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Betreuung meiner alkoholkranken Mutter

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Butterblume2.0
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Betreuung meiner alkoholkranken Mutter

Beitrag von Butterblume2.0 » 21.07.2017, 20:23

Hallo,

Meine Mutter ist seit vielen Jahren Alkoholikerin, trinkt auch nur den harten Alkohol.
Zur Zeit ist sie im Krankenhaus.
Sie hat Leberzirrose im weit fortgeschritten Stadium, Hepatische Enzephalopatie, die zu dauerhaften Hirnschäden geführt hat durch den hohen Ammoniakgehalt im Körper, letzte Woche war sie ein paar Tage im künstlichem Koma, da die Ärzte die schweren inneren Blutungen in den Griff kriegen mussten die vom Magen aus kamen. Zu dem hat sie eine Herzinsuffizenz, ein Magengeschwür und der Rest vom Körper ist auch in keinem guten Zustand. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten, lebt in ihrer eigenen Welt und bildet sich Dinge ein, die nicht da sind, erkennt nicht mal mehr Menschen die sie seit 40 Jahren durchs Leben begleiten.
Mit dem Alkohol trinken wird sie nicht aufhören, sie verträgt aber längst nicht mehr die Mengen, die sie sonst täglich konsumiert hat (drei bis vier Flaschen Weinbrand)
Sie ist nicht mehr in akuter , aber die Blutungen können jederzeit wieder auftreten sagen ihre Ärzte. Wäre sie bei den letzten nicht im Krankenhaus gewesen, wäre sie schon tod.
Das sind die Dinge, die ich sicher weiß.

Nächste Woche kommt sie nach Hause und ich zu meinen Fragen.

Wie lange geht das noch so weiter?
Sind es Tage auf die ich mich einstellen muss, Wochen oder doch Jahre?
Hat jemand von Euch Erfahrungen damit?
Ich weiß, dass niemand eine Glaskugel hat und mir sagen kann, dass sie in zwei Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren tod ist, bin aber trotzdem über jeden Hinweis dankbar.
Auf welche Zeichen muss ich achten um zu erkennen, dass es schlimmer oder lebensbedrohlich wird und sie wieder ins Krankenhaus muss?
Was kommt da auf mich zu?

Ich war lange Zeit sehr böse auf meine Mutter, da viele Dinge passiert sind, die nicht schön für uns alle waren. Ich habe sie komplett links liegen gelassen.
Ich habe sie sogar auf dem Boden liegen gelassen wenn sie sich im besoffenen Kopp mal wieder lang gelegt hat.
Nun versuche ich, meinen Frieden mit meiner Mutter und ihrer Krankheit zu finden.
Ich möchte nicht, dass sie total verhasst von dieser Welt geht.
Nur, wie viel Zeit bleibt mir noch dafür?

Ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mir weiter helfen würdet.

Liebe Grüße

Butterblume2.0

Martin

Beitrag von Martin » 21.07.2017, 21:16

Hallo Butterblume,
Nun versuche ich, meinen Frieden mit meiner Mutter und ihrer Krankheit zu finden.
Ich möchte nicht, dass sie total verhasst von dieser Welt geht.
Nur, wie viel Zeit bleibt mir noch dafür?
das ist eine schwierige Frage.

Um mit deiner Mutter Frieden zu schließen muss sie ja auch dazu bereit sein.

Wie viel Zeit du dazu hast kann dir hier niemand sagen, das ist von vielem abhängig.

Trinkt deine Mutter weiter oder lebt sie ab jetzt ohne Alkohol ?

Der menschliche Körper ist nicht bei jedem gleich, der Eine verkramftet mehr, der Andere weniger.

Was sagen denn die Ärzte ?

LG Martin

Butterblume2.0
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Beitrag von Butterblume2.0 » 21.07.2017, 23:42

Hallo Martin,

es ist mehr mein innerer Frieden.
Ich hatte nie Streit mit meiner Mutter, ich habe ihr nur irgendwann die klare Grenze gesetzt, dass ich mit ihr nichts zu tun haben will wenn sie trinkt. Die hat sie akzeptiert. Das führte dazu, dass ich sie manchmal tagelang nicht gesehen habe.
Ich habe mich derweil um meinen extrem coabhänigen Vater gekümmert, der so oft ihren Dreck weg gemacht hat, für sie gelogen hat, sie mal wieder ins Krankenhaus gebracht hat wenn sie sich im betrunkenen Zustand wieder was gebrochen hatte... Und doch wurde er von ihr nur mit Füßen getreten.
Ich hätte sie manchmal lieber tod gesehen, nur damit es zu Ende ist.
Klar will ich nicht, dass meine Mama stirbt, ich wollte nur, dass dieser unerträgliche Zustand aufhört.

Meine Mutter kann ihren Frieden nur noch im Vergessen finden.
Ihr Gehirn ist durch die Vergiftung durch Ammoniak so massiv geschädigt, sie erkennt selbst mich erst auf den zweiten Blick. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, wo sie meint, dass sie mit meinem Papa in den Urlaub fährt, oder mein toter Bruder mit seiner Frau vorbeigekommen ist.

Der Arzt sagte zu mir, dass sie eine Leberzirrose im weit fortgeschritten Stadium hat, dass er als Arzt verpflichtet ist mir zu sagen, dass sie nie wieder einen Tropfen trinken darf, dass man es aber auch abwägen müsse, ob man ihr diesen seelischen Entzug noch zumutet.
Sie muss wegen der Herzinsuffizenz Blutverdünner nehmen, die wiederum dazu führen, dass jederzeit wieder lebensbedrohliche Blutungen auftreten können.
Ihr restlichen Körper ist auch angegriffen. Bauchspeicheldrüse und Darm sind entzündet, sie hat ein Magengeschwür.
Meine Mutter ist so schwach, sie kann kaum auf der Bettkante sitzen.

Meine Mutter wird weiter trinken, wenn sie wieder zu Hause ist.
Sie trinkt hauptsächlich harte Sachen. Wenn kein Schluck da ist kommt halt alles andere dran.
Sie war, als sie noch zu Hause war manchmal nicht in der Lage zur Toilette zu gehen, aber an Alk ist sie immer dran gekommen.
Den Punkt kennt wahrscheinlich jeder, der Alkoholiker war oder ist oder mit einem zu tun hat. Wenn auch nix anderes geht, an Alkohol kommt man immer dran.
Ich habe sie mal morgens gesehen, wie sie auf allen Vieren durch den Garten gekrochen ist weil in der Gartebhütte noch was versteckt war.

Liebe Grüße

Butterblume2.0

Martin

Beitrag von Martin » 22.07.2017, 12:49

Hallo Butterblume,
Meine Mutter wird weiter trinken, wenn sie wieder zu Hause ist.
das kann schon sein und ihr werdet sie nicht davon abhalten können.

Ich habe selbst ca. 20 Jahre getrunken und hörte erst auf als fast nix mehr ging.

Viele Menschen glauben dass der Alkoholiker nur aufhören muss zu trinken, so ist das aber nicht.

Ich wollte schon früher aufhören aber der Druck zu trinken war so groß dass ich es lange nicht schaffte.

LG Martin

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