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Merkmale für ein EKA

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Ms_Linda
neuer Teilnehmer
Beiträge: 37
Registriert: 20.07.2009, 13:55

Beitrag von Ms_Linda » 03.02.2014, 14:04

Zimttee hat geschrieben: Aber ich habe es schon kennengelernt, dass es Menschen gibt, die ihre Wut auf sich selbst auf mich projizierten und mich ewig piesakten, weil sie mir das ein oder andere nicht gönnten. Ganz dem von zu Hause antrainierten Motto kam ich nicht aus mir raus, konnte mich nicht wehren und war so ein leichtes Opfer für viele.

Ist es das, was du meinst?
Hallo Zimttee.
Jaein. Ich meinte damit eher meine Erfahrungen mit dieser Konstellation: Man lernt sich kennen (ist egal ob das Gegenüber männlich oder weiblich ist) und die Freundschaft intensiviert sich relativ zügig. Meist hat der andere ein akutes Problem und ich bin bei der Lösung sehr behilflich. So sehr, dass es mir schon fast zu eigen wird. Nachdem das Problem beseitigt ist, kühlt das Verhältnis mehr und mehr ab. Meistens wendet sich die Person plötzlich anderen zu und ich fühle mich mehr und mehr abgemeldet. Sage ich etwas dahingehend, wird der andere wütend. Ich auch. Man spricht sich aus und es ändert sich trotzdem nichts. Nach und nach wird der andere immer wütender und aggressiver im Verhalten und es kommt zum Streit. Zu oft herrscht danach Funkstille, für ganz.
Mir ist seit frühester Kindheit eingebleut worden, dass ich aufdringlich bin und mich sowieso keiner leiden kann. Von daher suche ich immer den Fehler bei mir. Aber so sehr ich auch darüber reflektiere, ich finde den "Knackpunkt" in meinem Verhalten nicht und weiss daher einfach nicht, wie ich diese Endlosschleife auflösen kann. Ich hätte auch gerne einach nur normale Freundschaften und nicht stets solche Extreme. Versuche ebenfalls, mit allen immer gut auszukommen. Zu oft, zu sehr. Vielleicht liegt da der Fehler...
Deswegen hoffe ich, es findet sich noch jemand, mit ähnlicher Problematik- vielleicht sogar schon einen Schritt weiter als ich.
Hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken!?
Lg

Meadow
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 915
Registriert: 27.02.2015, 18:15

Beitrag von Meadow » 28.02.2015, 13:32

Hey,

ich bin neu im Forum. Auch ich bin ein EKA und konnte mich in so vielen Beiträgen wieder erkennen.

Auszüge aus zwei Beiträgen, die mich besonders berührt und an meine Situation erinnern, möchte ich zitieren.

von kithi k
Meine Persönlichen Merkmale eines EKA sind:
- empatie
Ich kann mich gut in andere Menschen hineinversetzten und hinen fühlen, wie ich selbst finde und mir auch oft gesagt wird.
- Gedanken:
Ich habe ebenfalls den Hang, mir eine Situation, die bald auf mich zu kommt (z.B. Bewerbungsgespräche, neuer Arbeitsplatz usw.) aus allen Richtungen zu analysieren "Wie es sein könnte"
Dabei ist meine Lebensdevise leider immer noch, "Ich rechne mit dem schlimmsten und hoffe auf das Beste"
- Kritikfähigkeit
ich denke ich bin Kritikfähig und kann diese auch annehmen und zu meiner Verbesserung verwenden. Allerdings, egal wie gut ich eine Arbeit geleistet habe, ich frage meinen Anleiter (ich bin in der Krankenschwesterausbildung) mind. 5x ob ichs wirklich gut gemacht habe und sehe bei mir selbst jeden klitze kleinen Fehler. Mir fällt es irre schwer, selbst Lob anzunehem und frag da zich mal nach, weil ich die Bestätigung brauche und es irgendwie nicht glauben kann, dass es Ernst gemeint war.
von J-min
Und nun meine Beobachtungen:
Ich bin oft so beflügelt vom Leben dass ich mich selbst nicht wieder erkenne. Und im nächsten Moment so tief bedrückt das ich mir oft wünsche, nicht mehr zu existieren und den Schmerz in mir ersticken zu lassen. Oftmals stehe ich total neben mir und beobachte mich selbst. Wenn ich Menschen etwas "privates" erzähle, was für jeden anderen selbstverständlich wäre, kann ich oft vor lauter Panik zuviel erzählt zu haben nciht einschlafen. Angst die Menschen könnten über mich schlechte Dinge reden. Betrunkene Menschen lösen in mir pure Agression und Hass aus. Wenn Menschen meine Wohnung betreten prüfe ich immer ob es etwas gebe was ich verstecken müsste. Unangekündigte Spontanbesuche versetzen mich in Panik. Oft sehen ich mich unglaublich nach Nähe, wenn ich sie habe möchte ich dieser entfliehen. Manchmal fühle ich mich, dass ich in meinem Körper bin, und andere Male fühle ich mich als wäre ich woanders ... irgendwo verloren gegangen.
Habe heute Ziel A vor Augen, morgen kann es schon wieder Ziel B sein... verwirrter Lebensweg, planlos. Will in der Familie immer die Heldin sein, allen helfen und versuchen das es allen gut geht, was mich oft derartig überfordert dass ich dem ganzen am liebsten enfliehen wollen würde.
Am meisten hat mich mein Leben lang immer diese Unsicherheit belastet, die ich immer und in allen Lebenslagen gespürt habe. Einige Freundschaften sind daran sogar auch schon kaputt gegangen.

Ich habe immer überlegt, was ist anders bei mir? Was stimmt bei mir nicht? Was denken die anderen? Und im Nachhinein bin ich irgendwelche Situationen immer und immer wieder durchgegangen und hab überlegt, habe ich mich jetzt blöd verhalten? Hätte ich was anders machen können? Dabei ging es nur um Kleinigkeiten.

Außerdem hatte ich früher oft wie einen Kloß im Hals und konnte mich einfach nicht überwinden bestimmte Dinge zu sagen. Einmal hatte ich mein Geld vergessen und Verwandte einer Freundin haben für mich bezahlt. Es hat mich ewige Überwindung gekostet, zu sagen, dass ich das GEld vergessen hatte, obwohl von Anfang an klar war, dass sie eh bezahlen würden.

Kennt ihr so was auch?

Liebe Grüße, Toru-Chan

Eule89
aktiver Teilnehmer
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Beitrag von Eule89 » 31.05.2017, 14:06

Hallo zusammen,

ich bin selber auch EKA. Momentan bin ich auch im Co-Forum unterwegs, da dies gerade aktuell ist. Mein Elternteil ist seit ein paar Jahren trocken.

Ich finde es erstaunlich, wie viele Dinge bzw. Eigenschaften und Charakterzüge hier immer wieder von verschiedenen Personen genannt werden.

In fast jedem Beitrag kann ich mich selber wiederfinden.

Zu meinen Eigenschaften:
- ich bin einerseits sehr eigenständig, aber andererseits auch total unsicher
- ich zweifle immer an mir und meinen Fähigkeiten
- ich brauche viel Bestätigung und Zuwendungen von anderen
- ich habe oft das Gefühl nur Lob oder Anerkennung aus Mitleid zu bekommen
- ich fühle mich oft noch als kleines Kind (behandelt), obwohl ich bereits 28 werde
- ich frage mich immer, ob jemand (der es eigentlich gut mit mir meint) mir schaden möchte
- ich habe (quasi schon immer) Ein- und Durchschlafprobleme, ich brauche Stille um mich herum, sowohl zum Schlafen als auch so (ich hasse es z. B. wenn der Fernseher oder das Radio so nebenbei läuft)
- ich bin sehr schmusebedürftig (aus dem Grund habe ich auch einen Schmusekater, der das offensichtlich von Anfang an gemerkt hat)
- ich flüchte mich gerne in eine Traumwelt (z.B. beim malen oder so)
- ich hinterfrage alles und wäge immer ab
- ich treffe selten Entscheidungen aus dem Bauch heraus
-...

Ich weiß nicht, ob das wirklich damit zusammen hängt oder hängen kann. Aber offensichtlich haben hier alle doch ähnliche Eigenschaften, die ihn oder sie ausmachen.

LG
Eule89

Tuschii
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Registriert: 30.09.2017, 11:50

Beitrag von Tuschii » 06.10.2017, 14:26

Hallo zusammen,

meine schwerwiegendste EKA-Eigenschaft... die Antennen für die Stimmungen anderer. Als Kind eines trinkenden Vaters war ich immer in Hab-Acht-Stellung... am Zuschlagen der Autotür konnte ich hören, ob es besser war, mich in mein Zimmer zu verkriechen usw.
Noch heute mit 41 passe ich unbewußt immer ganz genau auf. Was ist anders als sonst am Gegenüber, was könnte mir evtl. gefährlich werden. Man beobachtet ständig, registriert jede Kleinigkeit und deutet sie.
Wobei ich diese in der Kindheit zum Schutz angeeignete Verhaltensweise nicht ausschließlich als negativ ansehe. Mir fällt oft auf, dass es mir durch sie auch leicht fällt, zwischen den Zeilen zu lesen. Man ist einfach empfänglicher für die Signale, die andere aussenden.

Tuschii

Maskottchen
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Beitrag von Maskottchen » 10.01.2018, 20:40

Oh, ich bin Neuling und rufe jetzt einen älteren Thread wieder auf. Ich gebe zu, dass ich nach den ersten Seiten alle weiteren überflogen habe.
Verzeiht es mir bitte, sollte ich Wichtiges übersehen haben.
Also ein EKA unterscheidet sich vom Co-Alkoholiker darin, dass er zu einer anderen Zeit seine Erfahrungen machte.
Der EKA war das Kind. Da gibt es Präge- und Sozialisierungsphasen u.s.w., die es beeinflussten..
Der Co-Alkoholiker lernt einen Suchtabhängingen außerhalb der Familie kennen?
Ein EKA kann sich seiner Situation nicht entziehen, da es ein Kind ist, auch wenn es irgendwann mal älter ist. Ein Co-Alkoholiker ist meist erwachsener und es passiert im ausserfamiliären Umfeld?

Aurora
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Beitrag von Aurora » 11.01.2018, 10:20

Hallo Maskottchen,

ein EKA ist tatsächlich erst mal in einer anderen Position. Wenn die Kinder klein sind und mit abhängigen Eltern bzw. einem abhängigen Elternteil aufwachsen sind sie tatsächlich der Situation ausgeliefert. Da entwickeln sich dann Prägungen, die das ganze Leben beeinflussen.

Im Prinzip sind die Verhaltensweisen dabei sehr ähnlich wie die bei Coabhängigen. Nur dass das Kind eben nicht entscheiden kann sich zu trennen. Wenn es klein ist.

Oft sind EKAs später auch perfekte Coabhängige oder sie werden selbst von einem Suchtmittel abhängig. In beiden Verhaltensweisen spiegeln sich die erlernten und bekannten Muster wider.

Der Coabhängige bringt bestimmte Prägungen mit, das kann eben einmal durch eine Kindheit in einem Suchthaushalt sein aber auch durch andere Prägungen. Das Frauenbild der vorigen Generationen war schon so ausgerichtet, dass Frauen sich coabhängig auch verhalten. Ich weiß nicht, ob dieses Frauenbild heute schon so anders ist. Ich bin jedenfalls so groß geworden. Mein Selbstbewusstsein wurde nicht gefördert, ich sollte angepasst, anschmiegsam, hilfsbereit und wunschlos sein. Mal ganz grob gesagt.

Coabhängigkeit gibt es auf vielen Gebieten. Dass kann in der eigenen Familie sein aber auch im Freundeskreis, unter Arbeitskollegen, im menschlichen Zusammensein eben. Mal ganz grob gesagt besteht menschliches Zusammenleben auch aus einer gewissen Coabhängigkeit, dem Sorgen füreinander. Krank wird es eben dadurch, dass massiv Grenzen überschritten und das Verhalten gewissermaßen nicht mehr kontrolliert werden kann. Wenn es ausufert bis zur Selbstaufgabe.

Da wir hier eine SHG für Alkoholiker sind sind hier eben die Cos bzw. eben auch EKAs der Alkoholiker.

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig beim Sortieren, was ich gerade geschrieben habe.

Liebe Grüße
Aurora

Maskottchen
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Beitrag von Maskottchen » 15.01.2018, 20:50

Aurora,
Eine tolle Erklärung. Danke dir!
Ich hatte die Tage anderes um die Ohren, deswegen leider jetzt erst meine Antwort.
Es ist doch wie immer im Leben, alles wesentlich komplexer und ineinander verwoben-
Gut so!
( und manchmal auch weniger gut😊)
Ganz liebe Grüße

Miss Daisy

Beitrag von Miss Daisy » 26.02.2018, 20:39

Ha! Ich habe mich in vielem hier wiedererkannt - Neigung zur Kontrollsucht, „Flöhe husten hörena, Angst und Panik, geringes Selbstwertgefühl, verantwortlich fühlen, Schreckhaftigkeit (als Kind viel Streit zwischen Mutter und Partner mitbekommen), brauche dauernd Bestätigung, dass mein Partner mich immer noch liebt, konfliktscheu,... habe ich alles.

Nun habe ich nicht alle Beiträge durchgelesen, sondern nur so einige überflogen, aber wurde Geheimniskrämerei schon erwähnt als eine typische EKA-Eigenschaft?

Dadurch dass bei uns das Thema Alkohol immer totgeschwiegen wurde (was sollen die Nachbarn denken?), habe ich mir angewöhnt, meine Probleme für mich zu behalten. Ich habe Angst, erpressbar zu sein oder verachtet oder ausgelacht zu werden, wenn ich sage, was ich fühle, und darum vertraue ich mich anderen Leuten nicht an. Meine Sorgen habe ich damals verarbeitet, indem ich Tagebuch geschrieben habe wie eine Irre und hinterher das Geschriebene vernichtet habe, damit es ja keiner liest und weiß, was ich denke.

Ein Rest dieser gelernten Heimlichtuerei ist noch übriggeblieben. Bis heute habe ich noch nie einem Menschen erzählt, dass meine Mutter alkoholabhängig ist/war. Nicht mal mein Mann weiß davon. Und auch sonst neige ich dazu, Sachen für mich zu behalten, die ich mit gutem Gewissen auch einfach erzählen könnte.

Liebe Grüße!

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