Papa geht zu grunde, ich bin hilflos

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Antworten
catiel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 23.10.2016, 02:05

Papa geht zu grunde, ich bin hilflos

Beitrag von catiel » 24.10.2016, 11:40

Hallo,
mein Name ist Sandra, ich bin 32 Jahre alt und mein Papa ist Alkoholiker.

Selbst das auszuschreiben fällt mir zugegebermaßen etwas schwer. Mein Papa trinkt seit ich denken kann. Jedoch nur in der Kneipe, nie zuhause. Auf der einen Seite ist das natürlich positiv, auf der anderen war es natürlich immer so, dass mein Papa Abends spät nach hause gekommen ist - völlig betrunken. Dann hat er vielleicht noch etwas rumgemeckert und hat sich dann hingelegt und geschlafen.

Er war immer da, aber nie anwesend.

Oft hat er meine Mama beleidigt, is auch ab und zu mal handgreiflich geworden. Ich habe das immer vom Kinderzimmer mitbekommen und mich dadurch sehr abgekapselt.

Vor einigen Jahren wurde Diabetes bei ihm festgestellt. danach wurde es für einige Zeit besser, er hat sehr selten nur noch getrunken und weniger geraucht. Heute trinkt er wieder seine 4-5 Bier (Gläser) in der Kneipe und raucht gut 2 Schachteln Zigaretten am Tag.

Da er früher nicht wirklich für mich da war, habe ich keine beziehung zu ihm aufgebaut und früher wäre es mir egal gewesen wenn er gestorben wäre. Klingt hart, aber es war so.

Als er dann krank wurde, war er öfters nüchtern und ich habe festgestellt, dass er eigentlich doch ganz ok ist. Wir haben usn ein bisschen angenährt und das fand ich sehr schön.

Am Wochenende war ich nun bei meinen Eltern zu besuch und war schockiert. Mein Papa hat total abgebaut. er hat abgenommen, sieht fertig aus und hat einen Diabeteker Fuß. Außerdem hatte er irgendwie eine verwaschene Aussprache. Sein Gedächnis ist seit Jahren nicht mehr gut, aber der jetzige Zustand...wow. Das hat mich traurig gemacht. Als ich fahren wollte, ist er dann in die Kneipe gegangen. Und zack war ich wütend.

Zuhause angekommen, musste ich weinen weil ich nciht wusste wie ich damit umgehen soll. Was mich auch dazu bewogen hat, mich hier anzumelden.

Bei uns in der Familie wird das Thema "Papa" quasi tot geschwiegen. Man fragt einfach nicht nach ihm oder wie es ihm geht.

Weil er immer sehr aggresiv war und meine Mama regelrecht fertig gemacht hat, hat sie sich nie getraut ihn zu verlassen. Deshalb glaube ich fast, dass sie froh wäre, wenn er bald von uns geht.

Ich weiß selbst nicht, wie ich denken oder fühlen soll.
Au der einen Seite war er früher nie für mich da, aber auf der anderen haben wir doch gerade wieder ein bisschen zu einander gefunden, da kann er doch jetzt nicht zu grunde gehen...

Ich weiß nicht was ich machen soll. Ihn darauf ansprechen kann ich nciht, weil er dann immer abblockt (nicht nur beim Thema Alkohol, auch sein Gesundheitszustand).

Als ich mich heir durch das Forum gelesen habe, habe ich viele Merkmale von EKAs an mir selbst bemerkt. Ich schäme mich irgendwie für das alles, deshalb will ich mit niemandem darüber reden, der mich kennt.

Vielleicht hat jemand mit einer ähnlichen Situtation erfahrung?
Tut mir leid, wenn mein Text etwas wirr ist... das musste jetzt einfach alles mal raus...

Lg
Sanni

dacoucou
neuer Teilnehmer
Beiträge: 57
Registriert: 10.09.2015, 11:51

Beitrag von dacoucou » 15.12.2016, 08:14

Hallo Sandra,

dir hat ja noch niemand geantwortet! Ich schau nicht so oft rein, deshalb sehe ich deinen Eintrag erst jetzt...
Wie geht es dir inzwischen?


Ich kann dich nur zu gut verstehen. Ich rede darüber auch mit keinem, den ich nicht wirklich gut kenne. Mit ein paar guten Freunden kann ich drüber reden, da sie ähnliches in der Familie haben... gibt es leider ja viel zu oft.
Wenn mich aber jemand nach meinem Vater fragt kann ich inzwischen ohne große Scham sagen, Ja er ist Alkoholiker. Es ist ja nicht meine Schuld - nicht unsere Schuld! Das muss man aber auch erst alles lernen.

Zu sehen, wie die abbauen ist schrecklich. Bei meinem Vater ist es nicht ganz so schlimm, obwohl er auch schon sehr lange trinkt. Seine gesundheitswerte sind sogar richtig gut, hat er eigentlich gar nicht verdient....
Aber dieses tüdelige etc.... schon traurig.
Und wenn er betrunken ist, dann ist der Anblick jämmerlich. So etwas sollte man sich eigentlich nicht antun.

Ich habe lange getrauert um einen nicht respektablen Vater, auf den man nicht stolz sein kann, um Großeltern für meine Kinder, die keine richtigen sind, da man sich nicht auf sie verlassen kann, um eine kaputte Familie, die man sich gerne so anders gewünscht hätte und die ja auch möglich wäre - wäre da nicht der Alkohol.

Und ja, oft denkt man, es wäre besser, er wäre nicht mehr da. Leider. Weil es immer im Kreis geht, seit Jahren - hoch und ab - und nichts ändert sich, aber alle leiden mit.

Du kannst dich nur distanzieren.
So wie du deinen Vater beschreibst, scheint er keinen Gedanken ans Aufhören zu verschwenden, da hast du keine Chance auf Besserung, so traurig es ist.

Melde dich doch mal wieder hier!
Viele Grüße, Dacoucou

Antworten