Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Meine Mutter, der Alkohol, die Schuldgefühle und ich...

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
marinajako
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1306
Registriert: 18.06.2008, 15:52

Beitrag von marinajako » 07.03.2009, 20:31

Hallo Arnulf,

du hörst dich gut an und ich finde es Klasse das du mit deiner Mutter geredet hast.

Das wichtigste in deiner Situation ist das du auf Dich aufpasst und ich glaube das tust du jetzt ? oder.

Es ist noch ein langer Weg und es werden noch viele Probleme kommen aber ich denke du bist auf einem Guten Weg.

Lieben Gruß
Marina

gwendoline
neuer Teilnehmer
Beiträge: 28
Registriert: 24.06.2008, 22:00

Beitrag von gwendoline » 08.03.2009, 00:15

Hallo Arnulf,
ich kann Dich sehr gut verstehen.
Wie viele habe ich das gleiche durchgemacht nur haben bei mir beide Elternteile getrunken.
Leider sind beide an ihrer Sucht gestorben, erst mein Vater und knapp drei Jahre später meine Stiefmutter.
Wie Deine Mutter sich im Alkoholzusatnd verhält kenne ich bei meinen Eltern auch so.
Seit meiner Kindheit tranken meine Eltern und immer hab ich gehofft das sie es mal aufhören und wir ein normales Leben führen können aber leider hat sich mein Wunsch nie erfüllt.
Die Magenschmerzen , ja die kenne ich auch noch nur zu gut.
Du kannst keine Nacht mehr schlafen weil Du Angst hast das was passieren könnte und es plagen dich die Magenschmerzen. Dein Kopf ist nicht frei und du kannst dich nicht richtig konzentrieren weil deine Gedanken ständig um Deine Mutter kreisen.
Was macht sie? wie geht es Ihr? hat sie was getrunken und wenn ja wieviel ? Kommt sie klar oder muss ich zu ihr ?
Genau das habe ich auch durchgemacht und mir ging es echt schlecht.
Auch ich habe mal meine Eltern im betrunkenen Zustand vor die Türe gesetzt. Ich habe erst bemerkt das beide getrunken hatten da waren sie schon in meiner Wohnung und als ich gehört hatte das meine Stiefmutter Bierflaschen in ihrer tasche mitgebracht hatte war das echt zuviel für mich . Ich habe sie gebeten wieder zu fahren weil ich das bei mir nicht duldete. Mein Vater hat sich geschämt und ist ruhig gegangen meine Stiefmutter ist ausgeflippt und hat mir ihren Schal ( den ich ihr geschenkt hatte ) draussen in den Blumenkübel geworfen.
Nun ja was ich damit sagen will, ich habe mich nicht schlecht gefühlt als ich das getan habe, ich habe beiden damit gezeigt das ich so ein Verhalten bei mir nicht möchte dafür haben sie ihre eigenen vier Wände.
Mit den Schuldgefühlen habe ich mich auch sehr schwer getan, bei meinem Vater hatte ich nicht so schlimme Schuldgefühle aber bei meiner Stiefmutter. Ich musste den Kontakt zu ihr abbrechen das hat mich alles zu fertig gemacht . Ich bin selber zu diesem Zeitpunkt Mutter geworden und da musste ich mich entscheiden. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod habe ich den Kontakt abgebrochen und 2 Monate vorm Tod hab ich ein letztes mal mit ihr telefoniert und sie angefleht sich helfen zu lassen sonst würde es beim Kontaktbruch bleiben.
Während des Kontaktabbruchs bin ich in eine Therapie gegangen und gehe heute noch ( das ist alles noch nicht so lange her )
Die Therapie brauchte ich um sie loslassen zu können. Ich konnte ihr leider nicht helfen, sie hatte sich für den Alkohol entschieden statt für die Familie.
Sie ist jetzt drei Monate tot und ich weiß das ich nichts hätte machen können weil bei ihr die Einsicht fehlte.
Wenn der Suchtkranke nicht will da ist man quasi machtlos.
Auch wenn Deine Mutter immer für Dich da war musst Du ihren Alkoholzusatnd nicht einfach hinnehmen. Das macht Dich sonst immer mehr fertig, denk an Dein Leben.
Ich wünsche Dir viel Kraft,
alles Liebe Alex

Arnulf
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 05.03.2009, 15:11

Beitrag von Arnulf » 09.03.2009, 16:06

Hey Gwendoline
Da hats Dich ja noch ne ganze Ecke härter erwischt als mich. Zu meinem "Glück" hat sich mir der Alkoholismus meiner Mutter ja erst so um meinen 18en Geburtstag herum wirklich erstmals offenbart. Ich hatte also eine, im Vergleich mit Dir und auch vielen anderen hier, behütete Kindheit.
Beim dem zurückliegenden Gespräch mit meiner Mutter war es mir vor allem wichtig mich in einer Art und Weise von ihr gewissermaßen zu "verabschieden". Ich wollte dieses Gespräch so führen dass ich mich, sollte sie den Absprung nicht mehr schaffen, in späterer Zeit nicht ständig mit den Gedanken an die letzten Gespräche in Streit und Unverständnis würde erinnern müssen.
Tatsächlich scheint diese Art der Gesprächsführung eine gewisse Wirkung erzielt zu haben, sie hat sich nun wohl dazu entschlossen nächste Woche Montag eine stationäre Entziehung zu beginnen und sich dafür heute bereits eine Einweisung besorgt. Ausserdem behauptet sie seit Freitag nichts mehr getrunken zu haben. Wollen wir das mal so stehen lassen. Sollte sie diesen Weg wirklich gehen werde ich sie mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.
Daran zu glauben wage ich allerdings erst wenn sie mich nächste Woche von ihrem Stationszimmer aus anruft. Mal abwarten.

p.s. Meine Süße und ich denken auch schon länger über Kinder nach, wir werden das ganze aber wohl noch etwas schieben bis sich unsere finanzielle Situation (beide Studenten im mehr oder weniger Endstadium) etwa gebessert hat ;). Dein Kleines müsste jetzt wenn ich das richtig quergelesen habe ja so etwa ein Jahr alt sein oder? Irgendwelche Tips um die Angst vor der Entscheidung "*** drauf jetzt wird Nachwuchs produziert" etwas zu mildern? ;)

gwendoline
neuer Teilnehmer
Beiträge: 28
Registriert: 24.06.2008, 22:00

Beitrag von gwendoline » 18.03.2009, 16:12

Hallo Arnulf,

ich hoffe das Deine Mutter die Entziehungskur macht und das sie es ernst meint.
Einem Alkoholiker muss schon klar sein was er seinem nächsten damit antut wenn er sich nicht helfen läßt.
Ja, mich hat es schon härter getroffen aber ich muss sagen, wie traurig auch alles war bin ich heute doch froh das alles vorbei ist. Weil sich keiner von beiden wirklich helfen lassen wollte und das war am schlimmsten für mich.

Als ich wußte das ich schwanger war, hab ich mir teils schon Gedanken gemacht. Meine Stiefmutter lebte da noch, ich musste merken das sie sich nicht wirklich viel dafür interessierte. Sie fragte zwar wie es mir ging aber sie hatte nie den Wunsch geäußert mich mal sehen zu wollen als ich schwanger war.
Auch als meine Tochter geboren wurde und ich sie anrief war von Freude nicht viel zu spüren, ich hatte das Gefühl das sie Angst hatte durch das Kind in Vergessenheit zu geraten.
Immer wenn ich ihr sagte hör mit dem trinken auf , da fragte sie mich warum und wofür.
Ich hatte sie zweimal mit meiner Tochter besucht und für mich dann entschieden solange sie trinkt komme ich nicht mehr mit Kind.
Sie wollte das Kind auf dem Arm nehmen und war betrunken und das ging nicht. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt 7 Monate.
Ich habe mich aber auch aus diesem Grund gegen sie entschieden, weil ich für ein neues Leben verantwortlich bin. Ich konnte es nicht mehr zulassen das sich meine Gedanken ständig um einen erwachsenen uneinsichtigen Menschen richten während ich das Leben eines Säuglings in der Hand habe.
Beides hätte ich nie geschafft.
Oft war es so schlimm, da rief sie mich an , heulte wieder und erzählte wie schlimm es ihr ging, ich versuchte sie zu beruhigen und schlug ihr vor vorbei zukommen aber das wollte sie nicht . Dieses ständige hin und her.
Eine Seite schreit und weint die Mutter und andere Seite schreit und weint dein Baby.
Wer sich davon selber helfen könnte aber nicht will , weiß man.
Meine Stiefmutter hätte immer eine Chance gehabt nur hat sie diese selbst in der Hand gehabt aber nicht genutzt.
Meinen Kind kann nur ich die Chance zum Leben geben.
Es ist traurig wenn man sich entscheiden muss aber es ging nicht anders.
Heute bin ich froh meiner Tochter das alles ersparen zu können und ich erlebe mit ihr ein Stück meiner verlorenen Kindheit wieder.

Du hast fast richtig getippt : ) Sie ist 1 1/2 Jahre.
Ich wünsche Dir/Euch das Du Dich nicht so entscheiden musst wie ich es musste, das Deine Mutter zur Einsicht kommt.

Alles liebe und Kraft wünscht Dir
Alex

Arnulf
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 05.03.2009, 15:11

Beitrag von Arnulf » 23.03.2009, 21:34

Hallo Alex und die Anderen
Wie es aussieht hat meine Mutter tatsächlich eingesehen auf welchen Weg sie sich da begeben hat.
Vor 10 Jahren hatte sie ja schon einmal einen ähnlichen Absturz hinter sich und wie damals scheint sie wieder die Kraft gefunden zu haben gegen ihre Krankheit anzugehen.
Sie ist jetzt seit 3 Wochen trocken, hat daheim entzogen, sich selbst eine stationäre Behandlung besorgt in der sie jetzt die letzten 2 Wochen die Entgiftung durchgezogen und die Entwöhnung begonnen hat und sich sowohl einen Platz in einer Selbsthilfegruppe als auch in einem Programm ihrer Krankenkasse besorgt. Dieses sieht neben einer Selbsthilfegruppe auch in regelmäßigen Abständen ein sogenanntes Intensivwochenende vor.
Gerade dass sie das alles selbst für sich organisiert hat (und die Jungs auf der Suchtstation müssen echt genervt gewesen sein, sie hat da 3 Tage lang jede halbe Std angerufen bis die endlich ein Bett für sie frei hatten) und die Art und Weise wie sie nun aktiv mit ihrer Krankheit umgeht ... ich kann nicht anders, ich habe echt wieder Hoffnung gekriegt.
Sie hat ausserdem ihre Beziehung wieder in Ordnung gebracht und die gemeinsame Wohnungssuche mit ihrem Freund nun scheints zu einem positiven Ende gebracht.

Mal sehen wie die nächsten Monate laufen, aber ich denke sie ist auf einem sehr guten Weg. Ich weiss dass sie die Stärke hat den Alkohol zu bekämpfen, sie war ja jetzt fast 8 Jahre lang trocken. Natürlich kann es immer zu einem Rückfall kommen.
Aber da dank Frühling nun auch ihre Winterdepression abflaut hoffe ich sehr dass sie über den Sommer so stabil wird dass sie ihre Sucht unter Kontrolle halten kann.

All das ändert nichts daran dass ich im Gespräch mit Euch sehr viel über mich selbst gelernt habe. Ich werde, falls dieses Aufbegehren gegen den Alkohol nur ein Phase sein sollte, diesmal wissen wie ich mich verhalten muss und viel besser auf mich selbst achten.
Mal sehn was die nächsten Monate bringen. So oder so werdet Ihr mich hier so schnell nicht mehr los ;)
LG BA

Antworten