Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Hi, ich bin die Neue.

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Nicita
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 13.08.2014, 10:47

Beitrag von Nicita » 20.03.2018, 15:38

hallo allesamt,

was Du Martin schreibst, das fällt mir schwer zu aktepzieren. Warum trank meine Mama? Warum musste sie daran sterben?

Wie oft habe ich mich gefragt und klar, DIE Antwort habe ich nicht bekommen. Ich habe sie noch einmal gefragt, warum sie das getan hat/tut. Da war sie aber schon in der Palliativ-Situation. Dass es dann nach wenigen Monaten wirklich so schnell gehen musste ...

und sie meinte: es täte ihr leid ...
mehr gab es da aber nicht drüber. als sie schon kaum noch ansprechbar (aber gehört hat sie es sicher!), habe ich ihr gesagt, was ich Gutes mitgenommen habe und wofür ich dankbar bin. Und sie hat auch vieles besonders toll gemacht. Aber eben auch, was es für mich bedeutet hat, dass sie so krank war. Was es mit mir gemacht hat.

Ein paar Puzzleteile setzen sich schon zusammen, denn meine Mama hat leider auch viel Schlimmes erlebt und dies leider nie verarbeitet hat.
Und da sehe ich die Wurzel dessen ...

ich vermisse meine Mama oft schmerzlich auch wenn ichmanchmal sicher auch dankbar sein kann, wenn man das so nennen kann, dass sie mir diese ewigen Sorgen um sie nun genommen hat. Wieviele Jahre habe ich Ängste sie gehabt und gehofft ...

Hass/Wut auf sie, das fehlt mir irgendwie. Ich merke nur, wie weh mir es stellvertretend tut, dass sie nicht verarbeiten konnte, und diesen Weg ging.

Naja, im Trauerprozess kommen ganz unterschiedliche Gedanken.
LG

Ps. ich war bei meiner Mutter immer der Buhmann: ach, Du bist ja sooo unwitzig und unlocker ... eine Spaßbremse, gönnt sich ja nix ... oh ja, das kenne ich auch!

Tabea75
neuer Teilnehmer
Beiträge: 9
Registriert: 20.03.2018, 19:08

Beitrag von Tabea75 » 21.03.2018, 12:09

Hallo, ich bin auch neu hier. Den Perfektionismus kenne ich auch sehr gut. Ich konnte ihn stellenweise aber gut ablegen. Mir hat geholfen, mich an aus meiner Sicht recht unperfekten Menschen zu orientieren. Da habe ich gesehen :Mensch, so geht es auch, man muss sich nicht völlig verausgaben.

Dennoch komme ich gerade auch an meine Grenzen, gerade weil mir die Abgrenzung zu meinem alkoholsüchtigen Vater Schuldgefühle verursacht, s. mein Post über diesem Thread.

Ich habe auch eine längere Leidensgeschichte hinter mir, in der ich jedoch mit therapeutischer Unterstützung gelernt habe, mich selbst zu lieben. Ich glaube, dass das unbedingt nötig ist, um dieses Gefühl, immer in einer Bringschuld zu stehen, ein Stück ablegen kann. In schwierigen Situationen fällt es mir aber immernoch total schwer, meine Bedürfnisse vor mir selbst zu rechtfertigen.
Ich hoffe, das kann jemand verstehen bzw. nachvollziehen...
Tabea

EuleVanDark
neuer Teilnehmer
Beiträge: 5
Registriert: 18.03.2018, 21:42

Beitrag von EuleVanDark » 21.03.2018, 15:58

Als es zwischen meiner Mama und mir so drastisch und sehr schwierig wurde (weil ich sie teilweise gehasst habe, wahrscheinlich weil ich nicht mehr weiter wusste wie ich ihr sonst noch helfen konnte und meine innerliche Wut immer mehr angestaut habe) und es einmal zur einem Übergriff kam.. Sie kam mir irgendwie zu Nahe während sie mich wieder gedemütigt hat und mich wieder als letzten Dreck dargestellt hat und ich habe sie dann einfach reflexartig von mir weggeschubst und sie fiel hin.. Hat sich Gott sei Dank nichts getan, aber diese Schuldgefühle werde ich nie wieder los und das war auch der Punkt als ich urplötzlich abgehauen bin. Ich wollte nicht nochmal meiner Mama sowas antun.. Knappe 3 Jahre war ich nicht mehr bei ihr, obwohl im ersten Jahr ich es noch versucht hatte, da ich sie nicht komplett alleine lassen wollte. Aber ich sah keine Besserung und habe dann den Kontakt endgültig abgebrochen.

Aus einem dummen Zufall hat mich eine Bekannte angeschrieben über Facebook, dass ich doch mal meine Oma anrufen solle (Zur Oma hatte ich auch keinen Kontakt mehr, da meine Mama sie total beeinflusst hat) und instinktiv rief ich erst meine Mama an, aber da war die Nummer nicht mehr vergeben - Sche*** hatte ich da Angst.. Als ich dann Oma anrief, stellte sich heraus, dass Mama eine andere Nummer hatte und nun im Krankenhaus lege, weil sie sich wegen mir umbringen wollte, da ich sie ja verlassen habe.. Ihr könnt euch denken, wie ich mich heute noch fühle mit dem Gedanken.. Sie hat wohl nur noch getrunken und nichts mehr gegessen und alles auf Ex.. Und fiel dann ins Koma kurzzeitig und kam dann mit schweren Folgen ins KH..

Ich machte mit Oma aus, dass ich Mama besuchen will und gingen auch gemeinsam hin. Ich war noch nie so froh sie wiedergesehen zu haben. Sie meckerte auch nicht wie früher, sie nahm mich einfach in den Arm und lies mich spüren dass sie es diesesmal ernst meinte. Ich habe alles erdenkliche getan um sie wieder aus dem KH zu holen, damit sie wieder nach Hause kann und ich sie betreuen kann/konnte. In dieser Zeit hatte ich auch - für sie - eine Ausbildung als Altenpflegerin begonnen, weil ich ihr so helfen wollte und mit dem Wissen unterstützen konnte.

Als sie nach Hause kam, war es für mich irgendwie komisch, aber schön. Ich habe sie jedesmal nach der Arbeit besucht oder haben telefoniert. Und als ich eines tages mal bei ihr war und TV schauten, sagte sie mir, dass ihr das alles leid täte und das sie das nie so gewollt hätte. Der Alkohol hatte sie verändert und das bekam sie nicht mehr mit. Sie hat sich entschuldigt, das war für mich ein wichtiges und doch gefühlvolles Ereignis, ab da wusste ich, es geht Berg auf, sie war nüchtern, trank nichts mehr und ich redete mir ein, ich kann sie "gesund pflegen" bis sie dann ein Jahr später verstorben ist in ihrer Wohnung.. (Kurze Anmerkung: Ich bin dann von Düsseldorf nach Sachsen gezogen, 4 Monate vor ihrem Ableben, weil ich mir eingeredet habe, ich könnte sie irgendwann zu mir holen um von alten Leben abstand zu gewinnen) Ich hatte sie kurz vor ihrem Tod am Telefon, sie schrie sich werweißnichtwas heraus an Schmerz und sie wollte zum verderb keinen Notarzt. -.- Sie legte auf und ich rief 5 bis 10 Minutene erneut an und da war sie so gefasst als wäre nie was gewesen.. Sie wollte, dass ich sie morgen wieder anrufen soll und Oma sollte morgen nach ihr schauen - das war eigentlich nie ihr Ding, sie wollte nie das einer nach ihr schaut, aber das verstand ich erst, als ich ihre Beerdigung organisierte.. Ich hatte den Tod am Telefon und laut Notarzt ist sie 30 Minuten später nach dem Telefonat mit mir verstorben..

Und dieses warum bleibt für mich immer offen und nie beantwortet.. Warum sie trank sagte sie mir nie..

Sie fehlt mir sehr, manchmal zu sehr.. Ich wünschte mir manchmal die schwere Zeit käme lieber zurück und ich würde das nochmal durchstehen nur um sie bei mir zu haben..

Ist doch meine Mama.......

Antworten