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Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Gedankenblatt
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Beitrag von Gedankenblatt » 21.02.2017, 15:08

Hallo Leute,

Danke für eure Antworten, ich hab das mal sacken lassen und darüber nachgedacht.

Es ist, wie die Therapeutin schon vor 15 Jahren gesagt hat: "Du kannst eh nix tun, mach erstmal dein Abi und kümmer dich um dich selber"

Klang damals für mich wie "Scher dir um deinen eigenen Kram".

Na gut. Abi hab ich gemacht, Ausbildung auch, die Jahre sind vergangen, ich bin erwachsen und habe einen Job. Viel hat sich nicht geändert. Ich kann eh nichts machen.

Macht mich ziemlich hilflos. Was will ich dann noch hier.

Nach dem letzten Krach vor ein paar Tagen ist jetzt wieder, als ob nichts gewesen wäre. Alle spielen mit, ich auch... Aber ich weiß, der Schein trügt, und der nächste Exzess kommt, und dann bricht wieder die Verzweiflung aus.

Ist eben so.

liebe Grüße,
gedankenblatt

Aurora
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Beitrag von Aurora » 21.02.2017, 17:43

Hallo Gedankenblatt,

ja, das ist so. In gut funktionierenden Suchtfamilien ist es so. Da drehen sich alle um den Abhängigen. Mal schneller und mal langsamer. Da wird vertuscht und getäuscht und versucht, Normalität her zu stellen. Was nicht funktioniert...

Es hat sich allerdings viel geändert! Du bist erwachsen inzwischen. Du hast Abi und Ausbildung und einen Job! Damit bist du unabhängig. Du darfst dir doch ein eigenes Leben aufbauen, das ist doch normal. Eine eigene Wohnung haben, eigene Freunde, eigene Familie, wenn du magst.

Du kannst entscheiden! Du bist kein Kind mehr, was in der Situation steckt und keine Wahl hat. Du bist nicht hilflos!

Auch wenn du dich gerade so fühlst. Du hast alle Möglichkeiten dein Leben nach deinen Vorstellungen zu gestalten. Es liegt bei dir.

Liebe Grüße
Aurora

lalu14
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Beitrag von lalu14 » 21.02.2017, 20:01

Hallo Gedankenblatt,

du klinkst sehr niedergeschlagen. Du hast das innerliche Gefühl, dass alles was tu tun könntest, zu nichts führt. Aber dem ist nicht so.

Du solltest zwei Dinge trennen. Da ist die Krankheit deiner Mutter, da kannst du nichts tun. Das weißt du. Und dier bist du mit deinen Wünschen, Zielen und Träumen. Für dich kannst du sehr viel tun. Wenn du möchtest.

Ich habe mal an einem Tiefpunkt (zu der Zeit habe ich noch nicht getrunken) meine ganze besch....e Situation zu Papier gebracht. Damals kannte ich den Begriff Mindmap noch garnicht. Aber sowas ähnliches habe ich aufgemalt. Ich in der Mitte und um mich herum alle notiert, was so los ist. Kinder, Wohnung, keine Arbeit, wenig Freude, Geld, Träume, Wünsche, Ziele.
Das tat gut, alles, das ganze Chaos zu sehen.
Danach ging es irgendwie plötzlich langsam aufwärts....

Du schreibst doch in deinem Eingangspost, das Aufschreiben vielleicht hilft.
Versuche doch deine Gedanken hier aufzuschreiben. Möglicherweise hilft es ein wenig.
Und wir sind ja auch noch da :wink:

Lg lalu

Gedankenblatt
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Beitrag von Gedankenblatt » 28.02.2017, 08:06

Hallo allerseits,

@Aurora da hast du wohl Recht. Es muss so funktionieren, denn anders gehts nicht. Das klingt ja logisch. Aber zwischen Wissen und Glauben liegen Welten. Hat mir der Therapeut gesagt. Du weißt es, und glaubst es trotzdem nicht.

@lalu okay, ich versuche das mit dem Aufschreiben und Chaos sortieren. Jetzt gerade brauche ich das...

Ein paar Tage sind vergangen, es gab viele Gespräche, aber nichts Neues. Ein paar gute Tage, an denen sie nüchtern war, wir waren sogar zusammen shoppen. Mein Bruder hat unbemerkt den gesamten Alkohol aus dem Haus entsorgt und woanders untergebracht. Wieder mal. Ich habe versucht, klar zu machen, dass Alkohol absolut nicht griffbereit sein darf. Und dass vor einer Alkoholikerin nichts getrunken werden darf. Bis jetzt war das gang und gebe bei uns. Habe ja schon woanders geschrieben, dass meine Mutter immer sagt, es würde ihr nichts ausmachen. LÜGE.

Heute hätten wir eine kleine Familienfeier geplant gehabt. Ich hab mich wirklich angestrengt, habe gestern meine Wohnung geputzt und alle Zutaten für Kuchen gekauft. Heute nach der Arbeit heim, Stress, keine Zeit für Mittagessen, Kuchen machen, Geschenk herrichten, Bude auf Hochglanz bringen. Und dann..... warten. Zeit vergeht. Keiner kommt. Was ist jetzt wieder...

Irgendwann am Abend ein Anruf. Wir kommen nicht. Sie hat wieder gesoffen. Im Hintergrund hör ich sie, typische Floskeln, Abstreiten und Beleidigt-Sein. Alles bekannt.

Es nützt eh nichts, ich setz mich ins Auto und fahr zu ihr. Sie stellt sich dumm. Tut als wüsste sie gar nicht warum wir so ein Drama machen. Sollen doch wir alleine feiern und Spaß haben, sie bleibt daheim. Trotzreaktion. Sie hat eh nix getrunken.

Ist klar. Ich bin so aggressiv, ich weiß gar nicht welche Mauer ich einschlagen soll. Gleichzeitig habe ich irre Angst. Und ich zweifle alles an. Vielleicht stimmt das alles ja gar nicht. Vielleicht bilde ich mir das nur ein. Vielleicht tun wir ihr unrecht.

Wahrscheinlich schreibe ich hier totales Chaos, danke trotzdem an alle die sich das antun und den Mist hier lesen.

liebe Grüße,
gedankenblatt

Aurora
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Beitrag von Aurora » 28.02.2017, 10:35

Hallo Gedankenblatt,

du schreibst nicht wirr. Du schreibst genau so, wie es sich in dir gerade anfühlt. Und obwohl ich keine abhängigen Eltern habe sondern mein Exmann ja derjenige welcher ist, kann ich deine Gefühle gut nachvollziehen.

Es ist furchtbar enttäuschend, du fühlst dich abgewertet, nicht wahr genommen, unwert. Das macht wütend und unheimlich traurig... Du hast Zeit und Geld und vor allem viele Gefühle, Hoffnung, Wünsche in diesen Termin, in diese kleine Feier investiert. Und da ist es doch völlig klar, dass du dich jetzt so fühlst. Oh ja, ich kenne diese Gefühle gut... :( .

Diese "guten" Tage wird es immer wieder geben. Gespräche, in denen deine Mutter sowas wie Einsicht hat. Ich denke, in diesen Momenten meint sie das auch wirklich ehrlich. Aber die Sucht holt sie sich immer wieder und zwingt sie zum Trinken. Deine Mutter ist ausgeliefert und unfrei.

Und zieht ihre Angehörigen da mit rein. Ihr seid genau so ausgeliefert und unfrei dadurch.

Aber das muss nicht so sein, jeder einzelne kann aus diesem System jederzeit aussteigen... Bei deiner Mutter scheint es so zu sein, dass sie das nicht möchte oder sich so weit aufgegeben hat, dass sie es gerade nicht kann. Dass ist dann ja aber auch ihre Entscheidung.

Und dieses Verstecken, Entsorgen von Alkohol, das kostet soooo viel Kraft. Ich habe das auch lange Zeit gemacht. Irgendwann meinte mein Sohn dann, "Muddi, lass das doch einfach mal sein. Wenn der Dad saufen will geht er los und kauft sich sowieso was...". Womit mein Sohn natürlich Recht hatte.

Also diesen Energieaufwand könnt ihr euch sparen. Es bringt absolut nichts, hast du ja selbst gemerkt.

Und ja, bis das alles vom Kopf bis in das Herz gerutscht ist, bis beide im Einklang sind, das dauert. Leider. Darum ist es oft dann besser, den Kopf den Chef sein zu lassen. Also von der Vernunft und vom Wissen her zu handeln und das Gefühl auszuhalten. Denn es macht immer schlechte Gefühle. Das ist ja der große Zwiespalt und das Dilemma bei diesen Suchtbeziehungen.

Liebe Grüße
Aurora

Martina02

Beitrag von Martina02 » 28.02.2017, 10:54

Hey Gedankenblatt, hallo :)

Vielleicht hilft Dir der Gedanke ein wenig, das Deine Mutter in ihrer Sucht höchstwahrscheinlich keine Wahrnehmung für die Mühe, Liebe, Zeit und Arbeit hat, die Du in die Vorbereitungen für Euer kleines Familienfest gesteckt hast.

Vielleicht steckt sie sogar in einem Dilemma, das sie weiß das sie zu Eurer Verabredung kommen will und sollte, aber es aufgrund der Krankheit nicht hinbekommt und oben erwähnte familiäre Zuneigung in ihrem Zustand -wenn überhaupt- nur bedingt empfinden kann.

Es ist bestimmt keine böse Absicht.
Ich empfinde Dich auch nicht als durcheinander, Du reagierst normal und vermutlich auf die durch den Alkohol verursachte Verwirrtertheit Deiner Mutter.

Liebe Grüße & Köpfchen hoch
Martina

Gedankenblatt
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Beitrag von Gedankenblatt » 19.03.2017, 08:27

Danke Aurora und Martina02 für eure Antworten!

Ich habe mich die letzten Tage etwas zurückgezogen, weil ich merke, dass es mich total "hinunterzieht", wenn ich mich zu viel mit dem Thema beschäftige. Trotzdem ist es immer im Hinterkopf. Ich habe Angst, depressiv zu werden oder zu vereinsamen. Andererseits brauche ich das, allein zu sein und einfach.... gar nichts zu tun.

Wegen der Familienfeier, die ins Wasser fiel: Nein, ich bin nicht enttäuscht. Ich habe das ja schon oft erlebt. Es ist fast so, als rechne ich ohnehin damit, dass etwas schief gehen kann, weil sie wieder gesoffen hat. Da bin ich erschreckend gleichmütig geworden, und nehme das nicht mehr so wichtig.
Martina02 hat geschrieben:
Vielleicht steckt sie sogar in einem Dilemma, das sie weiß das sie zu Eurer Verabredung kommen will und sollte, aber es aufgrund der Krankheit nicht hinbekommt und oben erwähnte familiäre Zuneigung in ihrem Zustand -wenn überhaupt- nur bedingt empfinden kann.
Ja, das trifft es ziemlich genau. Das ist es, was ich irgendwie eh weiß oder spüre, aber ich hätte es nicht so treffend formulieren können, danke :wink:
Aurora hat geschrieben:
Und dieses Verstecken, Entsorgen von Alkohol, das kostet soooo viel Kraft. Ich habe das auch lange Zeit gemacht. Irgendwann meinte mein Sohn dann, "Muddi, lass das doch einfach mal sein. Wenn der Dad saufen will geht er los und kauft sich sowieso was...". Womit mein Sohn natürlich Recht hatte.

Also diesen Energieaufwand könnt ihr euch sparen. Es bringt absolut nichts, hast du ja selbst gemerkt.
Ja, das stimmt. aber es mildert zumindest meine Schuldgefühle. Und ich will ja nicht die Versuchung vor ihren Augen rumstehen haben. Ich will ihr einfach helfen, irgendwie. Ich weiß, es ist völlig egal was ich mache, es hängt nur von ihr selber ab. Aber ich kann mit dem Gedanken einfach nicht umgehen.

Darüber wollte ich in der Familientherapie reden, aber das Gespräch ging dann in eine andere Richtung. Ich will ja auch nicht alles auf mich beziehen - es geht ja um meine Mutter. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie überhaupt noch trinkt. Sie tut es ja immer heimlich, und mit der Zeit wurde sie immer besser, was Lügen und Verstecken betrifft. Aber ich kenne den Geruch von Alkohol, und ich kenne die typischen Kennzeichen von meiner besoffenen Mutter. Mir wird schlecht wenn ich dran denke. Also entweder säuft sie regelmäßig, und streitet es nach 20 Jahren immer noch ab, oder der Alkohol hat schon alles zerstört und sie wirkt einfach auch in nüchternem Zustand besoffen auf mich.

Ich will ihr wieder vertrauen können, aber ich kann nicht.

Sagara
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Beitrag von Sagara » 12.04.2017, 21:15

Grüß' dich, Gedankenblatt!

Helfen wollen und nicht können ... :( :cry: zusehen müssen,
Schuld suchen :(

" Alk" ist eine Krankheit und zieht uns Angehörige leider oft ziemlich tief mit
hinein. :(

meine mama, spiegeltrinkerin, trinkt immer abends. wenn ich dann mit ihr telefoniere bekomme ich das mit und meine Gefühle fahren Achterbahn.
ich versuche das Gespräch dann so kurz wie möglich zu halten um wieder in meinem leben zu sein und abstand zu der Problematik zu bekommen.
meine mama sieht diese Problematik nicht.
deshalb versteht sie ich auch nicht.

das einzige, was mir bleibt, ist auf mich zu achten.
solange meine mama "kein alk-problem" hat / erkennt / zugibt / ändern möchte (Trockenheit) -
gibt es leider nichts, was ich tun könnte, was ihr hilft.

was mir auch geholfen hat - mich über das Thema "alkoholkrankheit" zu informieren.

Du steckst augenblicklich noch so sehr in der Situation, da kann ich deine Ängste vor "Depression" & "Vereinsamung" aber auch den Wunsch nach "Alleinsein und nichts tun zu müssen" sehr gut verstehen.

Ich finde, es ist eine sehr, sehr schwierige Situation, weil es den Schritt erfordert, die "Mutter mit ihrem Problem" loszulasssen.
Es ist für mich - "ich verlasse einen Menschen der mich braucht" -
und das ist ein ganz, ganz furchtbares Gefühl und dass da Schuldgefühle auftauchen ist völlig normal. ABER
das ist nicht so; stimmt so nicht, WEIL
Ich kann meiner Mama nicht helfen und du kannst deiner Mutter nicht helfen.
:cry: :cry:

Intuitiv erfasst du, was dir gut tut - "dich zurückzuziehen".
Das ist ganz wichtig.

Ich habe eine Gesprächstherapie gehabt und da konnte ich dieses Thema bearbeiten. Mir hat das sehr geholfen.
Vielleicht ist das auch für dich möglich (Gesprächstherapie)?

Lass' wieder von dir hören!

Viel Kraft, Mut & Sonnenschein!
Sagara

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