Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

ein Bild von Gedankenblatt

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Gedankenblatt
neuer Teilnehmer
Beiträge: 13
Registriert: 15.02.2017, 16:32

Beitrag von Gedankenblatt » 29.05.2017, 18:28

Hallo allerseits,

in der letzten Zeit war es sehr ruhig, angenehm ruhig.

Wir haben uns oft getroffen, Mama und ich alleine, oder auch in der Familie. Haben über alles andere geredet, nur nicht über Alkohol. Ich denke, für den Moment ist das die beste Strategie - auch mal was anderes im Leben sehen, damit sich nicht alles um Alkohol dreht.

Natürlich bleibt es immer im Hinterkopf. Ich verbringe auch viel Zeit alleine und schotte mich gelegentlich ab (das versteht von meinen Leuten niemand, ist aber so...) Ich habe viele Bücher über Alkohol gelesen, aber ich spüre, dass mir das nicht gut tut. Wenn sie wieder säuft, merke ich das sowieso sofort.

Eine Gesprächstherapie, ich weiß nicht... Ich hatte sowas schon mal, und da kam nur Negatives raus (Wut, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, dass mir eh keiner helfen kann...) das will ich nicht mehr. Die Familiensitzungen beim Therapeuten sind schon schlimm genug. Ich will mich ablenken und hoffen, dass sie endlich trocken bleibt. Was natürlich nach so vielen Jahren etwas blauäugig ist, das ist mir schon klar.

Aber für den Moment bin ich einfach dankbar für die guten Tage...

liebe Grüße
Gedankenblatt

FallenChocoCookie
neuer Teilnehmer
Beiträge: 33
Registriert: 01.02.2017, 16:39

Beitrag von FallenChocoCookie » 30.05.2017, 16:50

Hi Gedankenblatt!

Ich für mich hab die Erfahrung gemacht, dass es mir nur schlechter ging, wenn ich mit meiner Mutter praktisch so getan habe als würde das Problem gar nicht existieren. Eben weil man es doch immer im Hinterkopf hat und sich permanent Sorgen macht, wie lange der Frieden wohl anhält.
Das ist ja genau das, was mich schon meine ganze Kindheit lang begleitet hat. Froh sein dass es gut läuft, aber immer in der Erwartung dass der nächste Tiefpunkt kommt. Und das wollte ich dann nicht mehr.

Mir tat es sehr weh, dass die Aufmerksamkeit so auf das Problem gelenkt wurde als ich mich vor ein paar Monaten dann weigerte weiter heile Welt zu spielen.
Ich wurde auch traurig und wütend, ich bin es zeitweise auch immer noch ganz extrem. Klar ist das schlimm.
Vor allem glaube ich ist es schlimm so wütend zu sein, weil das genau die eine Emotion ist, die ich von meinem alkoholkranken Vater und jetzt auch von meiner Mama so stark mitbekomme wenn sie im Rausch sind. Und es ist eine Emotion die mir bis heute Angst macht. Ich habe bisher nie gelernt mit Wut gesund umzugehen und auf einmal bricht sie aber aus mir heraus. Das ist schlimm und schwierig.
Aber ich merke für mich auch, dass ich mich nur besser fühle, wenn ich mir erlaube diese Gedanken und Emotionen zu haben und lerne, mit ihnen gut umzugehen.

Im Endeffekt musst du für dich selbst entscheiden, was dir am besten tut denke ich. Ich kann nur sagen dass ich für mich sehr froh darum bin, dass ich den engen Kontakt zu meiner Mutter nicht mehr habe, so schwer es auch im Moment noch ist.

Liebe Grüße,
Cookie

Gedankenblatt
neuer Teilnehmer
Beiträge: 13
Registriert: 15.02.2017, 16:32

Beitrag von Gedankenblatt » 19.06.2017, 22:34

@FallenChocoCookie

danke für deine Antwort, ja, ich habe auch die Schnauze voll davon, "heile Welt" zu spielen. Deswegen habe ich immer wieder mal damit aufgehört, dann aber doch wieder begonnen so zu tun, als wenn nichts wäre. Es ist einfach so anstrengend, ständig die Wahrheit zu sehen. Da flüchte ich lieber in eine Scheinwelt. Und bin froh um die "guten" Tage. Ich grenze mich ab, so gut es geht, aber habe dauernd ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Familie hängen lasse, ich meine, das sind Leute, die wirklich viel für mich getan haben....

Gedankenblatt
neuer Teilnehmer
Beiträge: 13
Registriert: 15.02.2017, 16:32

Beitrag von Gedankenblatt » 19.06.2017, 22:36

Es war wieder so weit, Rückfall.

Ist schon ein paar Tage her. Keine Ahnung warum. War ja nur eine Frage der Zeit. Wir haben alle so getan, als wäre nichts. Mit Besoffenen kann man nicht diskutieren. Nur aufpassen, dass sie keinen Blödsinn anstellt. Sie hat torkelnd gelallt, dass es ihr gut geht. Der Gestank nach Schnaps aus allen Poren am nächsten Tag.....

Normalerweise säuft sie sich besinnungslos, dann braucht sie ein paar Tage um sich zu erholen, und dann geht's wieder ein paar Wochen gut. Aber diesmal folgte der nächste Rausch schon nach ein paar "guten" Tagen.

Sie lügt und jeder weiß es. Sie weiß sogar selber, dass wir es wissen. Trotzdem müssen wir es aufrecht halten. Ich glaube ihr nichts mehr.

Auch wenn sie nüchtern ist, ein paar Tage später, kann ich mich nicht normal verhalten. Früher war ich immer auf ihrer Seite, sie säuft ja, weil es ist so schlecht geht..... Aber jetzt sehe ich nur noch, was sie meinem Vater antut. Ich bin sauer, ich will das ausdiskutieren, aber ich weiß, dass es keinen Sinn hat. Ich will sie nicht aufregen, sonst säuft sie noch mehr. Sie versteht nicht, warum ich so "komisch" bin. Also schotte ich mich wieder ab. Dadurch hat sie wieder einen Grund, beleidigt zu sein.

Mal eine Frage an euch, macht Alkohol blöd? So auf Dauer? Wird ein Alkoholiker immer dümmer?

Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 13982
Registriert: 29.02.2008, 11:36

Beitrag von Morgenrot » 20.06.2017, 09:40

Hallo Gedankenblatt,
Ich will sie nicht aufregen, sonst säuft sie noch mehr
das ist CO denken in seiner reinsten Form.
Wie oft habe ich so gedacht wie du, und dann alles vom Alkoholiker fern gehalten. Was hat es genutzt? Gar nichts !!
Ein nasser Alkoholiker findet immer einen Grund zum Saufen und wenn es die Fliege an der Wand ist, die ihn stört. Da kannst du sicher sein. Du hälst deine Mutter nicht vom Saufen ab.
Trotzdem müssen wir es aufrecht halten.
Warum müßt ihr das?
Ich würde sage ihr steht eurer eigenen Hilfe im WEg. Alkoholismus ist eine Familienkrankheit und solange keiner ausbricht aus diesem Kreislauf aus vertuschen, beschönigen und decken, solange kann keinem von euch wirkliche Hilfe zu Teil werden.
Dein Vater muß selbst an den Punkt kommen, wo er einsieht, das auch er nichts ausrichten kann.
Nasse Alkoholiker sind die besten Lügner und Schauspieler die ich kenne.
Ich kann nur von mir schreiben, aber was wurde mir alles erzählt. Ich wußte, das ich gerade den größten Stuß erzählt bekomme, aber so überzeugend, das ich tatsächlich immer wieder Zweifel an meinen Wahrnehmungen hatte.
zu deiner letzten Frage:
Alkohol ist ein Nervengift und greift das Gehirn an, also macht er auch Wesensveränderungen.
Je länger jemand trinkt umso stärker verändert er sich, dazu gehören auch die kognitiven Fähigkeiten.

lg Morgenrot

Gedankenblatt
neuer Teilnehmer
Beiträge: 13
Registriert: 15.02.2017, 16:32

Beitrag von Gedankenblatt » 21.06.2017, 00:02

Danke Morgenrot, es tut gut, grade nicht allein zu sein.

FallenChocoCookie
neuer Teilnehmer
Beiträge: 33
Registriert: 01.02.2017, 16:39

Beitrag von FallenChocoCookie » 21.06.2017, 07:06

Mal eine Frage an euch, macht Alkohol blöd? So auf Dauer? Wird ein Alkoholiker immer dümmer?
Würd ich jetzt mal ganz doof sagen ja. Wie Morgenrot ja schon gesagt hat, ist es ein Nervengift usw. Ich hab auch schon öfter gelesen dass Alkohol zu Demenz führen kann und kann aus eigener Erfahrung auch bestätigen, dass beide meine Eltern zunehmend Gedächtnisprobleme hatten/haben.
Ich hatte auch den Eindruck sie "verblöden" immer mehr. Liegt wahrscheinlich zum Teil auch einfach daran, dass sie kein Interesse mehr hatten, eine andere Meinung zu egal welchem Thema zu hören. Am Ende hatten sie ja doch immer Recht in ihrer eigenen Wahrnehmung und "Scheinwelt".
aber habe dauernd ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Familie hängen lasse, ich meine, das sind Leute, die wirklich viel für mich getan haben....
Das kenne ich sehr gut. :/
Hab ich besonders bei meiner Mama, die ja nicht nur selber alkoholkrank sondern auch Co ist. Und uns früher vor unserem Vater auch beschützt hat. Aber naja... als Kind bist du schutzlos, verwundbar. Es ist die Aufgabe deiner Eltern dich zu beschützen, dich am Leben zu erhalten und dir beizubringen selber zu leben. Wie gut sie das machen oder dass sie es überhaupt machen bringt für dich aber keine Schuld mit sich.
Das ist doch die Verantwortung über die man sich schon von Vornherein bewusst sein muss, wenn man Eltern wird. Etwas, das man tun muss, ohne dass man etwas dafür vom Kind zurück will. Die Entlohnung sollte doch sein zu sehen, wie das eigene Kind gut aufwächst und es dann schafft auf eigenen Beinen zu stehen.
Also schuldest du deiner Mutter in der Hinsicht nichts.

Bei meinen Geschwistern tut es mir leid, dass ich sie mit reinreite, da sie bei meiner Mutter leben und die Situation finanziell sehr vertrackt ist... aber weißt du was ich mir dann auch denke? Sie sind doch auch erwachsen. Und sie müssen eben selber wissen, wie sie ihr Leben leben und wie sie die Situation sehen.
Das ist nicht meine Aufgabe. Ich muss mich nicht um sie kümmern, nicht ihre Mama spielen, sie vor nichts beschützen oder dergleichen. Sie sind alt genug das selber zu tun.

Ich würde ihnen jederzeit helfen, mit einer wichtigen Voraussetzung: dass sie darum bitten.

Jeder muss für sich selber lernen wann es Zeit ist Hilfe zu suchen und nach Hilfe zu fragen; wichtiger, dass man eben selber für sich danach suchen/darum bitten muss. Und dann muss man lernen Hilfe auch anzunehmen.

Ich wünsche dir alles Gute und die Kraft die du brauchst.

LG,
Cookie

Katrienchen
neuer Teilnehmer
Beiträge: 138
Registriert: 11.03.2017, 11:28

Beitrag von Katrienchen » 21.06.2017, 15:49

FallenChocoCookie hat geschrieben:
Mal eine Frage an euch, macht Alkohol blöd? So auf Dauer? Wird ein Alkoholiker immer dümmer?
Würd ich jetzt mal ganz doof sagen ja. Wie Morgenrot ja schon gesagt hat, ist es ein Nervengift usw. Ich hab auch schon öfter gelesen dass Alkohol zu Demenz führen kann und kann aus eigener Erfahrung auch bestätigen, dass beide meine Eltern zunehmend Gedächtnisprobleme hatten/haben.
Ich hatte auch den Eindruck sie "verblöden" immer mehr. Liegt wahrscheinlich zum Teil auch einfach daran, dass sie kein Interesse mehr hatten, eine andere Meinung zu egal welchem Thema zu hören. Am Ende hatten sie ja doch immer Recht in ihrer eigenen Wahrnehmung und "Scheinwelt".

interessantes thema, habe das selber auch schon festgestellt leider.

"Mein" Alkoholiker ist ein hochsensibler und überaus intelligenter Mann, und es wäre schade, wenn das verloren ginge.
Wenn er es wirklich mal einsehen sollte, und nicht gerade an Demenz erkrankt ist bis dahin, glaubt ihr, dass das Gehirn sich auch zum Teil regeneriert?

Wir haben hier eine Suchtklinik in unmittelbarer Nähe, und ich sehe häufiger trockene Alkoholiker, die machen auf mich leider einen sehr verwirrten Eindruck, um nicht zu sagen sie wirken nicht lebensfähig :(

Ich hoffe und wünsche es ihnen sehr, dass das nicht ein Dauerzustand ist

Antworten