glas auf der anderen Seite.

Diese Verknüpfung zwischen Situation und dem Gedanken an den Stoff gilt es aufzulösen. Das Suchtgedächtnis funktioniert ähnlich einer Software, die sich nicht ganz deinstallieren, sondern nur überschreiben lässt. Ab- und an sticht es dennoch gerne mal hervor.

Das klingt zwar etwas abstrakt, trifft die Situation jedoch genau, zumindest bei mir.

Auf die Ratschläge von Karsten nehme ich Bezug. Ablenkung ist m.E. ein ganz wichtiger Schritt, dem Suchtgedächtnis erfolgreich zu begegnen.

Gruß
Carl Friedrich

Dhyana
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Dhyana » 03.05.2020, 19:52

Hallo und Willkommen Andreas,
Ich bin auch etwa so lange wie du abstinent. Ich habe zuhause getrunken, im Wohnzimmer und auch im Schlafzimmer, welcher auch mein Arbeitsort, Sportraum ist ... sind die Orte wo ich mich am meisten auch jetzt aufhalte. Ich arbeite auch viel von zuhause aus. Oder verbringe meine Zeit da. Nur das ich jetzt Wasser, Kaffee und Tee trinke. Im Haus habe ich kein Alkohol. Gedanken an Alkohol können kommen und gehen, ich kann sie beobachten, aber sie tun mir nichts... sind nur Gedanken. Der Alkohol war ja mein Begleiter lange Zeit, wie ein „Freund“, somit finde ich es nicht überraschend, wenn er ab und an in meiner Erinnerung auftaucht, wie in einem Film. Denke da ist normal, da ich noch nicht so ewig lange abstinent bin. Trinkdruck habe ich nicht und du ja auch nicht. Hauptsache ist, ich trinke heute nicht. Das steht fest, da gibt es keine Zweifel. Wenn ich Trinkdruck haben sollte - ist sehr selten gewesen- erinnere ich mich, wie es war zu trinken, wie schlecht es mir ging, erinnere mich an diverse Abstürze ... und weiss, da will ich nicht nochmal hin. Ich kann nicht normal trinken, kein einziges Glas... denn daraus wird eine Flasche. Also weg mit dem Gedanken an ein Glas.
Und dann gehe ich laufen, mache Sport, gehe in die Badewanne, schreibe auf was mich quält, bedrückt, telefoniere, rede mit jemand darüber. Überlege wo ich oder etwas nicht rund läuft... wo zu viel Druck auf mich lastet oder ob ich etwas kontrollieren, verändern will, was nicht zu mir gehört, was nicht meine Angelegenheit ist. Meist kommt Trinkdruck oder das alte Verlangen daher. Löse ich das Problem oder gebe es ab, auch ungelöst, dem Universum ... fühle ich mich besser, leichter und das Verlangen lässt nach.

Wünsche dir einen schönen, entspannten Abend

Andreas71
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Andreas71 » 04.05.2020, 17:44

Hallo, auch ich weiss ich muss das erste Glas stehen lassen. Mal ein bisschen trinken, kann ich nicht. Ich kenne genug Schilderungen, das nach kurzer Zeit, wieder das alte Pensum erreicht wird. Das werde ich nicht riskieren und ich will auch nicht an dem Zeug krepieren. Mit Demut muss ich mich meiner Sucht stellen. Auch wir haben keinen Alkohol im Haus. Ich habe heute veranlasst, dass ich morgen ein Telefonat mit meiner Therapeutin führen werde. Diese Gespräche habe ich sehr schätzen gelernt und sind ein fester Baustein meiner Trockenheit. Mit dem Begriff "lauern" schrieb ich bildlich, klar muss man selber wieder aktiv wieder zu Flasche greifen und ich möchte trotzdem bei dieser Formulierung bleiben. Hiermit soll bewusst werden, dass der Alkohol uns das gesamte Leben begleitet. Ich erlaube mir den Hinweis, dass ich sehr genau weiss was das Suchtgedächtnis ist und was im Kopf passiert ist, als ich noch getrunken habe. Ich trinke schon seit längerem überwiegend zuckerfreie Getränke......geht gut. So.....jetzt mache ich mal eine Auszeit und mache etwas, was mir Freude bereitet. Andres

Carl Friedrich
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Carl Friedrich » 04.05.2020, 20:16

Andreas71 hat geschrieben:
04.05.2020, 17:44
Mit Demut muss ich
Hallo!

Noch so ein Ausdruck, den ich auch mal für mich verwendet habe, den ich aber mittlerweile nicht mehr gebrauche.

Demut klingt für mich mittlerweile zu unterwürfig. Ich habe ihn durch "Respekt " ersetzt.

Aber nichts für ungut. Du arbeitest an dir, das ist doch schon mal hervorragend. Du wirst mit zunehmender Abstinenz wahrscheinlich auch gewisse Dinge im Nachhinein etwas anders sehen. Der Standpunkt verschiebt sich halt etwas. Und es sind ja nur Begrifflichkeiten.

Gruß
Carl Friedrich

Andreas71
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Re: Trocken in Corona Zeiten

Beitrag von Andreas71 » 07.05.2020, 12:31

Hallo, ich hatte endlich mal wieder ein sehr gut tuendes Gespräch, mit meiner Therapeuitin. Leider nur telefonsch. Ich hoffe, dass wir uns bald mal wieder treffen können. Ihre Begleitung erfahre ich seit meiner Trockenheit. Mir tut es echt gut, mit Ihr über viele Dinge zu sprechen, die mich beschäftigen. In unserer gemeinsamen Zeit, har Sie mich echt schon gut kennen gelernt. Sie regte schon öfter an, dass ich durchaus mal stolz darauf sein kann, dass ich nicht wieder angefangen habe zu Trinken und wie ich damit umgehe. Na ja, ich arbeite daran. Ich bin total froh, dass man jetzt langsam wieder mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bekommt. Es ist allerdings wohl absehbar, dass die Situation mit meinem Homeoffice noch länger andauert. Ich möchte erwähnen, dass ich mehr als froh bin nicht mehr das Teufelszeug zu trinken. Das Leben ist doch echt wieder lebenswert geworden. Ich muss gerade daran denken, dass ich gar nicht beziffern könnte, wie oft ich früher gedacht habe: Ab morgen trinke ich weniger, oder gar nicht. Ich weiss, dass es anderen auch so gegangen ist. Die Zeit in der ich getrunken habe, kann ich nicht rückgängig machen. Es ist ein Teil von meinem Leben und akzeptiere es. Grüsse. Andreas

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