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wichtig - was genau ist alkoholischer Familienwahnsinn?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Kind
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Registriert: 24.01.2018, 11:43

wichtig - was genau ist alkoholischer Familienwahnsinn?

Beitrag von Kind » 25.01.2018, 16:52

Hallo, nun schreibe ich einmal in eigener Sache.

Meine ganze Lebensgeschichte will ich hier nicht niederschreiben. Ich weiß aber, dass ich, wenn ich ein ordentliches Leben haben will, mich und meine Muster erkennen muss.

Wo fange ich an? Hier steht meine Vorstellung.

Mein Vater beging im Entzug einen Suizid. Er erhängte sich z. H. Damals an einem Samstag.

Ich war Mittwoch zuvor in meinen Studienort gefahren, "das wird sich (hoffentlich) schon ändern."

Ja, vieles in meinem Leben tat ich halbherzig, nur um zu gefallen, die Sucht nach Anerkennung, die Sucht, ja nicht der Grund zu sein.

Durch den Besuch einer EKA-Gruppe sehe ich meinen Anteil, dass ich mir meine Werkzeugmechaniker-Lehre (mit Gesellenbrief abgeschlossen) selber gesucht habe.

Durch meine eigene Beklemmtheit (ich habe einen eineiigen Zwillingsbruder, und irgendwie habe ich eine Eigenständigkeit nicht sonderlich entwickelt) ist diese Lehre mit einer ~ 2,8 oder irgendetwas abgeschloßen.

Alles in mir auf den Alkohol in meiner Familie zu schieben, kann ich nicht, will ich auch nicht. Vieles habe ich auch mit mir machen lassen.

Im Studium habe ich mich 10/2013 aus dem Studium ausgeschrieben gehabt. 2x die Diplomarbeit probiert zu schreiben, 2x so dermaßen in die Hose gegangen. Anstatt "einfach" zu schreiben, verdattelte ich mich "Wie - zum Teufel - soll das gehen?"

Jeder in der Familie sagt, dass ich intelligent "wäre", aber wie kommt das dann zusammen, dass ich jetzt arbeitslos bin, seit 04/2014 6 Firmen mit 8 Anstellungsverhältnissen hatte? Durch meine "Muster".

Meinen eigenen Zwillingsbruder habe ich insofern vergrault, weil mir ... Empathie verloren ging, Grenzen zu wahren. "Lass mich in Ruhe!" konnte ich ... die letzten 3 Jahre nicht waren.

Genau er bezeichnet mein Verhalten als Wahnsinn. Dass ich bei ihm "Knöpchen der Verwirrtheit" drücke, obwohl ich Fachabitur habe. Und sogar Aussagen von mir gebe, dass er mir wichtig ist. Das, was mein Vater an Sinuskurve durch Alkohol hatte, ich ohne Alkohol schaffe.

Egal, ob es die Allgemeine Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg war ("Dort ist der Traum!" / "Heilige Gral."), wo ich nur Fachabitur mit 3,1 schaffte, Studium mit Auslandspraktikum in USA, wo ich dort drüben in eine Psychiatrie kam. Ein weiterer Psychiatrie-Aufenthalt 2011, ein weiterer 2012.

Und jetzt stehe ich da, bin arbeitslos, habe das Gefühl, dass die letzten 17 Jahre ein ausleben eines Wahns / eines Sinnes für Wahn waren, und habe keine Ahnung, wie es weiter gehen kann / soll.

Psychosomatische Klinik wurde mir empfohlen. Angeraten. Meiner selbst willen.

Ich wohne seit März 2014 in dem Elternhaus, auf dessen Terrasse sich mein Vater erhängt hatte (mein Zwillingsbruder hing ihn ab). Meine Mutter wollte, dass ich an Beständigkeit entwickle, wo ich vor mir selber mittlerweile Angst habe. Und in einem Haus wohne, in dem meine Familie einmal zu fünft wohnte. Meine Selbstgerechte Art, "Jemand muss sich um den Garten kümmern."

Erst heute erinnerte ich mich an einen Berufspsychologischen Beratungsdienst, den ich in der neunten Klasse Realschule wahrnahm. In diesem Termin sagte mir der Berufspsychologe, dass ich für meinen Ausbildungsberuf (Werkzeugmechaniker) von der Persönlichkeitsstruktur eher ungeeignet wäre. Das ist erst heute aufgeploppt. Glaubt ihr, dass ich mir das zu Herzen nahm? "Vater hat Betrieb! Nachfolge muss sichergestellt werden!" dachte ich, und hatte schon Scheuklappen.

Mittlerweile habe ich von meiner Augenärzten attestiert bekommen, dass ich wegen eines von Geburt an unterentwickelten rechten Sehnervs kein räumliches 3D Sehvermögen entwickelt hatte. Meinen Gabelstapler-Führerschein und alles, was unter G25-Zulassung fällt kann ich somit im Extremfall vergessen.

Nur weiß ich mittlerweile für mich nicht mehr weiter. Diese Verleugnungs / Verdrängungsmechanismen sind derart effizient gewesen, dass ich heute Angst vor mir selber habe.

Heute sind Gedanken an eine betriebliche Umschulung gekommen.

Ich weiß hier nicht mehr weiter.

Sebastian

Martin

Beitrag von Martin » 25.01.2018, 19:51

Hallo Sebastian,

ich bin zwar Alkoholiker, aber eins haben wir gemeinsam.

Ich habe auch einen Zwillingsbruder, das ist nicht immer einfach.

Es werden bestimmt noch andere Angehörige bei dir schreiben, solltest du Fragen an Alkoholiker haben

kannst du die gerne stellen und bekommst sie auch beantwortet.

LG Martin

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 25.01.2018, 21:09

hallo Kind,

herzlich willkommen im Forum.

Du schleppst so einiges an schwerem mit dir herum.
Ich möchte dir zuerst einmal sagen, das du nichts hättest ändern können, auch wenn du nicht in deinen Studienort gefahren wärst.
Mit einem Suicid in der Familie zu leben und ihn zu verarbeiten ist sehr, sehr schwer.
Es ist sehr oft so bei Angehörigen, das sie vieles tun um zu gefallen.
Das ist quasi eine Überlebensstrategie in diesem Moment.
Deswegen mußt du dir keine Vorwürfe machen.
Es ist ein langer Weg etwas für sich zu ändern, aber ich möchte Mut machen, denn es lohnt sich.
Im übrigen gibt es auch Selbsthilfegruppen für Angehörige nach Suicid, denn dieses Ereignis wirkt über Jahre nach, dass habe ich selbst im Freundeskreis erlebt.

lg Morgenrot

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Beitrag von Morgenrot » 25.01.2018, 21:10

hallo Kind,

herzlich willkommen im Forum.

Du schleppst so einiges an schwerem mit dir herum.
Ich möchte dir zuerst einmal sagen, das du nichts hättest ändern können, auch wenn du nicht in deinen Studienort gefahren wärst.
Mit einem Suicid in der Familie zu leben und ihn zu verarbeiten ist sehr, sehr schwer.
Es ist sehr oft so bei Angehörigen, das sie vieles tun um zu gefallen.
Das ist quasi eine Überlebensstrategie in diesem Moment.
Deswegen mußt du dir keine Vorwürfe machen.
Es ist ein langer Weg etwas für sich zu ändern, aber ich möchte Mut machen, denn es lohnt sich.
Im übrigen gibt es auch Selbsthilfegruppen für Angehörige nach Suicid, denn dieses Ereignis wirkt über Jahre nach, dass habe ich selbst im Freundeskreis erlebt.

lg Morgenrot

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