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Hallo, ich bin auch neu hier

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Miss Daisy

Beitrag von Miss Daisy » 04.03.2018, 19:24

Hallo Grünes Kistchen und ander Leser!

Ist schon eine blöde Situation: Man will die Person, die man gerne hat (in Deinem Fall die Mutter) nicht vor die Hunde gehen sehen, und gleichzeitig weiß man, dass man es ihr zu leicht macht und verhindert, dass sie sich jemals schlecht genug fühlt, um etwas gegen die Alkoholsucht zu unternehmen, wenn man sich jederzeit um sie kümmert. Sei froh, dass Du mit Deiner Familie weit von Deiner Mutter entfernt wohnst! Dann ist es auch einfacher, emotional Abstand zu halten. Was Deine Geschwister machen, müssen sie selbst wissen. Mach, wonach Dir ist, und vergiss das dumme schlechte Gewissen!

Ein Glück, dass Du als Kind Verwandte hattest, an die Du Dich im Notfall wenden konntest. Das war immer schon mal was!

Ich höre aus Deinen Worten heraus, dass Du auch oft Dinge mit Dir selbst ausmachst statt Dich anderen anzuvertrauen. Bei mir ist das ähnlich und inzwischen zu einer festen Gewohnheit geworden, dass es mir schwerfällt, das nun zu ändern. Ich habe meinem Mann bisher nichts von der Alkoholsucht meiner Mutter erzählt, weil ich weiß, dass er zwar versuchen würde, meine Gefühle zu verstehen, er es aber letztendlich wohl doch nie richtig könnte, denn in seiner Familie gab es keinerlei Probleme mit Alkohol, sonstigen Süchten, psychischen Erkrankungen,... Ich glaube, ich müsste ihm viel erklären, was jemand wie Du und ich einander nicht erklären müssten, weil wir die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Mein Mann würde wahrscheinlich „dumme“ Fragen stellen bei aller Mühe, mich verstehen zu wollen, und ich fürchte, dass ich ihm manche dieser Fragen (zu Unrecht vielleicht) übelnehmen würde. Beispielsweise wäre ich beleidigt/entrüstet darüber, wenn mein Mann sowas sagen würde wie „Immerhin hast Du noch eine Mutter.“

Da ich kein besonders starkes Bedürfnis verspüre, von meiner Mutter zu sprechen, lasse ich es halt einfach. Es ist eh alles lange her. Mein Mann kennt übrigens den Großteil meiner Geschichte, nur eben das (wichtige) Detail mit dem Alkohol nicht. Er war dabei, als ich mich von meiner Mutter losgesagt habe und war mir eine große Hilfe, sonst hätte ich das wohl nie so konsequent durchgezogen. An Deiner Stelle würde ich mich nur den Leuten anvertrauen, die Dich in dem Entschluss, den Kontakt zu Deiner Mutter abzubrechen, bestärken. Sonst hast Du es nur noch schwerer und müsstest Dich rechtfertigen und würdest vielleicht unter dem gefühlten Druck einknicken. Andererseits ist es auch ungünstig, wenn man seinen nächsten Angehörigen die Wahrheit nicht sagen mag.

Unter meinen Kindheitserinnerungen leide ich nicht mehr so sehr, ich habe viel Zeit darein gesteckt, über mein Leben nachzudenken und die Vergangenheit zu verarbeiten. Schlimmer ist, dass ich immer noch schädliche alte Verhaltensmuster habe, die verhindern, dass ich so glücklich bin, wie ich es sein könnte. Aber ich bleibe am Ball und arbeite daran!

Bei Interesse oder konkreten Fragen kannst Du mir gerne mal eine pn schicken. Ich möchte nicht zu viele Details meiner Geschichte hier in der Öffentlichkeit teilen.

Viele Grüße!

Grünes Kistchen
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Beitrag von Grünes Kistchen » 01.04.2018, 12:43

Ich habe in den letzten 48 Stunden eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt. Immer wieder haben mich meine Erinnerungen eingeholt und ich habe alle für mich getroffenen Entscheidungen in Frage gestellt. Nun habe ich mit meinem Mann gesprochen. Ich habe mit meiner Schwester gesprochen. Meinen innigen Dank an sie, sie hat ganz anders reagiert, als ich erwartet habe. Ich sehe meine Mutter als meine Mutter an, ohne Zuneigung, ohne jegliche Gefühle. Sie ist meine Mutter, mehr nicht. So habe ich es meinem Mann und meiner Schwester dargestellt. Ich brauche den Abstand, ich will für mich da sein, mich um mich kümmern. Das kleine Mädchen in den Arm nehmen.
Ich will einfach so mal was machen, ohne schlechtes Gewissen, ohne Kontrolle. Sei es nur teure Schuhe kaufen..
Ich werde mich auf eine neue Arbeitsstelle bewerben, dass mache ich nur für mich. Für mein Selbstvertrauen, gegen meine innere Zerrissenheit.
Ich wünsche Euch allen noch ein schönes Osterfest!

Erdbeerchen123
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Beitrag von Erdbeerchen123 » 08.05.2018, 21:26

Hallo,

find' ich toll, dass du dich jetzt mal um dich selbst kümmerst. Deine Geschwister haben es wohl emotional besser im Griff, so hat man jedenfalls den Eindruck. Hier kannst du wohl nur hinkommen, wenn du erst mal etwas Distanz aufbaust. Der Weg zurück ist ja per se nicht für immer verbaut.

Ich hatte mir für meinen Fall gedacht, erst mal ein Jahr - dann sehen wir weiter. Das hat wenig Endgültiges. Und in dieser Zeit fühlte ich nur, wie gut das getan hat und ich wollte weiter machen. So ganz geht das leider nun nicht mehr (also klar, wenn ich es wirklich wollte...). Bis jetzt geht es relativ gut, da eine größere Distanz immer noch da ist, der Kontakt also etwas anders weitergeführt wird.

Ich wünsche dir alles Gute.

Karsten
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Re: Hallo, ich bin auch neu hier

Beitrag von Karsten » 04.06.2018, 19:36

Hallo Grünes Kistchen,

wie geht es dir denn jetzt?

Gruß
Karsten

Grünes Kistchen
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Re: Hallo, ich bin auch neu hier

Beitrag von Grünes Kistchen » 22.06.2018, 18:36

Hallo,

nach längerer Zeit möchte ich mich wieder zu Wort melden...
Die Monate April und Mai sind berufsbedingt sehr arbeitsintensiv.
Ich habe nun seit Januar keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, einzige Ausnahme war eine SMS zum Geburtstag. Ich konnte das einfach nicht übergehen, schöne Grüße ans schlechte Gewissen.
Sie hält sich auch daran, keine Versuche per Telefon, Post o.ä. Ich glaube, dass es ihr damit sogar ganz gut, war sie es doch immer, die den Kontakt zu mir aufrecht erhalten hat. Nur so ein Gefühl, vielleicht irre ich mich auch.
Mir geht es gut damit, vorallem nach dem Gespräch mit meiner Schwester zu Ostern. Im Laufe des Sommers stehen noch Familienfeiern an, ich weiß noch nicht so richtig, wie ich mich da verhalten soll. Am besten auf mich zukommen lassen, wenn da nicht schon im Vorfeld das Überlegen und Nachdenken einstzen würde...

In puncto Selbstvertrauen bin ich noch keinen großen Schritt vorangekommen, auch das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen/wollen, kann ich schlecht ablegen. Wahrscheinlich wird es mich immer begleiten.
Aber alles in allem bin ich momentan zufrieden, ich weiß, dass der Schritt richtig und wichtig war. Ich habe keine Angst mehr, wenn ich ihre Nummer auf dem Display gelesen habe bzw., wenn jetzt das Telefon klingelt. Wenn doch, Geburtstag meiner Tochter, gibt's ja den AB. Zum Verhältnis meiner Kinder zu ihrer Oma habe ich schon geschrieben, insofern verwunderlich, dass sie überhaupt angerufen hat.

Liebe Grüße an alle!

Grünes Kistchen
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Re: Hallo, ich bin auch neu hier

Beitrag von Grünes Kistchen » 09.09.2018, 07:28

Hallo und Guten Morgen!

Im August habe ich nach einem Jahr meine Mutter wiedergetroffen. Ich war erschrocken, wie sie sich erneut verändert hat. Im letzten Sommer, auch wenn es nur ein Nachmittag und somit eine Momentaufnahme war, sah sie gesünder aus als letztens. Aufgeschwemtes Gesicht in dem die Augen wie Schlitze wirkten, nicht ungepflegt, aber gerade so, dass es nicht ungepflegt wirkte. Trotz der Distanz tut es mir weh und ich muss immer wieder daran denken.
Ich drücke es mal aus wie es ist und auch mein Bruder hat es ähnlich formuliert, sie säuft sich um den Rest ihrer Gesundheit. Ich muss es akzeptieren, dass es ihr Leben ist. Sie will nichts daran ändern, kann es wohl auch nicht, sie hat sich in ihrem Leben mit dem Alkohol eingerichtet. Nach mehr als 35 Jahren, in denen ich meine Mutter in allen möglichen Situationen erlebt habe, davon 12 Jahre im direkten Zusammenleben, wage ich zu sagen der Zug ist abgefahren. Sie wird kommendes Jahr 68!!!! Ich glaube nicht, dass sich da noch etwas ändert.
Was mir bleibt, ist die Erkenntnis, das meine Entscheidung richtig war. Das Familienleben und der Zusammenhalt wie bei anderen, der fehlt mir trotzden.

Grüße!

Aurora
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Re: Hallo, ich bin auch neu hier

Beitrag von Aurora » 10.09.2018, 10:47

Hallo Grünes Kistchen,

ich kann mir das gut vorstellen, wie erschrocken du warst, deine Mutter zu sehen.

Ich kenne das von meinem Sohn. Der lebt gerade nicht in Berlin und kommt nur ab und an mal zu Besuch. Er wohnt dann immer bei seinem Vater, weil der genug Platz hat. Der Vater, also mein Exmann, trinkt ja auch schon lange...

Beim letzten Besuch vom Sohn im Juli meinte er, es wäre erschreckend, wie stark der Vater abgebaut hätte. Es wäre kaum auszuhalten. Man könne schon morgens kein normales Gespräch mehr mit ihm führen, was vor einigen Monaten davor noch zum größten Teil möglich war. Und er bekäme ja auch in der Zeit, in der er dann da wohnt, mit, was da abläuft. Das Trockenkotzen morgens, die Besinnungslosigkeit, die im Laufe des Tages immer mehr wird. Der körperliche Verfall.

Das tut selbst mir weh zu hören, ich war ja mit meinem ersten Mann 26 Jahre zusammen. Aber für meinen Sohn ist das noch mal anders, für ihn ist es der Vater, den er da sieht. Sohn redet nur wenig darüber, leider. Er verdrängt oder macht mit sich alleine was aus. Und dann fährt er ja immer nach wenigen Tagen wieder weit weg. Und diese Entfernung ist sehr gut! So empfinde ich das. Ich erlebe ja den Sohn bei Telefonaten und so, er ist dann immer wieder wesentlich entspannter, wenn er wieder weg ist.

Akzeptanz ist sehr wichtig! Und so schwer. Es handelt sich ja um deine Mutter und da ist schon ein besonderes Verhältnis, eine Bindung. Ich merke es ja auch an meinem Sohn, da ist es eben der Vater. Die Entfernung ist da das beste!

Du hast deine Entscheidung getroffen. Das ist gut, schreibst du ja selbst.

Liebe Grüße
Aurora

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