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Regeln in der Therapieeinrichtung

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.
Außerdem gibt es noch eine Liste mit Hilfsangeboten zum Thema

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Karsten
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Beitrag von Karsten » 12.08.2015, 09:02

Hallo RS,

danke für die Zusammenfassung.
Ich habe mal die Namen entfernt, denn es geht ja um die Regeln.

Gerade der letzte Satz spricht mich an.
Dazu mal eine Frage.

Du sprichst von "lotterigen Säuferleben". Gab es da Ausnahmen, wenn jemand keine lotterigen Säuferleben hatte, sondern noch Arbeit, Wohnung und Familie hatte?

Mich spricht dieser Satz an, weil ich eher keine Unterschiede mache und für Alkoholiker/innen = Alkoholiker/innen sind, egal welchen persönlichen Tiefpunkt sie haben oder hatten.

Gruß
Karsten

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 12.08.2015, 09:56

Karsten hat geschrieben:Du sprichst von "lotterigen Säuferleben". Gab es da Ausnahmen, wenn jemand keine lotterigen Säuferleben hatte, sondern noch Arbeit, Wohnung und Familie hatte?

Mich spricht dieser Satz an, weil ich eher keine Unterschiede mache und für Alkoholiker/innen = Alkoholiker/innen sind, egal welchen persönlichen Tiefpunkt sie haben oder hatten.

Gruß
Karsten
Es gab schon welche, die noch Arbeit, Wohnung und Familie hatten. Das waren auch die, die meistens nicht ganz freiwillig erschienen sind, sondern mehr oder weniger von der Familie oder der Arbeitsstelle bedrängt wurden eine Therapie über sich ergehen zu lassen. Das waren aber auch die, die die Therapie abgebrochen haben weil sie ja nicht eingesehen haben, dass sie krank sind obwohl sie es waren. Oder wenn sie durchgehalten haben war das so, dass es Wochen dauerte, bis sie ihre wirklichen Trinkmengen zugegeben haben und noch später einsahen, dass sie krank sind.

Also kein Vergleich zu meinem damaligen Lotterleben (keine Abeit, keine Familie aber wenigstens noch eine Wohnung), das nur eine Regel kannte und die hieß: Du musst regelmäßig Alk beschaffen, egal wie und wann.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 15.08.2015, 12:29

Hallo RS,

das wird wohl dann auch mit dem nich erreichen des persönlichen Tiefpunktes zu tun haben.

Mir geht es bei der Frage nach Regeln auch um solche Dinge, die vielleicht nicht unter Regeln einzuordnen sind, sondern eher zum Thema Hausordnung passen, wie eine Kontaktsperre.

Nimmt man dann diese Regeln einfach an oder wird da auch drüber diskutiert?

Gruß
Karsten

kommal
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Beitrag von kommal » 16.08.2015, 20:39

Ooh, und wie da diskutiert wurde!
Schon auf der Aufnahmestation.

Ich hab mich raus gehalten, ich wollte ja mich ändern
und nicht die Regeln, die mir dabei helfen sollten.

LG kommal

Karsten
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Beitrag von Karsten » 16.08.2015, 20:59

Hallo Kommal,

also auch viele Teilnehmer, die nur Hilfe unter bestimmten Bedingungen annehmen wollten? :)

Gruß
Karsten

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 17.08.2015, 11:17

Interessant ist vielleicht auch, dass alle Freizeitaktivitäten in der Klinik wie zum Beispiel Schwimmen, Volleyball, Tischtennis oder handwerkliche Tätigkeiten in den Werkstatträumen nur mit mindestens drei Personen durchgeführt werden durften. Das hieß also, drei Leute mussten sich zusammenfinden und von denen war einer der Verantwortliche für den Schlüssel zum jeweiligen Raum oder für‘s Hallenbad oder die Sporthalle und für den Schlüssel musste unterschrieben werden. Wenn nun Einer zu irgendwas keine Lust mehr hatte und es waren nur 3 Leute da, mussten die anderen Zwei auch aufhören.

Was auch immer wieder für Aufregung sorgte, waren die Verbote während der Spaziergänge. Diese Spaziergänge wurden im Rahmen der Therapie von den Gruppen selbständig, außer-halb des Klinikgeländes, ohne Therapeuten durchgeführt – Dauer ca. eine Stunde. Während der Spaziergänge herrschte Rauchverbot – es gab schließlich festgelegte Rauchzeiten – und es war verboten, einzukaufen oder Kaffee zu trinken und dergleichen. Irgendjemand wurde immer erwischt und dann gab’s natürlich eine gelbe Karte.

Na klar gab’s Diskussionen, die ich persönlich als reichlich sinnlos empfand. Mich haben diese Diskussionen immer ziemlich aufgeregt, weil ich es reichlich unverschämt fand über irgendwelche Therapieregeln oder das Essen oder die Zimmer … zu meckern, denn nichts anderes waren diese „Diskussionen“. Ich hab gesoffen, ich hab die Therapie genau dorthin wo ich auch gelandet bin, beantragt und ich musste diese Therapie nicht bezahlen, jedenfalls nicht direkt. Und deshalb sollte ich – das ist meine Meinung – für jede angebotene Hilfe dankbar sein oder so konsequent, meine Sachen zu packen und abzuhauen um den Platz für jemanden frei zu machen, der die Hilfe annehmen will.

Alles was unmenschlich ist, muss sich niemand gefallen lassen aber bissl Einsicht darein, dass ich - und niemand anders - einen nicht gerade kleinen Teil dazu beigetragen habe, dass ich in meinem Leben dort gelandet war, wo ich eben damals war, die hab ich von mir verlangt. Und da musste ich eben auch mal die Ars.chbacken zusammen kneifen.

kommal
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Beitrag von kommal » 17.08.2015, 20:29

Hallo,

ich habe nach meiner LZT mal in Klinikbewertungen von Patienten reingeschaut.

Da finden sie sich wieder und die jeweilige Klinik hat natürlich nicht geholfen.

Auf unseren Ehemaligentreffen (steht im Sept. wieder an) höre ich dann ganz andere Töne.

Für mich war schon die Entgiftung eine gute "Schule" und ich bin gut vorbereitet in meine LZT gegangen. Nach vier Monaten Wartezeit. Ohne Alkohol.

LG kommal

NNGNeo
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Beitrag von NNGNeo » 17.08.2015, 22:05

hallo

ich habe ja nach meiner entgiftung auch eine lzt angestrebt und habe sie auch angetreten. da ich aber dort überhaupt nicht klar kam habe ich sie nach wenigen tagen wieder abgebrochen und bin trotzdem trocken geblieben. ich kam mir dort ehrlich gesagt vor wie im kindergarten und man ist überhaupt nicht auf meine probleme eingegangen.
auch dort gab es am anfang den kontaktverbot zu angehörige und freunden und raus gehen in die stadt durfte man auch nicht. nicht einmal fernsehen durfte man gucken mit der begründung man solle sich auf sich konzentrieren. was soll ich denn sonst machen, die wände anstarren?
das hatte eher was mit knast zu tun als mit therapie, so habe ich mich dazu entschlossen zu gehen und habe es nie bereut.

ich möchte niemanden eine lzt schlecht reden, aber für mich war das irgendwie überhaupt nichts.
grüße
NNGNeo

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