Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Wie geht man mit den negativen Gefühlen um?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

Butterblume2.0
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 21.07.2017, 14:32

Wie geht man mit den negativen Gefühlen um?

Beitrag von Butterblume2.0 » 22.08.2017, 18:19

Hallo,
meine alkoholkranke Mutter wurde vor vier Wochen als Pflegefall nach Hause entlassen.
Leberzirrhose Child C, Hepatische Enzephalopatie, Herzinsuffizenz, Polyneuropathie, Zustand nach Magenblutungen...
Sie ist noch am selben Tag wieder zu saufen angefangen.
Sie kam zwar wirr nach Hause, konnte aber mit Unterstützung eines Rollator noch selbstständig das Bad aufsuchen.
Mittlerweile muss ich mich mit Pampers, Toilettenstuhl, jede Menge schmutziger Wäsche usw herumschlagen und einer Mutter, der das Wort Inkontinenz eine neue Bedeutung gegeben hat. Die Einzelheiten erspare ich Euch.
Zwei Mal am Tag kommt ein Pflegedienst.

Ein Pflegeheim kommt aus finanziellen Gründen nicht in Frage, so dass ich gezwungen bin das Ganze zu Hause zu Ende zu bringen.

Gezwungen ist das richtige Wort, denn an manchen Tagen habe ich so viele negativen Gefühle in mir...
Ich war auf einem guten Weg an diesen zu arbeiten, damit meine Mutter nicht total verhasst von dieser Welt geht, aber die momentanen Umstände machen es mir mehr als schwer.
Ich weiß nicht, wie lange sie noch lebt, oder mit welchen pflegerischen Dingen ich mich noch auseinander setzen muss.

Wie geht ihr mit diesen negativen Gefühlen um?
Wenn man den Säufer lieber tod sehen würde als diesen Umstand noch einen Tag länger ertragen zu müssen.
Versteht mich nicht falsch, natürlich will ich nicht, dass meine Mama stirbt!
Aber, nur der Tod kann diesen Umstand noch beenden, und das der Tod die einzige Option ist war ihre eigene Entscheidung.

Ich will immer noch nicht, dass meine Mutter total verhasst von dieser Welt geht, oder dass mich die Trauer Monate später überfällt wenn der Hass oder die negativen Gefühle verblassen, ich habe aber keine Ahnung, wie ich das schaffen kann.

Liebe Grüße

Butterblume2.0

Emma2010
neuer Teilnehmer
Beiträge: 243
Registriert: 06.10.2010, 08:40

Beitrag von Emma2010 » 23.08.2017, 09:02

Servus Butterblume,

erstmal möchte ich dich im Forum willkommen heißen, denn so hast
noch wenigstens ein Ventil für deine Frustration.

Noch verstehe ich nicht, warum deine Mutter die letzte Phase ihres Lebens nicht noch in einem Pflegeheim verbringen kann, wenn du ihren Anblick, geschweige den, jegliche pflegerischen, sowie unangenehmen Tätigkeiten
verabscheust?

(Denn sofern sie nichts besitzt, dann übernimmt eh die Sozialhilfe die
Kosten. Und wenn`s noch was zu vererben gäbe, so würde ich das Geld,
wenn ich den Mensch nicht akzeptieren kann, dann auch nicht haben
wollen.)

Andererseits kann ich deine Gefühle schon nachvollziehen. Auch mein Lebensgefährte war am Schluss seiner Krankheit einem ähnlichen
menschenunwürdigen Dilemma ausgesetzt. Und es wird nicht mehr besser.

Versuche es mal, dich emphatisch in die Lebensgeschichte deiner
Mutter einzufühlen. Glaubst du, es würde ihr/dir besser gehen, wenn sie
dir zuliebe auf den Alkohol verzichtet?
Da sie wahrscheinlich bereits Jahrzehnte lang abhängig trinkt, ihr ganzer
Körper, sowie das Gehirn im dementsprechend schlechten Zustand ist,
so könntest es ihr doch einfach zugestehen?

Was dich wirklich fertig macht, ist wohl eher gar nicht das Hier und Jetzt, sondern alles was dir deine Mutter aufgrund ihrer Sauferei bisher
angetan hat.
Vernachlässigung, Liebesentzug, Streit, Undank, Beleidigungen,....

Weiß ja nicht, inwieweit du bisher mit ihr schon deinen Frieden gemacht
hast, damit umzugehen. Da es dich allerdings noch immer belastet, solltest
vlt. auch für dich nochmal psychologische Unterstützung
beanspruchen.

Pflegerische Tätigkeiten sind nicht jedermanns Sache, besonders als
Tochter eine extreme Herausforderung. Du musst das nicht tun, wenn
du es nicht willst.

Liebe Grüße Emma

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3983
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Beitrag von Sunshine_33 » 23.08.2017, 09:22

Pflegerische Tätigkeiten sind nicht jedermanns Sache, besonders als
Tochter eine extreme Herausforderung. Du musst das nicht tun, wenn
du es nicht willst.
Hallo Butterblume, ich möchte mich Emmas Worten anschließen.

Erst einmal: Auch Alkoholkranke haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Dasein.
Alkoholismus ist eine KRANKHEIT, keine Willensschwäche.
Und es schafft nun mal nicht jeder, sie zu stoppen.
Das ist natürlich traurig und bitter, aber das Leben ist kein Wunschkonzert und andere Menschen sind wie sie sind.

Und ganz ehrlich, ich möchte auf keinen Fall mal von einer Person gepflegt werden müssen, die das nicht freiwillig und gern tut.
Ich hoffe, dieser Fall wird nie eintreten, aber als Realistin rechne ich trotzdem damit.

Darum möchte ich Dir auch raten, Dich um ein vernünftiges Pflegeheim zu kümmen für die Mutter.
Das ist dann sicher für alle das Beste.

Und mal ganz allgemein, es ist immer so eine Sache, wenn Töchter die Mütter pflegen.
Das artet ganz schnelle in komplette Aufopferung aus, wenn noch bestimmte persönliche Vorgeschichten dazu kommen.
Ich kenne 2 Frauen, die dabei völlig ausgebrannt sind und am Ende selbst psychische und physische Unterstützung brauchten, weil sie fix und fertig waren.
Entweder man möchte das machen, muss sich dann aber auch weitere Hilfe suchen, um das überhaupt zu schaffen.
Da sollte dann alles ausgeschöpft werden, was man an zusätzlicher Unterstützung bekommen kann.
Oder aber man sucht ein gutes Pflegeheim, wo sich der Betroffene auch wohl fühlen kann.

Du möchtest das ja im Grunde nicht tun (die Mutter pflegen), weil da viel Abscheu gegen die Mutter ist.
Vielleicht auch aus der Vergangenheit heraus, was ich ja auch stark vermute.
Dann lass es bitte lieber, denn sowas ist auch für den Pfelegebedürftigen eine unerträgliche Situation.

LG Sunshine

Butterblume2.0
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 21.07.2017, 14:32

Beitrag von Butterblume2.0 » 23.08.2017, 11:27

Hallo ihr Lieben und Danke für Eure Rückmeldungen.

Ein Pflegeheim kommt nicht in Frage, weil ich meinen Eltern gegenüber unterhaltspflichtig bin. Ich zahle schon nen Teil von den Pflegeheimkosten meines Vaters, ein zweites sprengt definitv meinen Rahmen.
Ich habe jede erdenkliche Stelle angefragt, ob sich wer an den Kosten beteiligt, habe aber nur Absagen bekommen bzw die Aussage, dass sie sich das Geld auf jeden Fall von mir wieder holen.

Zur Pflege meiner Mutter:
Sie weiß nichts von meinen Gefühlen. Ich würde niemals irgendetwas an ihr auslassen oder böse mit ihr reden.

Die negativen Gefühle kommen daher, meiner Mutter war es egal, wie andere sich fühlen, sie war ein böser besoffener Mensch! Ich habe mich die letzten Jahre um meinen extrem coabhänigen Vater gekümmert, der an ihren Launen letztendlich zugrunde gegangen ist. Es gab kein Weihnachten, keine Geburtstage, letztendlich gab es gar nichts mehr. Entweder hat man meine besoffene Mutter akzeptiert, oder es fand eben nichts statt.
Ich habe lange für meine Abgrenzung gekämpft. Meiner Mutter waren meine Gefühle egal, und mein Vater war so von ihr abhängig, dass er mir ständig auf die Pelle gerückt ist, dass ich meine Mutter nicht so behandeln darf und es nun mal hinnehmen muss wenn sie ein oder zwei trinkt. Das ICH deswegen doch nicht die Familie zerstören darf usw.
Ich wollte einfach nur keinen Kontakt wenn sie getrunken hat.
Dafür, dass sie schon morgens voll war kann ich ja nichts.
Nun habe ich so lange für meine Abgrenzung gekämpft und habe sie jetzt doch an der Backe. Und es ist für sie auch noch selbstverständlich.

Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären kann...

Liebe Grüße

Butterblume2.0

Hull

Beitrag von Hull » 23.08.2017, 11:40

Hallo,

wie alt sind denn die Beteiligten und wie lange und wie viel trinkt die Mutter?

Grüße

Butterblume2.0
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 21.07.2017, 14:32

Beitrag von Butterblume2.0 » 23.08.2017, 13:32

Hallo Hull,

ich bin 40, meine Mutter 64.

Ich kenne meine Mutter nur mit Alkohol.
Es war die meiste Zeit nur Abends und am Wochenende auch tagsüber. Vor 10 Jahren fing es an ihr zu entgleiten.
Der Schnaps nach der Nachtschicht zum einschlafen, nach dem Wein zum Essen wurde auch alleine weiter getrunken wenn kein anderer mehr etwas wollte. Der Zeitpunkt Abends anzufangen wurde immer mehr Nachmittag.
In einer Zeit vor 7 Jahren als sie lange krank geschrieben war ist es dann komplett entglitten. Ab da hat sie sich den Schnaps schon morgens einverleibt.

Wenn sie nach einem ihrer unzähligen Krankenhausaufenthalten oder Zeiten in Therapieeinrichtungen wieder angefangen hat waren immer andere schuld.
Freunde, die zu Besuch kamen konnte man ja nicht mit Wasser oder Cola bewirten. Aus der Sicht ihrer Freunde war es mehr ein Aufzwingen des Alkohols dem man entweder nachgegeben hat oder gehen musste weil keine Ruhe gegeben wurde.

Liebe Grüße

Butterblume2.0
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 21.07.2017, 14:32

Beitrag von Butterblume2.0 » 23.08.2017, 13:34

Meine Mutter hat so um die 4 Flaschen harten Alk getrunken, mittlerweile verträgt ihr Körper höchstens noch eine am Tag.

Martin

Beitrag von Martin » 23.08.2017, 13:37

Hallo Butterblume,
Ein Pflegeheim kommt nicht in Frage, weil ich meinen Eltern gegenüber unterhaltspflichtig bin. Ich zahle schon nen Teil von den Pflegeheimkosten meines Vaters, ein zweites sprengt definitv meinen Rahmen.
hast du dich genauer erkundigt ob du für einen Heimplatz deiner Mutter überhaupt zahlen müsstest ?

Du musst ja auch von etwas leben und wenn du schon für deinen Papa zahlst zahlt evtl. das Sozialamt oder so für deine Mutter.

LG Martin

Antworten