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Ich glaube an dem Ruin meines Vaters mitgewirkt zu haben

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Naii
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Ich glaube an dem Ruin meines Vaters mitgewirkt zu haben

Beitrag von Naii » 10.02.2019, 00:44

Hallo,
Ich war früher ein Co-Abhängiges Kind. Ich habe gedacht ich hätte meinem Vater helfen können, aber habe nur Ablehnung und Schläge bekommen als ich so viel für ihn gemacht hab. Letztes Jahr habe ich ihn nach seinem selbstmord in seiner Wohnung gefunden.

Er wusste, dass ich ihn besuchen kommen wollte. Er wusste genau dass ich ihn so finden würde.

Ich fühle mich jetzt schuldig. Meinetwegen hat er sich geschämt und wie ein Versager gefühlt. Meinetwegen war es einfach für ihn zu trinken. Ich habe ihm sozusagen gezeigt : ich mach das schon, sauf ruhig...

Wäre ich einfach stärker gewesen und nicht so dumm, könnte er vielleicht noch leben, dann hätte ich ihn nicht gefördert zu trinken durch meine Co - Abhängigkeit

Ich kann damit einfach nicht abschließen. Die Zeit nach dem Tod ist noch viel schlimmer, obwohl jetzt das ganze Theater vorbei ist

ideja
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Re: Ich glaube an dem Ruin meines Vaters mitgewirkt zu haben

Beitrag von ideja » 10.02.2019, 16:20

liebe Naii
tiefster Beileid!

DU BIST NICHT SCHULD

weder das dein Vater getrunken hat noch das er sich Leben genommen hat.

noch könntest du was ändern

überhaupt, im Tod könnte er an nichts anderes denken als an ihm selbst, sonst hätte er sich sicher zum anderen Zeitpunkt umgebracht, nicht wenn er wußte das du ihn findest.
das zeigt mir das dein Vater, vor allem, ein selbstsüchtiger Mensch war.

ich ärgere mich zutiefst dass er es geschafft hat mit seinem Tod so große Schuldgefühlen zu lassen.

hoffentlich, schreibt dir noch jemand der sich besser ausdrucken kann

ich umarme dich und schicke dir viele liebe Grüsse

ideja

Peter
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Re: Ich glaube an dem Ruin meines Vaters mitgewirkt zu haben

Beitrag von Peter » 12.02.2019, 22:32

Du bist nicht schuld am Tod deines Vaters. Jeder erwachsene Mensch trägt zuallererst die Verantwortung für sein Leben selbst. Aus deinen Worten liest sich, dass dein Vater es sehr gut verstand, andere für seine Situation verantwortlich zu machen. Nur selbst wollte und konnte er wohl keine Verantwortung übernehmen, weder für sich, noch für dich, sein Kind.
Er hat für sich entschieden, seinem Leben ein Ende zu setzen, dies war und ist sein Recht. Aber es ist nicht sein Recht, dass du dir nun Vorwürfe machst, es ist nicht sein Recht, dass sein Freitod dein Leben so negativ beeinflusst.

Schreibe einen Brief, in dem du deinem Vater alles schreibst, was du ihm noch gerne sagen würdest. Dann nimm diesen Brief, geh irgendwo raus in die Natur, mach ein kleines Feuer, lies den Brief laut vor und wirf ihn dann in das Feuer. Der Rauch und die Asche des Papiers werden nach oben steigen. Mach dir bewusst, dass so deine Worte dahin fliegen, wo dein Vater nun ist und das sie ihn erreichen.
Und dann sag dir ganz klar, dass dadurch die ganze Verantwortung von deinen Schultern zurück zu ihm selbst gegangen ist.
Und dann fange an, dein Leben zu leben, nur deins, denn seines ist vorbei. DU aber lebte, lebe so, dass es dir gut tut und gut geht. Ich wünsche dir, dass du das schaffst. DU bist es wert.

Liebe Grüße,

Peter

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