Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Warum schreibt ihr euch nicht?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Antworten
Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 19988
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Warum schreibt ihr euch nicht?

Beitrag von Linde66 » 14.09.2016, 18:12

Hallo,

warum schreibt ihr euch nicht?

Hier sind so viele Threads voller Schmerz und Überforderung angefangen worden. Man merkt richtig, wie schwer das alles ist, was auf der Seele lastet.

Aber reicht es, wenn man nur einmal geschrieben hat?

Ich bin selber EK und habe echt lange gebraucht, um damit klarzukommen. Mir hat das Schreiben geholfen. Deswegen wundere ich mich so, daß bei anderen EK scheinbar nur 1 x schreiben "reicht".

Wenn man sich in den EK-Threads einbringt, die ungefähr zeitgleich angefangen wurden, dann bekommt man auch mehr Antworten. Bei mir war das anfangs wie eine online-SHG. Es waren so 10 oder 15 Leute, die sich gegenseitig über Monate geschrieben haben. Mal blieben alte weg, mal kamen neue dazu.

Klar, manchmal reicht es tatsächlich, wenn man 1 x seinen Frust losgeworden ist. Mich hat es auf Dauer mehr stabilisiert, daß ich mich auf die "Gespräche" hier eingelassen habe. Ist zwar anstrengend, hat mir aber mehr gebracht, als nur passiv auf Antworten zu warten.

Wie seht ihr das?

Viele Grüße, Linde (EK)

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 19988
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Beitrag von Linde66 » 16.09.2016, 16:19

Hallo Ray,

manche EK's sind später zu Co's bzw. zu Alkoholikern geworden und schreiben lieber in solchen Threads weiter. Vermutlich, weil die EK-Thematik nicht so unter den Fingern brennt wie die aktuelle Lebenssituation.

Aber du hast Recht, bestimmte Wesenszüge sind echt EK-typisch! Spannend die kennenzulernen. Mir sind manchmal Kronleuchter aufgegangen. :lol: Ich hatte oft aha-Erlebnisse, weil ich mich endlich nicht mehr xyz (irgendeine beliebige negative Eigenschaft) fühlte, sondern als "ganz normales EK". :lol: Das hat mich spürbar entlastet. Klar kann man nix ungeschehen machen, aber mir hat es geholfen, die Dinge einzuordnen und zu begreifen. Und so kam ich aus der Kinderecke heraus und wurde ich handlungsfähiger.

Im erweiterten Forenbereich ist bei den Angehörigen tatsächlich mehr Austausch. Ich bin damals nach ca. einem Jahr im offenen in den erweiterten Bereich gegangen, damit ich offener schreiben kann.

Viele Grüße und danke für deine Antwort,

Linde

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 13199
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Beitrag von Aurora » 06.10.2017, 14:05

Hallo Fusselchen,

ich finde es auch sehr, sehr schade! Denn genug Leute sind ja da...

Vielleicht versuchst du einfach, dein Fädchen im Co-Bereich zu führen. Da bekommst du vielleicht mehr Aufmerksamkeit.

Liebe Grüße
Aurora

Tuschii
neuer Teilnehmer
Beiträge: 18
Registriert: 30.09.2017, 11:50

Beitrag von Tuschii » 07.10.2017, 14:48

Hallo Fusselchen,
die gleichen Gedanken hatte ich auch. Das Lesen der Beiträge hilft, sich austauschen sicher noch mehr.
Liebe Grüße,
Tuschii

Miss Daisy

Beitrag von Miss Daisy » 01.03.2018, 08:34

Also ich schreib gerne und bin bereit, den Stein mit am Rollen zu halten - zumindest für eine Zeit.

Ich hatte vor ein paar Jahren schon einmal in dieses Forum geguckt, konnte mich damals aber nicht dazu aufraffen, aktiv mitzumachen. Ich hatte einige Erfahrungsberichte von Leidensgenossen gelesen, aber dann wurde es mir zuviel - soviel Elend und schlimme Geschichten. Es hat mich runtergezogen, soviel Negatives zu lesen und dann dabei zugucken zu müssen, dass die betroffenen EKAs bis ins späte Erwachsenenalter sich zum Teil immer noch von ihren alkoholabhängigen Elternteilen emotional erpressen lassen und sich nicht von ihnen loslösen können/wollen. Schwer zu ertragen!

Ich selbst bin also hin- und hergerissen: Einerseits suche ich den Austausch mit anderen EKAs, wenn es um das Verstehen meiner jetzigen Verhaltensmuster geht, andererseits möchte ich auch meine Kindheitserinnerungen endlich hinter mir lassen und mich auf positivere Dinge und die Zukunft konzentrieren.

Wie denkt Ihr darüber?

B.Nyborg
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3063
Registriert: 15.08.2008, 15:02

Beitrag von B.Nyborg » 01.03.2018, 16:37

Hallo Miss Daisy,

Ich kann verstehen, dass Geschichten anderer Betroffener schwierig zu verdauen sind. Daher ist es auch wichtig, gut auf sich aufzupassen und nicht alles mal eben schnell zu lesen. Was widerum oft gut tut, ist die Erkenntnis, nicht allein mit einem bestimmten Problem zu sein. Dass jemand Austausch möchte, aber gleichzeitig nach vorne blicken will, auch hierfür können sich ja Gleichgesinnte / Wegbegleiter finden.

Viele Grüße, B.Nyborg

Antworten