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Trauer, Schmerz, Enttäuschung, Angst, Wut, Verzweiflung

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Grünes Kistchen
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Re: Trauer, Schmerz, Enttäuschung, Angst, Wut, Verzweiflung

Beitrag von Grünes Kistchen » 22.06.2018, 19:04

Hallo Steinchen,

alles Schlagworte, mit denen ich meine Erfahrungen mit meiner Mutter in Verbindung bringe.
Ich habe mich in vielen Punkten wiedererkannt, das Gefühl sich ständig beweisen zu müssen, lieber eine Sache selbst machen, weil ich kann dass nur selbst am besten... Das bin/war ich.

Vielleicht hast Du in meinem Thread schon gelesen, es ist gut, so wie es jetzt ist.
Ich habe im Frühjahr auch mal kurz eine Therapie als Möglichkeit in Betracht gezogen.
Das Gespräch mit meiner Schwester, Eltern und Familie kann man sich nicht aussuchen, hat mir sehr geholfen. Zu meiner Entscheidung stehen, Distanz waren, es hat mir geholfen.

Du musst keine Verantwortung übernehmen, weder Deinem Vater noch Deiner Mutter gegenüber. Ich finde es nicht fair, dass sie Dich als Mittelsmann sieht. Sie ist in ihrer Co-Abhängigkeit gefangen, dafür kannst Du nichts!
Wir waren Kinder und uns hat niemand gefragt, ob wir ein Leben mit Alkoholikern wollen. Nun sollten wir versuchen abzugeben, was wir nie wollten.
Was einem nicht gut tut, dass soll man loslassen. Ursula Lambrou Familienkrankheit Alkoholismus, in dem Satz steckt ganz viel Wahrheit, ich versuche danach zu handeln.

Liebe Grüße!

Dhyana
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Re: Trauer, Schmerz, Enttäuschung, Angst, Wut, Verzweiflung

Beitrag von Dhyana » 02.07.2018, 23:12

Liebe Steinchen

Ich kann mich in deiner Beschreibung auch sehr wiederfinden. Ich bin zwar schon 20 Jahre älter und immer noch verstrickt im Drama. Wenn auch mit mehr Abstand. Ich bin EKA, Co und war dann selben vom Alkoholmissbrauch getroffen. Pass bitte gut auf dich auf! Ich kann dir sehr empfehlen, deine Kindheit aufzuarbeiten, eine Therapie zu machen und auch Bücher zu lesen und zu bearbeiten wie zb."Das Kind in dir muss Heimat finden" von S. Stahl.

Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben, heute, in jeden Augenblick und für immer. Im Sinne von auf dich aufpassen, was will ich, was fühle ich, nein sagen lernen, dich nicht für alle und alles verantwortlich zu füllen. Du bist Erwachsen und die anderen auch. Für andere da sein, ja sicher, aber nur wenn, du dir dabei nicht weh tust, seelisch. Als Kind warst du in der Rolle des Vermittlers und Beschützers, warst ausgeliefert, deine Gefühle wurden nicht widerspiegelt, wahrgenommen... das war nicht kindesgerecht.... aber jetzt ist das soweit vorbei. In dir wird dieses innere Kind immer helfen wollen, wenn du es aber erkennst, kannst du dagegen steuern.

Ich musste lernen und bin immer noch dabei meine "wohlfühlzone" wahrzunehmen, meine Grenzen spüren, wann ist es mir zu viel, will ich, die Erwachsene, das wirklich...? Überhaupt meine Gefühle zu spüren, Nähe zuzulassen, nicht nach dem verlieben, wieder dicht zu machen oder an den "falschen" hilfsbedürftigen zu geraten, der mein Helfersyndrom anspricht. Und auch den Mund aufzumachen und zu sagen, was ich will und was nicht. Oft habe ich das nicht, aus Angst zu verletzen, aus Verantwortung dem anderen gegenüber ... eine Trennung fällt mir bis heute schwer, weil man sich ja nicht trennt, andere in Stich lässt... wie sollen die denn klarkommen ohne mich ( inneres Kind denken).

So bin ich auch der Sucht "verfallen", und habe mich dem Gefühl "ich bin nicht genug, ich bin machtlos, ausgeliefert" insoweit wahr gemacht, auch als Erwachsene, indem ich mich dem Alkohol ausgeliefert habe. Obwohl ich es ja besser wissen sollte. Dachte ich, war aber nicht so. Ich habe zwar keine solchen Dramen veranstaltet, mein Leben lief von aussen betrachtet, erfolgreich und normal, Beruf, Familie, Kinder alles soweit ok. Viel Verantwortung, wie das so ist, der Mann geht 100% arbeiten, ich hatte immer Teilzeitjobs, und den Haushalt, die Kinder, die Arztbesuche, die sonstigen Kinder Veranstaltungen, usw.... abends habe ich den Rückzug gesucht und mich mit Alkohol betäubt. Erst im "normalen", da ich sehr achtsam war, aber es ist stetig mehr geworden. Und nun bin ich erneut am verarbeiten, trinke nicht mehr und der Kontakt zu meinen Eltern (ca 1x im Monat) triggert mich jedesmal, tut weh. Ich war so Co.abhängig, dass ich mir in etwa deinem Alter vorgestellt habe, ich tue so als ob ich abhängig wäre, um meinen Vater dann zu überreden, gemeinsam einen Entzug zu machen. Mir zu Liebe, habe ich gehofft. Hat nicht funktioniert. Aber abhängig bin ich erst viele Jahre später geworden. Damals hatte ich noch keine Ahnung, was das heisst "trinken müssen".... was Sucht bedeutet.

Pass bitte sehr sehr gut auf dich auf, denn wenn es dir schlecht geht, hat niemand mehr was von dir und du auch nicht. Es gibt sehr viel zu verarbeiten, aber es ist möglich, nicht einfach, aber machbar.

Alles Liebe dir!

Dhyana
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Re: Trauer, Schmerz, Enttäuschung, Angst, Wut, Verzweiflung

Beitrag von Dhyana » 03.07.2018, 22:45

Liebe Fusselchen, lass dich mal fest drücken.. ich hoffe dir geht es inzwischen besser.... tränen waschen auch den Schmerz ein wenig weg.

Jemand der sowas nie erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen, es ist wie einem blinden die Farben erklären...

Hast du eine Traumatherapie gemacht oder dich mit der Heilung des inneren Kinds beschäftigt? Mir hat es geholfen, vor allem das Buch von Stahl, dazu gibt es auch ein Arbeitsheft. Ich habe bemerkt, dass es nicht nur die eine Therapie gibt, die heilt, sondern von mehreren verschiedenen Gesichtspunkten, rangehen hilft. ÜBER ERKENNTNIS, VERSTEHEN, HEILEN. Nicht nur über den Kopf sondern vor allem vom Herz, Gefühle.

Hast du noch Fragen? lass alles raus, was du magst,
gute Nacht dir !

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