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Hallo, ich bin neu hier

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Tabea75
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Hallo, ich bin neu hier

Beitrag von Tabea75 » 21.03.2018, 11:45

Hallo an Euch!

Ich bin neu und hoffe, dass ich in diesem Forum richtig bin.
Ich heiße Tabea, bin 43 Jahre alt, habe einen Mann und einen Sohn und bin gerade in einer schwierigen Phase. Mein 71-jähriger Vater ist alkoholabhängig und hat lt. ärztlicher Meinung das Korsakow-Syndrom.

Ich würde mich freuen, wenn ich Rat von Leuten, die sich damit auskennen, erhalten kann, wie ich mit meiner/unserer Situation besser umgehen kann.

Wir hatten viele Jahre keinen Kontakt zu ihm, da er (vielleicht schon damals bedingt durch den Alkohol?) mit uns brach. Nachdem sich seine 2. Frau vor ca. 1 Jahr von ihm wg. Alkohol trennte, muss es ganz schlimm geworden sein. Vor 3 Monaten wurde er in eine Klinik eingeliefert mit 3 Promille. Dort hat er dann entgiftet und wohnt nun wieder bei sich zu Hause. Natürlich hat man ihm gesagt, dass er keinen Alkohol mehr trinken darf, aber nach ein paar Tagen fing es wieder an, ein Bierchen hier, einen Kräuter dort. Ob er sich dem Ernst der Lage mit seinen geistigen Defiziten bewusst ist? Schwer zu sagen... Natürlich hat er nach eigener Auffassung kein Alkoholproblem.

Er trinkt jedoch seit meiner Kindheit mehr Alkohol, als es üblich ist, aber dass es so schlimm kommt, haben wir nicht geahnt. Seit dem Klinikaufenthalt haben wir wieder ein wenig Kontakt (Besuch im KH, danach telefonisch), aber mehr kann und will ich nicht zulassen. Ich fühle mich damit schuldig, da er mir sagte, dass er sich sehr freut, wieder Kontakt zu haben, und dass er damals Fehler gemacht hat. Er würde uns gern besuchen kommen... Dass er das aufgrund seiner Korsakow-Symptome (zeitliche und örtliche Unorientiertheit) nicht mehr schafft, scheint er nicht zu merken.

Aber ich kann und will das auch gar nicht. Wir waren ihm viele Jahre egal und jetzt, wo er keinen mehr hat, sind wir wieder gut genug... Dennoch ist er mein Vater. Ich habe Angst, mir selbst später Vorwürfe zu machen, wenn er mal nicht mehr ist, dass ich nicht mehr getan habe. Ich kann also für mich keine sichere Grenze ziehen, hinter der ich dann auch ohne schlechtes Gewissen stehen kann.

Hat jemand einen Rat für mich?
Vielen Dank für's Lesen.
Tabea

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 21.03.2018, 23:40

Hallo liebe Forenmitglieder,

schade, dass sich bisher noch niemand auf meinen Beitrag gemeldet hat. Ich hatte die Hoffnung, ein paar Denkanstöße von Betroffenen zu erhalten.

LG, Tabea

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 22.03.2018, 11:48

Hallo Tabea,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Machmal dauert es bis die Nachrichten kommen, habe dich gestern abend schon gelesen, aber ich möchte auch die richtigen Worte finden.

Ich glaube ganz sicher, das dein Vater wieder Hoffnung geschöpft hat, als du ihn im Krankenhaus besucht hast.
Nasse Alkoholiker denken dann oft, es ist alles wieder gut.
Du kannst aber deinem Vater sagen, das dies durchaus kein Auftakt für ein mehr an Kontakt ist.
Ich fühle mich damit schuldig, da er mir sagte, dass er sich sehr freut, wieder Kontakt zu haben, und dass er damals Fehler gemacht hat. Er würde uns gern besuchen kommen..
ich glaube, das er dies sicherlich auch ernst meint, aber du bist an nichts schuld, wenn du es ablehnst.
Solange er keine Krankheitseinsicht hat, wird er nichts verändern.
Es geht hier um dich, was kannst du für dich tun, damit es dir erst einmal besser geht, und du dich entscheiden kannst, was du willst.
Wichtig ist es dann auch konsequent zu bleiben, denn aus Erfahrung weiß ich, das der nasse Alkoholiker gerne die Gefühlsschwankungen der COabhängigen benutzt um vielleicht wieder einen "Fuß in die Tür" zu bekommen.


lg Morgenrot

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 22.03.2018, 12:44

Hallo Morgenrot,

ich freue mich sehr über Deine Antwort, vielen Dank!

Sofern er ein 'gesunder Kranker' wäre, also ein Alkoholiker, der nach der Entgiftung wieder klar ist, hätte ich kein Problem damit, ihm das genauso zu sagen, wie Du es geschrieben hast. Dann hätte ich ihm auch noch gesagt, dass ich nicht der Notnagel bin, wenn er im Leben nicht klarkommt. Dass ich mich nicht benutzen lasse usw..

Leider hat er Korsakow und weiß schon gar nicht mehr, dass wir ihn besucht haben, erzählt mir stetig das Gleiche und konfabuliert dabei. Er hat einen Betreuer (nicht ich) und einen Pflegedienst.

Deshalb bin ich in der Zwickmühle... einen kranken Vater lässt man nicht im Stich- sagt mein schlechtes Gewissen. Er ist ein A..., ein Egoist und undankbar Mensch, sieh zu, dass Du das Weite suchst- sagt mein Gefühl. Alles in mir wehrt sich dagegen, wieder mit ihm Kontakt zu halten. Daher meine Zerrissenheit.

Ich habe mich früher für ihn fast überschlagen und musste erfahren, dass er die Familie belogen und zu seinem Vorteil manipulierte. Da bin ich aufgewacht. Nun geht es mir gut, ich bin ein glücklicher Mensch. Da ich psychisch nicht so belastbar bin, muss ich aber auf mich Acht geben, damit es auch so bleibt. Daher würde ich gern den Kontakt auf ein paar Telefonate beschränken, wenn sich nicht das schlechte Gewissen melden würde...
Viele Grüße,
Tabea

Grünes Kistchen
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Beitrag von Grünes Kistchen » 22.03.2018, 19:30

Hallo Tabea,

nein, Du mußt kein schlechtes Gewissen haben. Du brauchst Dich auch vor niemanden für Deine Entscheidungen zu rechtfertigen.
Ich selbst kenne diese Gefühle zur Genüge, dass kann ich doch nicht machen, was soll XY von mir denken, etc. Seit ich für mich entschieden habe, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter will, fühle ich mich besser. Dem Vorraus gingen einige Telefonate in denen sie nicht betrunken war und ich ins Schwanken geriet, vielleicht hat sie doch angefangen etwas zu ändern...
Aber es wäre so gekommen, wie so oft, kaum hatte ich Hoffnung geschöpft, ging das ganze Theater von vorn los. Ich will es definitiv nicht mehr. Punkt.
Ich mag mich nicht von ihr runterziehen lassen durch irgendwelche Vergleiche mit anderen, ach so viel besseren Töchtern, warum ich sie nicht "vorher frage", ob ich meinen Vater, meine Tante besuchen darf. Das ewige Jammern und baden im Selbstmitleid, das Leben ist so schlecht und überhaupt, es ist so.
Ich habe für mich die Reißleine gezogen. Ich lese hier viel in den anderen Forenbereichen, um ein Verständnis für die Krankheit Alkoholmissbrauch zu entwickeln. Ebenso hat mir das Buch Familienkrankheit Alkoholismus von Ursula Lambrou geholfen.
Das Wissen, was ist gut für mich, dass muß man sich erarbeiten.

Vielen Grüße!

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 23.03.2018, 14:00

Hallo grünes Kistchen!

Danke für Deine Anteilnahme an meinem Problem und Deine Tipps bzw. Anregungen. Es tut mir gut zu lesen, dass andere ähnliche Probleme haben, auch wenn natürlich jede/r Betroffene einer zuviel ist. Und wenn es die eigene Mutter ist, finde ich das mindestens genauso schlimm. Es tut mir für jedes einzelne Schicksal außerordentlich leid!

Nach Eurer Bestätigung hier kann ich inzwischen auch schon deutlich besser glauben, dass ein loser telefonischer Kontakt mit meinem Vater ok ist. Ich verfalle immer mal wieder in den Glauben, dass ich mich für andere verbiegen muss, um ein guter Mensch zu sein. Aber die Frage ist ja, aus welcher Perspektive man das betrachtet... Aus meiner eigenen Sicht wäre ich kein guter Mensch, wenn ich mich verbiege, denn dann bin ich ja nicht gut zu mir.

In der Erziehung wurde einem häufig gesagt, dass man an andere denken muss und nicht egoistisch sein soll. Die Folge ist oftmals, dass man eigene Wünsche wegdrückt, um diesem (falschen) Ideal gerecht zu werden. Ich will das für mich schon lange nicht mehr und fühle mich bestätigt darin, diesen Weg weiter zu gehen.

Vielleicht findet sich jemand in diesen Gedanken wieder.

Liebe Grüße, Tabea.

Martin

Beitrag von Martin » 23.03.2018, 14:34

Hallo Tabea,
In der Erziehung wurde einem häufig gesagt, dass man an andere denken muss und nicht egoistisch sein soll.
und wieso dürfen sich die "Erzieher" dann egoistisch verhalten :?:

Wenn dein Vater nach der Entgiftung wieder trinkt hat er nix gelernt,

weshalb solltest du dich jetzt anders verhalten :?:

Als trockener Alkoholiker kenn ich die Spiele der Alkoholiker,

glaube nicht alles was dein Vater dir erzählt.

Wenn er getrunken hat merkt er selbst nicht was er sagt.

LG Martin

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 23.03.2018, 15:40

Hallo Martin,

Ja, die Erzieher sind selbst egoistisch, das habe ich noch gar nicht so gesehen...

Was meinen Vater betrifft, weiß ich aufgrund seines Korsakows nicht, ob er überhaupt noch was lernen kann. Das Kurzzeitgedächtnis ist gestört. Aber da ihm jeder immer wieder sagt, er darf nicht trinken (Ärzte, Betreuer, Pflegedienst, ich), denke ich letztlich auch, dass er sich wissentlich darüber hinweg setzt. Und eine gewisse Strategie ist bei ihm trotz aller geistigen Einschränkungen vorhanden, denn er ist zu Leuten, von denen er sich Vorteile verspricht, irgendwie so plump vertraulich und schleimig. Über alle anderen redet er meist schlecht. Außerdem hält er sich selbst für den Schlauesten, ist großspurig und herablassend. Selbst sein Arzt in der Geschlossenen hat gesagt, dass er gut blenden kann.

Alkoholismus ist wirklich eine fiese Sache.

Viele Grüße, Tabea

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