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Ab wann ist Schluß?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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lisa85
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 16.12.2006, 18:08

Ab wann ist Schluß?

Beitrag von lisa85 » 16.12.2006, 19:44

Hab vor kurzem das Alkoholikerforum entdeckt. Interessant und traurig zugleich mal Erfahrungen von anderen Leuten zu Lesen.

Bin derzeit vollkommen überfordert und weiß nicht mehr weiter!

Mein Vater ist Alkoholiker seitdem ich denken kann, und wurde leider auch regelmäßig agressiv. Meine Mutter war das Ventil für seine Wut. Uns Kinder hat er nicht angegriffen. Psychoterror gab es aber genug (hat uns nicht erkannt, und aus der Wohnung geworfen, mitten in der Nacht geweckt, um mit uns Gespräche zu führen usw. )....war tägliches Programm. Meine Mutter hat sich schlußendlich von ihm getrennt.

Er war tief unten und hat sich dann aber eingestanden, dass er Alkoholiker ist, eine Theraphie angefangen und eine Frau kennengelernt. Danach war er sechs Jahre lang trocken (2 kurfristige Rückfälle). Seine Frau hat ihm immer wieder geholfen und sich letztendlich auch scheiden lassen. Hab diese Sachen aus meiner Kindheit auch relativ gut verarbeitet und als älteste Schwester viel mit meiner Mutter darüber gesprochen.

Seine Frau hat sich vor kurzem scheiden lassen.
Hab ihn vor ein paar Monaten ins Theraphiezentrum gefahren und (wieder mal) meine ganze Hoffnung in ihn gesteckt. Er hat wieder angefangen. Ich bin derzeit eine wichtige Bezugsperson für ihn er ruft mich sehr oft an. Alte Erinnerungen kommen wieder hoch. Ich werde wieder zum Kind, dass zu allem was der Vater im Rausch von sich gegeben hat Ja und Amen sagt. Ich kann ihm mit meinen 21 Jahren nicht mal in Gesicht sagen:" Du hast getrunken, ich will nicht mit dir sprechen" Er droht mit einem Suicidversuch... Ruft immer wieder an. Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ich liebe meinen Vater über alles, er ist im nüchternen Zustand ein intellegenter, witziger und liebenswürdiger Mann. Jetzt kommen die Weihnachtstage. Er will, dass wir (Kinder) zu ihm kommen. Er will nicht alleine wohnen fühlt sich einsam.

Weiß nicht was ich tun sollen, muss ich ihm mit seiner Alkoholsucht konfrontieren. Einmal up einmal down, hin und her, trocken nicht trocken. Fühl mich total ausgesaugt. Muss mich um mein eigenes Leben kümmern.
Was soll ich tun? Fallen lassen? Unterstützen?
Würde mich freuen über ein paar Ratschläge und Erfahrungsberichte. Wie gehe ich in der jetzigen Situation mit "ihm" um. Danke im Voraus

lg lisa

Teaser

Beitrag von Teaser » 16.12.2006, 22:26

Hallo lisa,

du hast das Wichtigste schon selbst geschrieben:
Muss mich um mein eigenes Leben kümmern
Genau richtig!

Du liebst ihn über alles, na gut. Aber auch wenn Du jemanden liebst hast Du das Recht wütend auf ihn zu sein. Und ich denke Du hättest ALLEN Grund dazu! Der Kerl "mißbraucht" Dich! Er zeigt keinerlei Respekt vor Dir als eigenständiger Persönlichkeit. Er kümmmert sich einen Dreck um Deine Grenzen! "Droht mit Suicid", wenn ich sowas höre. Lass Dich nicht erpressen und manipulieren. Kümmere Dich um Dich selbst, er macht es bestimmt nicht!
Du solltest Dir erstmal selbst bewusst machen, wo Deine Grenzen sind. Und dann sehr sorgfältig darauf achten ob und wann sie mißachtet werden. Verteidige sie! Du hast das Recht dazu und Du bist es Dir schuldig!
Lies Deinen eigenen Text nochmal. "Er will..., er will nicht..., er droht....", was macht der mit Dir?
Denk mal drüber nach....

LG
Teaser

Dante
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Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Beitrag von Dante » 17.12.2006, 00:33

Hallo Lisa & willkommen im Forum,

den Begriff Coabhängigkeit hast du sicher schon gehört oder hier im Forum gelesen. Obwohl ich selbst Alkoholiker bin & keine Co´s in meinem Umfeld habe, glaube ich dir doch einiges schreiben zu können.
Dein Vater ist sich seiner Alkoholkrankheit bewusst. Ihn damit zu konfrontieren macht also so wenig Sinn. Was du tun könntest, ist von ihm konsequent Nüchternheit zu fordern, sollte er auf deine Anwesenheit oder die deiner Geschwister Wert legen. Auf keinen Fall ist es vernünftig, zu ihm zu ziehen oder auch nur längere Zeit bei ihm zu verweilen. Die ständigen Anrufe, die Suizidandrohung, all das sind ganz klassische Methoden eines alkoholkranken Menschen, den sozialen Kontakt nicht zu verlieren & trotzdem seiner Sucht weiter unbeeinflusst weiter nachgehen zu können. Du schreibst ja selbst, dass du dich völlig ausgesaugt fühlst & dich um dein eigenes Leben kümmern musst. Eine räumliche Bindung an deinen Vater würde deinen dir selbst sehr unangenhmen Zustand noch erheblich verschärfen....ohne ihm wirklich damit zu helfen.
Also: Weihnachten nur ein Tagesbesuch zusammen mit all deinen Geschwistern & auch nur, wenn er nüchtern ist! (plant unter euch Geschwister eine Rückfallebene, falls euer Vater wider seinem Versprechen angetrunken sein sollte, in diesem Fall dürft ihr nicht bei ihm bleiben). Macht ihm klar, was du hier schon angedeutet hast: Ihr müsst euch um euer eigenes Leben kümmern. Sprecht euch Geschwister auf jeden Fall gründlich ab!
Dein Vater hat schon eine Therapie gemacht & weiß um die Möglichkeiten, wie man Verwandtschaft in seinen Suchtalltag einbindet, einschließlich der üblen Folgen, die es für einen Coabhängigen da gibt.
Lass dich, lasst euch nicht einfangen resp. befreit euch tunlichst davon wieder! Ihr tut ihm keinen Gefallen & euch nur schlechtes an.
Lese bitte die Threads hier im Forum-Alkoholiker im Bereich Coabhängigkeit & suche eine kompetente Beratungsstelle auf (Caritas, Diakonisches Werk z.B.).

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