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Wie schafft ihr das???

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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lavendel
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2410
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Beitrag von lavendel » 13.12.2006, 15:26

hallo monsi,

ich glaube nicht, dass irgendwer das problem alkoholismus "locker" sieht. ich kann mir vorstellen, dass dir vielleicht vieles abgeklärt vorkommt, was hier geschrieben wird. das mag aber daran liegen, dass sich vielleicht mancher damit abgefunden hat, dass man als angehöriger nichts tun kann, seine eigene hilflosigkeit erkannt hat, sich abgegrenzt hat... ich kann heute auch ziemlich emotionslos über die "alkoholikerkarrieren" meiner eltern schreiben - das hat aber nichts mit "locker" zu tun. ich stecke nur nicht mehr mittendrin, wie du.

glaub mir, die wut, die enttäuschung, die hilflosigkeit, die du jetzt fühlst, die kennen wir alle. auch wenn sie momentan aus verschiedenen gründen nicht mehr so verzweifelt präsent ist. da musst du schon zwischen den zeilen lesen und genau hingucken :wink: .

lavendel

josu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 117
Registriert: 23.09.2006, 19:05

Beitrag von josu » 13.12.2006, 15:33

Hallo Monsi

vllt hast du ja schon meine Beiträge bezgl. meines Vaters gelesen, und beziehst dich darauf, dass ich so kühl reagieren kann und alles so nüchtern sehe. Das liegt jedoch daran, dass meine Vater schon seit meiner Kindheit trinkt, ich ihn gar nicht anders kenne, und mir auch keine Hoffnung mehr mache, dass er jemals aufhören wird zu trinken.

Bei dir ist es vllt. etwas anders, da du schreibst, dass dein Vater "erst" seit vier Monaten trinkt. Ich würde an deiner Stelle mal mit ihm reden, ihm ehrlich sagen, was du von seiner Trinkerei hälst und dass du dir Sorgen um ihn machst. Das ist manchmal wichtig und gibt deinem Vater vllt, das Gefühl, dass er nicht allein mit seinen Sorgen ist.

Ich wünsche dir und deinem Vater alles Gute

Josu

Meni

Beitrag von Meni » 13.12.2006, 18:39

Hallo Monsi,

damit hier aus Deinem Thread keine Wortklauberei wird, stelle ich einfach mal anheim, dass Du mit "locker" eigentlich "offen" meinst.

Du schreibst, dass Dein Vater seit vier Monaten "wieder" trinkt - hat er denn vor dem Tod Deiner Mom schon getrunken?

Dein Vater fühlt sich mit der Situation möglicherweise überfordert und kann nicht so für Dich da sein, wie Du es in dieser Situation wirklich brauchst. Hast Du Menschen, die Dir nahe stehen, denen Du Dich anvertrauen magst? Menschen, die Deinem Vater vielleicht auch nahe rücken dürfen?

Ganz liebe Grüße

Meni

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 13.12.2006, 18:42

Hallo Monsi,

ich kann mich den anderen auch nur anschließen. Auch mich hat es Jahre lang bewegt und gedanklich fertig gemacht, wie ich meinen Vater dazu bewegen könnte, den Alkohol sein zu lassen. Als ich merkte, dass er sich nicht helfen ließ, wollte ich zumindest meiner Mutter helfen, ihr aufzeigen, dass es Wege aus dieser Problematik gibt. Aber sie hat sich dazu entschlossen, bei ihm zu bleiben bis zum Ende. Sie sieht ihre eigenen Chance darin, dass er bald verstirbt und ihre Zukunftspläne basieren einzig auf seinen Tod. Demnach habe ich auch in dem Bereich resigniert.

Locker gelassen hat es mich viele, viele Jahre nicht...eigentlich im Prinzip bis zum Eintritt in dieses Forum hier. Erst hier wurde mir richtig bewusst, dass ich meinen Eltern nicht helfen kann, wenn sie selbst nicht einsehen, dass sie Hilfe benötigen.

Und seitdem geht es mir wesentlich besser. Ich habe eine Liste erstellt mit Dingen, die sich ändern werden. Und ich habe angefangen meine Geschichte aufzuschreiben. Nicht, um diese eines Tages zum Bestseller zu machen, sondern eigens für mich, um mich zu befreien.

Heute z.B. sagte ich zu meiner Mutter klipp und klar, dass ich mich nicht mehr von den Launen und Bestimmungen, etc meines Vaters einlullen und mein Leben von ihm bestimmen lasse, sonern leben werde, wie ICH es möchte. Die Reaktion meiner Mutter war lediglich ein kurzer Seufzer, nach dem Motto "Wenn Du meinst, dass Dir das etwas bringt."

An Deiner Stelle würde ich nochmal in aller Deutlichkeit mit Deinem Vater reden. Sage ihm, dass Du Dir Sorgen machst...vielleicht hilft es bei ihm ja....

Ich drücke Dir die Daumen

Kerstin

lavendel
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Beitrag von lavendel » 13.12.2006, 20:31

hallo monsi,
monsi81 hat geschrieben:Hallo zusammen,

erstmal vorweg, ich wollte hier niemanden Angreifen, mit meiner Aussage das ihr es so locker seht :oops: , mit locker meine ich schon alleine das ihr hier in der "Öffentlichkeit" darüber redet, bei uns zu Hause war das immer ein Thema über das man nicht reden darf, dies wurde mir schon seit meiner Kindheit von meiner Mutter so beigebracht.
schon klar :wink: . weißt du, ich denke, dass ganz viele soooooo froh sind hier offen schreiben zu können, dass all das mal raus kann von dem man immer meinte, man sei allein. als ich noch jugendliche war fand ich das ganz furchtbar, mit niemandem reden zu können, und als ich dann meinen ersten freund hatte und wir nach vielen drucksereien festgestellt haben, dass wir das gleiche problem hatten, nämlich trinkende eltern, waren die schleusen offen zum reden. und ich denke, ganz ähnlich ist das hier. gerade jugendliche kinder von alkoholikern können endlich mal all die katastrophen und gefühle rauslassen, halböffentlich, aber eben nur halb. und ich denke, das hilft allen. dir auch. du bist nämlich nicht allein :D

lavendel

Frozen Tears
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Beitrag von Frozen Tears » 14.12.2006, 01:50

Bei mir ist es so, dass ich mittlerweile mein eigenes leben lebe und genügend Abstand habe zu dem was einmal war. Mein vater ist allerdings auch seit langer zeit trocken.
Dennoch kann ich mcih ncoh genau an die Situation erinnern, wie es früher war und dass man nur damit umgehen kann, wenn man abstumpft oder sich zurück zieht. Eben weil man keinen Einfluß hat auf die Situation.
Anders als meine Mutter hatte ich ja nicht vor mein leben lang mit meinem alkoholkranken Vater auszuharren. ich habe nur die Tage gezählt bis ich ausziehen konnte.
Wenn man noch selebr in der Situation steckt ist es keines Falls locker. Ich bin ja auch als Kind da so reingeschlittert und mir war es nie bewußt, dass es sich um eine Krankheit handelt , sondern habe es nur als äußerst mieses Verhalten meines Vaters gesehen, dass auf seine Sauferei zurückzuführen ist, an der er ja selber Schuld ist. So hab ich das als Kind gesehen. Richtig bewußt war mir da noch nichts. Mein Vater hat auch einen oder auch zwei Selbstmordversuche hinter sich und wäre auch beinahe dabei drauf gegangen, hätten wir ihn nicht rechtzeitig gefunden.
Das war ein Schock für mich und ich fand es gemein, dass unser Vater ernsthaft vorhatte uns im Stich zu lassen. es gab auch nie ein Gespräch darüber und immer stellte ich mir die Frage nach dem warum.
Als Kind wird man mit alledem so allein gelassen. Und das erklärt vielleicht auch, dass man dann später etwas abgeklärter darüber reden kann. Irgendwann fragt man sich auch selber- was hätte einem selber auch alels zustoßen können. was haben die Eltern überhaupt für ein getan. Was haben sie alles versäumt zu tun, was sie hätten tun müssen.
Klar gehen da Gefühle bei drauf, sonst könnte man damit nicht leben.
Ich möchte meine Jugend kein zweites Mal erleben.

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