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Ich, der herumwandelnde Vorwurf

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Kitze
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Ich, der herumwandelnde Vorwurf

Beitrag von Kitze » 16.07.2014, 23:01

Kennt ihr das auch von euch, man sucht immer einen anderen Schuldigen für seine Misere? Seit einiger Zeit versuche ich mir in verschiedensten Situationen über diese Dinge Klarheit zu verschaffen und Eigenverantwortung zu übernehmen, das ist nicht leicht. Dieses "ererbte" Familienmuster zu durchbrechen ist aber auch spannend, es reicht nicht einfach mal nur die Klappe zu halten und Dingen seinen Lauf zu lassen, sondern die Grundeinstellung zu verändern. Meist ist der Anstoß zu Vorwürfen auf eine eigene Unzulänglichkeit zurückzuführen. Puh, gerade in meiner Beziehung hagelt es gegenseitige Vorwürfe, ich will es Co-mäßig dem anderen Recht machen, es wird nicht honoriert, ich bin beleidigt und schnalle erst hinterher in welche Falle ich mal wieder getappt bin. Hier fällt mir die Abgrenzung echt schwer und ich bin derartig traurig darüber dass ich die selben Fehler wie meine Familie mache. Nun mache ich mir die Situationen schon klar, aber durch mein Temperament ist meine Klappe schneller als mein Verstand...
LG Kitze

Janine3
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Beitrag von Janine3 » 17.07.2014, 18:31

Meist ist der Anstoß zu Vorwürfen auf eine eigene Unzulänglichkeit zurückzuführen
Fühlst du dich unzulänglich, weil du Gegenwind bekommst oder das Gefühl hast, die Erwartungen von den Anderen nicht erfüllen zu können?

Es braucht viel Zeit, um Muster durchbrechen zu können. Du merkst ja jetzt schon, wann du wieder drin bist.
Sei geduldig mit dir und sprich mit deinem Partner danach darüber, warum du so reagiert hast.

Kitze
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Beitrag von Kitze » 17.07.2014, 21:48

Hallo Janine,

gute Frage, vielleicht ja, und ja. Man sieht ja zunächst die eigene Seite der Problematik... Ich mache zur Zeit ein Experiment und drücke meine Anliegen nicht im du-du-du-Ton aus, sondern in Wunschform. Bislang entschärft es interessanter Weise ungemein ;-)
Innerlich weiter kam ich in Bezug auf meine Mutter, nachdem ich ihr Alkoholproblem erkannte, erntete sie von mir stumme Vorwürfe, Verachtung, tiefe Trauer. Mittlerweile mache ich ihr Problem nicht mehr zu meinem und lasse die Verantwortung bei ihr, aber die stummen Vorhaltungen bleiben und ich mache mir dennoch Sorgen. Es tut mir sehr weh sie nun in der selben Situation wie mein Opa, Onkel u d teilweise mein Vater zu sehen. Das lässt wenig auf Genesung hoffen und damit muss ich klar kommen. Da sind Vorwürfe dann wohl angebracht...
Ich wünsche allen ein laues Sommerlüftchen.
lg Kitze

Kitze
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Beitrag von Kitze » 17.07.2014, 21:51

Nachtrag:
Beim erneuten Lesen meiner Zeilen stellte ich fest, dass ich doch nicht genügend Abstand zu der Thematik habe, es ist noch ein langer Weg...

Lindi
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Beitrag von Lindi » 18.07.2014, 00:37

hallo kitze,
passiv-aggresiv, heisst sowas ....rueckzug, schmollen, wortlose schlechte laune, unausgesprochene vorwuerfe ....
interessant dabei ist, das dieses verhalten von den mitmenschen durchaus als aggression wahgenommen wird (die ist wieder doof, eingeschnappt, hat ihre fuenf minuten) ..... macht aber den weg zur kommunikation,, zu dem, um was es wirklich geht, schwer bis unmoeglich.
die meisten menschen koennen damit gar nicht umgehen .....ignorieren, sitzen aus, lassendie dicke luft verziehen ...und machen dann weiter, als ob nix gewesen sei...... und im untergrund schmurgelt es weiter.
die eigentliche botschaft dahinter, sieh mich, nimm mich wahr, komm auf mich zu, hab mich lieb.....die ist nicht zu sehen.

du schadest dir also in erster linie selbst damit, auch wenn du das gegenueber trefffen und abstrafen moechtest ..... aber eigentlich moechtest du naehe und verstaendnis und dass der andere auf dich zugeht.

versuche doch einfach, deine eigentlichen empfindungen zu kommunizieren ....... nicht, was du moechtest, was der andere erahnen soll was du empfindest und weil er es nicht erahnt, schmollst du, ziehst dich zuruck ....
der wandelnde vorwurf, eben!

mit deiner mutter allerdings wird weder das eine, noch das andere zu irgendwas fuehren...... da gelten eh andere regeln, oder besser gesagt ....keine mehr.

fuer dich und deine partnerschaft waere es sicher wuenschenswert, wenn du diese passiv-aggressive aus der kommunikation rausbekaemst.
sag einfach: ich bin verletzt, ich hatte mir was anderes erhofft, ich wollte eigentlich...... red von DIR und erwarte nicht, dass es der andere erahnt!
gruesse, lindi

Kitze
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Beitrag von Kitze » 18.07.2014, 22:46

Gute Zusammenfassung meiner Kommunikationsprobleme, liebe Lindi ;-) Kann mich in deinen Worten gut wieder finden und fühle mich ertappt... man bestraft sich tatsächlich selbst damit... Ich werde weiterhin herum experimentieren und mal von meinen "Erfolgen" berichten.
glg kitze

Kitze
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Beitrag von Kitze » 26.07.2014, 21:55

Hallo zusammen,

ich hatte ein paar Tage um mich zu sortieren und über das Geschriebene nachzudenken. Liebe Lindi, phasenweise klappt es ganz gut deutlich zu formulieren was einem unter dem Nagel brennt. Wenn allerdings mehrere Baustellen herrschen, dann bin ich überfordert und filtere zu grob, entziehe mich zu spät der Situation und reagiere über...
Was meine Mutter betrifft, du hast Recht mit allem, so schmerzhaft es ist. Hehe, letzter Spruch von ihr: "Wir können gern über alles reden, aber therapieren lass ich mich von dir nicht!" Da war er wieder, mein Spiegel, in aller Deutlichkeit... Ich begriff mit einem Mal so sehr viel, vor allem dass ich keine Energien mehr da reinsetze.
Mein Plan dafür: Ein entspannteres Leben für mich und meine Familie aufbauen mit einer gesünderen Kommunikation ;-)

CoLibri
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Beitrag von CoLibri » 28.07.2014, 23:03

Hi Kitze,

das was du schreibt, klingt ziemlich gut, finde ich. Du scheinst Fortschritte zu machen was die Kommunikation angeht, und kannst außerdem die Aussage deiner Mutter in einem anderen Licht betrachten. Und zwar in einem viel gesünderen, wie ich finde :)

Kommunikation ist soooo wichtig... Ich lese gerade ein Buch über das Abwehren verbaler Angriffe. Seitdem rege ich mich nicht mehr über solche Angriffe / Provokationen auf, sondern versuche sie in Ruhe anzusehen und in einer für mich gesunden Weise darauf zu reagieren. So nach dem Motto: Es ist besser, den Schuh zu betrachten, anstatt ihn sich anzuziehen ;)

Wünsche dir noch einen schönen Abend, liebe Grüße Colibri :)

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