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Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 22.03.2017, 07:43

So schnell kann's gehen... danke erstmal Aurora für deine Antwort!
Tut mir leid, wenn ich jetzt nicht darauf eingehe, meine Prioritäten haben sich dank der letzten beiden Tage etwas verschoben.

Vorgestern beim Essen hatte ich mich mit meiner Mutter gestritten. Es ging um politische Themen... ich bin nicht sehr politisch interessiert und sie weiß das auch. Essentiell ging es darum wie unfassbar dumm sich der derzeitige US Präsident und div. andere US Politiker verhalten würden, wie unhöflich, etc. Wozu ich zunächst nicht viel zu sagen hatte, ebenso die anderen die mit am Tisch saßen (die aber von ihr sowieso ignoriert wurden). Da meine Mutter aber das Thema nicht fallen ließ, fragte ich sie irgendwann was sie denn wollte dass ich sagte. Sie wisse genau ich interessiere mich nicht besonders dafür und hatte die entsprechenden Szenarien nicht verfolgt, nicht gesehen, könne deshalb auch nichts dazu sagen. Daraufhin wurde ich dermaßen angegangen. Ob ich jetzt nur noch etwas zu Dingen sagen könnte, die ich mit eigenen Augen gesehen hätte (da schwang definitiv der Unmut mit darüber, dass ich in den letzten Wochen kaum mit ihr gesprochen habe), sie würde nur Fakten berichten usw. usf.
Bis es mir irgendwann reichte und ich fragte, ob sie wolle dass ich ihr einfach zustimme, ihr sage dass sie Recht hat und sowieso alles besser weiß. Mir ist nach Wochen der Stichelei und Anspannung einfach der Faden gerissen.

Daraufhin durfte ich mir gestern anhören ich sei eine "arrogante Schmarotzer Tussi", von der sie sich nicht mehr beleidigen und verarschen lässt und ich kann ihr ab Mai 600€ Miete zahlen, würde ich das nicht tun, schmeiße sie mich raus. Und da ich ja kein Teil dieser Familie mehr sein wolle, wolle mich auch beim Essen niemand mehr sehen.

Interessant fand ich, dass meine Schwester meinte sie hätte zu ihr gesagt ich würde ja kaum noch mit jemandem reden und sie will mich nicht mehr beim Essen haben wenn ich ihr solche Antworten gebe. Und ich könnte ja auch ausziehen wenn es mir nicht passt (was überhaupt?). Außerdem, dass mein Freund nicht mehr zu uns kommen braucht.
Die Wortwahl macht das ganze so interessant. Da war es noch von ihrer Perspektive aus, mir gegenüber war es auf einmal die ganze Familie. Alle.

Mit Freunden habe ich schon gesprochen, es wird versucht was zu organisieren, dass ich erstmal bei jemandem unterkommen kann und dann von dort aus Unterstützung finde.

Auf dieses Tam Tam habe ich keine Lust. Ich muss mich nicht so behandeln lassen, nur weil ich für sie nicht mehr als emotionaler Abfalleimer fungiere - mir wurde ja immer erzählt wie schlimm alle sind und wie schwer alles ist, anstatt sich mit den entsprechenden Leuten auseinander zu setzen. Schon als Kind. Von meinem alkoholkranken Vater damals genauso übrigens... der hatte nur seltener die Chance als sie jetzt in den Jahren.
Mal ganz zu schweigen davon, dass ich auch einfach kein emotionaler Abfalleimer bin.

Ihre Probleme sind nicht meine Probleme und ich hab auch keine Lust mein Leben von ihr und ihren Schwierigkeiten bestimmen zu lassen.

Mir gehen noch ganz viel mehr Sachen durch den Kopf... mit meinem Freund rede ich schon seit Stunden, heute Abend wird mit einer Freundin telefoniert die mir angeboten hat ich kann erst mal zu ihr kommen usw.
Ich hab's versucht alles irgendwie kurz zusammen zu fassen und nicht zu sehr ins Detail zu gehen, aber ich weiß nicht genau, wie gut mir das gelungen ist.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 22.03.2017, 13:51

Hey Cookie,

wow, was für eine Power :D , super!
Auf dieses Tam Tam habe ich keine Lust. Ich muss mich nicht so behandeln lassen,
dass ich auch einfach kein emotionaler Abfalleimer bin.
Ihre Probleme sind nicht meine Probleme und ich hab auch keine Lust mein Leben von ihr und ihren Schwierigkeiten bestimmen zu lassen.
Ja, genau das ist es ! Druck dir das groß aus und hänge es da an, wo du es immer wieder sehen kannst. Falls du ein schlechtes Gewissen kriegst.

Viele Grüße
Aurora

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 22.03.2017, 18:11

wow, was für eine Power :D , super!
Die kam aber mit vielen Emotionen und Überforderung. Ich hab gestern erst mal mehrere Stunden geweint. Immerhin war es ja auch immer noch meine Mutter, die mich da so behandelt hat. ^^
Lustiger Weise aber erst nachdem ich trocken allen erzählt hatte was vor ging und geguckt hab was ich alles machen muss wenn ich ausziehe und wo ich evtl. hin könnte.
Ja, genau das ist es ! Druck dir das groß aus und hänge es da an, wo du es immer wieder sehen kannst. Falls du ein schlechtes Gewissen kriegst.
Im Moment wiederhole ich das ganze immer wieder im Kopf und das klappt gut. Auch wenn ich die Situation noch mal durchdenke usw. überlege, was sie gesagt hat und wie und was das mit mir macht, was es bedeutet etc.
Kann sein dass ein schlechtes Gewissen kommt, wenn alles sich beruhigt hat, wenn ich weg bin und Zeit hab mir Gedanken zu machen wie das jetzt wohl für sie ist. Aber im Moment hab ich keins.

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 25.03.2017, 05:33

Später geht es zu meiner Freundin und ihrem Freund, gute 300km weit weg von hier. Für eine Woche hat sie gesagt. In dieser Woche darf ich entscheiden ob ich bleiben möchte, oder nicht. Wir werden zu verschiedenen Stellen gehen damit ich mich beraten lassen kann wie es weiter geht, finanziell aber auch psychologisch. Ich glaube ich habe mich schon entschieden. Denn ich fühle mich als ob ich packe um zu gehen, endgültig.

Mir geht es in dieser Nacht sehr eigenartig. Die ganzen letzten Tage ging mir sehr viel durch den Kopf. Viele Erinnerungen kamen hoch, an Dinge die meine Mutter gesagt hat, and Dinge die mein Vater gesagt hat. An Streitereien die die beiden hatten, daran dass meine Mutter nicht gegangen ist obwohl sie augenscheinlich wusste dass es besser gewesen wäre. Daran, wie ich diverse Male gefragt wurde was sie denn machen solle, auch später als mein Bruder anfing sich zurück zu ziehen. Daran wie ich gefragt wurde ob man denn wirklich so ein schlimmer, furchtbarer Mensch sei.
Beide waren, sind krank. Jeder auf eine etwas andere Art und Weise. Ich merke, wie wichtig diese Nacht und diese Gedanken für mich sind und ich vermisse gerade meine Mutter sehr, die mir doch eigentlich die Angst nehmen müsste und die stolz auf mich sein müsste. Es macht mich traurig, dass sie mir die Schuld geben wird, dass sie noch böser auf mich sein wird und dass ich nicht weiß ob sie jemals meine Perspektive wird verstehen können.
Gleichzeitig bin ich aber stolz auf mich. Ganz ohne sie. Vor allem bin ich aber unbeschreiblich froh, dass ich nicht alleine sein muss. Mein Freund ist immer erreichbar, hat unglaublich viel Verständnis dafür, dass ich viele Dinge wiederhole, mich kaum auf irgendwas anderes konzentrieren kann, macht mir Mut. Und Meine Freundin und ihr Freund sind da, zu denen ich jetzt kann und die mir helfen werden diverse Behördengänge zu machen und nichts wichtiges zu vergessen. Andere Freunde fragen immer wieder nach wie es mir geht. Alle sagen mir, es ist gut dass ich gehe und ich soll mir die Zeit lassen die ich brauche um alles zu verarbeiten. Und auch die Antworten hier im Forum helfen sehr.
Ich merke, ich bin nicht alleine, ich bin nicht darauf angewiesen hier zu bleiben. Meine Mama ist zwar meine Mama aber ich bin nicht mehr wirklich an sie gebunden, wenn ich das nicht möchte. Ich merke auch, dass ich diejenige bin, die alles in der Hand hat. Ich bin verantwortlich dafür, dass ich Hilfe bekomme. Ich habe meine Freunde angesprochen, ich habe erzählt was los ist, ich habe nach einem Platz gesucht/gefragt wo ich hin kann.
Mir fällt es immer noch sehr schwer aktiv etwas zu tun, an die nächsten Tage zu denken verursacht ein mulmiges Gefühl, aber ich sitze ja doch nicht nur rum.

Ich bin sehr dankbar im Moment für die Menschen die ich um mich habe. Genauso bin ich aber stolz darauf wie ich mit der Situation umgehe, obwohl es mir so schwer fällt, ich müde, ausgelaugt und ziemlich emotional bin, ich mich kaum darauf konzentrieren kann was wichtig ist und wie man am Besten alles in Schritten regelt. Aber irgendwie komme ich doch immer wieder auf die wesentlichen Punkte zurück, egal wie weit ich abdrifte.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 25.03.2017, 13:06

Liebe Cookie,

ja, du kannst sehr stolz auf dich sein :D !

Ich habe schon bei vielen EKAs gelesen, dass sie ihre Mutter/ihren Vater vermissen. Also in der Rolle des Beschützers, des Vertrauten, der Eltern eben. Das tut sehr weh zu erkennen, dass deine Mutter dieser Rolle nicht gerecht werden konnte und nicht kann.

Trotzdem ist sie deine Mutter und es ist auch klar, dass du Liebe für sie hast. Sie hat diese Liebe auch für dich, aber die Sucht steht immer vor allem. Und die Sucht ist stärker als alles.

Darum ist es klasse, wie du deinen Weg machst, wie deine Freunde dich auch unterstützen. Es ist toll, solche Freunde zu haben! Denn dein Leben kannst du leben, in die Hand nehmen. Die Sucht deiner Mutter aber nicht.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Dingen jetzt und bin gespannt, wie alles wird.

Liebe Grüße
Aurora

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Beitrag von FallenChocoCookie » 28.03.2017, 23:32

Hallo Aurora!

Dankeschön! Ich bin auch gespannt wie alles wird. Am Sonntag ging es mir erst einmal sehr schlecht, ich hatte abends auch einen kleineren Zusammenbruch und wollte unbedingt nach Hause. Zu den Problemen die ich kannte, anstatt mich mit der neuen Situation auseinander zu setzen. Aber ich habe mich selber ein bisschen gezwungen das auszuhalten und seit gestern ging es dann auch wieder besser.
Ich wusste dass mir alles erst mal schlimmer vorkam als es ist und ich wusste einfach irgendwie nicht wo mir der Kopf stand. Alles stresst mich momentan sehr...Auch weil ich hier eben jetzt mit zwei Personen in einer kleinen 1-Zimmer Wohnung sitze, bis ich etwas eigens habe. Aber beide geben sich die größte Mühe alles so angenehm wie möglich für mich zu machen und ich werde auch ein bisschen in mein Glück geschubst wenn ich selber Probleme habe einen Schritt zu machen. :D
Mein Freund ist auch nach wie vor immer erreichbar und emotional einfach für mich da.

Ich muss sagen ich bin gestresst von dem ganzen Chaos und davon, dass sich alles auf einen Schlag gerade verändert, aber ich bin auch irgendwo froh. Mir fällt auf dass ich viel lerne und solange ich auf mich selber achte und höre, kann ich gerade viel Schlechtes aussortieren aus meinem Kopf und meiner Gefühlswelt und den Fokus wieder mehr auf das Positive und Konstruktive legen.
Irgendwie überdenke ich viele negative Erinnerungen noch mal, rede auch mit den anderen darüber und ziehe neue Schlüsse. Und ich hab auf jeden Fall das Gefühl, dass bei mir gerade eine Entwicklung passiert. Und generell glaube ich eine sehr gute, obwohl es streckenweise relativ schmerzvoll und auf jeden Fall krass ist.

Ich freu mich drauf wieder entspannte Momente zu haben irgendwann im Laufe der nächsten zwei Monate oder so.

LG,
Cookie

Aurora
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Beitrag von Aurora » 29.03.2017, 15:21

Hallo Cookie,
...ich hatte abends auch einen kleineren Zusammenbruch und wollte unbedingt nach Hause. Zu den Problemen die ich kannte, anstatt mich mit der neuen Situation auseinander zu setzen.
Ich bin nun kein EKA aber diese Situation hatte ich als Co damals auch! Irgendwann waren der Druck und die Schuldgefühle so groß, dass ich kapitulieren wollte. Ich dachte, ich gehe zurück zu meinem Ex, da weiß ich, woran ich bin. Dann hätte ich aber wenigstens diese Gefühle nicht mehr gehabt. Ich habe das auch einfach ausgehalten, so wie du. Und es wurde dann langsam besser. Es gehört zum Prozess wohl auch dazu, sich so zu fühlen.

Es ist kein leichter Weg. Da ist viel Trauer auch mit dabei, viele schlimme Gefühle. In diesen Momenten habe ich mir dann auch immer vor Augen gehalten, was der Grund für die Trennung war. Nämlich das ganze Elend einer Verbindung mit einem suchtkranken Menschen. Das hat geholfen...

Du machst das super und es ist wirklich gut, dass du die Unterstützung deiner Freunde hast! Das macht eine Menge aus.

Viele Grüße
Aurora

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Beitrag von FallenChocoCookie » 01.04.2017, 18:55

Hi Aurora,
Irgendwann waren der Druck und die Schuldgefühle so groß, dass ich kapitulieren wollte.
Schuldgefühle waren es bei mir gar nicht mal. Ich habe einfach nur ein Problem damit so plötzlich in einem komplett anderen Umfeld zu sein. Mir ging's schon immer so, dass ich mich eher zurückgehalten hab, wenn ich irgendwo zu besuch war - ich esse weniger, ich warte eher darauf dass mir Dinge angeboten werden anstatt danach zu fragen. Außer ich halte es wirklich nicht mehr aus.
Dazu kommt, dass ich einfach nicht genau wusste, was jetzt passieren würde. Einen wirklich 100% festen Plan gab es ja nicht. Es regelt sich eher alles nach und nach. Damit kam ich nicht so gut zurecht.

Es wird aber besser. (:

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