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Enkelkinder und das Alkoholproblem

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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SimKu
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Enkelkinder und das Alkoholproblem

Beitrag von SimKu » 14.10.2018, 21:13

Hallo. Mein Vater, mittlerweile Rentner, hat seit langem ein Alkoholproblem, dass ihn mal mehr mal weniger beherrscht.
Seit meiner Kindheit kämpfen wir und vor allem unsere Mutter damit, geändert hat sich trotz Aufenthalt auf einer Intensivstation und Kur/ therapie leider nichts. Aktuell wird der Konsum auch wieder mehr und es tritt auch harter Alkohol dazu, ich denke weil ihm einfach die ungewohnt viele Zeit Raum zum Nachdenken bietet, damit konnte er noch nie umgehen.
Eigentlich habe ich mich davon mittlerweile gut distanziert von unseren familiären Problemen ( das war ein langer Weg) und wir hatten auf einer guten Basis Kontakt. Im Grunde hatte ich eine "SCheißegal"- Einstellung, da ich mangels eingenem Willen seitens meines Vaters nicht verändern konnte.
Jetzt sind jedoch meine eigenen Kinder im Spiel, die eigentlich gerne zu Opa und vor allem Oma gehen und dort auch schlafen. In den letzten Monaten ließ jedoch das Interesse meines Vaters merklich nach und er veränderte sich wieder, so wie ich es von früher in starken Trinkerperioden kenne.
Einen vorläufigen Höhepunkt gab es als ich meinen Sohn vor kurzem nach einem Nachmittag/Abend bei den Großeltern abholte und mein Vater offensichtlich betrunken im Wohnzimmer saß. Mein Sohn war mit seiner Oma zwar in anderen Räumen, sie versucht das ganze so gut es geht abzupuffern. Es hat mich jedoch trotzdem maßlos erschrocken und enttäuscht. Mein Sohn ist drei Jahre alt und versteht die Veränderung des opas nicht und wollte sich nicht von ihm verabschieden.
Nun habe ich große Bedenken, meine Kinder je wieder ohne Sorge und vor allem ohne meine Aufsicht dort zu lassen oder ggf. sogar dort schlafen zu lassen.
Mein Vater war nie körperlich aggressiv, jedoch weiß ich wie schrecklich vor allem meine Kindheit mit einem emotional völlig unberechenbaren Vater war und wie sehr ich mich fürchtete, wenn er getrunken hatte. Dies möchte ich keinesfalls für meine Kinder, die in einer stabilen und liebevollen Umgebung aufwachsen sollen. Genauso wenig möchte ich meinen Kindern aber ihre Großeltern entziehen.
Gibt es hier Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und mir Tipps/ Hilfe geben könnten? Nochmals Gespräche suchen oder konsequent den Kontakt einschränken?
VIelen Dank für eure Erfahrungen.

Morgenrot
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Re: Enkelkinder und das Alkoholproblem

Beitrag von Morgenrot » 14.10.2018, 22:52

Hallo SimKu,

herzlich Willkommen bei uns in unserer Onlineselbsthilfegruppe.

Ein Alkoholiker wird immer Gründe für sein Trinken finden. Du kannst deinen Vater nicht davon abhalten, es ist seine Verantwortung.
Meine Enkelkinder hatten zeitweise keinen Kontakt zu ihrem Großvater, alleine schon gar nicht. Das hat meine Tochter auch sehr deutlich formuliert und auch begründet.
Ein angetrunkener oder betrunkener kann keine Verantwortung für ein Kind übernehmen, ich habe auch versucht "abzupuffern", aber das war der falsche Weg. Das weiß ich heute.
Wichtig ist auch, die Wahrnehmungen der Kinder nicht in Abrede zu stellen, oder zu verharmlosen, das geht nach hinten los.
Habe ich auch selbst erlebt.
Ich würde meinem Kind sagen, das der Opa krank ist, mehr braucht es bei einem 3- jährigen sicher erst einmal nicht.
Wenn aber Fragen kommen sollten, dann in einfachen kindgerechten Worten erklären, auf keinen Fall belügen, das wäre in meinen Augen die schlechteste aller Möglichkeiten.
Möchtest du dich hier regelmäßig austauschen?


lg Morgenrot

SimKu
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Re: Enkelkinder und das Alkoholproblem

Beitrag von SimKu » 15.10.2018, 09:45

Halo Morgenrot,

vielen Dank für deine Antwort.
Im Grunde bin ich mir darüber bewusst, das ein alkoholisierter Mensch keine Verantwortung für ein Kind übernehmen kann. Das du die Wahrnehmung meines Kindes ansprichst finde ich sehr gut. Die wurde uns früher immer in Abrede gestellt und unsere Eindrücke wurden als kindlich übertrieben dargestellt, das möchte ich keinesfalls für meine Kinder. Ich weiß noch sehr genau, wie sich die ständige Unsicherheit, Angst und Hilfslosigkeit anfühlt, die man als Kind gegenüber des alkoholkranken Vaters hat.
Jedoch habe ich eben auch große Angst um meine Mutter, sie fühlt sich eh schon immer alleine gelassen von uns, teilweise sind wir sogar die Mitschuldigen für ihre Eheprobleme, da wir uns laut ihrer Aussage ja "nie" um ihre Probleme gekümmert haben. Ihr den Enkel zu entziehen, würde ihr den Boden unter den Füßen wegziehen und ein Ende unserer Beziehung bedeuten. Ich glaube aber, einen Mittelweg wird es nicht geben. Mein Vater ist uneinsichtig und meine Mutter in gewissem Maße auch.

An einem regelmäßigen Austausch bin ich ehr interessiert, insbesondere da du ähnliche Erfahrungen aus Sicht der Großeltern gemacht hast, das finde ich sehr bereichernd.
Herzliche Grüße

Morgenrot
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Re: Enkelkinder und das Alkoholproblem

Beitrag von Morgenrot » 15.10.2018, 23:48

hallo SimKu,

Die wurde uns früher immer in Abrede gestellt und unsere Eindrücke wurden als kindlich übertrieben dargestellt, das möchte ich keinesfalls für meine Kinder.
das gleicht dem, was ich erlebt habe sehr. Trotz allem bin ich die Falle getappt, weil ich meinen Kindern die "heile" Welt, die schon lange keine mehr, nicht nehmen wollte.
Deine Mutter wird Wege finden ihren Enkel zu sehen, da bin ich mir sicher, die habe ich auch immer gefunden, leider wohnen meine nicht gerade um die Ecke.
Ich habe aber immer Wege gefunden, weil ich es wollte. Ich war sogar immer mal ein paar Tage mit ihnen im Urlaub.
Lass dir keine Schuldgefühle einreden auch nicht von deiner Mutter, sie steht vielleicht unter starkem Druck und spürt ihre Hilflosigkeit, kann dem aber noch kein Handeln entgegensetzen.
So hab ich es zumindest meim lesen empfunden.

lg Morgenrot

Engel236
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Re: Enkelkinder und das Alkoholproblem

Beitrag von Engel236 » 29.10.2018, 18:24

Hallo SimKu,
Ich finde es echt gruselig, dass es überall gleich ist.
Ich stehe im Moment vor einer ähnlichen Entscheidung.
In meiner momentanen Wut tendiere ich aber dazu, den Kontakt ganz abzubrechen, auch zur Oma, weil sie ja selbst ganz „down“ ist in solchen Phasen.
Meine Kinder verstehen es überhaupt nicht, warum sie jetzt nicht mehr einfach zur Oma dürfen. Ich habe Ihnen auch erklärt, dass Opa krank ist und Ruhe braucht.
Möchte Ihnen aber auch nicht das zumuten, was mir als Kind zugemutet wurden ist.
Ich denke, wenn den Opas die Enkel wirklich wichtig wären, würden sie sich zumindest bemühen.
Ich fühle mit dir!

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