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Konfrontationstherapie?

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.
Außerdem gibt es noch eine Liste mit Hilfsangeboten zum Thema

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Gänger

Konfrontationstherapie?

Beitrag von Gänger » 05.07.2008, 11:14

Hallo zusammen,

Ist diese Art der Therapie nicht das genaue Gegenteil von dem was wir hier im Forum vertreten?

Es würd mich mal interessieren was ihr dazu meint.

Gruß
Oliver

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.07.2008, 11:27

Hallo Oliver,

da ich immer nur von meinen Erfahrungen ausgehen kann, halte ich das für nicht gut.
Schon die Aussage, Alkohol als Feind zu betrachten, kann ich nicht teilen.

Es wird immer wieder Untersuchungen, Versuche geben, die neue Möglichkeiten der Suchtbewältigung aufzeigen, aber ob sie besser sind, wird sich zeigen.

Ich halte ganz und gar nichts von der Kontrontationstherapie, weil sie in meinen Augen auch dazu verleiten kann, die Alkoholsucht nur über den Willen zu steuern.
Warum sollte ich mich diesem Risiko aussetzen? Ich möchte ja nichts mehr mit Alkohol zu tun haben. Warum sollte ich mich also in deren Umgebung aufhalten.

Für mich bedeutet die fehlende Distanz Schwäche und ist in meinen Augen keine Stärke, wenn ich dan wiederstehen kann.

Sicherlich werden dieses Argument nicht viele teilen, auch hier wird ja immer wieder vin Versuchen geschrieben, das man stolz ist, in eine Kneipe gehen zu können und nicht zu trinken.
Für mich hat sich mein Leben so geändert, dass ich gar keinen Bock mehr habe, daran zu denken, ob ich den Willen habe, solche Versuche über mich ergehen lassen zu können.

Gruß
Karsten

Gänger

Beitrag von Gänger » 05.07.2008, 11:54

Hallo Karsten

ja, ich war auch sehr erstaunt. Diese Therapieform mag ja das richtige sein, wenn es beispielsweise um Höhenangst oder eine Hundephobie geht. Aber bei Alkoholismus?? Einer todbringenden, chronischen Krankheit??

Da hält der Mann in dem Video doch tatsächlich seinen Finger ins Wodkaglas und leckt sie anschließen ab.:shock:

Na ja, ist ja nicht mein Problem.

Gruß
Oliver

Nicole

Beitrag von Nicole » 05.07.2008, 12:38

Hallo Oliver,

diese Frage wär gestern im Chat mit Herrn Lehnher sehr interessant gewesen.

Vielleicht bekommen wir ja nochmal die Möglichkeit.

Liebe Grüsse
Elocin

lumho
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Beitrag von lumho » 07.07.2008, 01:02

Hallo Oliver,

ich habe den Beitrag angesehen - und verstehe ihn etwas anders als Du:

Es geht hier nicht darum, durch die Konfrontation mit der Flasche den Weg in die Trockenheit zu lernen, sondern es soll dem Patienten offensichtlich klar gemacht werden, wie schnell Suchtdruck aufkommt, und wie hoch das Risiko ist, rückfällig zu werden, wenn der Betroffene keine geeigneten Gegenmaßnahmen kennt.

Während meiner Therapie gab es ein sogenanntes Belastungswochenende, an dem ich zu Hause sein durfte, um zu testen, ob ich im normalen Umfeld einen Suchtdruck erfahren und ihm widerstehen würde.
Aber während der gesamten Therapie konnte sich niemand der Teilnehmer wirklich etwas unter den Begriffen "Suchtdruck, Notfallkoffer, Abstinenz-Kreditkarte" usw. vorstellen, geschweige denn lernen und verstehen, wie man mit diesen Dingen umzugehen hat, wenn die Käseglocke der Klinik erst einmal weg ist.
Ich glaube, dass mancher Rückfall vermieden werden könnte, wenn der Alki bereits während der Entwöhnungstherapie erführe, was Suchtdruck ist, wie er entstehen kann, und welche Möglichkeiten es gibt, ihm zu begegnen.

Und wenn ich den Filmbeitrag unter diesem Aspekt betrachte, ist die gezeigte Methode zwar immer noch reichlich skurril - aber den sonstigen Ausbildungs- und Erziehungsmethoden der hier gezeigten Klientel durchaus entsprechend.

In den Fachkliniken, die ich bisher kennen gelernt habe (sowohl innerhalb der Bundeswehr als auch im zivilen Bereich), wird diese Methode der Konfrontation übrigens nicht angewandt.

Liebe Grüße
Michael

kommal
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Beitrag von kommal » 07.07.2008, 06:10

Hallo

Ich habe während meiner jahrelangen Versuche weniger zu trinken genug zum Thema "Suchtdruck" erfahren, um diese Therapieform abzulehnen.

Die Gefahr, die Konfrontation auch zu Hause auszuprobieren, um die Standhaftigkeit zu testen, halte ich für viel zu groß.

Jeder Ausgang während der Therapie ist doch praxisnäher als die Flasche auf dem Tisch des Therapeuten.

Drei Wochen vor Therapieende hatte auch ich externe Tage ("Heimaturlaub"). Da ging es aber darum, Weichen zu stellen für die Rückkehr in den trockenen Alltag. Beim Arbeitgeber oder ARGE, der Beratungsstelle, im privaten Umfeld.

LG kommal

Blizzard
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Beitrag von Blizzard » 07.07.2008, 07:50

Hallo zusammen,

die Wörter "Alkoholtherapie" und "Konfrontationstherapie" passen prinzipiell nicht zueinander, sie "beissen" sich geradezu. Und so war auch mein erster Gedanke, als ich das Threadthema las "Was für ein gefährlicher Schwachsinn". Ich dachte auch zuerst an eine Konfrontationstherapie im Sinne eines Kneipenbesuchs mit abstinenten Alkoholikern, die versuchen müssen "hart" zu bleiben und den Alkohol abzulehnen - so wie der Claustrophobiker in der Konfrontationstherapie lernen soll, öffentliche Verkehrsmittel oder Aufzüge zu benutzen....

Aber dann sah ich den Bericht und nun stellte sich mir die Sache ganz anders dar. Hier geht es nicht um die Konfrontation mit einer Situation (die "Konfrontation" findet ja in einem Therapeutenzimmer statt), sondern um die Konfrontation mit einem Gefühl, auf was der zu Therapierende vorbereitet werden soll - dem Suchtdruck.

Diese Art von Konfrontation halte ich sogar für sehr sinnvoll, weil sie dem Patienten zeigen soll, wie schnell Suchtdruck entstehen kann und wie sensibel das Unterbewusstsein auf äußere Reize reagiert! Erst so kann dem Patienten ja bewusst gemacht werden, wie wichtig es ausserhalb der Käseglocke der stationären Therapie es für ihn sein wird, solche Situation schon im Ansatz zu vermeiden!!

Platt gesagt: Der Patient weiß nach einer solchen Konfrontationstherapie im geschützten Rahmen der Therapie: "Oh, oh, ich brauche eine Vodkaflasche nur zu sehen und schwupp sind die alten Gefühle verbunden mit dem Suchtdruck wieder da. Das habe ich gelernt. Besser also, ich halte mich in Zukunft völlig fern von solchen Situationen. Es könnte überlebenswichtig für mich sein". Theoretisches Wissen wird somit durch persönliches, bewusstes Begreifen und Empfinden untermauert.

Der Therapieansatz ist daher durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Ich befinde ihn für sehr durchdacht und konstruktiv.

Herzlichst,

Blizzard

P.S. Der Alkohol wurde nur von der Reporterin (die mit großer Sicherheit keine vom "Fach" ist) als "Feind" bezeichnet. Man sollte dies nicht überbewerten.

Gänger

Beitrag von Gänger » 07.07.2008, 10:01

Hallo,

mir ist aufgefallen, dass der Patient, nach der Konfrontation gesagt hat, dass er nun wieder da stünde, wo er am Tag seiner Einlieferung war. Soll denn eine Therapie nicht das Gegenteil bewirken?
Natürlich kann man während einer Therapie keine Heilung erwarten, das ist ja bekannt, aber Stillstand, bzw alle Fortschritte die in der vorangegangenen Zeit evtl. gemacht wurden, durch so eine Konfrontation wieder zunichte zu machen, kann doch auch nicht der Sinn sein.
Ich bin immer davon ausgegangen, dass man das Suchtgedächtnis nicht trainieren kann. Und ich bleibe auch weiterhin dabei. Alles andere ist mir zu riskant. Ich meine wozu soll ich mich denn überhaupt gezeigten Situationen aussetzen und solche Tortouren über mich ergehen lassen, wenn es gar nicht nötig ist? Es ist doch viel einfacher dem Alkohol aus dem Weg zu gehen.

Viele Grüße
Oliver

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