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ganz blöder zeitpunkt?!

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

nickless
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ganz blöder zeitpunkt?!

Beitrag von nickless » 22.03.2015, 17:05

Hallo!
Ein paar Tage hab ich mich jetzt bei euch reingelesen und dachte, es wäre an der Zeit mich jetzt auch mal vorzustellen!
Ich fange mal beim derzeitigen Stand der Dinge an:
Erst vor Kurzem ist mir bewusst geworden, dass meine kleineren und größeren psychischen Probleme von der Alkohol- und Spielsucht meiner Mutter abhängen und ich tatsächlich nicht selber Schuld daran bin. Das war eine ziemlich harte, aber auch irgendwie einleuchtende Erkenntnis. Ich habe nach langem Hin und Her jetzt von mir aus den Kontakt eingestellt und schaue nun wie ich damit zurecht komme und ob es mein Befinden auf lange Sicht verbessert. Auch habe ich mich dazu entschlossen eine Gesprächstherapie und eine Selbsthilfegruppe auf zu suchen. Nun zu meiner Überschrift.... Ich heirate in nicht mehr ganz zwei Monaten und der Gedanke daran, dass von meiner Familie ausschließlich mein Papa da sein wird, macht mir schon ein ziemlich merkwürdiges Gefühl.... Was wohl die Familie von meinem Mann dazu sagen wird?

Man wird sehen...
Herzlichst, nickless

Kitze
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Beitrag von Kitze » 22.03.2015, 20:28

Herzlich willkommen nickless,
hast du nur die Hochzeit oder auch andere Ereignisse zum Anlass genommen um innerlich zu Entrümpeln? Ich wünsche dir einen guten Austausch hier 😉
Gruß Kitze

nickless
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Beitrag von nickless » 22.03.2015, 21:03

Also mit der Hochzeit hats eigentlich weniger zu tun... es war ein unangenehmer Telefonanruf meiner Mum, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Da war für mich eigentlich von einer Sekunde auf die andere klar, das ich mir soetwas nicht mehr gefallen lassen muss. Ich hätte niemanden so mit mir reden lassen, warum sollte es bei ihr also wieder mal anders sein?! Ich war oder besser gesagt bin immernoch zutiefst gekränkt. SIE.... ausgerechnet SIE beendete das Gespräch mit dem Satz "Ich schäme mich für meine Kinder".
Das war echt endgültig das Allerletzte!

Herzlichst, nickless

Kitze
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Beitrag von Kitze » 22.03.2015, 22:34

Hi nickless,
letztendlich kannst du selbst entscheiden wen du woran Teil haben lässt und kannst versuchen dir treu zu bleiben. Meiner Erfahrung nach ist es ein nicht ganz einfacher Weg dahin, nicht mehr so angreifbar und verletzbar zu sein, Distanz auf emotionaler Ebene zu schaffen. Was würde dir denn noch helfen Abstand zu schaffen?

nickless
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Beitrag von nickless » 23.03.2015, 07:59

Hallo Kitze!

Natürlich ist es meine Entscheidung, wer aus meiner Familie kommt und wer nicht. Nur wird die Entscheidung, meine Mutter so kurzfristig auszuladen, wohl die ein oder andere Frage bei meinen zukünftigen Schwiegereltern aufwerfen, vor deren Antwort mir ein wenig graut. Bisher mochten sie mich sehr gern, ich mache mir Gedanken darum, dass sie mich dann in einem anderen Licht sehen könnten, wenn ich von den Problemen in meiner Familie erzähle.

Was mir noch helfen könnte... hmm... gute Frage!
Es kommt mir schon ziemlich gelegen, dass ich vor einem Jahr umgezogen bin, relativ weit weg. Allerdings arbeite ich ganz in der Nähe meiner Mum und den Arbeitsplatz zu wechseln um ihr aus dem Weg zu gehen, halte ich für sehr umständlich.
Oder wie meintest du deine Frage?

Herzlichst, nickless

Zoi
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Beitrag von Zoi » 23.03.2015, 15:42

Hallo und herzlich Willkommen hier, Nickless!

Obwohl ich nicht kurz vor einer Hochzeit stehe, mache auch ich mir jetzt schon Gedanken zu dem Thema. Ich habe auch keinen Kontakt mehr zu meinem trinkenden Vater, weshalb ich ihn wahrscheinlich nicht einladen würde. Und auch deshalb habe ich schon oft daran gedacht, was dann passieren würde?
Erstmal: Er wäre nicht da, jetzt gerade macht mich der Gedanke traurig. Und ich habe auch daran gedacht: Was wird wohl die Familie meines Freundes dazu denken? Und über mich?
Ich denke viel über die Zukunft nach, wie du siehst!
Jedenfalls habe ich mit meiner zukünftigen Schwiegermutter schon ein Gespräch gesucht, in dem ich die Thematik grob angeschnitten habe... also, dass mein Vater Alkoholiker ist und wir keinen Kontakt mehr haben. Ich hatte auch panische Angst, was sie wohl über mich denken wird. Sie war sehr verständnisvoll.
Denn letztendlich sagt man vielleicht, dass die Kinder das Produkt der Eltern seien. ABER wir sind erwachsen und wir sind eigene Individuen, gelöst und unabhängig der Eltern!
Und das bist auch du. Deine Schwiegereltern kennen dich ja schon und mögen dich sehr gern! Deine Mutter ist ja kein Teil von dir, keine Charaktereigenschaft...
Ich denke, das Beste ist wenn wir unsere Ängste auch klar ansprechen. Du kannst deinen Schwiegereltern ja sagen, dass du Angst hast verurteilt zu werden....?
Ich bin mir sicher, dass deine Schwiegereltern als erwachsene Menschen wissen, dass (auch erwachsene) Kinder nicht für ihre Eltern verantwortlich sind.
Wie gehts dir denn damit, den Kontakt abgebrochen zu haben?
Ich finde es super, dass du dir schon weitere Hilfe suchst und zu uns hier gefunden hast :)

Liebe Grüße,
Zoi

Kitze
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Beitrag von Kitze » 23.03.2015, 21:41

Hi nickless,
hast meine Frage richtig verstanden. Es ist ein harter Schritt den du da gemacht hast und bestimmt richtig und wichtig. Eine wahnsinns Kraft und Stärke hast du da bewiesen, steh ruhig dazu. Und vielleicht ergibt sich ja noch ein Moment in dem du deiner Schwiegerma in spe von deinen Beweggründen erzählen kannst,du wirst bestimmt auf Verständnis stoßen.

nickless
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Beitrag von nickless » 23.03.2015, 21:47

Hi Zoi!
Hab schon einiges von dir gelesen und freue mich, dass du "zurück liest" ;)
Ich denke nicht, dass meine Schwiegereltern mich weniger mögen könnten, ich mache mir eher Sorgen darum bemitleidet zu werden. Es war/ist mit immer sehr wichtig kein "Pflegefall" zu sein. Soll heißen, ich möchte nicht, dass jemand denkt sich um mich kümmern oder sorgen zu müssen. Es ist mir wichtig zu zeigen, dass ich allein klar komme und unabhängig bin. Obs nun so ist sei mal dahin gestellt.

Ja... wie geht es mir jetzt mit der "Trennung"... mal so, mal so. Zum einen fühle ich mich tatsächlich befreit, weil ich von meiner Mutter oft harte Kritik zu meinen Entscheidungen und Plänen bekam. Selbst wenn es (auf aktuelleres bezogen) nur um die Füllung der Hochzeitstorte ging. Vllt n blödes Beispiel... Aber es hat mich echt zur Verzweiflung getrieben, wenn dann sowas kam wie "aber keine Buttercreme, die esse ich nicht!" Zack... schlechtes Gewissen.... schließlich wollte ich es ihr um jeden Preis mit allem recht machen.
Das fällt jetzt weg und ich kann irgendwie mal entspannt durchatmen und brauch nicht ständig Angst zu haben, dass ihr etwas nicht passt. Jetzt treffe ich Entscheidungen, mit denen ICH zufrieden bin und kann dann auch einfach zufrieden bleiben ohne einen Dämpfer zu bekommen.

Zum anderen fühl ich mich ziemlich mies... Ich hab mir für sie echt den Ar*** aufgerissen und wenn sie dann mit Anschuldigungen kam, dass ich eine schlechte Tochter sei, hat mich das zwar sehr verletzt ABER.... ich konnte mir selbst immer sagen "die spinnt ja, ich tue doch alle was ich kann!"
Wenn sie aber JETZT behauptet, keiner würde sich um sie kümmern und ihre Kinder lassen sie hängen, hat sie auf einmal Recht. Ich weiß nicht genau, wie ich das finde und damit in Zukunft umgehe.

Zu deinen Zukunftsvisionen:
Natürlich macht es einen extrem traurig, daran zu denken, dass ein Elternteil auf der eigenen Hochzeit fehlt oder bei anderen wichtigen Ereignissen. Aber mir hilft es, daran zu denken, dass sie ja schon immer irgendwie, in ihrer eigentluchen Rolle als Mutter gefehlt hat und das habe ich bis hier her auch alles über die Bühne gebracht! ;)

Kopf hoch, Ohren steif halten, nickless

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