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Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Mullemaus1989
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Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Mullemaus1989 » 25.09.2018, 20:07

Ich kopiere hier einfach mal den text aus meinem vorstellungstread,da das ja momentan mein größtes problem ist.



Hallo ihr lieben,
Ich weiss garnicht wie ich anfangen soll.
Mein Vater war jahrelang Alkoholiker und ist am samstag verstorben. Ich hatte davor 6 jahre kein kontakt (er hat mich früher missbraucht) nachdem er meine mutter vor 7 jahren verlies(davor war er auch schon Alkoholiker,aber nicht in dem Ausmaß wie zum ende hin) und wieder in seine heimatstadt zog ,fand ich endlich den mut ihn anzuzeigen.(auch durch ein wenig einfluss meines mannes) Seit dem hatte icj keinen kontakt.ich habe nur immer mal wieder erfahren wie es ul ihn steht, was er macht usw(von seiner Schwester)
Vermisst habe ich ihn trotz allem immer mal wieder,und natürlich hab ich ihn(so schwer es vorstellbar ist) auch geliebt.vor 2 wochen rief meine tante an und meinte er liegt im krankenhaus,würde blut ausscheiden ,und wohl nicht mehr lange leben. Da hab ich mich schon gefragt ob ich anrufen sollte,ich hab es mich aber nicht getraut (was ich jetzt bereue) am samstag kam dann die Nachricht das er gestorben ist,habe abends noch mit dem arzt telefoniert,der mir sagte "speiseröhrenblutung,leberversagen"sie hätten ihn wohl noch am leben erhalten können,das wollte er aber nicht,denn dann wäre er pflegefall geworden. Also haben sie mittags um 11 die Maßnahmen beendet und um 14.45 starb er dann. Er merkte nichts ,da er im künstlichen koma lag.
Heute schrieb ich dann mit seiner lebensgefährtin(sie war bei ihm bis zum schluss,ich hatte vorher noch nie kontakt mit der frau) sie sagte mir(ohne es böse zu meinen) das es wohl erst richtig bergab mit seinem "gesaufe " ging nach dee anzeige.als letztes waren es wohl 3 flaschen schnaps am tag. Und ich mache mir solche vorwürfe...habe ich ihn in den tod getrieben? Bin ich schuld das er sich tot gesoffen hat? Er würde wahrscheinlich noch leben wenn ich ihn nichz angezeigt hätte,konnte er es nicht verkraften das ich den Kontakt abbrach(ich bin seine einziges kind)
Er starb und dachte wahrscheinlich ich hasse ihn.
Und ich feiges weib konnte nicht mal anrufen um mich zu verabschieden als er noch einigermaßen ansprechbar war.ich habe ihn alleine gelassen.
Oh man ich muss gerade unterbrechen,bin schon wieder nur am weinen. Meine kinder brauchen mich aber.

Am 20.10 ist die Beisetzung,ich werde auf jeden fall dort sein,um mich wenigstens da nochmal zu verabschieden. Bis dahin wird es echt schwer für mich.

Sind diese Gefühle normal?kann ich mkr solche vorwürfe zurecht machen? Wird das wieder besser.
Es tut mir allws so unendlich leid,ich wollte ihn doch nie in den tot treiben.

Sunshine_33
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Sunshine_33 » 25.09.2018, 20:31

Liebe Mullemaus, Herzlich Willkommen hier im Forum.
Habe Dir im Vorstellungsbereich geantwortet, weil ich diesen Thread noch nicht gesehen hatte.

LG Sunshine

Mullemaus1989
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Mullemaus1989 » 25.09.2018, 20:41

Ich danke dir für deine worte,ich antworte jetzt mal hier,weil der andere beitrag ja zu gemacht wird,so hab ich es verstanden.

Ja innerlich weiss ich wohl irgendwie das ixh wahrscheinlich nichts hätte machen können,aber die selbstvorwürfe überwiegen momentan.
Und ich hoffe wirklich das ich mit seiner beisetzung damit abschließen kann:(

Aurora
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Aurora » 26.09.2018, 07:46

Liebe Mullemaus,

ja, es ist okay, dass du jetzt hier deine Sorgen und Gedanken rein schreibst! So ist das gedacht und hier lesen dich auch mehr Leute.

Ich hoffe, du hattest eine ruhige Nacht und konntest dich erholen. So psychische Dinge rauben unheimlich viel Energie, kaum zu glauben. Und du schreibst, du hast Kinder. Wie schön! Aber auch sie verbrauchen ja deine Energie. Wie viele Kinder hast du denn, wenn ich fragen darf?

Liebe Grüße
Aurora

Mullemaus1989
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Mullemaus1989 » 26.09.2018, 07:50

die Nacht selbst war ok,aber bis ich eingeschlafen bin hats gedauert.
Habe 3 kinder,besonders der große bekommt es mit ,wie es mir geht.das tut mir sehr leid für ihn.ich versuche mich zusammenzureißen,aber manchmal ist mein kopf so leer bzw. Kreisen sich die Gedanken nur im meinen Vater ,da bekomme ich kaum mit wenn mich jemand anspricht.

Aurora
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Aurora » 27.09.2018, 11:45

Hallo Mullemaus,

3 Kinder, das ist schon auch eine Herausforderung! Aber Kinder sind auch soooo toll!
Wir hatten am Wochenende unsere 3 Enkel zu Besuch, fast 10, 7 und 3 Jahre alt. Das war Halligalli, sag ich dir. Aber das ist Leben!

Alle deine Kinder bekommen was mit! Kinder haben feine Antennen. Da kann es helfen offen zu reden, Kinder neigen dazu, sich selbst schnell die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zu denken, dass sie was falsch machen oder so.

Hast du schon mal kindgerecht mit ihnen geredet? Du musst ja nichts über den Missbrauch erzählen aber über deine Trauer und Zweifel zum Beispiel. Dass es dir gerade nicht gut geht und du deshalb oft traurig bist und in Gedanken woanders. Dass es nichts damit zu tun hat, dass du sie nicht mehr liebst sondern mit dir und deinen Gefühlen.

Meine Tochter ist bei der Geburt ihres 2. Kindes zusammen mit dem Baby gestorben. Unsere Enkelin war da 3 Jahre alt. Und wir sind mit der Trauer und den Gefühlen ganz offen umgegangen. So war auch die Kleine offen und hat auch ihre eigenen Gefühle rauslassen können. Es war immer klar. Und das war unglaublich wichtig! Heute ist sie ein glückliches fast schon junges Mädchen. Sie werden ja so schnell groß...

Selbstvorwürfe sind jetzt auch nicht so unnormal in solchen Zeiten, wie du sie gerade erlebst. Das ist ja ein ganzer Berg von Gefühlen, der da in dir ist. Ich hoffe, du kannst weinen, dir die Zeit auch dafür nehmen. Das ist wichtig! Mach dich bitte nicht fertig weil du so fühlst. Deine Gefühle gehören zu diesem Prozess dazu. Hast du schon mal an professionelle Begleitung gedacht? Eine Therapie? Ich meine, du hast da schon was zu verarbeiten. Schon alleine durch den Missbrauch und den Alkoholismus deines Vaters.

Ich drück dich mal
Aurora

Mullemaus1989
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Mullemaus1989 » 28.09.2018, 07:58

Das tut mir sehr sehr sehr leid mit deiner tochter und deinem enkelchen:(
Ich kann mir garnicht vorstellen wie das sein muss.
Ich habe meinen Kindern erklärt warum es mir derzeit immer mal wieder so schlecht geht.Der große zeigt verständnis,fragt mich auch ob er was tun kann damit es mir besser geht.der mittlere hat es auch verstanden und die ganz kleine,ihr kann ich es ja nicht wirklich erklären.
Momentan ist es wie eine achterbahn fahrt,mal geht es mir eigentlich total gut und ich kann lachen,im nächsten moment ist es ,als würde alles wieder neu auf mich einprasseln .
Ich frage mich wie er reagiert hätte wenn ich ihn im krankenhaus angerufen hätte.ich frage mich wie er sich gefühlt hat als er da lag und seine klaren momente hatte.ich frage mich wie sein leben gewesen wäre wenn er kein Alkoholiker geworden wäre. Womöglich wäre das mit dem Missbrauch dann auch nie passiert.denn das war ja immer nur wenn er voll war.seit wann konnte man sagen das er ein Alkoholiker ist? Ohne alkohol kenne ich ihn gar nicht,aber früher waren es wenigstens nur die Wochenenden ab und an mal auf Arbeit ein bier soweit ich weiss.aber so richtig gesoffen hat er da noch nicht. Das fing erst ein paar jahre vor der trennung meiner mutter an,da kam er dann auch öfter mal angedudelt von der Arbeit. Als meine mutter sich dann trennte fing es glaub ich an das er wirklich schon morgens anfing zu trinken. An den Wochenenden besucht sie ihn ab und an und fand da auch die versteckten Schnaps flaschen.wie es dann bei seiner lebensgwfährtin weiter ging kann ich nicht sagen,denn sa hatte ich ja dann den kontakt abgebrochen. Wieso hat er sich da nicht wachrütteln lassen und ist ik therapie?dann hätte er ein längeres leben mit seiner Freundin gehabt. Nein er versaute sich auch das ,und lebte meines wissens mach zum schluss in seinem schrebergarten.wollte auch kaum noch jemanden sehen,aß soweit ich weiss kaum bis garnix mehr.
Ich weiss ,er war wohl immer mal wieder beim arzt wegen entzug(ich weiss nicht wie man sowas nennt) oder war es eine tagesklinik?keine Ahnung.
Er hat doch sicher schon vor monaten gewusst das wenn er so weiter macht ,er nicht mehr lange hat. Wie kann man das freiwillig wollen?soviele sachen die ich nicht verstehe.auch,warum hat er nicht den Kontakt zu mir gesucht? Und wenn es nur ein Brief gewesen wäre indem er sich für alles entschuldigt.
Auch soviele fragen die noch offen sind und auch immer offen bleiben werden.
Ich belese mich um diese Krankheit besser zu verstehen.und einerseits mach ich ihm garkeine vorwürfe,andereseits wie gesagt ,verstehe ich einfach nicht warum man sich freiwillig tot säuft.



Ja an Therapie dachte ich auch schon,aber ich möchte erst die Beerdigung abwarten und sehen wie es mir danach gehen wird. Wenn ich dann immer noch nicht abschliessen kann,dann ist das vielleicht eine gute idee.
Wobei ich eigentlich schon immer gut im verdrängen war.

Ich mach jetzt mal Schluss,sonst hör ich garnicht mehr auf.hoffe das ist alles einigermaßen verständlich geschrieben.danke fürs zu"lesen" :)
Lg mulle

Aurora
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Re: Vater gestorben,ich fühle mich schuldig

Beitrag von Aurora » 28.09.2018, 10:15

Liebe Mulle,

es ist gut, dass du alles mal so aufschreibst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das auch erleichtert und sortiert. Ich habe im geschlossenen Bereich ein Tagebuch, das hat weit über 600 Seiten...

Wieso, warum, weshalb... das sind so die üblichen Fragen. Auf die, wenn es eine Antwort gäbe, wieder nur Fragen folgen würden.

Der Verlauf, den du über deinen Vater schilderst, habe ich so ähnlich mit meinem Exmann erlebt. Er hat schon immer maßlos getrunken, aber es beschränkte sich eher auf Feiern, auf das Wochenende. Unter der Woche hat er zwar auch regelmäßig abends sein "Feierabendbierchen" getrunken, war aber nicht tagtäglich voll bis oben hin. Das wurde aber schon immer öfter immer ein wenig mehr im Laufe der Jahre. Also aus einem "Feierabendbierchen" wurden 2, dann 3 usw. Zum Essen musste es immer Bier sein usw.

Es hat sich also langsam gesteigert, Sucht kommt nicht von heute auf morgen...

Richtig schlimm wurde es, als mein Exmann nicht mehr arbeiten ging, er wurde irgendwann mit Anfang 50 in Rente geschickt. Da fing es immer früher immer stärker an.

Und ich glaube, so in etwa ist einfach der Krankheitsverlauf. Das hat nicht wirklich etwas mit dem Umfeld zu tun sondern mit der Krankheit Alkoholismus, Sucht.
Wieso hat er sich da nicht wachrütteln lassen und ist ik therapie?dann hätte er ein längeres leben mit seiner Freundin gehabt. Nein er versaute sich auch das ,und lebte meines wissens mach zum schluss in seinem schrebergarten.wollte auch kaum noch jemanden sehen,aß soweit ich weiss kaum bis garnix mehr.
Ja! Das ist leider so. Mein Exmann und ich hatten ein gutes Leben, waren finanziell sehr gut situiert, hatten eine Eigentumswohnung, die auch bezahlt war, zwei gesunde Kinder, die keine Probleme machten und ihren Weg gingen, es schien alles perfekt... und doch...

Im Prinzip habe ich nie einen Grund gesehen, warum er soff. Aber er war bzw ist abhängig.
Er hat doch sicher schon vor monaten gewusst das wenn er so weiter macht ,er nicht mehr lange hat. Wie kann man das freiwillig wollen?
Es ist ja nicht freiwillig! Niemand ist freiwillig abhängig. Die Sucht ist irgendwann so stark, dass es einfach nicht anders geht. Und es schaffen ja auch nur wenige den Absprung. Leider. :( . Die Sucht beherrscht den Menschen vollständig. Mein Exmann hat es für etwas mehr als 4 Jahre geschafft, nicht zu trinken. Damals als ich mich getrennt hatte. Er hat sich dann aber entschlossen, wieder zu trinken. Er weiß ja, wie es auch funktioniert, das Aufhören, der Entzug. Er weiß, an wen er sich wenden könnte. Er macht es nicht. Vielleicht hat er aufgegeben. Keine Ahnung. Er sieht sehr schlecht aus, ich sehe ihn ja ab und an, er wohnt im selben Haus wie meine Eltern. Es ist seine Entscheidung.

Und es war die Entscheidung deines Vaters. Warum er nicht seine Sucht stoppen wollte oder konnte weiß nur er. Du musst das so akzeptieren. Ich muss das für meinen Exmann auch. Akzeptieren. Mein Exmann hat dadurch auch viel verloren, er sieht seine Enkelin nicht mehr, der Sohn lebt eh nicht in Berlin und macht sich eher rar. Die Tochter ist nicht mehr da, aber als sie das noch war hatte auch sie sich abgewandt. Weil mit einem Betrunkenen kein Zusammenleben funktioniert.

Warum er den Kontakt zu dir nicht gesucht hat, wer weiß? Aber auch das ist seine Entscheidung gewesen. Ich kann aber verstehen, dass es unglaublich schwierig ist für dich, das zu verstehen, dass da auch so viele Fragen in dir sind. Es kommt auch nicht darauf an, wie dein Vater auf deine Kontaktaufnahme reagiert hätte. Das weißt du ja nicht.

Aber frag dich ganz ehrlich, wolltest du wirklich wieder mit ihm in Kontakt sein? Hättest du das wirklich gekonnt? Wolltest du das aus vollem Herzen? Hast du ihm vergeben, deinen Frieden gefunden mit seinen Taten an dir? Hättest du ihm unbeschwert gegenüber stehen können?

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende, ich werde auch ausfliegen, ich habe eine Fortbildung für mein Ehrenamt.

Liebe Grüße
Aurora

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