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Hallo, ich möchte mich kurz vorstellen

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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donny
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Hallo, ich möchte mich kurz vorstellen

Beitrag von donny » 14.02.2016, 20:48

Hallo, ich möchte mich euch kurz vorstellen. Ich bin 31 und bin zusammen mit meiner Schwester in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem beide Elternteile getrunken haben. Mein Vater ist vor 6 Jahren an den Folgen der Abhängigkeit verstorben. Meine Mutter trinkt nach wie vor. Der Tot meines Vaters schiebt sie auf andere Lebensumstände nur nicht auf den Alkohol"genuss". Ich habe zu meiner Mutter eine sehr enge Bindung, wir haben täglich mehrfach Kontakt (telefonisch oder persönlich). Ich weiß das mir das nicht gut tut, aber zum einen könnte ich das meiner Mutter nicht sagen, zum anderen brauche ich den Kontakt zu ihr, ich habe ein regelrechten Kontrollzwang über sie. Meine Schwester hat den Kontakt zu ihr auf das nötigste reduziert. Ich würde das auch so gerne, aber ich kann es einfach nicht. Als Kind bzw. Teenager habe ich oft über Suizid nachgedacht um dem Alptraum zu entkommen. Jetzt bin ich selber Mutter und habe diese Gedanken weit weggeschoben, dass könnte ich meinen Kindern nie antun. Aber manchmal träume ich davon, einfach meine kleinen zu nehmen und auszusteigen, einfach irgendwo tief im Wald, weit weg von allem in den Tag hinein zu leben. Ich weiß, dass ist unrealistisch...naja. Wie es in mir aussieht weiß keiner, nicht mal mein Partner. Die Scham ist zu groß. Freunde habe ich nicht so wirklich, ich kann nicht auf Menschen zu gehen. In Situationen wo man Kontakte knüpfen könnte (z.b. Krabbelgruppe) falle ich eher durch schweigen auf. Nach dem Motto bloß nicht auffallen. Ich bin immer froh wenn solche Veranstaltungen vorbei sind, ich mache wirklich nur meinen Kindern zu lieb. Ich bin jetzt zu euch gestoßen, da ich mich so gerne mal mit anderen Betroffen austauschen möchte. Mich interessiert ob ihr eventuell ähnliche Probleme habt und wie ihr damit umgeht. Außerdem suche ich einen Weg bzw. Ansätze wie ich den Kontakt zu meiner Mutter etwas lösen kann. Ich habe manchmal das Gefühl mein ganzes Leben dreht sich nur um sie und ihre sucht. Oh Gott, jetzt ist der Text echt lang geworden, soweit ausschweifen wollte ich eigentlich gar nicht.

Kitze
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Beitrag von Kitze » 15.02.2016, 21:24

Hallo donny,

happy welcome!
Ich finde deinen Text eher kurz und knackig... und ich finde mich in manchem wieder...
Was meinst du würde dir denn helfen den nötigen Abstand zu gewinnen? Wie gern möchtest du dich von den negativen Mustern verabschieden? Oder hältst du dich daran fest weil du es halt so kennst?
Mir ging erst mit meinen Kindern auf wie sehr mich die Zeit mit trinkenden, streitenden und kommunikationsgestörten Eltern geprägt hat, was das mit Beziehungen mit mir und anderen macht. Egal auf welcher Ebene, mir fällt es noch schwer andere Menschen an mich heran zu lassen, Dinge nicht immer schönen zu wollen, meine eigenen Interessen zu wahren usw., meine Beziehung scheiterte beinahe daran und ich bin so unglaublich froh einen so tollen und verständnisvollen Partner zu haben. Mir half es ungemein über alles zu reden was mir zu schaffen macht, hab mir eine "Wahlfamilie" aufgebaut, weil meine Ursprungsfamilie halt nicht helfen kann sondern eher vieles auslöste. Es ist so schwer alte Muster zu erkennen und zu merken dass das auch eine Baustelle ist an der man arbeiten kann, und dieses Wissen hilft schon weiter, aber das alles kann ich nicht ohne Hilfe schaffen. Seit fast einem Jahr bin ich in psychologischer Betreuung, hab eine Mutter-Kindkur hinter mir und alle engen Menschen um mich wissen um meine Probleme und helfen mir sehr dabei. Aber wie das bei Co`s wie mir so ist, fällt das Hilfeannehmen schon recht schwer und das muss ich immer wieder lernen.
Weswegen schämst du dich eigentlich? Das musst du ganz bestimmt nicht, vermutlich stößt du auf mehr Verständnis als du annimmst, sei mutig und steh zu dir und deinen Gefühlen und teile dich in einem vertrauten Rahmen mit. Und wenn es erst einmal hier ist. Es tut gut und macht Luft, auch wenn mal Gegenwind bläst- kann ja konstruktiv sein ;-) Hier will dir jedenfalls keiner Böses.
lg
Kitze

donny
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Beitrag von donny » 16.02.2016, 14:48

Hallo Kitze,

erstmal Danke für deine offene und liebe Antwort. Darauf das ich hier mit Gegenwind rechnen muss, habe ich mich schon eingestellt. Lese schon einige Zeit hier im Forum etwas mit und ich weiß, dass es keiner böse meint. Wenn man so manches liest und sich dann auch noch in einigen Punkten wiedererkennt und vielleicht selber den Weg für sich schon gefunden hat, möchte man mit seinem „Gegenwind“ ja auch nur helfen, einen Anstoß geben. Ich selber bin noch nicht bereit und kann nicht offen über meine Gefühle und das Erlebte sprechen. Aber wie du es so schön sagst, es tut schonmal gut mir hier (versteckt in der Anonymität) etwas von der Seele zu schreiben. Ich habe zwar etwas gebraucht um den endgültigen Schritt zu wagen und mich hier bei euch im Forum anzumelden. Aber bin nun froh es getan zu haben.

Deine Frage, welche Wege ich für mich selber sehe oder wie wichtig es mir ist der Situation zu entkommen. Ja..., dass kann ich dir selber leider nicht beantworten. Ich wünsche mir von ganzen Herzen, dass ich mich aus dem krankhaften Verhaltensmuster lösen kann. Und bin wirklich immer wieder beeindruckt von Menschen, die es können und geschafft haben. Ich wäre auch gerne einer von ihnen. Im Grunde kenne ich auch meinen Weg daraus. Ich bin mir durchaus sehr bewusst, dass ich mir Hilfe suchen muss, dass ich es alleine nicht schaffen kann. Das ist der Knackpunkt, ich weiß es und kann es nicht ändern. Ich hasse mich selbst dafür, dass ich so bin. Es ist mir peinlich nach Hilfe zu fragen, oder sie anzunehmen. Und ich schaffe es auch nicht über meinen Schatten zu springen und jemandem von meinem Seelenleben zu erzählen.
Ich betrachte mich selbst als Alien in dieser Welt. Es fällt mir schwer zu sagen was ich brauche oder was ich mir wünsche. Mal ein ganz simples Beispiel. Ich kann z.B. schlecht Leute etwas fragen, auch wenn es total harmlos ist. Zum Beispiel ich möchte in die Stadt, will aber ungern alleine gehen, da kommt mir in den Sinn, ich könnte ja mal meine Oma fragen ob sie mit kommt. Also rufe ich sie an, erzähle ihr vielleicht auch, dass ich in die Stadt möchte aber irgendetwas in meinem Inneren hindert mich sie zu fragen ob sie mit kommen möchte. Das ist doch total bescheuert, und ich weiß selber nicht mal warum ich nicht fragen kann. Ob es die Angst ist, dass sie vielleicht „Nein“ sagt, obwohl es ja auch nicht schlimm wäre, oder ob ich Angst habe, dass wenn sie mitkommt, ich wieder mal nicht weiß, worüber ich mich mit ihr die ganze Zeit unterhalten könnte. Und wie gesagt, es geht hier um meine Oma, einen Menschen den ich sehr liebe, der mir sehr wichtig ist und mir sehr nahe steht.

Jetzt stelle ich mir vor, dass ich zu einem Therapeuten gehe, einen fremden Menschen. Nur beim Gedanken daran, dass ich da über mich sprechen müsste wird mir ganz komisch. Ich wüsste auch nicht mal wie ich dahin komm, ob ich vorher zu einem Hausarzt müsste um mir eine Überweisung zu holen oder ob ich mir da einfach so einen Termin holen kann? Es belastet mich wirklich sehr, dass Richtige zu erkennen es aber nicht ausführen zu können. Ich kenne den Weg, bin aber wie gelähmt und kann ich nicht gehen.
Mit 8 hatte ich ein Erlebnis, dass hat mich geprägt. Ich hatte nie wirklich viele Freunde oder war beliebt. Ich wurde jetzt in der Grundschule nie gemobbt oder gehänselt, aber ich war auch nicht wirklich integriert Ich stand immer irgendwie nur schweigend daneben und hab vor mich hin geträumt. Ich wurde z.Bsp. nie zu Kindergeburtstagen eingeladen, durfte selber natürlich auch keine ausrichten (zu viel Arbeit, die fremden Kinder toben nur rum und machen unsere Sachen kaputt... alles Ausreden meiner Eltern). Dann hatte ich mich einem meiner Cousine anvertraut. Sie ist 9 Jahre älter und ihre Mutter trinkt auch. Sie war aber immer ein Vorbild für mich. Sie war so hübsch, hatte einen großen Freundeskreis. Jedenfalls habe ich ihr erzählt, dass ich eigentlich kein Freunde in der Schule habe und es mir auch schwer fällt auf andere Kinder zuzugehen.
Ein paar Tage später habe ich zufällig ein Gespräch zwischen meiner Oma und meiner Mutter mitbekommen. Meine Mutter beschwerte sich darüber, dass ich so lüge und erzählt habe, dass ich keine Freunde habe. Ich war nicht böse, dass meine Cousine es erzählt hatte, aber ich war sehr traurig darüber, als Lügnerin hingestellt zu werden und meine Probleme so einfach weggeschoben wurden. Die beiden spekulierten, was der Grund sein kann, dass ich lüge. Weder meine Oma noch meine Mutter sind auf die Idee gekommen, mich mal zu rufen und mal nach fragen, warum ich so fühle. Ich habe nie jemanden erzählt, dass ich dieses Gespräch belauscht habe. Ich habe mir aber geschworen nie mehr irgendwem zu erzählen was mich belastet. Es wird ja nicht ernst genommen. Das Schweigen hält bis heute und ich kann mich aus diese Fesseln nicht befreien.

Warum mir das Lösen von meiner Mutter auch so schwer fällt, ist sicher auch mein schlechtes Gewissen. Meine Mutter hat mehrere Gesichter. Sie kann so lieb sein und würde ihr letztes Hemd geben um zu helfen. Aber sie kann auch der Teufel in Person sein. Sie kann Menschen bösartig terrorisieren, dass ist heftig. Entweder telefonisch oder auch von Angesicht zu Angesicht. Sie kann auch perfekt intrigieren. Sie hat schon soviel Menschen auseinander gebracht, dass ist jenseits von gut und böse. Sie hat es sogar schon geschafft im sehr nahen Umfeld Eltern-Kind-Beziehungen zu zerstören Es handelt sich hierbei um Erwachsene Kinder, dass muss ich dazu sagen, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Sie hat es geschafft durch ihre manipulative Lügerei, dass erwachsene Menschen ihre eigene Mutter nicht mehr kennen wollen. Genauso ist sie mit fast ihrer ganzen Nachbarschaft zerstritten. Bei ihr kann heute ein Mensch der Beste auf der Welt sein und morgen taugt er nichts mehr. Somit hat sie sich natürlich selber auch ziemlich ins Aus katapultiert, sie hat keine wirklichen Freunde. Nur flüchtige Bekanntschaften, mit denen man mal einen kurzen Plausch hält und dann wieder seiner Wege geht. In der Familie ist sie auch mit so ziemlich jeden zerstritten, auch ihre Geschwister wollen keinen Kontakt mehr zu ihr. Schuld habe natürlich immer die Anderen. Was wiederum aber auch komisch ist, es gibt Menschen mit denen ist sie jahrelang zerstritten, dass sind für sie die Schlimmsten und bösartigsten Kreaturen überhaupt, und ganz plötzlich ist wieder mit ihnen ein Herz und eine Seele. Das kann ich immer nicht nachvollziehen. Ich habe mich mit ihrem Verhalten mal etwas intensiver Beschäftigt und bin der Meinung, dass sie auch unter Persönlichkeitsstörungen leidet... Schizophrenie oder Borderline. Aber ich bin natürlich keine Psychologin und kann auch nur spekulieren. Zur Alkoholsucht kommt bei ihr auch noch eine unheimlicher Verbrauch an Schmerztabletten. Vielleicht ist das auch die Kombi, die sie da im Kopf so unheimlich wirr werden lässt Von ihren ganzen Lügengeschichten, ist sie ja auch selbst total überzeugt.
Worauf ich jetzt eigentlich hinaus wollte, sie hat außer mir, eigentlichen keinen Menschen, der beständig in ihrem Leben ist. Ich muss mir natürlich auch hin und wieder den Terror antun und der Kontakt reißt dann mal für ein paar Wochen ein. Aber letztendlich bin ich dann doch immer wieder da. Und hier greift mein schlechtes Gewissen, wenn ich gehe, hat sie eigentliche niemanden mehr.

Mein Partner wohnt in einer anderen Stadt, wir sehen uns nur am Wochenende. Aber das jetzt näher zu schildern würde hier den Rahmen sprengen. Aber es gibt eigentlich nichts, was mich daran hindern würde hier meine Koffer zu packen und zu ihm zu ziehen. Ich meine wir sind nun 7 Jahre ein Paar, haben 2 Kinder, es wäre das normalste auf der Welt. Aber ich weiß, dass ich soviel Nähe nicht aushalten könnte und die Beziehung daran wahrscheinlich kaputt gehen würde. War bisher immer so bei mir. Ich bin mit der WE Beziehung so erstmal ganz zufrieden. Wenn ich meinem Partner von meinem Inneren erzählen würde, hätte er Verständnis für mich, dass weiß ich. Aber ich kann die innere Blockade einfach nicht einreißen. Es ist blöd, ich weiß.

Wie hast du es geschafft, über das Thema und deine Gefühle offen zu reden? Hattest du damit Probleme, oder fiel es dir leicht nachdem du wusstest, dass es das Beste für dich ist?

LG Donny

Kitze
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Beitrag von Kitze » 17.02.2016, 20:45

Hi donny,
man bekommt schon irgendwie das Gefühl dass sich bei dir enorm viel angestaut hat und du nur das passende Ventil brauchst. In vielem was du so schilderst finde ich mich wieder und verstehe deine Scham und Scheu, vor allem Gefühlsausbrüche, Tauer und Wut auch zeigen zu dürfen, mich mitteilen zu dürfen und nicht alles allein tragen zu müssen. Auch ich kann auch jetzt schwer um Hilfe bitten und annehmen, musste das üben weil ich manch ein Mal mit meinem Leben überfordert bin und war. Im Grunde habe ich Konflikte zwischen meinen Eltern geschlichtet, meine Mutter getröstet wenn sie verzweifelt war und fühlte mich seit klein auf an für das Wohlergehen aller verantwortlich. Und das macht mir das Leben nun so sehr schwer, zu erkennen was ich selbst für Bedürfnisse habe und was ich brauche.
Wie ich das angestellt habe? Stück für Stück über Jahre hinweg ließ ich die Fassade bröckeln, erzählte erst meinem Freund von meinem Innenleben, irgendwann meinen Freunden, und vor einem Jahr fing ich mit einer Therapie an. Das alles war bei mir aber deshalb möglich und nötig weil ich ziemlich weit unten am Boden war und es mir emotional und körperlich sehr schlecht ging und mein Körper sich immer neue Ventile suchte um das Innenleben nach außen zu kehren. Von Magersucht, darmprobleme, Augenentzündungen, usw., Burn-out-Symptomen, da zwang mich meine Hülle aktiv zu werden und es tat so sehr gut. Auch noch, es ist so sehr wichtig sich im Wohlfühlumfeld fallen lassen zu können, erklären zu können warum man wie reagiert und wie man tickt. Und das wünsche ich dir, dass du den Mut und die Kraft findest klar Tisch zu machen und dadurch mehr Lebensqualität erreichst, dein Leben befreiter genießen kannst. Hab Geduld mit dir, es verändert sich schon einiges wenn du deinen Bedürfnissen nachgehst, sie überhaupt wahrnimmst. Und wenn du das irgendwann artikulieren kannst, dann bist du richtig gut, das ist tatsächlich machbar und zu schaffen.
Gib auf dich Acht,
kitze

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