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Jetzt trinkt sie auch - Abgrenzung

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 19.02.2017, 22:39

Und ich glaube Mitleid damit zu haben ist okay
Oder sollte ich besser sagen Mitgefühl. Mitleid ist nicht ganz richtig. Es ist halt traurig.

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 23.02.2017, 00:01

Sieht für mich heute nach einer schlaflosen Nacht aus. Mir geht viel durch den Kopf.
An sich geht es mir nach wie vor besser; ich habe auch nicht das Gefühl dass bald wieder ein Tief kommt. Trotzdem bin ich fast die ganze Zeit am Grübeln, versuche Lösungen zu finden für alles Mögliche. Und vor allem auch Dinge umzusetzen. Was mir eigentlich die meisten Probleme macht.

Aber ich habe die letzten Tage angefangen z.B. mehr sauber zu machen - nicht nur mein eigenes Zimmer. Wie schon einmal erwähnt hat meine Mutter langsam immer mehr Probleme sich um den Haushalt zu kümmern. Teilweise ist es hier wirklich ziemlich dreckig . . . jetzt mache ich aber nicht sauber um ihr was abzunehmen, ich mache es weil ich mich nicht wohl fühle und es sauber haben will. Das war eines der Dinge die auf meiner Liste standen - ich will ein sauberes Zuhause in dem ich mich wohl fühle(n kann).
Natürlich schwingt noch irgendwo der Gedanke mit, dass sie so viel zu tun hat mit Job und 5-Personen-Haushalt und ihr niemand hilft usw. und ja, ich kann auch nicht hundertprozentig den Wunsch ablegen ihr zu helfen. Noch nicht. Aber es ist definitiv nicht meine erste Motivation. Sie hat auch bemerkt dass ich was mache und ich glaube sie denkt ich mache es ihr zuliebe.

Reden tue ich mit ihr immer noch nicht viel seitdem ich wieder hier bin. Ich möchte immer noch nicht. Denn das was ich ansprechen wollen würde - die Alkoholkrankheit - würde in Streit enden und das ist etwas, was ich schlicht und ergreifend nicht haben will. Alles was das bringen würde wäre, dass es mir wieder schlechter ginge weil mich Streit mit ihr immer unheimlich runter zieht.
Aber sonst gibt es meiner Meinung nach nichts zu besprechen. So zu tun als wäre alles gut, da habe ich auch keine Lust drauf. Also sage ich eben nichts. Und sie scheint darüber sauer zu sein.
Das stört mich. Ich weiß nicht warum, aber es stört mich.
Fühlt sich so an wie ein stiller Vorwurf - "du warst 4 Wochen weg, jetzt redest du nicht einmal mehr mit mir und ich verstehe nicht warum". Fragen tut sie aber auch nicht. Alles was ich mir anhören durfte war "ich durfte mich ja nicht mal freuen als du wieder gekommen bist", als sie darauf bestanden hat mir etwas Süßes zu kaufen vor ein paar Tagen.

Um ehrlich zu sein, eigentlich weiß ich gar nicht ob sie es wirklich nicht versteht, oder ob sie vielleicht angesäuert reagiert weil sie ahnt oder genau weiß was der Grund ist dass ich nicht mit ihr sprechen will.

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 24.02.2017, 01:23

Und ich denke, deine Mutter weiß sehr genau, dass sie dich früher oder später verlieren wird, wenn sie nichts ändert. Das hat sie ja selbst bei deinem Vater erlebt.
Mein Freund hat etwas sehr ähnliches gesagt. Er meinte sie hat wahrscheinlich Angst mich zu verlieren, deshalb ist sie auch gereizt weil ich nicht mit ihr spreche. Das ist gut möglich, denke ich.

Gestern kam sie mir mitten in der Nacht auf dem Flur wankend entgegen. Sowas passiert natürlich gar nicht so selten, aber es ist trotzdem jedes Mal wieder schlimm. Am meisten Angst habe ich aber mich mit ihr unterhalten zu müssen - also evtl. was zu brauchen oder in Gespräche verwickelt zu werden und nicht mehr hinaus zu kommen - wenn sie in diesem Zustand ist. Das ist zum Glück aber nicht passiert.
Sie ist gerade wieder mal krank geschrieben und deshalb zuhause . . . ich weiß nicht für wie lange.

Slowly
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Beitrag von Slowly » 24.02.2017, 05:51

Hallo Cookie,

ich selbst bin eine Tochter von trockenen, bzw. im Alter den Konsum von Alkohol sehr zurück reduzierten, Eltern und selbst seit bald 5 Jahren trockene Alkoholikerin und auch von der Coabhängigkeit habe ich mich weitgehend befreien können.

Ich kann deinen Zwiespalt gut verstehen und ich würde dir darum raten dir einen Ausbildungsplatz und eigene Wohnung/WG zu suchen und zwar so weit weg wie möglich von deiner Mutter.

Du machst einen reflektierten Eindruck, hast schon viel von den Mechanismen erkannt, die die Beziehung zwischen Alkoholiker/in und Angehörigen meist so destruktiv machen.

Trotzdem denke ich ist eine große räumliche Distanz, zumindest für die Anfangszeit, fast genau so wichtig wie die seelische Distanz.

Wenn du eben nicht mal in´s Auto oder die Bahn steigen kannst, um zu deiner Mutter zu fahren, dann tust du es auch nicht und das kann dich, wie einen Alkoholiker das trockene Zuhause, vor einem Rückfall bewahren.

Bei mir selbst war es so, dass meine erste coabhängige Beziehung jahrelang dauerte und großen Schaden bei mir verursachte.

Sie dauerte und dauerte, bis.........der Mensch dann plötzlich nicht mehr da war, Aufgrund meiner Entscheidung ( die mir sehr schwer fiel, ) die ich bis heute aber als einen der wichtigsten Wendepunkte in meinem Leben ansehe.

Sicherlich ist die familiäre noch eine andere Gefühlsebene als die in einer Beziehung, trotzdem würde ich mir an deiner Stelle überlegen, ob das nicht der richtige Schritt wäre.

Und ich würde das meiner Mutter auch nicht mitteilen, erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Ansonsten ist die Gefahr viel zu hoch, dass sie versuchen wird dich davon abzuhalten, mit Manipulation und der Einimpfung von schlechtem Gewissen etc.........denn darin sind Abhängige leider Experten und sie schrecken auch nicht davor zurück, ihre Nächsten mit in den Abwärtsstrudel zu reißen.

Ob sie es wollen oder auch nicht ( das lässt sich meiner Meinung nach bei einer Suchterkrankung nicht genau sagen ), es geschieht aber und es geschieht mit höchstwahrscheinlich schlimmen Folgen.

Überlege es dir gut, ich war genau so alt wie du, als ich den Absprung schaffte !

Von meinen Eltern musste ich mich auch jahrelang distanzieren ( 800 km und auch innerlich ), bis dann eine gute Annäherung wieder möglich war.

Das ging aber auch nur, weil meine Eltern sich veränderten und an sich arbeiteten.

Du kannst deiner Mutter nicht helfen, es gibt nur einen kleinen Hoffnunschimmer, dass du es vielleicht doch kannst und der wäre weg zu gehen. Denn nur dann wird auch sie aus ihrem Schema geworfen und kann vielleicht noch einmal ihr Leben in die Hand nehmen.

Ich wünsche es euch !

Ganz liebe Grüße

Slowly

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 11.03.2017, 23:02

Hi Slowly,

vielen Dank für deine Antwort hier. Was du geschrieben hast hat mir viel Mut gemacht und mich bestärkt in den Gedanken die ich schon hatte.
Und ich würde das meiner Mutter auch nicht mitteilen, erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Ansonsten ist die Gefahr viel zu hoch, dass sie versuchen wird dich davon abzuhalten, mit Manipulation und der Einimpfung von schlechtem Gewissen etc.........denn darin sind Abhängige leider Experten und sie schrecken auch nicht davor zurück, ihre Nächsten mit in den Abwärtsstrudel zu reißen.
Danke besonders auch, dass du das nochmal erwähnt hast. Ich möchte so gerne sagen nein, so ist sie nicht, sie würde nicht mit Absicht versuchen mich davon abzuhalten. Aber die Sache ist, ich habe schon bei anderen Dingen mitbekommen wie sie versucht mich in bestimmte Richtungen zu lenken. Sie muss es auch nicht absichtlich tun. Das ändert ja nicht, dass sie es tut.

In den letzen Tagen habe ich wieder öfter mit ihr gesprochen, aber ich merke auch es tut mir meistens nicht so gut.
In einem Gespräch beim Essen hatte ich allerdings die Möglichkeit ihr bewusst zu machen, dass es mich nervt wenn sie sich ständig einzumischen versucht in die Ausbildungssuche. Auch den Termin beim Arbeitsamt habe ich alleine wahrgenommen, obwohl sie mir angeboten hatte mich zumindest zum Bahnhof zu fahren.
Ich habe ganz bestimmt abgelehnt und bin sowohl froh darum als auch stolz darauf. Denn einfach gefallen ist es mir nicht.

LG,
Cookie

Aurora
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Beitrag von Aurora » 12.03.2017, 12:20

Hallo Cookie,
Ich habe ganz bestimmt abgelehnt und bin sowohl froh darum als auch stolz darauf. Denn einfach gefallen ist es mir nicht.
Super gemacht! Solche Dinge fallen einem gar nicht leicht. Aber du hast es geschafft und kannst zu Recht stolz auf dich sein. Das sind genau die Schritte zum Loslassen.

Viele Grüße
Aurora

FallenChocoCookie
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Verwirrung :/

Beitrag von FallenChocoCookie » 20.03.2017, 04:07

Auch heute ist für mich eine schlaflose Nacht. Ich bin irgendwie so rastlos, meine Gedanken kreisen die ganze Zeit um alles Mögliche.
Ankommen tue ich immer wieder beim gleichen Punkt - ich will was Neues, was Eigenes, ich will weg von hier.

Meine Mutter ist nach wie vor merklich unglücklich darüber dass ich mich zurück ziehe und diese Spannung die dadurch entsteht tut mir überhaupt nicht gut.

Am naheliegendsten für mich wäre eigentlich zu meinem Freund zu gehen, bei dem ich mich wohl und gut aufgehoben fühle, der mich unterstützt und bei dem ich zur Ruhe kommen kann.
Nur würde das auch bedeuten in ein anderes Land gehen und in meiner Situation, wie sie jetzt ist, eben ohne Ausbildung, ohne Job, ohne groß Joberfahrung. Und sofort schaltet sich die Stimme in meinem Kopf ein "das kannst du nicht machen, das darfst du nicht machen, das ist dumm". Ich frage mich, ist es optimal? Nein. Aber warum darf ich denn nicht? Wer verbietet mir das? Wer sagt mir denn was ich muss? Und warum kann ich nicht?
In mir herrscht ein permanentes hin- und her. Ich versuche mein Bestes mich aufzuraffen auch etwas zu tun, aber jeder Schritt in irgendeine Richtung fällt mir so unheimlich schwer. In der Situation jetzt bleiben will ich definitiv nicht, ich habe genug davon. Aber alles Neue, Ungewohnte macht mir auch Angst. Der Gedanke das irgendwann alles "gut" ist, ist so befremdlich. Und ich merke auch immer wieder im Moment dass es mir so schwer fällt Entscheidungen für mich selbst zu treffen.
Immer wieder frage ich mich, tue ich damit jemand anderem weh? Was wird denn mit XYZ wenn ich dies und jenes tue?
Man merkt es ja auch an dieser inneren kritischen Stimme, die sich immer wieder einschaltet wenn ich in eine, hm, freiere Richtung denke. Ich glaube das ist dieses antrainierte "egal was du tust, es muss 'allen' gut gehen". Allen. Als wäre das ein definiertes Wesen, irgendwas handfestes. Die Familie funktioniert nur als Einheit, ein Ganzes, nicht als Gruppe von Individuen. Aber das ist so abstrakt und... falsch? Natürlich liebe ich meine Geschwister, meine Mutter, eben alle, die ich als Familie sehe und natürlich will ich dass es ihnen gut geht. Aber das liegt doch zu allererst in ihrer eigenen Verantwortung? Alle diese Menschen sind erwachsen. Wenn sie Hilfe brauchen und ich kann helfen, will ich gerne da sein. Wenn sie fragen. Ansonsten sind sie doch aber für sich selbst verantwortlich?

Und ich bin für mich verantwortlich. Und die einzige Person vor der ich Entscheidungen rechtfertigen muss, bin ich. Aber so ganz ist das glaube ich noch nicht angekommen. :D

Hm.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 20.03.2017, 16:40

Hallo Cookie,
Und sofort schaltet sich die Stimme in meinem Kopf ein "das kannst du nicht machen, das darfst du nicht machen, das ist dumm". Ich frage mich, ist es optimal? Nein. Aber warum darf ich denn nicht? Wer verbietet mir das? Wer sagt mir denn was ich muss? Und warum kann ich nicht?
Das ist ein sehr interessanter und wichtiger Ansatzpunkt! Wer ist diese Stimme? Vielleicht kannst du da mal genau hinhören und das raus finden. Ich habe auch so innere Zensoren. Und habe heraus gefunden, dass es oft die Stimme meiner Mutter ist, die das sagt.
Natürlich liebe ich meine Geschwister, meine Mutter, eben alle, die ich als Familie sehe und natürlich will ich dass es ihnen gut geht. Aber das liegt doch zu allererst in ihrer eigenen Verantwortung? Alle diese Menschen sind erwachsen. Wenn sie Hilfe brauchen und ich kann helfen, will ich gerne da sein. Wenn sie fragen. Ansonsten sind sie doch aber für sich selbst verantwortlich?
Ja! Natürlich sind sie alle für sich selbst verantwortlich. Ganz klar. Und auch du bist für dich verantwortlich. Nicht für alle anderen... Ist das die selbe Stimme, die dir das sagt? Dass du verantwortlich bist?

Du sorgst für das Wohlbefinden deines Umfeldes. Und bleibst selbst auf der Strecke dabei, stellst dich selbst hinten an. Aber das ist verkehrt rum. Du solltest zuerst in deiner Prioritätenliste kommen. Du magst Veränderungen nicht? Ganz klar, wer mag das schon, das ist zuerst mal ein ganz normales menschliches Bedürfnis, nichts ändern zu müssen. Angst zu haben davor. Du solltest dich davon nur nicht lähmen lassen. Diese Angst ist auch zu überwinden. Das geht!

Und vor allem, ganz wichtig, du darfst das...

Viele Grüße
Aurora

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