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Meine Mama

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Aileen
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Beitrag von Aileen » 11.12.2006, 11:53

Hallo liebe Britta,

oh Mann - das hört sich ja alles nicht gut an! Ich bin zwar kein Psychologe oder Mediziner, aber für mich hört sich das auch so an, als ob deine Mutter bereits mit dem Leben abgeschlossen hat!

Auch wenn es schwer fällt - ich würde versuchen sie NICHT stündlich anzurufen. Vielleicht kannst du die Anrufe ja auf morgens (um ihr einen guten Morgen zu wünschen und zu fragen wie die Nacht war) und abends (um ihr eine Gute Nacht zu wünschen) beschränken?

Liebe Britta, ich weiß, es ist schwer! Ich sehe meinem Vater z. Z. beim langsamen Sterben zu. Aber bitte versuche dich - in deinem eigenen Interesse und dem deiner Familie - etwas abzugrenzen. Ich weiß, leichter gesagt als getan, aber so wie es sich anhört will und kann deine Mutter nicht mehr. Akzeptiere ihre Entscheidung.

Welche Rolle spielt der LG deiner Mutter in der Familie? Wie steht er denn zu allem? Hält er dich auf dem Laufenden?

Ich hätte dir gerne aufmunterndere Wort geschrieben, aber was bringt es, wenn ich schreibe: Alles wird gut! Du weißt ja selber, dass das nicht stimmt.

Wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit.

Liebe Grüße

Aileen

dorothea
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Beitrag von dorothea » 11.12.2006, 14:22

hallo britta

lass dich mal virtuell drücken, du bist in einer sch... situation, das ist mal klar.
du mußt einsehen das es wirklich zu spät ist, das sage ich dir auch als krankenschwester, die symthome die du beschreibst sind eindeutig, das weiß deine mutter sehr genau und deshalb will sie nicht mehr ins kh denn ihr kann keiner mehr helfen.
ich würde dir gern was anderes schreiben, aber das wäre gelogen und du würdest dich an hoffnungen klammern die nicht existieren.
was du noch tun kannst ist ihr ihre letzten tage so angenehm wie möglich zu gestallten, nerv sie nicht, sie weiß das es zu ende geht.
schreib du dir hier deine wut deine traurigkeit von der seele, deine hilflosigkeit verstehe ich sehr gut, du kannst aber wirklich nichts mehr tun. sowas und dann noch zu weihnachten erleben zu müssen ist grausam. versuch dich mit deinen kindern abzulenken, geh mit ihnen raus, vielleicht auf den weihnachtsmarkt damit du nicht ständig grübeln mußt. du bist in einer sehr harten situation, die du aber einfach ertragen mußt, du kannst nichts tun, so leid mir das für dich tut. weine wenn dir danach ist und schreibe hier, das erleichtert etwas.

ich drück dich ganz fest doro

lavendel
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Beitrag von lavendel » 11.12.2006, 15:09

hallo britta,

auch ich drücke dich mal virtuell und kann mich doro nur anschliessen. DU kannst garnichts machen, du kannst nur versuchen, dich abzulenken.

vielleicht könntest du ihr eine art abschiedsbrief schreiben, wenn dich das erleichtert, all das sagen, was du ihr immer schon mal sagen wolltest, auch dass du sie liebst, trotz allem (das entnehme ich jedenfalls deinen zeilen).

und zu deiner frage, ob du etwas falsch gemacht hättest oder es hättest ändern können: NEIN. kein mensch kann einen alkoholiker vom trinken abhalten, wenn der nicht will, und schon garnicht die eigenen kinder. deine mutter ist eine erwachsene frau und hätte schon längst, schon vor 20 jahren, schritte ergreifen können, wenn sie gewollt hätte. sie wollte aber nicht. und daran hättest weder du noch irgend ein anderer mensch etwas ändern können, hörst du? KEINER! du hast KEINE verantwortung für das, was da passiert (ist).

ich hab meinen vater auf ähnlich jämmerliche weise verloren wie du, und auch meine mutter ist (allerdings jetzt trockene) alkoholikerin, deshalb kann ich mich gut in dich hineinfühlen. und ich kann dir nur sagen: du bist nur für dein leben verantwortlich. sieh zu, dass du mit deiner eigenen familie ein schönes leben hast. das ist das wichtigste!

liebe grüße

lavendel

Aileen
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Beitrag von Aileen » 11.12.2006, 19:23

Hallo Britta,

ich nochmal :D

Ich finde Lavendels Vorschlag mit dem Brief richtig gut! Du schreibst dir alles - direkt an deine Mutter gerichtet - von der Seele und kannst dann nach Fertigstellung immer noch entscheiden, ob du ihn deiner Mutti gibst oder nicht!

Ich habe mich auch manchmal gefragt: Hätte ich beim letzten Entzug ernergischer sein müssen? Hätte ich meinem Vater weitere Optionen aufzeigen müssen? Häte ich mehr da sein müssen? Die Antwort ist immer NEIN! Was ich für meinen Vater jetzt noch tun kann, tue ich! Ich schaffe ihm einen vernünftigen Lebensraum, beauftrage Menschen, die ihm bei der Körper-/Wohnungspflege helfen und meine Schwester und ich haben auch bereits über "das Ende" gesprochen.
Wenn mein Vater nicht plötzlich zu Hause stirbt und die Ärzte sagen, dass nichts mehr zu machen ist, wird er in ein Hospiz kommen. Dort ist er nicht allein (die Familie kann ja nicht 24 h am Krankenbett sitzen) und ich weiß von einem Freund, dessen Mutter auch aufgrund ihrer Alkoholkrankheit gestorben ist, dass es dort für die Angehörigen auch "schön" (soweit man schön sagen kann :( ) und angenehm gestaltet wird.

Gibt es denn eine Möglichkeit, dass du den behandelnden Arzt aufsuchst und ihn um Auskunft bittest? Ein Versuch ist es - trotz Schweigepflicht - vielleicht wert!

Nochmals alles Gute und ganz viel Kraft für den steinigen Weg, der jetzt noch vor dir/euch liegt!

Liebe Grüße

Aileen

lavendel
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Beitrag von lavendel » 15.12.2006, 10:50

hallo britta,

gib doch mal laut, wie es dir/euch geht...

gruß

lavendel

witchalert
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Beitrag von witchalert » 15.12.2006, 14:11

Hallo Britta,
auch meine Mutter war in einer ähnlichen Situation. Sie ist vor 8 Wochen gestorben. Auch ich habe viele viele Krankenhausbesuche mitgemacht und immer wieder gehofft und begangt ob es wieder gut geht. Bei ihrem letzten Aufenthalt von fast 6 Wochen im Krankenhaus hat meine Schwester mit dem Oberarzt gesprochen und der hat ihr ausführlichst die Situation geschildert und erklärt. Wir wußten beide das die Diagnose katastrophal war und nur mein Vater (der ist jetzt 84) wollte es erst gar nicht wissen. Als sie nochmals nach Hause kam, war er nur glücklich das sie nicht mehr im Krankenhaus war. 2 1/2 Wochen später ist sie dann gestorben. Sie war nur noch Haut und Knochen und es war nur ihr überstarker Wille der sie so lange am Leben erhalten hat. Vor 4 Jahren war es schon schwer ganz loszulassen und zu akzeptieren, das sie von dieser Sucht nicht lassen kann und einfach so weiter macht wie viele Jahre zuvor. Sie hatte immer tausend Ausreden warum sie jetzt was Trinken muß. Und sie kam damit viele Jahre durch. Jeder hat ihr geglaubt. Der Hinweis, die Bitten, was auch immer damit aufzuhören, das hat sie einfach nicht interessiert. Und erst jetzt kommen meine Schwester und ich drauf das dies bereits in unserer Kindheit begonnen haben muß. Das schwerste daran ist und war zuzuschauen wie sich ein Mensch, der einem ja nicht gleichgültig ist, mit dieser Sucht tötet. Das kam mir vor wie Selbstmord auf Raten. Da sie aber die ganze Familie (meinen Vater, mich und meine Schwester) immer mit vielen Worten beschimpft und runtergemacht hat, war es nicht ganz so schwer loszulassen. Sie einfach mit meinem Vater allein zu lassen und abzuwarten was passiert. Ich habe mich schon immer wieder erkundigt wie es ihr geht. Aber das dauerte dann Stunden. Weil sie hat sich komplett in den Mittelpunkt gespielt und nur bei ihr ist es so schwer. Und nur ihr passiert alles mögliche.
Den Vorschlag mit dem Brief finde ich auch sehr gut. Ich habe angefangen ein Buch zu schreiben mit lauter kleinen Kapiteln.
Ich freue mich, wenn Du mir schreiben magst, wie es Dir jetzt geht.

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