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Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Gedankenblatt
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Beiträge: 13
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Beitrag von Gedankenblatt » 16.02.2017, 20:19

Hallo allerseits,

Ich bin neu hier, und habe schon einige interessante und traurige Beiträge hier gelesen. Vieles was ich hier lese, ist erschreckend vertraut, und manches noch viel, viel schlimmer als meine Geschichte.

Also, ich stell mich mal kurz vor, damit ihr euch "ein Bild" machen könnt. Ich bin Anfang 30 und meine Mutter ist Alkoholikerin seit... ich weiß nicht genau, aber sicher schon seit 20 Jahren. Wir haben alles schon durch, und es ändert sich nichts. Sie geht immer wieder mal auf Therapie, war bei so vielen Ärzten, und hat dann doch wieder Rückfälle. Ich war selbst schon in Angehörigen-Therapien und hab mit Gleichgesinnten geheult.

Ich weiß, dass ich sie nicht ändern kann. Ich kann nichts tun, und damit komme ich nicht zurecht. Ich bin wahrscheinlich einer der Hauptgründe warum sie trinkt. Lange habe ich mich für co-abhängig gehalten, aber jetzt bin ich fast sicher, dass ich das nicht bin.

So, und warum bin ich jetzt hier.... aus Verzweiflung, weil ich eigentlich mit keinem darüber reden will, vielleicht ist es einfacher, zu schreiben.

Liebe Grüße,
gedankenblatt

Martin

Beitrag von Martin » 16.02.2017, 22:12

Hallo Gedankenblatt,

herzlich Willkommen in unsereem Forum.
Ich bin wahrscheinlich einer der Hauptgründe warum sie trinkt.
Wer hat dir denn das erzählt, vergesse das mal ganz schnell, das stimmt nicht.

Deine Mutter trinkt weil sie irgendwann damit anfing und es jetzt nicht mehr sein lassen kann.

Ich habe selbst gesoffen und die "Gründe" waren schlechtes Wetter, es war zu warm, der Benzinpreist ist gestiegen,

in der Suppe war zu viel Salz, im Briefkasten war zu viel Reklame.........

Egal wie der Tag war, ich habe immer einen "Grund" gefunden, nur nicht dass ich Alkoholkrank bin.

Es scheint dich ja sehr zu belasten, kannst du den Kontakt reduzieren damit es dir besser geht ?

LG Martin

FallenChocoCookie
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Beiträge: 33
Registriert: 01.02.2017, 16:39

Beitrag von FallenChocoCookie » 17.02.2017, 06:14

Hallo!

Ich bin selber neu hier und will mich mit Ratschlägen usw. zurückhalten, aber was mich interessieren würde ist, warum du zu dem Schluss gekommen bist wahrscheinlich nicht Co-abhängig zu sein?

Liebe Grüße,
Cookie

Gedankenblatt
neuer Teilnehmer
Beiträge: 13
Registriert: 15.02.2017, 16:32

Beitrag von Gedankenblatt » 18.02.2017, 18:15

Hallo ihr beiden, und danke für eure Antworten!

Martin, obwohl es so unglaublich ernst und traurig ist, musste ich fast lachen bei den vielen Gründen, die es gibt um zu trinken! Ja, das verstehe ich, und kann ich gut nachvollziehen. Ich glaube, meine Mutter sucht auch immer solche Ausreden, die ihr das Trinken erlauben. Da würden mir sofort viele ähnliche Beispiele einfallen. Ein böses Wort oder ein schiefer Blick von irgendwem reicht da schon.

Dass ich wahrscheinlich der Hauptgrund bin, meinte ich so, dass sie ohne mich vielleicht gar nie damit angefangen hätte. Wäre sie nicht mit mir schwanger geworden, hätte sie ihren Beruf nicht aufgegeben, wäre sie vielleicht glücklich und zufrieden mit dem Leben. Außerdem war ich eine schreckliche Tochter. Bin ich immer noch. Ich wollte das Drama, und ich habe es bekommen. Fühle mich wie eine Hexe, die das heraufbeschworen hat.

FallenChocoCookie, das ist eine gute Frage. Ich kenne mich damit nicht so gut aus, wie wahrscheinlich die meisten hier in diesem Forum, aber ich denke, ein Co-Abhängiger unterstützt die Sucht... Ich habe irgendwann einmal ein Buch darüber gelesen, habe dabei ständig geweint und bin im Selbstmitleid zerflossen. Bis ich mir irgendwann gedacht habe - warum bemitleide ich mich denn SELBER? Ich bin nicht die, die krank ist. Ich bin nur die blöde Kuh, die jetzt rumheult anstatt etwas zu tun. Ich will mir selber keine Diagnose stellen, es ist ganz klar wer hier Hilfe braucht, und das bin nicht ich, sondern meine Mutter. Ich war ja auch schon bei Angehörigen-Therapien, und das gesammelte Selbstmitleid dort hat mich unglaublich aufgeregt.

Aber deine Frage hat mich jetzt schon zum Nachdenken gebracht, die ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich muss mich damit näher beschäftigen.

Liebe Grüße und danke fürs Lesen
Gedankenblatt

Aurora
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Registriert: 02.05.2007, 13:47

Beitrag von Aurora » 18.02.2017, 19:10

Hallo Gedankenblatt,

du hast ja eine ziemlich schlechte Meinung von dir...
Dass ich wahrscheinlich der Hauptgrund bin, meinte ich so, dass sie ohne mich vielleicht gar nie damit angefangen hätte. Wäre sie nicht mit mir schwanger geworden, hätte sie ihren Beruf nicht aufgegeben, wäre sie vielleicht glücklich und zufrieden mit dem Leben. Außerdem war ich eine schreckliche Tochter. Bin ich immer noch. Ich wollte das Drama, und ich habe es bekommen. Fühle mich wie eine Hexe, die das heraufbeschworen hat.
Hätte wenn und aber, niemand weiß, warum deine Mutter mit Trinken angefangen hat. Vielleicht nicht mal sie selbst. Warum bietest du dich als Schuldige und Opfer an? Nimm dir mal da Druck raus. Ich weiß, dass Kinder sich immer als Schuldige fühlen. Zum Beispiel auch bei Scheidungen oder so. Aber du bist kein Kind mehr. Du kannst da realistisch hinsehen und erkennen, dass es keinen Schuldigen gibt. Das ist einfach so.
warum bemitleide ich mich denn SELBER?
Das ist ein guter Gedanke. Selbstmitleid. Das heißt ja mit leiden und das ist sehr passiv. Was ganz anderes dagegen ist Mitgefühl. Das ist aktiv und bedeutet, dass etwas gefühlt wird.

Und fühlen tust du ja was. Und das darfst und musst du ernst nehmen. Mitgefühl mit dir selbst zu haben bedeutet ja, dass du Wege suchst und findest, um aus der Situation raus zu kommen. Dich ernst zu nehmen mit deinen Bedürfnissen und Wünschen.

Viele Grüße
Aurora

lalu14
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Beiträge: 510
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Beitrag von lalu14 » 18.02.2017, 20:28

Hallo Gedankenblatt,

ich bin Alkoholikerin. Und nichts und niemand ist Schuld, dass ich getrunken habe.

Das schlage dir mal ganz schnell aus dem Kopf, dass DU der Grund sein könntest, dass deine Mutter trinkt, trinken muss. Das ist ihrs. Da gehört es hin und nur dort kann etwas geändert werden.

Denk mal darüber nach, dass es viele schreckliche Kinder gibt, die ihre Eltern terrorisieren. Ich selbst war zeitweise ein solches Gör. Meine Eltern haben aber deshalb nicht mit dem Saufen angefangen.

Welche Hilfen und Unterstützung suchst du hier im Forum?
Frag einfach oder lasse deine Gedanken hier.

Lg lalu

lalu14
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Beitrag von lalu14 » 19.02.2017, 17:37

Hallo Gedankenblatt,

Danke für deinen langen Beitrag in meinem offenen Fädchen.

Ich antworte dir gerne hier, denn ich glaube, dass meine Gedanken zu dem Thema Co. bei dir hier besser aufgehoben sind.

Ich kann die Verzweiflung der Co.s gut verstehen, vor fast zwanzig Jahren war ich selbst eine. Kind eines Alkoholikers bin ich auch, nur trennte sich meine Mutter vom Vater als ich vier Jahre war. Da sind keine Erinnerungen mehr.

Wenn du etwas für deine Mutter tun möchtest, dann Grenze dich ab. Du musst für dich eine sehr klare Haltung haben und du musst dich schützen.
Eine Alkoholikerin ist krank und muss als solche eine Krankheitseinsicht haben.
Dann kann sie sich Hilfe holen, was sie, wie du schreibst, ja schon öfter gemacht hat. Viele Alkoholiker brauchen mehrere Anläufe. Viel schaffen es nie.
Da braucht niemand Mitleid haben, Mitgefühl, so wie Aurora schreibt, kann man haben.
Unsere Sucht kann nicht geheilt werden, aber und das ist die gute Nachricht, man kann die Krankheit stoppen. Wenn man einige Regeln beachtet.
Dazu muss man nicht stark, besonders, intelligent oder außergewöhnlich sein.
Überhaupt nicht, das kannst du hier lesen, da im Forum die unterschiedlichsten Leute unterwegs sind. Die, die es schaffen, abstinent zu leben, trocken zu sein beachten nur jeder einige wenige Grundregeln, hier Grundbausteine genannt.

Was kannst du tun? Nichts für deine Mutter, damit sie trocken wird.

Aber für dich kannst du viel tun. Die ersten Schritte hast du gemacht. Du informierst dich. Das ist gut und hilft dir beim abgrenzen.
Du kannst deiner Mutter zeigen, dass du für Sie da bist, wenn sie abstinent leben möchte. Und klar Grenzen ziehen, wenn sie trinkt. Fallen lassen ist ein hartes Wort. Aber deine Mutter kann sich nur selbst helfen und helfen lassen.

Tausche dich hier mit den Usern aus, die in ähnlicher Lage sind.
Und wir Alkoholiker geben gerne unsere Sicht der Dinge wieder.
Obwohl es manchmal schwer fällt, weil ich zum Beispiel weiß, wieviel Leid ich verursacht habe, mit meiner Sauferei. Ich schäme mich nicht, das nicht. Aber ein komisches Gefühl ist es, bleibt es.

Ups :oops: nun ist es lang geworden... aber ist okay, denk ich.

Frag einfach, wenn du was wissen möchtest.

Lg lalu

FallenChocoCookie
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Beitrag von FallenChocoCookie » 19.02.2017, 23:02

Hey Gedankenblatt!
Dass ich wahrscheinlich der Hauptgrund bin, meinte ich so, dass sie ohne mich vielleicht gar nie damit angefangen hätte. Wäre sie nicht mit mir schwanger geworden, hätte sie ihren Beruf nicht aufgegeben, wäre sie vielleicht glücklich und zufrieden mit dem Leben. Außerdem war ich eine schreckliche Tochter. Bin ich immer noch. Ich wollte das Drama, und ich habe es bekommen. Fühle mich wie eine Hexe, die das heraufbeschworen hat.
Ich find's schlimm dass du so schlecht von dir denkst, aber ich kann es auch nachfühlen. Aber so wie Aurora auch schon gesagt hat, du kannst ja nicht wissen warum sie wirklich mit dem Trinken angefangen hat.
Mich erinnert das was du sagst an die Schuldgefühle und Vorwürfe die ich mir selbst gemacht habe, weil meine Mutter uns mal gefragt hat ob wir wieder nach Hause wollen. Mitten in der Nacht, im Auto nach einem Krankenhausbesuch. Ich war vielleicht 12 (meine Geschwister sind beide jünger). Ja, wir wollten wieder nach Hause, das was wir als Zuhause eben kannten - zurück zu unserem alkoholkranken Vater, der der Grund für den nächtlichen Krankenhausbesuch war; er hatte sie geschlagen.
Danach blieben wir noch gute 4 Jahre dort und ich habe lange gedacht "was wenn ich mich anders entschieden hätte", "nur wegen mir sind wir zurückgegangen" usw. Ich war überzeugt ich hätte ihr und meinen Geschwistern viel ersparen können wenn ich etwas anderes gesagt hätte. Aber jetzt weiß ich dass es nicht meine Schuld war. Sie war damals für uns als Mutter und sich selbst als Mensch verantwortlich und sie wusste als Erwachsene am ehesten was in der Situation zu tun war. Trotzdem hat sie sich für etwas entschieden, das sehr offensichtlich keinem von uns gut tat und ich glaube sie wusste das.

Gründe gibt es immer, im Notfall denkt man sich halt welche aus, das ist bei allem so. Aber deine Mutter ist ja trotzdem die einzige die für ihr Verhalten und ihre Entscheidungen verantwortlich ist. Sie wird wohl gewusst haben, dass Alkohol gefährlich ist und süchtig macht. Trotzdem hat sie angefangen zu trinken.
Das ist nicht deine Schuld.

LG,
Cookie

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