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Papa trinkt

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Nicole85
neuer Teilnehmer
Beiträge: 286
Registriert: 12.01.2008, 21:51

Papa trinkt

Beitrag von Nicole85 » 13.01.2008, 01:37

Hallo,
ich weiß nicht so recht wo ich anfangen soll...

Ich versuche es jetzt einfach mal und hoffe, dass es nicht all zuviel Gedankensalat ist.


Also, mein Pa trink solange ich denken kann, natürlich wusste ich es früher nicht.
Wenn es stimmt was meine Mutter sagt, hat er begonnen als mein Bruder geboren wurde, so ca. vor 31 Jahren.

zu Anfang hat er nur getrunken wenn er in Gesellschaft war oder so, aber dann wurde er immer öfter von diesen Gesellschaften von irgendem betrunken nach Hause gebraucht.
An diesen Tagen, wenn er nicht von der Arbeit kam, schloss sich meine Mutter immer im Schlafzimmer ein und heulte.

Wenn wir nicht im Bett waren, wenn er kam, hat er meinen Bruder und mich ziemlich geschlagen, ich denke immernoch dass er sich geschämt hat wenn wir ihn so gesehen haben.

Meine Bruder hat mich immer beschützt und mich meist schon in sein Zimmer geholt, bevor er wieder kam, er wusste sobald ich die Eltern streiten und schreien höre, komme ich raus.

Meine Mutter...heulte....

man lernte hat, ihm aus dem Weg zu gehen wenn er voll war.

Ich weiß nicht, aber ich denke ich spürte da schon dass etwas nicht stimmte, mein Bruder und meine Mutter tuschelten auffallend oft miteinander.

Schon bald trank er auch alleine, am Wochenende oder an Feiertagen.

Mein Bruder wurde 17 und verschwand in ner kaserne, freiwillig!!
Meine Mutter...heulte ...nach ihrem Sohn.
Vater und Sohn reden bis heute nurnoch dass nötigste.

Ich weiß nicht, wenn Papa nüchtern war, war er der beste Vater den man sich vorstellen kann!!!

Zu dieser Zeit (ich war acht) begann meine Mama mich nachts aus dem Bett zuholen und sich auszuheulen.

Sie bedachte ihn mit Schimpfwörtern die mich bis heute betroffen machen.
kaum war sie abgezogen, kam mein Vater zum meckern, über sie, zu mir.

Jeder Streit, egal um was, ich musste vermitteln.

Ich wurde älter, er trank jeden Tag, war aber nicht betrunken...heute denke ich das ich es nicht mehr bemerkt habe.

War so 12 Jahre als meine Mutter anfing jeden noch so intimen Punkt ihrer Paarbeziehung vor mir auszubreiten, ich weiß einmal nannte sie ihn...egal... dass erfüllt mich bis heute mit ekel.

Geschlagen hat er mich nie mehr.

Ich kam häufig zu spät in die Schule oder bin dort eingeschlafen, mein Lehrer rief zu Hause an...Meine Mutter erzählte ihm ich wäre ein pubertierendes Gör etc... kaum hatte sie aufgelegt, bekam ich die Prügel meines Lebens! Von Ihr!

Was ich ihm erzählt hätte!

Ich habe nie ein Wort verloren, immer brav gelogen und Entschuldigungen für sein Verhalten gefunden, keine freunde eingeladen und andere Leute schön abgewimmelt.

Und für alle waren wir die Bilderbuchfamilie!!!!

Ich fing an mich drausen rumzutreiben, dass ich nicht nach Hause musste.

Meine Eltern bekammen Geldsorgen, meine Mutter musste auch arbeiten.
Also war ich für den Haushalt zuständig.

Neben kochen und putzen war ich meist damit beschäftigt, meine Papa vom trinken abzuhalten, dafür zu sorgen, dass er wenigstens nicht ganz hinüber ist wenn meine Mutter nach Hause kommt, ihn auszunüchtern, seinen Kater zu versorgen...
Flaschen zu suchen, auszukippen oder manchmal hab ich auch Wasser oder so reingeschlüttet.

Er wurde von Tag zu Tag aggresiver, ich versuchte immer mehr die Spuren verschwinden zu lassen, meine Ma ist jeden verdammten Tag ausgerastet wenn sie heim kam.

Ich war ca. 14 als meine Ma herausgefunden hat, dass mein Vater beim Anwalt war wg. Scheidung....

Er war im Garten an diesem Tag es war Winter, weiß der Teufel.

Sie holte mich also von meinen Hausaufgaben.....
Ich weiß es noch genau, sie sagte:" Mach das du ihn zur vernunft bringst, wenn er mich verlässt, BRING ICH MICH UM!!! Dann hast du gar keine Eltern mehr"

Ich bin nicht gegangen, sondern gerannt.

Ich habe geredet, bebittelt, geweint und gebettelt und gefleht, zuletzt lag ich auf den Knien vor ihm.

Mit was sie droht, habe ich ihm nicht gesagt.

Bis heute, in diesem Moment fühle ich mich immernoch ich weiß, nicht, erniedrigt?

Am nächsten Tag hatte ich einen Nervenzusammenbruch, ich bekam keine Luft mehr(bin eh Asthmatiker), irgendwer hat den Notarzt gerufen, meine Mutter sagte ihm ich wäre halt eine hysterischer Teenager.

Ich bekam irgendwas gespritzt, erinnere mich nicht an die nächtes Tagen.

Mein Vater blieb und es wurde schlimmer.

Ich kam in Ausbildung, eines Abends komme ich heim und find meinen Vater Bewusstlos zu Hause.

Er wurde auch nicht durch Schütteln etc. wach. Wollte einen Krankenwagen rufen, kommt meine Ma heim, ich musste ihn erst umziehen, dass er präsentabel sei, hab trotzdem erst angerufen.

Seis drum, war ne Alkoholvergiftung, und die macht sich so schön wenn man eh Herzrythmusstörungen hat.

Ich war mal wieder fertig mit der Welt, musste also wieder was erfinden für seine Arbeit, was los ist, und für meine auch.

Zu dieser Zeit freundete ich mich mit einem Kerl aus meiner Ausbildung an, war auch 8 Jahre älter aus ich und er brachte mich mit seine Verlobten zusammen.

Sie ist heute meine beste Freundin.

Jedenfalls kam er am nächsten Mittag und wollte mich besuchen, weil ich ja krank war.
er hat auch den Braten gerochen, vielleicht nicht, dass er säuft, aber das was nicht in Ordnung war.
Er sprach mich darauf an und ich bekam meinen nächsten Zusammenbruch, weiß net warum, habe ihm alles erzählt.

Die Beiden wurden meine besten Freunde und meine engsten Vertrauten.

An dieser stelle, auch wenn sie es nicht lesen, vielen, vielen Dank.

Egal was war, ihr habt mir beigestanden, ich durfte bei euch schlafen und als ich schließlich zu Hause weglief, konnte ich euch mitten in der Nacht wecken und ihr habt mich abgeholt, obwohl ihr nicht mal zu Hause ward und es ein weiter Weg war.
Wer weiß wo ich sonst gelandet wäre, hatte zwar einen Freund, der oh was für einen Überraschung, ein Drogen und Alkoholproblem hatte.

(Wollte ich nur mal loswerden, gehört nich in den Text, ist mir aber wichtig)

Meine Oma, seine Ma starb, er wurde weinerlich.

Ich war 18, lernte meine Mann kennen, ja ich hatte es eilig auszuziehen und zu heiraten.

Die Hochzeit war wunderschön, mein Papa hat sich echt am Riemen gerissen.
Aber der Morgen danach!
Ich fand meinen Papa weinen auf dem Fußboden, ich wäre ihm wegelaufen und er würde mich lieben...
Mein Mann kam, und er fing an ihn zu beschimpfen, er würde mich wegnehmen und ich sein noch ein kleines Mädchen und würde nie zu ihm zurückkehren.

Es war schlimm. Schlimmer war noch, dass mein Bruder alles mit angehört hatte, seitdem verachtet er mich, papas kleiner Liebling.
Aber noch nie hatte er gesagt, dass er mich liebt...

Mein Bruder stand immer gut mit unserer Mam.
Ich versuche ihm klar zumachen, dass unser Vater krank ist, aber das ist ihm scheißegal.
Er rennt eh immer zu Mama, oh Papa ist ja so gemein.

Ich habe inzwischen Zeit 2 Kinder 3 Jahre und 3 Monate, ich hätte alle Hände voll zu tun.

Aber jeden beschi***n Tag klinget hier das Telefon, dein Vater macht dieses und jenes oder ich bin seine Frau und weiß wieder nicht wo er ist...
Ich kann es nicht mehr hören.
Ich will nicht mehr meinen Vater auf Geheiß meiner Mutter und meines Bruders aus irgendeiner Kneipe schleppen müssen.
Ich will nicht lügen müssen, wenn seine Arbeit hier anruft (warum tun die das?)
Ich habe keinen Bock mehr gesagt zu bekommen, du kannst mit ihm reden tue es.
Ich habe keine Entschuldigungen mehr, wenn mein Kleiner mich fragt, warum Opa so riecht oder torkelt.
Was soll ich den Sagen?

Wenn er im Suff ist, duscht er ja nicht mal, manchmal 3-4 Tage nicht, ich habe keinen Bock mehr das meine Mutter mich ruft um ihn dazu zu bewegen.

Ich habe keinen Bock von meier Mutter zu hören:"Ausser der Flasche liebt er eh nur dich, also seh zu das er sich nicht damit umbringt"

Ich brauche meine Kraft für meine Zwerge, zumal mein Kleiner krank ist und schon ein paar mal in der Klinik war,. aber selbst da haben sie mich gerufen.

Mein Mann hat auf das Theater keinen Bock mehr, der will das ich den Kontakt strikt abbreche, solange meine Eltern mich für ihren Ehekrieg benutzen,(seine Worte).

Meinen Ehe leidet unter diesem Schauspiel, letztens hat meine Ma angerufen und getobt und geschrien, er konnte jedes Wort hören, so laut waren ihre Vorwürfe, da zieht er den Stecker aus der Dose!!

Wir streiten, weil ich jedes Mal, wenn ich von meinen Eltern komme, ich bin dann erstmal fertig.

Er wirft mir vor, ich würde meine Papa vergöttern und alle seine Fehler mit einer Krankheit entschuldigen, die er sich ja nicht mehr eingesteht!

Was soll ich blos tun?

Schon mal Entschuldigung, mein Text sollte weder so lang noch so Chaosmäsig werden.

caro1969
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Beitrag von caro1969 » 13.01.2008, 11:46

hallo und ein ganz herzliches willkommen hier im forum..liebe nicole...

wenn "es" so einfach wäre...würde ich dir nur eins raten..
NIMM DIE BEINE IN DIE HAND UND RENN::SO SCHNELL DU KANNST..weg von deinen eltern..

aber leider können wir abhängigen kinder von alkkranken eltern dies nicht so einfach..VIEL ZU GROSS IST UNSER VERANTWORTUNGSGEFÜHL..gegenüber unserer KRANKEN familie...

DAS WAS DU ÜBER DAS VERHALTEN DEINER ELTERN SCHREIBST;NENNT SICH MISSBRAUCH!!!!!!!

o.k....ich muss jetzt erstmal tief durch atmen..

nicole..das du dir hier hilfe suchst..ist schon mal ein sehr guter anfang..komm erstmal hier richtig an..lese..tausche dich aus..und lerne,begreife..das das was da bei dir passiert..leider kein einzelfall ist..es wird dir ein kleines bisschen trost geben können..

alles schön der reihe nach..ganz wichtig ist das DU ÜBERHAUPT NICHTS..ABER AUCH REIN GARNICHTS DAZU KANNST..was deine eltern da verzapfen...

du bist für nichts verantwortlich..du musst garnichts verhindern..

eins MUSST DU...anfangen DEIN leben zu leben..mit allen konsequenzen die sich daraus ergeben könnten..

du wirst sonst daran zu grunde gehen..wie auch immer das aussehen würde..ja..auch dein mann und deine kinder..werden drunter leiden..wenn du nicht lernen wirst auf DICH zu schauen..

vielleicht würde gleich zu anfang schon reichen..den stecker des telefons rauszuziehen..um diese belästigenden anrufe zu vermeiden...ruhe..finden..für dich und deine familie..

glaube mir..es gibt wege raus..aus dieser alles zerstören wollende CO-ABHÄNGIGKEIT...

versprochen..

liebe grüsse caro

Nelly81
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Registriert: 19.06.2007, 11:05

Beitrag von Nelly81 » 13.01.2008, 13:36

Hi Nicole,

herzlich willkommen auch von mir!

Ich wollte hier eigentlich nur schnell reinschauen, kurz lesen und dann mich fertigmachen, muss gleich los.

Doch Deine Geschichte hat mich gefesselt und betroffen gemacht. Ich bin froh, dass Du nun hier bist! Hier kannst Du Hilfe bekommen, wenn Du möchtest, und wir können für Dich da sein, zumindest digital, wenn Du möchtest!

Nun muss ich wie Caro erstmal tief durchatmen. Du hast einiges durchgemacht und machst es jetzt noch. Es ist bewundernswert, wie Du trotz des jahrelangen und immer noch anhaltenden Missbrauch – und es ist nichts anderes!!! – es so weit geschafft hast!

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll, habe auch gerade nicht viel Zeit. Als ich mich hier angemeldet und meine Geschichte aufgeschrieben habe, so klang meine eigene Geschichte für mich unglaublich, doch es ist wirklich wahr! Genauso habe ich mich in Dich hineinversetzen können, man liest, ist erschüttert, fragt sich: wie hat sie das alles durchgestanden? Soviel Leid für eine kleine Kinderseele, das gibt’s doch nicht! Das geht doch nicht! Und doch - es geht – irgendwie. Man denkt, es geht nicht mehr weiter, und irgendwie geht es doch weiter, schonungslos, erbarmungslos. Man stirbt nicht dran, doch man wundert sich, was man alles überleben kann.

Du wirst von Deinen Eltern missbraucht, man kann es Dir nicht oft genug sagen! Das hört sich nun hart an und Du wirst vielleicht denken ach, so schlimm war es nun auch nicht. Versuchen, es zu verharmlosen, Deine Eltern in Schutz nehmen. So, wie Du es gelernt hast. Ich habe es zu Anfang auch so gemacht. In meinem Fall war es meine Mutter, die mich schlug, und es war auch viel Alkohol im Spiel. Ich habe meine Geschichte hier aufgeschrieben, und die anderen hier waren entsetzt und haben mir ebenfalls gesagt, ich wurde missbraucht. Ich bin auch erstmal auf Ablehnung gegangen und dachte, war es wirklich so schlimm? Ja, es war und ist so schlimm!!!!

Also:

DU BIST NICHT VERANTWORTLICH FÜR DEINE ELTERN!!!!! UND ERST RECHT NICHT FÜR IHRE BEZIEHUNG!!!!!

DENK AN DEIN EIGENES LEBEN; DENK AN DICH; AN DEINE EIGENE KLEINE FAMILIE!!!!

Das würde ich Dir jetzt am liebsten auf den Spiegel schreiben. Du hast Dein ganzes Leben nur für Deine Eltern gelebt, sie haben Dich benutzt und tun es jetzt noch. Wir müssen nun versuchen, dass wir in langsamen Schritten dazu kommen, dass Du mehr für Dich tust und Dich von ihnen endlich löst, bevor das Ganze Deine Ehe zerstört!

Du hast ein Recht auf ein eigenes Leben und mit Deinem eigenen Leben schon genug zu tun. Es ist unnormal und bedenklich, dass Dein Vater derart eifersüchtig auf Deinen Mann ist und ebenso, dass Deine Mutter Dich als Vermittlerin und Eheberaterin benutzt!

Dass Dein Mann den Stecker rausgezogen hat, fand ich richtig gut, ehrlich gesagt. Du bist kein 24-Stunden-Dienst. Und wenn es zwischen Deinen Eltern nicht klappt, so ist das nicht Deine Aufgabe, das wieder zu kitten! Es werden so viele Ehen geschieden, und wenn es bei Deinen Eltern so sein soll, dann müssen sie da durch!

Ich würde versuchen, soviel Abstand wie nur möglich zwischen Dich und Deine Eltern zu bringen. Wenn Deine Mutter tobt, zieh den Stecker raus. Fahr nicht mehr so oft hin. Mach ihr klar: Ich war lange genug Eure Sklavin, bis hierhin und nicht weiter. Ich bin gerne Eure Tochter, doch ich möchte auch wie eine behandelt werden. Ich möchte nicht mehr Lebensberaterin für Euch sein. Wenn ihr in Zukunft mit so was ankommt, fahre ich/lege ich auf.

Du hast es weit gebracht, und Du wirst auch noch diesen Riesenberg „raus aus der Co-Abhängigkeit“ schaffen. Ganz bestimmt. Und wir hier können Dich vielleicht dabei begleiten.

Lies Dich hier ein wenig durch, durch unser Forum. Du wirst viele Parallelen erkennen. Wir sitzen alle mehr oder weniger in einem Boot!

Liebe Grüße und eine Umarmung, Nelly

Nicole85
neuer Teilnehmer
Beiträge: 286
Registriert: 12.01.2008, 21:51

Beitrag von Nicole85 » 13.01.2008, 13:48

Hallo Caro,

vielen Dank für deine Antwort.

Mit dem Thema Co-Abhängigkeit etc. habe ich mich noch nie beschäftigt, weiß auch nicht ob das so auf mich zutrifft.

Den Weg hierher habe ich durch die, oben bereits hoch gelobte, Freundin gefunden...sie hat mir geraten, mich mal mit Leuten zu unterhalten, deren auch so heile Familien bei näherer Betrachtung ebenfalls zum Himmel stinken.

Sie besuchte mich Freitag und hatte nichts besseres zu tun als mich den ganzen Vormittag damit aufzuziehen, dass ich meinem Vater bei allem Händchen halten würde.

Und das er ja immer so weitermachen könne, da ihm eh keine Konsequenzen drohen würden, Töchterchen bügelt den Scheiß schon wieder aus....

Und Mama...bräuchte sich eh net drum zu kümmern, für was hat man den ne Tochter, die springt....

Und wann ich endlich lernen würde, dass Eltern für ihre Kinder zuständig sind un net umgekehrt...

Ich war stinksauer auf sie, aber sie hat mich zum Nachdenken gebracht.

Und jetzt bin ich halt hier gelandet...

Liebe Grüße

summerdream
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5773
Registriert: 05.02.2007, 17:10

Beitrag von summerdream » 13.01.2008, 15:12

Hallo nicole

Erstmal herzlich willkommen hier im forum!

Puh, mir geht’s net anders wie meinen zwei vorschreiberinnen – ich musste erstmal schlucken.
Davon abgesehen, dass dein vater trinkt, wirst du auch noch herangezogen um dir die ganzen sorgen deiner eltern an zu hören, zu vermitteln, zu reden etc. – du bist das kind! Deine eltern sollen sich um dich kümmern, net du dich um sie! So sollte es eigentlich sein, aber in einem alkoholikerhaushalt is nun mal nix normal. Das schlimme dabei ist in meinen augen noch, dass wir kinder das sogar noch als normal empfinden!

Deine freunde hören sich wirklich klasse an, sie sind für dich da und reden mit dir – deine freundin wusste, dass du auf ihre worte von vorgestern nicht positiv reagieren würdest, du liebst ja deinen vater und das darfst du auch. Dennoch hat sie offen mit dir geredet. Nachdem was du alles geschrieben hast, trifft ihre aussage den kern der sache, auch wenn du das etz gar net so gern hören willst.

Dein vater ist krank, das is dir ja schon bewusst. Im gegensatz zu anderen krankheiten kannst du ihm aber nicht helfen, das ist bei alkoholismus so. helfen kannst du erst, wenn der betroffene hilfe möchte und trocken werden will, vorher ist alles vergebens. Im gegenteil, du verlängerst sogar noch die krankheit, wenn auch nur unbewußt. Du schützt ihn, packst ihn sprichwörtlich in watte, bist immer da wenn er dich braucht – warum sollte er denn aufhören zu trinken? Ihm geht’s doch gut, es wird sich um ihn gekümmert und wehe jemand will aus diesem teufelskreis ausbrechen. Daher auch sein verhalten an seiner hochzeit, er hatte angst, dass du ihn alleine lässt. Er braucht dich um weitertrinken zu können, klar ist das etz schmarrn, aber dadurch das du immer da bist, wird er auch net mit den konsequenzen seiner trinkerei konfrontiert.
Wenn du hier im alkoholikerbereich oder auch woanders liest, wirst du immer wieder etwas über den persönlichen tiefpunkt finden. Es heißt ein alkoholiker muss ganz unten sein, damit er merkt, dass es so nicht mehr weiter geht und er trocken werden möchte – bis zu diesem schritt kann es aber auch noch ne gute weile dauern, monate, jahre…
Es gibt manche die an den tiefpunkt net glauben, ich denk da is verdammt viel dran – der tiefpunkt ist für jeden nur unterschiedlich. Beim einen ist es der führerscheinentzug, der nexte muss erstmal ganz alleine dastehn, familie weg, heim weg etc. und der nexte schafft es nie.
Und solange man den alkoholiker unterstützt, wird er den tiefpunkt auch nie erreichen…

Deine mutter ist ja wirklich der oberhammer, da stehn mir die haare zu berge, wenn ich so was lese. Du bist nicht ihr spielball, sorry aber so hört sich das für mich an! Sie hätte für dich und deine sorgen da sein müssen, dir zuhören und dich mal in arm nehmen sollen, was hat sie getan??? Das gegenteil, sie hat dich noch mehr fertiggemacht und dir aufgaben erteilt, die du gar nicht erfüllen konntest. Ich könnt grad schreien wenn ich nur daran denk und du hast das auch noch alles mitmachen müssen bzw. machst du etz noch.

ich hab hier viel gelesen und geschrieben, irgendwann später hab ich mir dann auch noch bücher besorgt, damit hab ich gelernt einiges zu verstehn, die krankheit an sich (soweit man alkoholsucht als nichtalkoholiker verstehn kann) usw.
es hat mir gezeigt, dass ich nix für meine mutter tun kann, mein leben und glück ist nicht von ihr und ihrer trinkerei abhängig sondern nur von mir! Ich geh ihr so ziemlich aus dem weg (ganz besonders wenn sie betrunken is), war anfangs auch net einfach, aber klappt inzwischen doch ganz gut. Und das schöne ist: mir geht’s gut dabei!
Ich weiß das meine geschwister und ich meiner mutter nicht egal sind, sie hat uns lieb und wir sie genauso, aber die sucht ist stärker und dabei kann ich ihr nicht helfen, nur sie selbst!

Les dich hier durch, dir wird vieles bekannt vorkommen, da bin ich mir sicher. Du darfst hier gerne alles aufschreiben was dich bedrückt, bei mir sind damals die finger über die tasten geflogen (so wie bei dir glaub auch), das ist ok so und tut gut. Wir hören dir auf jeden fall zu!

Sei ganz lieb gegrüßt

Nicole85
neuer Teilnehmer
Beiträge: 286
Registriert: 12.01.2008, 21:51

Beitrag von Nicole85 » 13.01.2008, 16:25

Hallo,

ich bin ehrlich gesagt so ein bisschen schockiert wie hart ihr mit meinen Eltern ins Gericht geht. Seid mir net böse, aber die haben halt ihre Probleme und zu wem sollen sie den gehen?

Trotzdem erstmal vielen Dank für das herzliche Willkommen und euren Beistand, ich hatte nämlich keine Ahnung, dass irgendwer sich noch so fühlt wie ich!

Hab mal so ein bisschen was gelesen und hey, einiges kommt mir ziemlich bekommt vor.

Aber eine ganz wichtige Frage:
Habe gerade erfahren, dass der Blutdruck meines Vaters so hoch ist, dass er unbedingt Beta-Blocker benötigt, ausserdem hat er mal wieder Herzrythmusstörungen...

Ich weiß ja net, aber das Zeugs + Alkohol, das macht mir gerade ziemlich Angst, was soll ich machen?

Vielleicht den Arzt sprechen?

Danni
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Beiträge: 69
Registriert: 21.09.2007, 20:48

Beitrag von Danni » 13.01.2008, 18:09

hallo nicole,

schön, daß du zu uns gefunden hast! es wird dir bestimmr helfen, vieles zu sortieren und DEINEN weg zu finden!

wie du schreibst, findest du, daß die anderen mit deinen eltern zu hart ins gericht gehen! ich denke, die meisten haben sich noch nett ausgedrückt, denn wenn man das schreiben würde, was man wirklich denkt, wenn man so eine geschichte wie deine hört, dann würde man so ziemlich gegen jede forenregel verstossen und gegen die guten sitten. was mich angeht kannst du noch eine gehörig große schaufel auf all das packen, was die anderen über deine eltern geschrieben haben und dann wären wir bei dem, was ich von deinen eltern halte.
sie sind erwachsene menschen!
wärst du denn nicht wütend, wenn ich hier schreiben würde: " meine mama hat mich die ganze nacht mit den intimsten beziehungsdingen vollgequascht und meinen vater beldeidigt. ich konnte deshlab nicht schlafen und bin in der schule eingepennt. als mein lehrer dies meiner mutter erzählt hat, hat sie ihn angelogen und gesagt, ich wäre ein unerzogenes gör. als das telefonat zu ende war, hat sie mich verdroschen!"
vielleicht hilft es dir, wenn du dein erlebniss in meinen worten nochmal liest um zu verstehen, was da passiert ist und warum hier von missbrauch geschrieben wird. ein kind ist nicht dazu da, sich intime dinge von den eltern an zu hören und alles zu regeln, nur weil sie es nicht auf die reihe kriegen. ich kann nur erahnen unter was für einem druck die standest und immer noch stehst. mir ging es auch auf die psyche, daß jeder hier anrief um mir von meinem vater zu erzählen und was er gerade wieder tut. nur bin ich nicht hingefahren und hab mich gekümmert, diese last wollte ich mir nicht auch noch aufbürden ( und ich habe keine zwei kinder).
alle menschen haben probleme, dies ist so und man kann sich als familie auch helfen und unterstützen, daß ist vollkommen normal. aber man muss sich auch immer selber kümmern und darf den anderen nicht mit seinen problemem zerstören, dazu hat man kein recht! und auch deine eltern haben das nicht, sie sind alt genug! sie wollen dieses leben so, also sollen sie auch selber damit fertig werden!

ich denke auch, daß sich betablocker und alk nicht gut vertragen, aber dies ist nicht dein problem!! das höchste was ich machen würde, wäre dem arzt zu sagen, daß dein vater alkoholiker ist, aber um alles andere würde ich mich nicht kümmern!
aber es ist deine entscheidung. ich denke, du brauchst noch viel zeit und ie solltest du dir auch nehmen, denn das tust du für dich und das ist gut!
wenn man das system alkoholsucht so einigermassen verstanden hat, dann wird einem schnell klar was man tun muss. aber bis man es auch tatsächlich kann, daß dauert eine weile.
übrigens finde ich auch, daß dein mann recht hat und richtig gehandelt hat. ich habe auch aufgelegt, als mein vater begann mir vorwürfe zu machen und das war genau richtig, daß weiß ich nun.

ich wünsche dir alles gute und viel kraft, damit du zu dir und deiner eigenen familie finden kannst!
liebe grüße, danni

lavendel
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2672
Registriert: 23.05.2006, 20:05

Beitrag von lavendel » 13.01.2008, 20:27

hallo nicole,

waoh, deine geschichte hat es wirklich in sich :shock:. und ich finde auch nicht, dass meine vorschreiberinnen mit deinen eltern hart ins gericht gegangen sind... mir gehts wie danni, würde ich ehrlich schreiben, was ich denke, müsste man das zensieren :?.

auf der anderen seite kann ich dich gut verstehen. meine eltern haben auch beide getrunken, seit ich denken kann, ich hab sie immer in schutz genommen, sie verteidigt, für sie gelogen, hab mir ihre geschichten angehört und war klammheimlich sogar stolz darauf, dass ich das alles geregelt bekommen habe :shock:, neben meinem alltag, studium, ehe, arbeit... in gewisser weise pervers, aber irgendwie wird mal als alki-kind ja so krank erzogen, dass man eben nicht die "normalen" kinderrechte eines unbeschwerten aufwachsens einklagt. man macht sich lieb kind, indem man sich um die eltern kümmert: das ist krank!

ich selbst habe diese spielchen bis mitte/ende zwanzig mitgemacht, bis ich irgendwann kurz vor klapse war - so hatte ich jedenfalls das gefühl. meine eltern, die mich terrorisiert haben "du bist die tochter, wir lieben dich, du musst dich kümmern, wir haben doch sonst niemanden", ich mit meinem gedanken "du sollst deine eltern lieben" und völlig zerrissen zwischen hass, mitleid, pflichtbewusstsein und dem gefühl "ich werde verrückt". durch verschiedene arten von gesprächen (psychologin, pfarrer) bin ich gaaanz langsam zu der erkenntnis gekommen, dass ich das recht auf ein eigenes, unbeschwertes leben habe, dass ich nicht undankbar bin, wenn ich sage "bis hierher und nicht weiter" und mich als mülleimer meiner eltern verweigere.

zwischenzeitlich habe ich sogar eine riesenwut auf diese menschen kultiviert, die so viel in mir kaputt gemacht haben, sodass ich mit vierzig noch an den folgen zu knabbern habe. mittlerweile tun sie mir leid, aber ich habe den kreis um mich gezogen, und gehe mit meiner mutter (mein vater ist an seinem suff gestorben) nur noch dann um, wenn sie nüchtern ist und mich respektiert.

das klingt furchtbar hart, ich weiss, aber irgendwie hatte ich irgendwann nur noch die wahl "sie oder ich", und da hab ich mich zum glück mit hilfe von aussen für mich entscheiden. und ich habs nicht bereut, denn sonst hätte ich mich längst umgebracht oder wäre wirklich in der klapse gelandet.

wünsche dir viel kraft für deinen weg

lavendel

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