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partnerschaft OHNE alkohol

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
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RonaldB
neuer Teilnehmer
Beiträge: 41
Registriert: 28.01.2009, 07:41

Beitrag von RonaldB » 05.03.2009, 16:18

Dieses Thema ist immer wieder aktuell, da ja in den meisten Fällen nur einer getrunken hat. Meist wird ja von beiden Alkohol konsumiert, nur dass einer ein Problem damit hat, der andere nicht. Wird jetzt einer trocken, hat der andere auch ein Problem damit, wenn auch auf ganz andere Art, als vorher. Plötzlich hinterfragt man seinen Konsum, will ja solidarisch sein und natürlich auch unterstützen. Man lernt einen Verzicht, über den man sich gar keine Gedanken machte, es gab ja kein (eigenes) Problem. Da stellt man dann erstaunt fest, dass man eigentlich immer was getrunken hatte, weil dies so üblich ist, es angeboten wurde, wie es halt in unserer Gesellschaft so ist. Man erlangt die Erkenntinis, dass man etwas nicht braucht, was man sowieso nicht brauchte (hmm, hört sich vielleicht blöd an, aber anders kann ich es jetzt nicht ausdrücken). Für meine Person gilt, es ist alkoholfrei, bei mir gibt es nichts. Wenn in meiner Gegenwart getrunken wird, so stört mich das nicht. Ich betone allerdings das Wort *getrunken*. Saufereien kann ich nicht mehr ab, komme mit den beschickerten Leuten nicht klar. Ich möchte mich noch *normal* mit Menschen unterhalten, Gelalle und Suffgegröhle ertrage ich nicht. Ist mir bisher erst einmal passiert, dass ich solch einen Ort verlassen habe, ich fühlte mich dermaßen unwohl, dass ich es nicht aushielt, musste da raus. Mir fehlt der Alkohol nicht, gibt wohl mal einen Augenblick an dem ich dran denke, der ist aber Gott sei Dank sofort vorbei, solche Momente werden auch immer seltener. Meiner Frau fehlt es auch nicht, obwohl sie kein Problem damit hat, sie auch trinken darf, wenn sie denn will, mich stört es nicht. Das muss aber jeder für sich selber heraus finden, was für ihn/sie passt. Ich denke mal, je frischer trocken, umso weniger Toleranz, da muss man einfach vorsichtig sein. Gruß RonaldB

peter_f
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Registriert: 06.06.2009, 13:43

Beitrag von peter_f » 06.06.2009, 14:58

Hallo zusammen,

auch wenn dieser Thread etwas älter ist, beschreibt er genau das, worüber ich momentan grüble.
Meine neue Freundin ist trockene Alkoholikerin. Ich selbst bin, mhm.. Gelegenheitstrinker? Bier beim grillen, Sekt auf Hochzeiten, usw.
Sie meinte, dass sie das nicht stören würde, aber küssen wäre dann halt tabu. Ok, muss ich mich entscheiden, was mir dann wichtiger ist.

Ich würde mich auch eigentlich nicht als Co-Abhängigen bezeichnen, denn ich kenn das Leben (insbesondere jetzt ihr Leben) mit der Sucht nicht.
Daher ist es für mich ja nur sehr schwer nachzuvollziehen, wie schlimm diese Krankheit wirklich ist.

Ich habe hier in vielen Beiträgen "Verzicht" auf Alkohol gelesen. Und ich als nicht-Alkoholiker möchte mal anmerken, dass es denjenigen, die z. B. mal ein Glas Wein zum Essen trinken (wozu ich auch gehöre) nicht um den Alkohol im Wein geht, sondern um den Geschmack im Allgemeinen.
Deswegen der "verzicht" ;-)

lobanshee

Beitrag von lobanshee » 06.06.2009, 16:21

Hallo peter_f,

erstmal willkommen im Forum.

Ich finde es sehr verantwortungsvoll, dass Du Dich über unsere Krankheit informieren möchtest.

Deine Antworten wirst Du hier finden, indem Du am besten sehr viel liest, auch im Co-Bereich. Es gibt auch Threads mit dem Thema "trinkende Partner" von Alkoholikern.

Wenn ich einen Partner hätte, würde ich es schön finden, wenn er in meiner Gegenwart nicht trinken würde. Es wäre für mich zusätzlicher Halt und mir zeigen, dass dieser meine Krankheit voll und ganz für sich akzeptiert hat und meine Trockenheit unterstützt. Ich käme dann auch nicht in die Lage, mich erklären zu müssen, wenn ich nichts trinke, der Partner aber schon.

Die Alkoholkrankheit ist eine Tödliche, wenn wir sie nicht stoppen. Gefahren lauern für uns überall. Unser Suchtgedächtnis kann anspringen, ob wir "wollen" oder nicht. Daher meide ich unnötigen Kontakt mit trinkenden Menschen. Natürlich kann ich es nicht immer vermeiden, aber das sind immer Situationen, die zeitlich überschaubar sind.

Liebe Grüße

Lobanshee

biggy64
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Beitrag von biggy64 » 06.06.2009, 22:30

Hallöle,

es ist erstaunlich wie unterschiedlich doch die meinungen sind, aber ich denke, es ist wie mit allem. Wir sind alle individuell, so auch unsere beziehungen und partnerschaften.

Mein mann trinkt mir zuliebe auch keinen alkohl, aber ich denke, er möchte dafür auch immermal gelobt werden 8)
Insbesondere von außen passiert das auch. Ich bin auch sehr froh und dankbar, dass es so ist.

Aber irgendwie erwarte ich auch diese unterstützung von ihm. In den 22 jahren unserer ehe, habe auch ich immer zu ihm gehalten und ihn unterstützt, in jedweder beziehung. Ich sehe das ganze etwas komplexer. Wenn ein partner eine andere krankheit hätte würde man doch auch zu ihm halten und ihn im rollstull fahren oder im krankenhaus besuchen usw.

Es ist doch schließlich auch in seinem interesse mich nicht zu gefährden und wenn es mir gut geht ist es auch für ihn gut und umgekehrt.

Vlt. ist mir dieses thema in 5 jahren nicht mehr so wichtig, aber i.m. kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mein leben langfristig mit einem partner verbringe, der neben mir alkohol trinkt. Es gibt eine klare ansage von mir, wenn er was trinken will, kann er das, aber dann kein kontakt mit mir. Aber das möchte er auch nicht :wink:

In dieser sache bleibe ich konsequent.

HG Biggy

Gotti
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Beiträge: 3516
Registriert: 04.02.2008, 19:01

Beitrag von Gotti » 07.06.2009, 09:25

Hallo!

Lob habe ich nie erwartet und brauche ich auch keines, dafür, dass ich keinen Alkohol trinke, seit mein Mann trocken wurde.
Mich regt es nur - leider noch immer - auf, wenn Bekannte und Kellner usw. immer wieder darauf beharren, mir doch etwas aufdrängen zu wollen.
Für soooo viele Menschen ist es einfach normal zu trinken.
LG Gotti.

peter_f
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Beiträge: 3
Registriert: 06.06.2009, 13:43

Beitrag von peter_f » 07.06.2009, 10:54

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Ich möchte nochmal kurz anmerken, dass die Beziehung ganz frisch ist. Das heißt, wir haben so noch nix gemeinsam durchgestanden.

Ich bin damit konfrontiert worden und jetzt heißt es friss oder stirb.
Da ich aber keine Ahnung davon habe, brauche ich halt Informationen. ;-)
Bzw. Anregungen, Hinweise, Meinungen.

Und das bezieht sich nur auf jetzt.
Ich weiß jetzt schon, dass noch ne Menge Schwierigkeiten auf uns zukommen werden.

Ich will es nicht versauen, aber ich möchte auch nicht, dass es zu unserem Lebensmittelpunkt wird.

dorothea
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Registriert: 26.08.2006, 18:37

Beitrag von dorothea » 07.06.2009, 15:02

hallo peter

na ja schwierigkeiten gibt es in jeder beziehung ob mit krankheit oder ohne, wichtig ist ja wie man damit umgeht, ob man bereit ist für die bezeihung gewisse kompromisse einzugehen, mit denen man auch leben kann, oder ob man sich dann selbst aufgeben muß. das mein ich jetzt nicht im bezug auf alkohol sondern allgemein.

das leben ohne alk ist für mich ein gewinn, auch mein partner der kein alkoholiker ist verzichtet, oder besser, er trinkt nichts, denn es ist für ihn kein verzicht. alkohol war ihm nie so wichtig das es für ihn ein verzicht wäre. die male, die er in den 3 jahren unserer beziehung mal ein bier getrunken hat kann ich an einer hand abzählen. aber immer in rücksprache mit mir. es gibt tage da geht es mir einfach nicht gut und da kann ich den geruch nicht ertragen, an anderen ist mir das wurscht. aber knutschen is dann tabu. wenn deine frau diabetes hätte würdest du dich doch auch sicherlich nicht mit ner fetten sahnetorte vor ihre nase setzen.
alkoholismuß ist ne krankheit mit der man sehr gut leben kann wenn man sich darauf einstellt und die regeln beachtet. wenn du hier mal kreuz und quer liest wirst du schnell sehen worauf du schauen solltest.

doro

Rose2

Re: partnerschaft OHNE alkohol

Beitrag von Rose2 » 07.06.2009, 16:32

Hallo Peter,

ich bin mit meinem jetzigen Partner erst ca. neun Monate zusammen.
Er war bis dato ein sogenannter "Genußtrinker", ein- bis zweimal im Monat vielleicht oder eben auf Festen mal ein Glas, er hat Weine lieber gesammelt als getrunken.
Voraussetzung für ein gemeinsames Leben mit ihm war für mich ein absolut alkoholfreies Zuhause und kein Alkohol in meiner unmittelbaren Gegenwart.
Er hat es für sich (bisher) nie als Verzicht empfunden im Gegenteil, viele Bekannte und Freunde haben nachgezogen und niemand ist deswegen zur Spaßbremse mutiert.

Gruß Rose

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