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Gevatter Alkohol

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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kampfgeist
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Gevatter Alkohol

Beitrag von kampfgeist » 31.12.2017, 15:05

Liebe Forenbesucher, ich surfe nun schon seit Tagen in diesen Foren und Denke "meine Güte was für Schi(o)cksale". Wieviel Furchtbares richtet dieser Gevatter Alkohol (ich nenn den immer so, weil er für mich teuflisch ist) an.

Ich bin 64 Jahre alt und durch meinem Leben zieht sich Gevatter wie ein roter Faden bis zum heutigen Tag. Ich habe beide Eltern durch den Alkohol verloren und nun befürchte ich meinen 39jährigen Sohn auch durch den Alkohol zu verlieren.

Mein Vater hat Alkohol getrunken seit dem ich denken kann. Meine Mutter war erst Tablettenabhängig dann fing sie, nachdem mein Vater ausgezogen war, auch an zu trinken. Ich war damals schon zu Hause ausgezogen, hatte eine eigene Familie, aber es waren noch 2 jüngere Schwestern zu Hause bei meiner Mutter. Täglich habe ich mit meinen Schuldgefühlen gerungen, weil ich das Gefühl hatte meine Geschwister im Stich zu lassen. Es war furchtbar. Ich war durch die Suchterkrankung meiner Eltern immer für die Beiden verantwortlich, habe sie versorgt und mich um alles gekümmert. Sowieso hatte ich die Rolle der Verantwortlichen in diesem Familiengeflecht, war Beschützerin meiner Mutter und Geschwister. War der sichere Hafen für meine beiden kleinen Schwestern.

Mein Vater war, als seine Schnapsphase begann, gewalttätig besonders mir gegenüber. 1 Jahr bevor er ausgezogen ist, hat er mich fast täglich verprügelt. Ich wurde von dem damaligen Freund meiner ältesten Schwester S** missbraucht bis zu meinem 19 Lebensjahr als ich schon schwanger mit meinem aältesten Sohn war. Ich konnte lange Jahre keine stabilen Beziehungen aufbauen, war total kaputt und habe ein sehr unstetes Leben geführt.

Trotzdem habe ich mein Leben in die Hand genommen viele Therapien gemacht. Ich mußte mich schmerzvoll von alten Mechanismen trennen, die mir Sicherheit gegeben haben. Ich habe gelernt Angst auszuhalten und Ängste abzulegen für etwas Neues. Oft musste ich lernen los zu lassen und es war immer mit Schmerz verbunden. Vor einigen Jahren habe ich meinen Darmkrebs besiegt. Meine beiden jüngeren Kinder führen ein gesundes und stabiles Leben, weil ich irgendwann mal diesen verdammten Kreislauf der Familienkrankheit durchbrochen habe, in dem ich den Missbrauch und die Folgen der Alkoholkrankheit meiner Eltern in meiner Ursprungsfamilie offen gelegt habe. Den Preis den ich dafür gezahlt habe ist der, dass keiner meiner Geschwister mit mir spricht und ich seit Jahren keinen Kontakt zu meinen Geschwistern habe. Auch wurde mir verboten die Beerdigung meiner Mutter zu besuchen. Ich wurde ausgestoßen. Auch das hat weh getan.

Nun stehe ich wieder aktuell vor einer Situation wo ich lernene muss loszulassen. Mein 39jähriger Sohn ist aktiver Alkoholiker und ich befürchte, dass er es nicht mehr schafft aus eigener Kraft vor dem Alkohol zu kapitulieren. Ich ringe um sein Leben obwohl ich weiß, dass er selber aktiv was dagegen tun muss. Es tut unendlich weh ihn so leiden zu sehen. Er ist ein toller Mensch vor allem ein Mensch und ich kann ihm nicht helfen obwohl ich seine Mutter bin. Manchmal jaule ich vor Schmerz auf. Trotzdem versuche ich für mich einen Weg zu finden für ihn da zu sein und mich nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist schwer, weil ich oft den Maßstab verliere. Ich möchte nicht noch einen geliebten Menschen an den Alkohol verlieren. Meine Hoffnung ist, dass es etwas gibt, dass meinen Sohn beschützen wird.

Ich ziehe meinen Hut vor allen Forenteilnehmern, die so um ihre Genesung kämpfen. Ich wünsche euch allen viel Kraft und gebt nicht auf es lohnt sich.

Danke!

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