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Merkmale für ein EKA

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Forenleitung

Merkmale für ein EKA

Beitrag von Forenleitung » 03.03.2009, 11:52

Hallo Zusammen,

wie vielleicht einige von Euch wissen, schreibe ich hauptsächlich im Co-Bereich.
Ich bin aber auch ein Kind eines Alkoholikers.

Da ich mich noch nie wirklich damit auseinandergesetzt habe, und hier ja auch viele neue EKA´s sich anmelden, hätte ich da mal eine Bitte an Euch.

Wie wäre es, wenn Ihr mal zusammen eine Zusammenstellung aller Merkmale eines EKA´s hier zusammensammelt, quasi wie einen Katalog, den man nachschlagen kann, um sich darin wiederzufinden oder überhaupt den Unterschied zwischen einem EKA und Co-Abhängigen zu erkennen.

Das wäre mir, und bestimmt auch anderen Co´s und Neuen eine riesige Hilfe, weil ich echt immer Schwierigkeiten habe, den Unterschied zu finden.


Was denkt Ihr darüber?

Lieben Gruß

S.Käferchen

graffiti
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Beitrag von graffiti » 03.03.2009, 12:22

hallo käferchen,

ein thema, das mir auch immer wieder in den kopf kommt - da mir erst hier bewußt wurde, daß es grundsätzliche unterschiede zwischen eka-merkmalen & co-abhängigkeits-merkmalen gibt.
obwohl sicher jedes eka auch zu co-abhängigen verhaltensweisen neigt, die mal stärker, mal schwächer zum tragen kommen - oft nur bei bestimmten menschen.

der unterschied, der für mich am auffälligsten ist:
sehr viele ekas haben irgendwann eine gewisse kälte aufgebaut - sich selber gegenüber & anderen gegenüber.
ich habe keine ahnung, ob das bei allen so ist, aber bei sehr vielen fällt es mir auf.

ich kenne auch viele ekas im realen leben - so ziemlich alle meine näheren bekannten stellen sich irgendwann als ekas heraus - & auch sie sind durch die bank menschen, deren warmherzigkeit innerhalb eines moments in kaltschnäuzigkeit umschlagen kann.
ist bei mir selber auch so.

diese menschen sind auch alle sehr darum bemüht, beziehungen "richtig" zu gestalten.
sie stecken viel arbeit rein, denken viel drüber nach.
manchmal habe ich das gefühl, wenn sie/wir weniger denken würden, wäre da vieles einfacher.
aber anscheinend ist die unsicherheit so groß, wie man sich denn "richtig" verhält im umgang mit anderen menschen, daß es ein großes thema ist.

noch ein merkmal all dieser bekannten fällt mir ein:
wir haben allesamt die angewohnheit, kontakte für wochen, monate, jahre zu unterbrechen - völlig ohne nachvollziehbaren grund - & dann viel später wieder anzuknüpfen.
als sei nichts gewesen, als sei nicht über lange zeit hinweg funkstille gewesen.
alle können wir uns da selber nicht verstehen, wissen selber nicht, warum das so ist.

alle diese bekannten (ja. klar. ich auch :)) haben seltsame ängste und/oder zwänge, die ihrer alltags-persönlichkeit zu widersprechen scheinen.

ich bin gespannt darauf, was in diesem thread noch zu tage kommt.

mit einem herzlichen gruß,
graffiti
(zur orientierung: tochter zweier alkoholiker)

Weitsicht

Beitrag von Weitsicht » 03.03.2009, 12:46

Hallo Käferchen,

Deinen Vorschlag finde ich gut, wenn ich im Co-Bereich oder Alkoholiker-Bereich lese, bemerke ich, dass einige auch EKA`s sind.

Frage mich öfters, ob sie ihre Kindheit aufgearbeitet haben? Viele weibliche EKA`s die einen Alkoholiker als Vater hatten, suchen sich prompt nen Partner, der auch Alkoholiker ist. Versuchen sie durch ihren Partner die Liebe zu bekommen, die sie von ihrem Vater nicht bekommen haben? wollen sie jetzt ihren Partner retten, da es bei dem eigenen Vater nicht gelungen ist, der Alk an erster Stelle kam, dann erst sie.

Muss ich nicht erst mich und meine Gefühle kennen lernen, um meine Handlungen aus der Tiefe heraus verstehen zu können, damit kann ich doch erst konsequent und aus einer inneren Stärke heraus, meinem Partner gegenüber handeln. Ansonsten ist es öfters zwanghaftes Bleiben in einer Verbindung, die nur gegenseitig verletzt. Beide sollten an sich arbeiten wollen und einsehen, dass der Alk keine Lösung ist, sondern ihre Beziehung nur belastet.

Ich hatte eine trinkende Mutter, sowie einen trinkenden Bruder, ich vermute, dass ich deshalb keinen trinkenden Partner mir ausgesucht habe. Dafür einen EKA-Partner, der selbst einen trinkenden Vater hatte und dadurch "Gott sei Dank"vom Trinken abgeschreckt wurde, mir aber in vielem, was unser Verhalten anging, ähnlich ist. Der Selbstwert fehlte uns Beiden.

Den Unterschied suche ich hier im Forum schon lange, ich glaube, dass der trinkende Partner Co-Abhängige abhält an sich selbst zu denken, ist für mich oft zwanghaftes Verhalten zu erkennen. Wenig Selbstverantwortung.

EKA`s haben öfter`s Angststörungen, Verlustängste, psychosomatische Beschwerden, Schuld- und Schamgefühle, wegen ihren trinkenden Elternteilen, die sie zwingen früh einen Therapeuten aufzusuchen. Ich wollte meine Kinder anders begleiten, als ich es vorgelebt bekam.

Wenn keine gesunde Loslösung von Eltern gelingt, wird das eigene Leben nicht gelingen, da ich zu sehr mit meinen kranken Verhaltensweisen, aus meiner Suchtfamilie her verstrickt bin. Was gehört von meinem Denken und Fühlen zu mir und was zu meinen Eltern, Herkunftsfamilie, das frage ich mich öfters.

Bin auch gespannt auf die Sichtweise von anderen EKA`s

Alles Liebe Weitsicht

graffiti
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Beitrag von graffiti » 03.03.2009, 14:23

nachtrag:

ekas fürchten nähe, obwohl sie sie suchen.
ganz innendrin.
sehr vermauert ist diese sehnsucht.
immer wenn jemand emotional naherückt, fühlt es sich hochgefährlich an.

loreen1
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Beitrag von loreen1 » 03.03.2009, 14:34

hallo liebes käferchen,

eine tolle idee von dir, also ich kann ja nicht von anderen schreiben aber bei mir war am meisten die rechtmachsucht vorhanden. ich wollte es wirklich jedem und allen recht machen, hab immer versucht das jeder mit mir zufrieden ist, und wenn ich mich noch so angestrengt habe ich hatte trotzdem immer das gefühl nicht gut genug zu sein. nicht genug gemacht zu haben. dabei war das egal ob das beim partner, bei den eltern, bei den kindern oder im beruf war. hab dann auch nicht meine meinung oder gefühle rausgelassen, sondern erst mal abwarten wie andere das sehen.
und das ich verlassen werd, diese angst hatte ich auch immer sehr groß in mir, weil ich ja allein zu nichts fähig war.

ach mir fällt bestimmt noch so einiges ein aber ich freu mich auf ganz viele andere meinungen.

drückeuch lg loreen

Morgenröte
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Beitrag von Morgenröte » 03.03.2009, 14:58

Hallo Käferchen,

ich finde das mal ein sehr gutes Thema und möchte mich auch daran beteiligen.

Mir fehlt Empathie, ich habe einfach kein Einfühlungsvermögen. Wenn mir jetzt jemand Bekanntes sagen würde, dass er sterbenskrank wäre, dann könnte ich zwar sagen, dass es mir leid tut aber fühlen würde ich das nicht.
Schüchternheit und mangelndes Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen wären auch noch ein Merkmal. Schüchternheit in alltäglichen Situationen z. B. wenn man auf einer Party neue Leute kennenlernt, dass man sich dort nicht traut etwas zu sagen - geht soweit, dass man einen Klos im Hals hat u. wenn man was sagt, dann zittert die Stimme u. man wäre am liebsten gar nicht da.

Liza

Beitrag von Liza » 03.03.2009, 15:06

Hallo Käferchen,
ja, ich finde auch, das es eine sehr gute Idee war, die Definition mal gemeinsam anzugehen.

Für mich ist es so, dass ich immer das Gefühl hatte für alles verantwortlich zu sein, was meine trinkenden Eltern gemacht haben und dass ich mich auf gar keinen Fall auf jemand anderen verlassen darf, sonst bin ich verloren.
Ausserdem kenne ich von früher noch das "sich in Luft auflösen" um bloß niemandem zur Last zu fallen.

Für mich bedeutete das, ich konnte mich anstrengen, wie ich wollte, mich fand eh niemand ok.
Irgendwann hab ich es dann als "Ackergaul" versucht und das fanden meine Eltern dann ganz ok, dann brauchten sie sich nämlich um gar nix mehr kümmern. Nur noch hinterher schimpfen, wenn nicht alles glatt gelaufen ist...

Ich habe in einem Skript über Kinder von Alkoholkranken gelesen in dem die "Rollen" folgende Namen erhielten:
"Familienheld" als Verantwortungsbewußte/r
"Schwarzes Schaf / Sündenbock"
"Träumer" als das stille, fügsame Kind und
"Maskottchen / Clown" als das Kind, das versucht, die Stimmung oben zu halten.

Das Skript heißt "Kinder von Suchtkranken Halt geben" und ist von der BKK. Man kann es kostenlos als pdf-Datei laden. Das wollte ich hier eh mal in die Runde geben.
Es hat mir sehr geholfen, denn da finde ich mich in einigem wieder.

"Fühle nicht", "traue nicht" und "rede nicht" sind sicher für uns alle hier auch bekante Botschaften aus dem Elternhaus, die in diesem Skript beschrieben werden.

Ganz liebe Grüße an Euch alle,
Löwenherz

edit Karsten: Die Infos gibt es unter www.bkk.de/

graffiti
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Beitrag von graffiti » 03.03.2009, 16:22

hallo morgenröte,
Wenn mir jetzt jemand Bekanntes sagen würde, dass er sterbenskrank wäre, dann könnte ich zwar sagen, dass es mir leid tut aber fühlen würde ich das nicht.
das kenne ich von früher noch - & jetzt auch immer wieder mal, aber nicht mehr durchgängig.

ich bin (mehr durch zufall) angetaut & bin weiterhin am abtauen.
auf einmal waren alle möglichen gefühle nichts abstraktes mehr, sondern fühlbar.
dieses loch ist nur noch ganz selten da, das loch, in dem ich mir denke:
eigentlich müßte ich was fühlen ... macht man ja so ... aber ich spüre gar nichts.

von daher: ich glaube nicht, daß du kein einfühlungsvermögen hast, sondern daß du die verbindung gekappt hast.
& ich weiß, daß diese lücke überbrückbar ist.

mit einem herzlichen gruß,
graffiti

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