Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Ich, der herumwandelnde Vorwurf

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Alles-wird-gut
neuer Teilnehmer
Beiträge: 27
Registriert: 31.08.2014, 19:25

Beitrag von Alles-wird-gut » 01.09.2014, 23:23

Das Unfaire an psychischen Konflikten ist, dass man sie zwar von anderen reingedrückt bekommt, man sie aber nur selbst wieder lösen kann. Die Verantwortung dafür, seine Seele wieder zusammen zu bauen, hat man selbst.

Feuerwehrmäßig möchte ich dir meine persönliche Regel Nr 1 zum Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls geben:

Nie, nie, niemals schlecht von und über dich selbst sprechen. Sich selbst nicht mit Schimpfwörtern bedenken, sich selbst keinen Anspruch auf Gehör absprechen und sich selbst zugestehen, einen inneren Schmerz haben zu dürfen.

Du bist kein "wandelnder Vorwurf". Du wurdest jahrzehntelang unglaublich verletzt. Das ist alles. Wer das nicht erlebt und gespürt hat, der kennt das nicht.

Kitze
neuer Teilnehmer
Beiträge: 71
Registriert: 25.06.2014, 11:40

Beitrag von Kitze » 09.09.2014, 22:21

Hallo und Danke Alles-wird-gut,

hab etwas über deine Worte nachdenken müssen. Klar sitzen viele Ereignisse und Verletzungen tief und machten mich unter anderem zu dem Menschen der ich heut bin. Zu verstehen warum ich in welchen Situationen wie "ticke" erleichtert vieles, aber die Verantwortung etwas aus dem Wissen zu machen lastet manchmal schwer... Es ist doch leichter in alte Gewohnheitsmuster zu gleiten, das brauche ich den tapferen trockenen Alkoholikern nicht nicht zu erklären.
Nicht schlecht über sich denken/sprechen, puh, ich hab eher Probleme damit zuzugeben nicht immer unfehlbar zu sein. Ich mache Fehler? Niemals!!! Ich habe mich wie eine doofe Kuh verhalten? Wie kommt man denn darauf??? Niemand machts besser als ich selbst, deswegen mach ich auch immer alles selbst, bis der Saft raus ist. Und ich frage mich wie bescheuert ich da einfach bin, was vergibt man sich denn damit auch mal Schwächen zuzugeben? Das ist doch auch eine Stärke. Der Lernprozess endet nie, und das ist doch recht spannend, ich bin mitten drin und meine selbst gebastelten Mauern bröckeln, tut überraschend gut...
lg

Alles-wird-gut
neuer Teilnehmer
Beiträge: 27
Registriert: 31.08.2014, 19:25

Beitrag von Alles-wird-gut » 13.09.2014, 22:54

Es heißt eben immer "dieses Leben oder kein Leben". Das mit dem lebenslangen Wachstum hast du gut erkannt. Wir können nur das beste aus dem Leben machen, das uns gegeben wurde.

Kitze
neuer Teilnehmer
Beiträge: 71
Registriert: 25.06.2014, 11:40

Beitrag von Kitze » 20.09.2014, 09:25

Puh,
derzeit distanziere ich mich wieder völlig weil ich mich so platt fühle, schlechte Nächte hab und ausser Kinder und Haushaltsalltag wenig erlebe. Dadurch bin ich so gereizt und nehme leider Partner und Kinder zu sehr als Ventil, dabei machen sie mir ja nicht absichtlich Stress. Unzufriedenheit eines Familienmitgliedes stört derartig die Stimmung aller und ich versuche mein Bestes. So, mein Ventil wird jetzt Sport sein, so viel Zeit muss sein!
lg

Kitze
neuer Teilnehmer
Beiträge: 71
Registriert: 25.06.2014, 11:40

Beitrag von Kitze » 01.10.2014, 23:46

Hallo ihr lieben,
heute hatte ich einen derben Tiefpunkt und hätte mich am liebsten im Bett vergraben, wären da nicht meine Kinder... Wochenlanger Schlafentzug, Sorge um die Eltern, zu wenig Freizeit fordern irgendwann ihren Tribut. Eine Freundin rief an und wollte kurz etwas abholen, ich hätte sie am liebsten abgewimmelt. Oft war ich neidisch auf sie und ihr Leben, aber dann merke ich wieder dass ich dann nicht bei mir bin, sondern nur guck was andere haben und können. Es ging mir nicht gut und ich wollte in meinem Selbstmitleid versauern, aber das kurz und knackige Auskotzen über meine Situation bei ihr machte mir Luft und zeigte mir, dass es auch bei anderen nicht immer rosig zugeht. Austausch ist für mich so wichtig geworden, wie viele gute Menschen habe ich vergrault weil ich mich nicht öffnen konnte... nun ist es so sehr anders und besser geworden.
lg

CoLibri
neuer Teilnehmer
Beiträge: 166
Registriert: 02.01.2010, 03:57

Beitrag von CoLibri » 04.10.2014, 00:08

Hallo Kitze,

wochenlanger Schlafentzug hört sich nicht so gut an... Mir persönlich hilft Ruhe / Zeit für mich sehr.. Allerdings habe ich auch keine Kinder, da ist es sicherlich einfacher, dies regelmäßig zu realisieren...

Ich finds gut, dass du dich deiner Freundin öffnen konntest und dir das dann auch gut getan hat. Es kostet manchmal einfach Überwindung, von sich und seinen Problemen zu sprechen. Aber sobald es "draußen" ist, fühlt es sich meist schon besser an. Und in aller Regel bekommt man von seinen Freunden ja keine Vorwürfe zu hören, sondern Verständnis und konstruktive Ratschläge. Da fühlt man sich einfach besser :)

Schönes Wochenende!
Lg Colibri

Kitze
neuer Teilnehmer
Beiträge: 71
Registriert: 25.06.2014, 11:40

Beitrag von Kitze » 28.10.2014, 09:02

Hallo zusammen,
am Freitag hab ich einen Termin bei einer Therapeutin und ich bin gespannt mit welchen Ansätzen sie arbeitet, ob die Chemie stimmt usw.. Hab so lange mit mir gerungen um in die Puschen zu kommen, seit 10 Jahren schiebe ich bewusst so manch heikle Themen vor mir her und bin froh und erleichtert endlich "aktiv" zu werden ;-)
vlg

girasole
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 777
Registriert: 13.06.2013, 12:02

Beitrag von girasole » 28.10.2014, 20:24

Hey kitze

ďas ist super! Zieh es weiter durch, es lohnt sich!
Nur erwarte bitte keine Superwoman oder Wunder und das noch in möglichst kurzer zeit ;)
Es braucht Geduld und Durchhaltevermögen. Aber dann kann man irgendwann richtig toll "ernten" :)

Eine Freundin macht und tut und arbeitet seit ca zwei jahren hart an sich und ihrem Leben und letztens sagte sie ganz überrascht "du, es geht mir gut?" Und wunderte sich noch, dass es nicht mal nur ein Tag war, sondern eine ganze weile :)

LG girasole

Antworten