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Merkmale für ein EKA

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Tuschii
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Beitrag von Tuschii » 06.10.2017, 14:26

Hallo zusammen,

meine schwerwiegendste EKA-Eigenschaft... die Antennen für die Stimmungen anderer. Als Kind eines trinkenden Vaters war ich immer in Hab-Acht-Stellung... am Zuschlagen der Autotür konnte ich hören, ob es besser war, mich in mein Zimmer zu verkriechen usw.
Noch heute mit 41 passe ich unbewußt immer ganz genau auf. Was ist anders als sonst am Gegenüber, was könnte mir evtl. gefährlich werden. Man beobachtet ständig, registriert jede Kleinigkeit und deutet sie.
Wobei ich diese in der Kindheit zum Schutz angeeignete Verhaltensweise nicht ausschließlich als negativ ansehe. Mir fällt oft auf, dass es mir durch sie auch leicht fällt, zwischen den Zeilen zu lesen. Man ist einfach empfänglicher für die Signale, die andere aussenden.

Tuschii

Maskottchen
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Beitrag von Maskottchen » 10.01.2018, 20:40

Oh, ich bin Neuling und rufe jetzt einen älteren Thread wieder auf. Ich gebe zu, dass ich nach den ersten Seiten alle weiteren überflogen habe.
Verzeiht es mir bitte, sollte ich Wichtiges übersehen haben.
Also ein EKA unterscheidet sich vom Co-Alkoholiker darin, dass er zu einer anderen Zeit seine Erfahrungen machte.
Der EKA war das Kind. Da gibt es Präge- und Sozialisierungsphasen u.s.w., die es beeinflussten..
Der Co-Alkoholiker lernt einen Suchtabhängingen außerhalb der Familie kennen?
Ein EKA kann sich seiner Situation nicht entziehen, da es ein Kind ist, auch wenn es irgendwann mal älter ist. Ein Co-Alkoholiker ist meist erwachsener und es passiert im ausserfamiliären Umfeld?

Aurora
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Beitrag von Aurora » 11.01.2018, 10:20

Hallo Maskottchen,

ein EKA ist tatsächlich erst mal in einer anderen Position. Wenn die Kinder klein sind und mit abhängigen Eltern bzw. einem abhängigen Elternteil aufwachsen sind sie tatsächlich der Situation ausgeliefert. Da entwickeln sich dann Prägungen, die das ganze Leben beeinflussen.

Im Prinzip sind die Verhaltensweisen dabei sehr ähnlich wie die bei Coabhängigen. Nur dass das Kind eben nicht entscheiden kann sich zu trennen. Wenn es klein ist.

Oft sind EKAs später auch perfekte Coabhängige oder sie werden selbst von einem Suchtmittel abhängig. In beiden Verhaltensweisen spiegeln sich die erlernten und bekannten Muster wider.

Der Coabhängige bringt bestimmte Prägungen mit, das kann eben einmal durch eine Kindheit in einem Suchthaushalt sein aber auch durch andere Prägungen. Das Frauenbild der vorigen Generationen war schon so ausgerichtet, dass Frauen sich coabhängig auch verhalten. Ich weiß nicht, ob dieses Frauenbild heute schon so anders ist. Ich bin jedenfalls so groß geworden. Mein Selbstbewusstsein wurde nicht gefördert, ich sollte angepasst, anschmiegsam, hilfsbereit und wunschlos sein. Mal ganz grob gesagt.

Coabhängigkeit gibt es auf vielen Gebieten. Dass kann in der eigenen Familie sein aber auch im Freundeskreis, unter Arbeitskollegen, im menschlichen Zusammensein eben. Mal ganz grob gesagt besteht menschliches Zusammenleben auch aus einer gewissen Coabhängigkeit, dem Sorgen füreinander. Krank wird es eben dadurch, dass massiv Grenzen überschritten und das Verhalten gewissermaßen nicht mehr kontrolliert werden kann. Wenn es ausufert bis zur Selbstaufgabe.

Da wir hier eine SHG für Alkoholiker sind sind hier eben die Cos bzw. eben auch EKAs der Alkoholiker.

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig beim Sortieren, was ich gerade geschrieben habe.

Liebe Grüße
Aurora

Maskottchen
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Beitrag von Maskottchen » 15.01.2018, 20:50

Aurora,
Eine tolle Erklärung. Danke dir!
Ich hatte die Tage anderes um die Ohren, deswegen leider jetzt erst meine Antwort.
Es ist doch wie immer im Leben, alles wesentlich komplexer und ineinander verwoben-
Gut so!
( und manchmal auch weniger gut😊)
Ganz liebe Grüße

Miss Daisy

Beitrag von Miss Daisy » 26.02.2018, 20:39

Ha! Ich habe mich in vielem hier wiedererkannt - Neigung zur Kontrollsucht, „Flöhe husten hörena, Angst und Panik, geringes Selbstwertgefühl, verantwortlich fühlen, Schreckhaftigkeit (als Kind viel Streit zwischen Mutter und Partner mitbekommen), brauche dauernd Bestätigung, dass mein Partner mich immer noch liebt, konfliktscheu,... habe ich alles.

Nun habe ich nicht alle Beiträge durchgelesen, sondern nur so einige überflogen, aber wurde Geheimniskrämerei schon erwähnt als eine typische EKA-Eigenschaft?

Dadurch dass bei uns das Thema Alkohol immer totgeschwiegen wurde (was sollen die Nachbarn denken?), habe ich mir angewöhnt, meine Probleme für mich zu behalten. Ich habe Angst, erpressbar zu sein oder verachtet oder ausgelacht zu werden, wenn ich sage, was ich fühle, und darum vertraue ich mich anderen Leuten nicht an. Meine Sorgen habe ich damals verarbeitet, indem ich Tagebuch geschrieben habe wie eine Irre und hinterher das Geschriebene vernichtet habe, damit es ja keiner liest und weiß, was ich denke.

Ein Rest dieser gelernten Heimlichtuerei ist noch übriggeblieben. Bis heute habe ich noch nie einem Menschen erzählt, dass meine Mutter alkoholabhängig ist/war. Nicht mal mein Mann weiß davon. Und auch sonst neige ich dazu, Sachen für mich zu behalten, die ich mit gutem Gewissen auch einfach erzählen könnte.

Liebe Grüße!

EuleVanDark
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Beitrag von EuleVanDark » 18.03.2018, 22:22

Ich habe einige Threads auch einfach überflogen, aber auch manche gelesen und ich muss sagen - wow. Ich erkenne mich in manchen wieder und bin gerade etwas froh, nicht allein zu sein.

Mein größtes Problem als EKA ist, dass ich sehr selbstzweifelnd bin, sehr schnell aufgebe (sei es Lösungen an Problemen oder Jobs), Angst vor Menschen habe die über mich urteilen könnten und versuche wirklich ALLES PERFEKT zu machen um dann u.a. festzustellen, dass ich daran kläglich scheitere und das sehr schmerzt. Auch habe ich Probleme auf Leute außerhalb des Internets zu zugehen und Freundschaften zu knüpfen, da ich immer auf der Lauer bin und denke "Diese Person meint es eh nicht ernst mit mir, veräppelt mich nur, sagt das jetzt nur, weil es sich jetzt so gehört" und ich habe enorme Schwierigkeit wenn Abläufe anders laufen als sie sollten.

Bin bereits in Therapie, aber irgendwie komme ich innerlich nicht voran..

Biene1967
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Re: Merkmale für ein EKA

Beitrag von Biene1967 » 26.06.2018, 17:39

Habe jetzt nicht 35 Seiten gelesen ...
Bin EKA (Vater begann zu trinken, als ich etwa 14 war).
Symptome:
- versuche, nie negativ aufzufallen (genügsam)
- Probleme, Grenzen zu setzen (Pubertät mit den typischen Grenzüberschreitungen fiel aus, sh. oben
- sehr zuverlässig und fleissig
- anhänglich, auch wenn man nicht so nett zu mir ist
- ein Partner mit Alkoholproblemen
- fühle mich dauernd verantwortlich, vor allem für die Laune des Anderen
- Co-Abhängige Züge
- extrem anpassungsfähig
- Wenig Selbstbewusstsein
- Suche Sicherheit, wo keine ist. Wie ein Kind eben
- Hochsensibel, bemerke jede Stimmung und versuche auszugleichen

Und das Schlimmste:
- Versuche mit Wohlverhalten Anerkennung und Zuneigung zu bekommen

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