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Wie verhalte ich mich jetzt?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Niskaia
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Beiträge: 3
Registriert: 29.08.2015, 21:51

Wie verhalte ich mich jetzt?

Beitrag von Niskaia » 30.08.2015, 00:17

Hallo zusammen,

ich bin Mara, 31 aus Berlin, neu hier und wie die meisten neuen suche ich auch schon akute Hilfe.

Meine Mutter trinkt seitdem ich denken kann. Mehrmals habe ich das Problem auf verschiedene Arten angesprochen, von zaghafter Einsicht bis zum kompletten Herunterspielen habe ich schon alles an Reaktionen gesammelt. Gebessert hat sich bis jetzt nichts.

Langfristig werde ich mir nun selbst Hilfe für Angehörige suchen und mich auch durch eure Erfahrungsberichte hier im Forum durchlesen.
Kurzfristig würde ich gern zu folgender Situation eure Meinungen hören:

In den letzten fünf Wochen bin ich aus gesundheitlichen Gründen auf die Hilfe meiner Mutter angewiesen gewesen. Ich habe bei ihr gewohnt und bin ihr für die Unterstützung unendlich dankbar, aber diese Alkoholsache steht immer wieder zwischen uns. Diese Tatsache spreche ich offen an und sage ihr, dass ich nicht in ihrer Nähe sein möchte, wenn sie getrunken hat. Wie ihr euch denken könnt, respektiert sie diese Bitte selten.

Heute hat sie nun den Vogel abgeschossen und sich auf einer Geburtstagsfeier meines kleinen Neffen die Kante gegeben und nicht nur ihn, sondern auch mich mit meiner momentanen körperlichen Einschränkung hängen gelassen.

So, nun meine Zwickmühle. Ich verstehe Alkoholismus als Krankheit und hatte ohnehin nicht vor, die letzten Tage die ich hier verbringen werde, beleidigt und distanziert vor mich hinzuschmollen. Schon allein weil ich hier Gast und noch immer dankbar für die Hilfe meiner Familie bin.
Gleichzeitig bin ich aber auch schlichtweg am Ende dessen was ich zu tolerieren bereit bin.

Als Tochter und dankbare Hilfeempfängerin bin ich nun in einer echt blöden Lage und weiß einfach nicht, wie ich ihr morgen und an den letzten Tagen hier gegenübertreten soll. Ich bin ein großer Fan von offener und respektvoller Kommunikation, kann aber auch nicht ignorieren wie angewidert und traurig ich bin.

Eure Meinungen dazu würden mir sehr weiterhelfen.

Vielen Dank, Mara

Niskaia
neuer Teilnehmer
Beiträge: 3
Registriert: 29.08.2015, 21:51

Beitrag von Niskaia » 30.08.2015, 20:47

Hallo zusammen,
ein bisschen stolz darf ich berichten, dass meine Mutter die Initiative ergriffen und heute morgen auf mich zugekommen ist.
Sie hat sich für ihren Auftritt entschuldigt - das erste mal überhaupt.
Außerdem hat sie die Seelsorge angerufen und sich die Telefonnummer einer Suchtberatungsstelle geben lassen.

Ich weiß, dass der größte Teil des Weges noch vor ihr liegt und der Erfolg nicht gewiss ist, dennoch bin ich sehr erleichtert und mächtig stolz auf meine Mama.

Kitze
neuer Teilnehmer
Beiträge: 71
Registriert: 25.06.2014, 11:40

Beitrag von Kitze » 03.09.2015, 21:24

Hallo Mara,
Herzlich Willkommen hier.
Puh, da wirst du ja ungebremst mit den Problemen deiner Mutter konfrontiert, scheinbar hast du trotz allem ja einigermaßen Abstand und grenzt dich ab. Auch wenn du mitten drin stehst kannst du sagen dass es ihr Problem ist und das ist wichtig. Schwierige Situation... Wenn sie von sich aus die ersten Schritte geht ist das ja ein kleiner Anfang, gut dass du nicht super euphorisch bist und die Realität im Auge hast.
Ich könnte es kaum ertragen auf so engem Raum damit konfrontiert zu werden und dennoch respektvoll die Situation zu ertragen weil man Gast ist, man ist ja auch ein sich sorgendes Familienmitglied und hat aber auch eigene Probleme. Schön dass sie sich entschuldigt hat und anerkennt dass es die Mitmenschen quält was sie sich selbst damit auch antut.
Hast du sonst eine gute Bindung zu ihr? Wie geht die restliche Familie damit um und tauscht ihr euch untereinander aus?

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