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Vater auf der Intensivstation

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Yvorie
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Vater auf der Intensivstation

Beitrag von Yvorie » 04.03.2017, 20:29

Hallo zusammen!

Ich bin neu hier. Nach langem hin und her habe ich mich nun doch entschlossen mich hier anzumelden. Ich bin 29 Jahre alt und meinen Vater kenne ich eigentlich nur als Alkoholiker. Mein Papa ist heute 62 Jahre alt und konnte sich leider nie so um mich kümmern wie er vielleicht wollte aber trotzdem ist er ein toller Mensch. Die letzten Jahre hatten wir so gut wie keinen Kontakt, weil es mir einfach zu viel wurde. Seit langem habe ich mich damit beschäftigt was sein wird, wenn ein Anruf kommt, dass ihm irgendwas passiert ist. Meine Angst kam daher, weil sein Vater und seine zwei Brüder an Krebs verstorben sind und ebenfalls Alkoholiker waren. Aufgrund der Angst hatten wir uns dann zu Weihnachten zwei mal getroffen und es war eigentlich ganz nett. Ich hätte es mir einfach nicht verzeihen können, wenn ich nicht noch einmal den Kontakt gesucht hätte.

Vorigen Mittwoch kam dann der Anruf! Mein Vater kam mit einem Darmverschluss ins Spital und musste notoperiert werden aufgrund von Darmkrebs. Seit dem liegt er auf der Intensivstation und wurde in den Tiefschlaf versetzt. Das Problem ist, dass sein Herz, die Leber und die Nieren in einem schlechten Zustand sind. Mittlerweile hat er auch eine Lungenentzündung. Sein Zustand ist kritisch. Seit gestern ist er immer wieder kurz munter, was leider kein schöner Anblick ist, weil er sehr verwirrt scheint und sich nicht verständigen kann. Man gibt ihm dann sofort wieder Morphium.

Mittlerweile bin ich mit den Nerven am Ende. Jeden Tag die Spitalbesuche und die Ungewissheit wie es weitergeht. Nach wie vor ist der Ausgang offen. Überlebt er es? Wird er ein Pflegefall? Mein Kopf ist voller Fragen, die mir leider niemand beantworten kann.

Deshalb schreibe ich euch meine Geschichte, weil ich auf der Suche nach jemanden bin, der vielleicht etwas ähnliches erlebt hat.

Hoffe mein Beitrag war nicht zu lange und freue mich auf eure Antworten.

Liebe Grüße
Yvorie

Aurora
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Beitrag von Aurora » 05.03.2017, 10:57

Hallo Yvorie,

herzlich willkommen hier! Dein Thema war doppelt, ich habe einfach mal eins abgeschlossen.

Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Also nicht aus dem Grund wie bei dir. Mein Vater war aber schon auch einmal in einem künstlichen Koma. Aus anderen Gründen, hat nichts mit Alkohol zu tun.

Wissen die Ärzte im Krankenhaus Bescheid über den Alkoholismus deines Vaters? Manchmal kommt es ja zu extra Komplikationen wegen des Entzuges... Warum gehst du jeden Tag in's Spital?

Viele Grüße
Aurora

Yvorie
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Beitrag von Yvorie » 05.03.2017, 11:13

Hallo Aurora,

vielen Dank für deine Antwort und das schließen des doppelten Beitrags.

Ja die Ärzte haben das natürlich erkannt und auch hinterfragt, ob er Alkoholiker ist.

Ich gehe jeden Tag hin, weil ich das Gefühl habe, dass es das einzige ist was ich tun kann. Mich plagen Schuldgefühle. Vielleicht hätte ich mich mehr um ihn kümmern sollen. Ich weiß, dass das Blödsinn ist aber diese Gefühle sind nun mal da. Ich kann es nicht ertragen, wenn er dort rund um die Uhr alleine liegt.

Liebe Grüße

Martin

Beitrag von Martin » 05.03.2017, 12:08

Hallo Yvorie,

so ähnlich wie deinem Vater erging es mir als ich in die Entgiftung ging.

Ich bekam plötzlich einen Darmverschluß der operiert wurde, dann Herzkammerflimmern und wurde reanimiert.

Danach wurde ich ins künstliche Koma gelegt, intubiert und künstlich ernährt.

Eine beidseitige Lungenentzündung kam dann auch noch dazu.

Damals konnten die Ärzte nicht sagen ob ich wieder gesund werde, für meine Familie war das sehr hart.

Auf Grund der Entfernung bekam ich nicht jeden Tag Besuch, ich habe ihn auch nicht wahrgenommen.

Das sind jetzt 13 Jahre her, ich hatte gute Ärzte und ganz viel Glück.

Mach dir keine Schuldgefühle, du kannst nichts dafür, dein Vater hat freiwillig getrunken.

Kannst du mit den Ärzten telefonieren und fragen ob er,an dem Tag wo du ihn besuchen willst, wach ist ?

Dann hat dein Vater evtl. etwas von deinem Besuch, wenn er schläft (Koma) machst du dich nur verrückt.

LG Martin

Yvorie
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Beitrag von Yvorie » 05.03.2017, 12:49

Lieber Martin,

hast du denn etwas mitbekommen als du langsam wieder wach wurdest? Man versucht jetzt meinen Vater immer wieder kurz munter werden zu lassen. Er ist dann aber so unruhig, dass sie ihn sofort wieder einschlafen lassen.

Das Spital ist ganz in der Nähe. Das macht es vielleicht noch schwerer nicht hinzugehen. Hinzu kommt, dass ich die nächste Angehörige bin, weil er ja sonst niemanden hat und daher fühle ich mich verantwortlich. Mein Onkel hat mir erzählt, dass er an den abgebrochenen Kontakt zwischen uns sehr gelitten hat und deshalb möchte ich einfach da sein. Vielleicht merkt er ja doch was? Es ist schwer, weil einem einfach so viele Gedanken durch den Kopf gehen.

LG

Martin

Beitrag von Martin » 05.03.2017, 20:06

Hallo Yvorie,

ich lag sehr lange im künstlichen Koma.

Als ich wieder wach wurde hatte ich erst mal keinen Plan wo ich war.

Ich wollte ja "nur" eine Entgiftung machen und als ich wach wurde

hatte ich überall Kabel und Schläuche um mich herum :shock:

Ob dein Vater etwas mitgekommt wenn du ihn besuchst kann ich nicht beurteilen,

es gibt Leute die meinen dass Patienten im Koma den Kontakt spüren.

Ich habe davon nichts gespürt.

LG Martin

Yvorie
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Beitrag von Yvorie » 08.03.2017, 13:55

Hallo Martin,

vielen Dank für deine Antwort.
So ging es wohl meinem Vater auch. Er ist jetzt endlich munter und tut sich überraschend gut. Er ist eigentlich ganz ruhig und kann schon aufschreiben was er will. Die Ärzte sagen, dass er auf einen guten Weg ist. Er macht auch schon Scherze:D

Mir fällt so ein Stein vom Herzen. Ich habe ehrlich gesagt nicht mehr daran geglaubt. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er das mit der Alkoholsucht in den Griff bekommt.

B.Nyborg
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Beitrag von B.Nyborg » 20.05.2017, 01:23

Hallo Yvorie,
wie ist es dir in der Zwischenzeit ergangen?
Wie geht es deinem Vater?

Viele Grüsse, B.Nyborg

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