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Bin neu hier und habe viele Fragen

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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123ABC
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 07.06.2017, 19:10

Bin neu hier und habe viele Fragen

Beitrag von 123ABC » 07.06.2017, 20:08

Hallo Zusammen
Auch ich stelle mich gerne kurz vor:
Ich bin 40 Jahre alt, weiblich und beobachte seit vielen Jahren, wie sich meine Mutter (60) kaputt macht. Nun ist sie vor 1,5 Wochen von der Strasse in die Geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.
Seitens des Krankenhauses erhalte ich keinerlei Auskünfte zum Gesundheitszustand meiner Mutter. Ich erhoffe mir, durch Beiträge und Fragen in diesem Forum einen Austausch mit Gleichgesinnten, die Ähnliches erlebt haben, um zu verstehen was möglicherweise passiert ist.

Das meine Mutter ein Alkoholproblem haben könnte, ist mir erstmals 2008 aufgefallen. Wir haben längere Zeit miteinander verbracht und sie hat abends beim kochen schon eine Flasche Wein alleine getrunken. Zum Essen gab es dann meist auch Alkohol. Im Grunde hat sie immer schon Alkohol getrunken, aber mir ist nie aufgefallen in welchem Ausmass.

Da wir immer weit auseinander gelebt haben, bekommt man vieles nicht so mit. Ausserdem ist die Beziehung nie sehr eng und innig gewesen. Einige Jahre später habe ich dann einen Absturz meiner Mutter erleben können und war alarmiert. Der Ehemann wollte sich darum kümmern, dass ihr geholfen wird. Meine Mutter selber hat die Krankheit stets weit von sich gewiesen. Der Mann hat sich mittlerweile getrennt.

Vor 1,5 Wochen habe ich die Nachricht erhalten, dass meine Mutter auf der Strasse orientierungslos aufgegriffen wurde und in die geschlossene Abteilung eines Krankenhauses eingeliefert worden ist. Nach drei Tagen sollte ein Richter entscheiden, wie es weitergehen soll. Die Entscheidung liess noch weitere Tage auf sich warten.
Man lässt einen gesunden Menschen sicherlich nicht mehrere Tage grundlos in der Geschlossenen, oder?

Jedenfalls habe ich nach fünf Tagen die Klinik kontaktiert um zu erfahren was mit meiner Mutter passiert ist. Da der Exmann nicht mehr zur Verfügung steht für Unterstützung hat meine Mutter untersagt, dass Auskünfte an Dritte gegeben werden. Ich habe nichts erfahren, habe aber kurz mit meiner Mutter gesprochen, die das ganze als einen Irrtum und ein Versehen heruntergespielt hat. Sie hat mir erzählt das sie noch weitere fünf Tage in der Klinik bleiben wird, da man ihr wegen der ganzen Aufregung, die sie hatte Tabletten gegeben hat, deren Absetzung beobachtet werden soll. Auf meine Frage welche Medikamente das seien, konnte sie mir nicht antworten. Ich erhielt kurz darauf eine sms mit dem Hinweis, sie hätte nachgefragt und sie dienten der Stärkung.
Ich frage mich, was das für Tabletten sein können.? Werden diese erst verabreicht, nachdem der Richter die Entscheidung gefällt hat? Wird Sie eine Entgiftung gemacht haben? Wie lange braucht diese und kann man das auf einer geschlossenen Anstalt machen?

Ich habe seit einer Woche nichts mehr von meiner Mutter gehört gehabt. Auf sms hat sie nicht mehr geantwortet. Was passiert da gerade?
Jetzt habe ich sehr viel geschrieben. Hoffentlich ist es nicht zu durcheinander.
Ich freue mich auf Nachrichten von Personen, die Ähnliches erlebt haben, denn belastend ist das schon sehr für mich.

Schönen Abend allerseits

Aurora
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Registriert: 02.05.2007, 13:47

Beitrag von Aurora » 08.06.2017, 12:51

Hallo und herzlich willkommen ABC,

ein gesunder Mensch ist normalerweise wirklich nicht so lange in einer geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses. Nach dem, was du schreibst, sieht es tatsächlich so aus, als ob sie dort einen körperlichen Entzug gemacht hat. Ein körperlicher Entzug dauert so ca. 7 Tage. Dann ist der Körper vom Alkohol entgiftet.

Deine Mutter möchte aber allem Anschein nach nicht, dass andere Menschen über sie und ihren Zustand etwas erfahren. Das hat sie ja mit der Informationssperre gezeigt und auch, dass sie dir auf sms nicht mehr antwortet.

Da kannst du also nichts machen, denn deine Mutter ist erwachsen und kann das für sich so entscheiden. Du als Tochter kannst nun nur versuchen, für dich selbst da den nötigen Abstand zu bekommen. Das ist sehr schwer. Aber andererseits hast du da auch an nichts Schuld und auch keine Verantwortung ihr gegenüber.

Viele Grüße
Aurora

Morgenrot
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Registriert: 29.02.2008, 11:36

Beitrag von Morgenrot » 10.06.2017, 18:10

Hallo ABC,

herzlich willkommen bei uns im Forum.
Nach drei Tagen sollte ein Richter entscheiden, wie es weitergehen soll.
Ein Richter wird nur dann hinzugezogen, wenn ein Patient für sich oder andere eine Gefahr darstellt aber freiwillig nicht bleiben will.
Du kannst deiner Mutter nicht helfen, solange sie keine Krankheitseinsicht hat.
Gerade psychiatrische Kliniken müssen sich sehr bedeckt halten, was Auskünfte an Dritte betrifft. Wer etwas erfahren darf, bestimmt der Patient.
Da deine Mutter immer noch alles verschleiert und herunterspielt, erkennt sie den Ernst der Lage wohl noch immer nicht.
Daran kannst du aber nichts ändern, und Hilfe von deiner Seite ist damit erst einmal ausgeschlossen.

Es geht um dich, und was du für dich tun kannst, damit es dir besser geht.


lg Morgenrot
Hast du eine Ahnung was dir gut tun könnte?
Zuletzt geändert von Morgenrot am 11.06.2017, 21:07, insgesamt 1-mal geändert.

123ABC
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Beitrag von 123ABC » 11.06.2017, 15:46

Hallo Aurora und Christiane

Vielen Dank für eure Antworten. Man fühlt sich als Angehörige so hilflos, wenn man keine Auskünfte erhält. In meinen Gedanken habe ich mir das Schlimmste ausgemalt. Orientierungslosigkeit wird im www oft mit dem Korsakov-Syndrom in Verbindung gebracht. Ich habe mir grosse Vorwürfe gemacht in der Vergangenheit nicht mehr Druck auf meine Mutter ausgeübt zu haben.

Ja, die Krankeneinsicht meiner Mutter fehlt. Ich gehe davon aus, dass sie während ihres Aufenthalts in der Klinik entgiftet wurde, kann mir aber schwer vorstellen, dass man sie ohne anschliessende Therapie wieder nach Hause gelassen hat. Die Gefahr in alte Verhaltensmuster zu fallen ist doch sehr gross.

Momentan habe ich keinen Kontakt und versuche Abstand zu gewinnen. Ich kann nicht beeinflussen was passieren wird.

Ich wünsche euch noch einen schönen Restsonntag!

Jule0909
neuer Teilnehmer
Beiträge: 24
Registriert: 24.04.2017, 20:36

Beitrag von Jule0909 » 11.06.2017, 17:03

123ABC hat geschrieben:kann mir aber schwer vorstellen, dass man sie ohne anschliessende Therapie wieder nach Hause gelassen hat.
Mein Mann hatte an dem Tag als er in die Entzugsklinik wollte nochmal soviel getrunken dass er ins KH musste. Die haben da auch mit der Entgiftung begonnen und hätten ihn mir glatt an Tag 3 wieder mit nach Hause gegeben. Als fast Pflegefall. Er konnte aufgrund der Medis oder der Entzugserscheinungen nicht mehr gehen oder stehen. Ich hätte ihn im Leben nicht mit heimgenommen. Gut das die Entzugsklinik ihn dann nahtlos übernommen hat.

Letztendlich können sie deine Mutter nicht gegen ihren Willen dabehalten und wenn sie wieder gehen kann dann lassen die die auch wieder gehen. Ist ja ein KH und kein Gefängnis. Letztendlich ist das so. Und wie der Zufall es will habe ich mal auf der Station gearbeitet wo mein Mann lag und dort war das auch so dass die Leute die sie auf der Straße aufgegriffen haben nur entgiftet haben und dann haben sie die wieder heimgeschickt.

VG Jule

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