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Wann habt ihr realisiert, dass eure Eltern/Elternteile

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Kitze
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Beitrag von Kitze » 28.06.2014, 21:17

Mir wurde vor ca.8 Jahren die Alkoholkrankheit meiner Mutter bewusst, mein Vater ist seit eh und jeh ein Problemtrinker und in der Vewandtschaft gibt es noch jemanden mit den Problemen. Erst durch meine ehemaligen Kollegen lernte ich achtsamer mit mir umzugehen, Grenzen zu setzen, und als ich den Buchtipp 'Für die Freude entscheiden' bekam, löste sich für mich ein Knoten nach dem anderen. Mein wichtigster Schüssel zu einem ausgeglicheneren Leben wurde die Einstellung, nicht alles persönlich zu nehmen- Taten, Worte, Konflikte, es muss nicht gleich das Lebensglück bedrohen...
Ähnlich wie bei dir Joe, purzeln mir derzeit in vielen Situationen die Schuppen von den Augen. Respekt dafür was du in der kurzen Zeit hast eingestehen, annehmen und anpacken können. Das Erkennen von Mustern ist eine Sache, sie zu durchbrechen eine andere... Sei stolz auf das bisher erreichte ;-)
Am Montag habe ich ein Erstgespräch bei der Caritas, ich bin so sehr darauf gespannt was dabei herum kommt... Wollte ich bei uns im Umkreis von 60 km eine Therapie beginnen, so besteht in allen Praxen derzeit eine Wartezeit von mindestens einem halben Jahr.

vg Kitze

JoeJoker1979
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Beitrag von JoeJoker1979 » 28.06.2014, 21:39

Hallo Janine

abermals danke für deine Antwort!
Ich finde es super und mutig von dir, dass du so offen mit dem Thema umgehen kannst. Und es ist ganz natürlich, dass bei den Leuten, die dir nahe stehen, die Tränen eher fliessen.
Das hat weniger was mit Mut zu tun, sondern eher, dass ich merke: Da ist etwas in mir, was raus muss - dem ich Luft machen muss. Aber ich merke auch bei jedem Erzählen darüber, dass die Unsicherheit mich Schritt auf Tritt begleitet und ich mich zwischendurch immer wieder frage: Wie nehmen es die Menschen, denen ich es, sage auf? Denken diese dann, dass ich nur eine Ausrede für das wie ich bin suche? Eben einfach UNSICHERHEIT... Ich hoffe aber, dass diese immer kleiner wird - erste Anfänge davon merke ich schon.
Was mir u. a. sehr geholfen hat, war die Aussöhnung mit meiner Mutter, nachdem mir bewusst wurde, warum ich immer einen körperlichen sowie auch emotionalen Abstand zu ihr hatte, und warum ich sie immer so verabscheut habe.
Die Aussöhnung in meinem Falle geht so einfach nicht, da mein Vater schon seit ein paar Jahren tot ist. Was aber sicher geht, ist den inneren Frieden mit ihm zu suchen. Das ist aber gerade noch etwas schwer und da möchte ich mich auch nicht unter Druck setzen. Zuerst will ich mich mit mir "aussöhnen" und mir die eigenen Vorwürfe nehmen, dass ich vieles hätte wissen und sehen müssen und das ich in jüngerer Vergangenheit hätte anders handeln müssen. Der erste Schritt in Richtung die Selbstvorwürfe sein zu lassen, ist mich hier auszutauschen und zu lesen, dass ich nicht alleine bin. Das macht Mut!

In diesem Sinne, liebe Grüße

JoeJoker1979

JoeJoker1979
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Beitrag von JoeJoker1979 » 29.06.2014, 00:44

Hallo Kitze,

danke für deine Antwort!
Sei stolz auf das bisher erreichte
Danke! Ich muss ich ehrlich sagen, dass das Erste was ich gerade innerlich dachte war, dass ich doch darauf nicht stolz sein kann. Da war wieder dieses kurze Aufblitzen, dieser kleine "Hallo-Wach-Effekt". Wie oft ist es mir doch vor gar nicht all zu langer Zeit immer so gegangen - hatte ich was wirklich gut gemacht, dann hab ich mir dies nicht angerechnet, sondern eher so klein geredet, dass andere das auch ganz lässig geschafft hätten. Jetzt kann ich sagen: - wenn auch noch etwas vorsichtig - "Danke, ja ich bin stolz darauf, denn bis hier her war es schon ein harter Weg und der wird sicher noch ein ganzes Stück länger..."
Wollte ich bei uns im Umkreis von 60 km eine Therapie beginnen, so besteht in allen Praxen derzeit eine Wartezeit von mindestens einem halben Jahr.
Was das Thema der Therapie betrifft, so bin ich wohl ein Glückspilz, da ich innerhalb von wenigen Tagen einen Therapeuten hatte. Und bei ihm habe ich das erste Mal über all das, was sich in den letzten Tagen Luft gebahnt hat, reden können. Das war eine sehr große Erleichterung für mich. Nun eigentlich bin ich zur Zeit was das Thema Begleitung für meinen Prozess angeht wirklich gut aufgehoben, da ich auch mit meiner ehemaligen Partnerin eine auf mehrere Termine angelegte Beratung bei einer Therapeutin besuche mit dem Blick auf das Elternsein (trotz unserer Trennung) und auch da habe ich Raum über mich zu sprechen. Der erste Fortschritt bei dieser Paarberatung überraschte mich selbst etwas. Ich habe es tatsächlich geschafft über einige Bedürfnisse zu sprechen und bin nicht wie so oft eingeknickt...ein gutes Gefühl!
Am Montag habe ich ein Erstgespräch bei der Caritas, ich bin so sehr darauf gespannt was dabei herum kommt...
Es wäre schön zu hören, wie dieser Termin für dich gelaufen ist, wenn du diese Erfahrung teilen möchtest!

So dann, eine gute Nacht!

JoeJoker1979

Kitze
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Beitrag von Kitze » 30.06.2014, 19:09

@Janine: Wow, die Aussöhnung fiel sicherlich nicht leicht, das ist ein großer Schritt...
@Joe: Das Annehmen von Lob, Anerkennung, Hilfe ist nun eben nicht leicht...
Wie klappt es denn mit den Kindern, bekommt ihr den Umgang stressfrei hin, besonders wenn ihr zwei aufeinander trefft?
Das Gespräch bei der Caritas bestärkt mich in dem, was ich mir selbst vornahm: Stärkere Abgrenzung von den Situationen zu Hause, offenere Gespräche zu Hause und mit der Verwandtschaft, und Konsequenzen durchsetzen- ich werde auf dem Absatz kehrt machen, sollten meine Eltern alkoholisiert sein, lege auf wenn ich etwas am Telefon raushöre. Was mir schwer fällt, die Kinder da raus zu ziehen, aber das wäre der grösste Druck den ich setzen kann.
Puh...

Sonnchen
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Beitrag von Sonnchen » 01.07.2014, 22:44

Hallo zusammen,

ja..., wann habe ich das eigentlich realisiert?

Das bei uns was anders ist, habe ich schon in der Grundschulzeit gemerkt. Wie alt ich da genau war, weiß ich nicht mehr.
Mir war aufgefallen, dass der Vater einer Freundin keinen Alkohol zum Abendessen trank und habe sie gefragt, ob ihr Vater krank wäre. Mein Vater hat nur Wein und Kaffee getrunken, im Winter auch mal einen Tee mit Rum oder einen Grog, Wasser hat er aber nur getrunken, wenn er krank war.
Für mich war es völlig normal, dass im Einkaufswagen mind. 3-4l Wein landeten. Und Das rund 5 Tage die Woche.

Das mein Vater Alkoholiker, sprich süchtig ist, dass habe ich erst mit 16 oder 17 begriffen.

Das die Sucht meines Vaters und die damit verbundenen Umstände mein Leben maßgeblich beeinträchtigen und bestimmen, das habe ich erst vor zwei Jahren gemerkt. Wie weitreichend das Alles ist, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden.
Ich arbeite daran und bin immer noch auf der Suche nach einem Therapieplatz. Bisher hat die Chemie nie so ganz gestimmt.

Liebe Grüße
Sonnchen

Kitze
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Beitrag von Kitze » 01.07.2014, 23:13

Hallo Sonnchen,

woran hast du die Beeinträchtigungen denn gemerkt? Wenn ich fragen darf. Und hast du noch etwas außer Therapieversuche unternommen?

Lg Kitze

Sonnchen
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Beitrag von Sonnchen » 02.07.2014, 10:19

Hallo Kitze,

vor 2 Jahren hat ein sehr schlimmes Ereignis einen totalen Zusammenbruch bei mir ausgelöst.
Ich hatte mich über Jahre hinweg völlig überfordert und nun war das Ende der Fahnenstange erreicht.
Eine der ersten Fragen des behandelnden Arztes waren damals, ob meine Eltern in irgend einer Form süchtig wären. Er meinte, dann müsssen sie sich auch nicht wundern und empfahl mir eine Therapie. Da noch viele verschärfende Komponenten hinzukommen, hat es bisher nicht mit einer Therapie geklappt. Ein Versuch war sogar die volle Kathastrophe und gerade in diese hatte ich soviel Hoffnung gesteckt.

Ich bin eine Großbaustelle und die meisten Therapeuten haben von vorn herein abgelehnt, leider.

Es bliebe die Möglichkeit einer stationären Therapie, aber ich habe kleine Kinder und die müssten zu fremden Leuten. Das könnte ich nicht ertragen.

Habe jetzt einen Therapeuten gefunden, der sich u. a. auf die Therapie von EKA's spezialisiert hat. Kann da heute anrufen wegen eines Termins und hoffe inständig, dass die Warteliste nicht zu lang ist.

Wünsche einen schönen Tag
Sonnchen

Kitze
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Beitrag von Kitze » 02.07.2014, 11:54

Hallo Sonnchen,
da drücke ich ganz feste die Daumen und Zehen. Vor allem Kraft dann bis zu gegebenem Termin durchhalten.
vg

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