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Warum möchte ich eine Therapie machen?

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.
Außerdem gibt es noch eine Liste mit Hilfsangeboten zum Thema

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Ghiuirgean

Beitrag von Ghiuirgean » 09.07.2016, 09:19

Allo Karsten

Deshalb schrieb ich ja
Und welche Gedanken sollen das sein, die man sich machen sollte?
Lass uns doch mal teilhaben an Deinen wichtigen persönlichen Gründen,
die möglicherweise verhindert haben, dass Du schon 23 Jahre trocken
sein könntest statt "nur" 17. Mich würden die Gründe interessieren, die
6 Jahre weiteres Saufen wert waren, bloß um nicht auf Therapie gehen
zu müssen (mal etwas provokant gesprochen).

Lieben Gruß
Ghiuirgean
>> Sorgen Sie dafür, daß es Ihnen gut geht. <<

Karsten
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Beitrag von Karsten » 09.07.2016, 09:58

Hallo Ghiuirgean,

das waren viele unterschiedliche Gründe, die ich heute teilweise noch genauso sehe.
Teilweise hatten wir ja auch schon Themen zu diesen Gründen in meinen Tagebüchern.

Da sich die Suchthilfe in den Jahren geändert hat, waren es damals auch andere Zeiten.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 10.07.2016, 12:49

Lass uns doch mal teilhaben an Deinen wichtigen persönlichen Gründen,
die möglicherweise verhindert haben, dass Du schon 23 Jahre trocken
sein könntest statt "nur" 17. Mich würden die Gründe interessieren, die
6 Jahre weiteres Saufen wert waren, bloß um nicht auf Therapie gehen
zu müssen (mal etwas provokant gesprochen).
Ist es wirklich sinnvoll, sich nach so vielen Jahren Trockenheit zu fragen, warum man nicht eher trocken werden konnte?
Muss man sich mit solchen Gedanken auch noch "selbst geißeln", sich damit negative Gefühle machen und die eigene Leistung von 17 Jahren Trockenheit schmälern?

Ich habe mich auch mehrmals gefragt, warum ich nicht eher gehandelt habe.
Ich weiß meine Antworten darauf.
Aber darüber nachzudenken, machte nie etwas gutes für mich.
Denn ich kann meine Vergangenheit nicht mehr ändern. Da bin ich völlig machtlos, die muss ich so akzeptieren, wenn ich nicht ein Leben lang mit mir hadern will.
Von daher geht es mir eher schlecht mit den Gedanken, warum ich nicht eher handelte?
Und ich möchte nicht, das es mir schlecht geht. Ich möchte lieber zusehen, das es mir GUT geht.
Ich muss mich nicht auch noch selbst bestrafen für eine Krankheit, die ich mir nicht ausgesucht habe.
Ich muss mir keine Selbstvorwürfe machen, warum ich nicht schon länger trocken bin !

Und was hilft denn eine Therapie, wenn man selbst noch gar nicht wirklich bereit ist, mit dem Saufen aufzuhören?
Das ist dann ja wohl echt nur rausgeschmissenes Geld und man blockiert auch noch einen Platz, den jemand anderes evtl. sehr viel dringender braucht.
Ich gehe davon aus, das ich genau zu dem Zeitpunkt trocken werden konnte, als ich es wurde.

Lieber Karsten, Du bist 17 Jahre trocken !
Lasse Dir bitte diese Leistung von niemanden schmälern.

Und Du bist JETZT trocken, alles andere ist doch eh unwichtig.
Was war... das war... und was jetzt ist, ist jetzt. :)

LG Sunshine

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.07.2016, 13:07

Hallo Sunshine,

ich lasse mir meine 17 Jahre auch nicht schlecht reden :lol:
Das sollen doch andere, die mir hier was erzählen wollen, erst mal machen.
Manchmal muss ich da auch mit dem Kopf schütteln, wenn mir jemand mit ein paar Wochen oder Monaten erzählen will, wie man trocken werden kann.

Ich bin trocken und das ist gut so :lol:

Du hast ja schon ein paar meiner Gründe geschrieben, die mich gegen eine Therapie haben entscheiden lassen.
Der Hauptgrund aus heutiger Sicht, ich war einfach noch nicht soweit.

Ich finde es deshablb auch immer sehr nachdenklich, wenn jedem eine Therapie empfohlen wird.

Daher war ja meine Frage, warum möchte ich überhaupt eine Therapie machen?

Gruß
Karsten

Ghiuirgean

Beitrag von Ghiuirgean » 10.07.2016, 18:17

Allo Karsten

Wenn jemand nicht bereit ist, mit dem Saufen aufzuhören, macht keine
Maßnahme, die beim Aufhören helfen soll, einen Sinn. Kein Arztbesuch,
keine Entgiftung, keine SGH und natürlich keine Therapie. Darum habe
ich ja auch gedacht, es geht um Leute, die Arztbesuch und die Entgiftung
hinter sich haben und nun irgendwas weitermachen wollen. Also die, die
aufhören wollen. Und da ist eine Therapie das konsequente Weitergehen
des Weges und nicht die SGH.

Lieben Gruß
Ghiuirgean
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Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.07.2016, 18:27

Hallo Ghiuirgean,

ich sehe das nicht so, dass eine Therapie das konsequente Weitergehen des Weges ist.
Ich habe schließlich auch keine Therapie gemacht und bin trotzt oder vielleicht sogar deswegen trocken.

Eine Therapie ist ja keine Garantie, sowie auch die Selbsthilfe keine Garantie ist.

Manchmal kommt es mir so vor, als wenn heute eine Therapie unbedingt sein muss, obwohl man gar nicht weiß, was eine Therapie ist.

Das heißt jetzt nicht, dass ich jemanden so eine Therapiemaßnahme ausreden will.
Ich möchte nur verstehen, warum man eine machen will.


Gruß
Karsten

Ghiuirgean

Beitrag von Ghiuirgean » 10.07.2016, 19:18

Allo Karsten

Gemeint ist immer die sog. "Entwöhnung"s-Therapie (auch die ambulante)
Karsten hat geschrieben:Ich habe schließlich auch keine Therapie gemacht und bin trotzt oder vielleicht sogar deswegen trocken.
Das ändert aber nichts daran, dass das konsequente Weitergehen des
angefangenen Weges (Arzt, Entgiftung) die Therapie ist. Ob man den so
angefangenen Weg konsequent weitergehen will oder nicht, und ob dieser
Weg dann auch zum Erfolg führt, das steht ja auf einem anderen Blatt.
Was wäre Deiner Meinung nach folgerichtig nach Arzt und Entgiftung?

Viele entscheiden sich ja dann auch, einen anderen Weg weiter zu gehen.
Viele machen keine Therapie, weil sie Schauergeschichten darüber gehört
haben. Manche, weil sie glauben, dass sie nach den 3 Wochen Entgiftung
alles über die Alkoholkrankheit wissen, was man wissen muss. Manche
machen keine, weil sie nicht noch mehr Zeit in Einrichtungen verbringen
können, weil die Arbeit, die Familie oder sonstwas sehnlichst auf ihre
Rückkehr wartet. Außerdem haben sie gehört, das Therapie sowieso nix
bringt. Die wollen einem eh nur Depressionen einreden; verschwendete
Zeit also. Einige gehen nach der Entgiftung in eine SHG.

Therapie (als solche) hat mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen wie die
Alkoholiker (als solche).
Karsten hat geschrieben:Eine Therapie ist ja keine Garantie, sowie auch die Selbsthilfe keine Garantie ist.
Ich verstehe nicht, was solche Sätze sollen. Warum wird bei Therapie
immer mit "ist keine Garantie" argumentiert? Es gibt nirgends Garantie,
warum muss das ausgerechnet bei Therapie immer extra betont werden?
Karsten hat geschrieben:Manchmal kommt es mir so vor, als wenn heute eine Therapie unbedingt sein muss, obwohl man gar nicht weiß, was eine Therapie ist.
Ja, und? Wo ist das Problem? Es reicht doch völlig aus, zu wissen, das sie
helfen kann, trocken zu bleiben. Komisch, dass ausgerechnet die Leute,
die immer wieder erzählen, dass sie so weit unten waren, dass sie keine
Fragen mehr gestellt haben, so massiv die Therapie (als solche) in Frage
stellen und konsequenterweise auch keine gemacht haben.

Lieben Gruß
Ghiuirgean
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Beitrag von Karsten » 09.04.2018, 16:13

Hallo,

ich möchte dieses Thema wieder aktivieren und hoffe auf eine sachliche Diskussion :)

Gruß
Karsten

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