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Mein Vater bringt sich auf Raten um

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Cherlindrea
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 22.12.2006, 21:36

Mein Vater bringt sich auf Raten um

Beitrag von Cherlindrea » 22.12.2006, 21:46

Hallo Leute!
Ich bin völlig fertig. Heute ist wieder einer der Tage wo ich selbst kurz davor bin meinem Leben ein Ende zu setzen.

Ich bin 30 Jahre alt. Mein Vater ist seit ich denken kann Alkoholiker. Er hat zwei Entzüge hinter sich. Nach dem ersten war er zwei Jahre lang trocken. Den letzten hat er vor ein paar Wochen gemacht, weil er operiert werden sollte und drei Wochen ins Krankenhaus musste. Er hat wirklich gedacht, er kann die Ärzte für dumm verkaufen und die würden nichts merken. Jedenfalls ist mein Vater nicht nur Alkoholkrank sonder auch Schmerzmittelsüchtig. Er hat Jahre lang Tramadol genommen und dazu Alkohol getrunken. Mein Vater hätte fast ein kleines Kind überfahren, weil er beim Autofahren dicht war.

Inzwischen ist er operiert, bekommt andere Schmerzmittel und ist aggressiv ohne Ende weil der Arzt sich weigert ihm weiterhin Tramadol zu verschreiben. Auf jeden Fall hat er jetzt wieder angefangen zu trinken, weil er glaubt, dass dann die starken Schmerzmittel noch stärker wirken.

Heute abend hat er die Quittung bekommen. Er hat sich die Seele aus dem Leib gekotzt und kann jetzt kaum noch kriechen vor Schmerzen und Übelkeit. Aber das erste war, er hat sich ein Bier aufgemacht um den ekligen Geschmack runterzuspülen.

Meine Mutter ist keine große Hilfe. Sie unterstützt meinen Vater in allem was geht. Ihr ist es egal, dass mein Vater ihr fast ins Essen kotzt weil er so viel gesoffen hat, dass sich sein Magen umdreht.

Ich bin wirklich fertig. Mein Vater schnauzt uns nur noch an. Er sucht Streit mit mir und ich kann ihm nicht entkommen, weil meine Eltern bei mir im Haus mit wohnen. Ich kann sie ja nicht vor die Tür setzen.

Was soll ich tun? Ich dachte, durch den Klinikaufenthalt wird es besser. Aber es ist nur noch schlimmer geworden.

Wer kann mir sagen wie ich mich verhalten soll? Ich muss inzwischen schon Beruhigungstabletten nehmen, damit ich nicht ständig einen Nervenzusammenbruch habe.

Vielen Dank für eure Hilfe!

Liebe Grüße
Cherlindrea

Whitewolf
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1126
Registriert: 03.09.2006, 19:11

Beitrag von Whitewolf » 22.12.2006, 22:09

Hallo Cherlindrea,

herzlich Willkommen bei uns im Forum. Der Nickname hört sich sehr interessant an, ist das eine Zusammenstellung?

Aber deswegen bist Du nicht hier.

Ich kann mir nicht vorstellen, das Ihr solche extremen gesundheitlichen Einbrüche ertragen müsst. In dem von Dir geschilderten Fall hätte ich einen Notarzt alarmiert.
Ab einem gewissen Punkt müssen solche Entscheidungen abgenommen werden. Zumindest kann man dem Arzt sagen worum es geht, die entscheiden dann schon ob Sie kommen.
Aber das das mit den Tabletten und dem Alkohol nichts wird ist klar und das ist Eigengefährdung.

Ich würde mich an Deiner Stelle evtl. mit Deiner Mutter zusammen mal an eine Beratungsstelle wenden und den Fall schildern.
Er braucht eine neue Therapie und zwar Alkohol und Medikamentenbezogen.

Wenn er sich nicht helfen lassen will, setzt Du ihn vor die Tür.

Dann brauchst Du auch keine Medikamente mehr und Deine Nerven können sich erholen.

Er scheint ein knallharter Vertreter zu sein, gibt auf seine Gesundheit null und macht Dich nervlich kaputt.
Da sind harte Bandagen gefragt, mit "Bitte " kommst Du da nicht weiter.

Viele Grüsse

White

lavendel
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Beitrag von lavendel » 22.12.2006, 22:10

hallo cherlindrea,

zuerst einmal willkommen hier im forum.

blöde situation, in der du da steckst. aber wie du sicher weißt, kann deinem vater niemand helfen, außer ihm selbst. er muss etwas ändern wollen an dieser situation, ansonsten könnt ihr nichts für ihn tun.

darf ich fragen, warum du dich da so reinhängst? du schreibst, du seist dreißig. ok, ihr wohnt in einem haus, aber kannst du dich da nicht ein bisschen weiter abgrenzen? du bist doch in einem alter, in dem man sein eigenes leben lebt. natürlich nimmt es ein "kind" immer mit, wenn es den eltern schlecht geht (meine mutter ist alkoholikerin, ich kenne das), aber kinder müssen sich auch abgrenzen. mir ging es auch erst besser, nachdem ich einen rdikalen schnitt mit meiner mutter gemacht habe und nur noch umgang pflege, wenn sie nüchtern ist.

kannst du nicht mit einer freundin reden, wenn du jetzt so aufgewühlt bist? oder vielleicht mal woanders schlafen? dich irgendwie aus der mitte des geschehens herausbringen?

gruß

lavendel

dorothea
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Beiträge: 8026
Registriert: 26.08.2006, 18:37

Beitrag von dorothea » 22.12.2006, 22:16

hallo cherlindrea

wenn dein vater nicht selbst sein problem erkennt und von sich aus etwas unternimmt sind dir die hände gebunden, das ist leider so.
du schreibst das du so fertig bist das du fast nicht mehr leben willst, kann diese gefühle zwar verstehen, frage dich aber trotzdem, und dann??
was hindert dich daran dich von deinem vater zu befreien, warum kannst du sie nicht rausschmeißen, stattdessen besser dein leben wegwerfen?? du bist nicht sein eigentum, er hat kein recht dein leben zu zerstören. kannst du evtl ausziehen?? schreibe das doch mal auf, vielleicht fällt dem einen oder anderen was ein.

gruß doro

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 22.12.2006, 23:00

Hallo,

zunächst auch einmal ein herzlich Willkommen in der Gruppe.

Ich hatte auch mal mit dem Gedanken gespielt, dem Leben (meinem) ein Ende zu bereiten. Damals war ich 13, wusste dass mein Vater Alkoholiker war und sich nicht helfen lässt, dass meine Mutter nichts ändern wird und zudem kam auch noch dazu, dass ich aufgrund der gesamten Situation und Problematik zum Außenseiter wurde und unter argem Mobbing zu leiden hatte... . Es war wirklich extrem. Ich wusste auch schon, wie ich es tun wollte.....doch dann kam das ABER: Gut, ich hätte mich umbringen können, doch was hätte ich davon gehabt? Während ich in der Kiste unter der Erde vermoderte, hätten die anderen gewonnen, über mein Schicksal zu entscheiden.
Und das wollte ich nicht tun. Und ich bin froh, dass ich es damals nicht getan habe. Demnach kann ich Dir nur raten: tue auch Du es NICHT !!!
Deine Eltern leben mit in Deinem Haus ? Was hindert Dich daran, Deinen Vater vor die Türe zu setzen. Deine Mutter scheint absolut coabhängig zu sein - wie meine Mutter. Sie tut NICHTS dagegen, sehnt sich seinen Tod herbei und schmiedet Pläne, die sie nach seinem Ableben in die Tat umsetzen möchte. Was ist das für ne Auffassung ???
Ich musste auch erst lernen, wirklich mein Leben zu leben wie ich es wollte, habe schon für einiges an Ärger gesorgt (eine Schande, dass ich z.B. mit 20 am WE erst um 1 Uhr aus der Disco kam - Disco an sich war eh Seltenheit), aber mittlerweile ist es mir egal. Soll er machen was er will, soll auch meine Mutter NICHTS tun, wie sie will.
Ich weiß nur eines, Rücksichtnahme ist hier absolut fehl am Platze, wie auch in Deinem Fall.
Sag Deinem Vater, wenn er nüchtern ist, dass er sich ne andere Bleibe suchen kann, wenn er getrunken hat, aber dass Du ihn bei Dir aufnimmst, wenn er nüchtern ist.
Klare Worte (die meine Mutter leider nie finden wird, egal wie oft ich auf sie eingeredet habe) müssen hier folgen... .

Tue es für Dich !!! Was ist das für ein Leben, dass die Kinder für die Krankheit Ihrer Eltern Medikamente nehmen müssen ???

@ doro:
Der Satz ist klasse und absolut zutreffend !!!

Cherlindrea
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 22.12.2006, 21:36

Beitrag von Cherlindrea » 23.12.2006, 09:56

Hallo!
Vielen Dank für eure Antworten.

Wenn ich gestern Abend den Notarzt gerufen hätte, dann wäre meine Mutter wahrscheinlich an die Decke gegangen. Wie gesagt, sie trägt meinem Vater den A... nach und buckelt vor ihm. Einerseits sagt sie selbst, dass er sich von ihr aus totsaufen soll, andererseits sagt sie immer, er hat doch Schmerzen und ihm geht es doch schlecht und wir müssen Rücksicht nehmen.

Ich habe gestern abend mit meinem Freund telefoniert und beschlossen, dass ich das Haus verkaufen werde und mit ihm zusammenziehe. Er wohnt 65 Kilometer weit weg und wir werden uns auf der Hälfte eine Wohnung nehmen. Weit weg von meinen Eltern.

Ich muss endlich mal wie ihr sagt einen Schnitt machen. Werde am Anfang auch den Kontakt radikal reduzieren und dann mal schauen wie die beiden ohne mich klar kommen.

Im Moment benutzen sie mich nämlich als Sklavin. Ich komme von der Arbeit nach Hause (nach 9 Stunden) und dann muss ich noch mal zur Apotheke fahren, oder etwas einkaufen, oder oder oder. Wenn ich den Satz "Wir müssen dann mal ..." schon höre, kriege ich einen Hass und kann meine Wut kaum unterdrücken. Zumal ich weiß, dass das heißt "Du musst mal machen".

Ich bin wirklich fix und fertig. Und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr nach meinem Auszug endlich mal zur Ruhe komme. Wie konnte ich meine Eltern auch nur wieder aufnehmen? Ich muss geistig umnachtet gewesen sein. Leider bin ich aber einer dieser Menschen, die immer Mitleid haben und immer Helfen wollen.

Das mit dem Aussenseiter und Mobbing kenne ich übrigens auch. Erst als ich meine Freundin Stephie kennengelernt habe, habe ich gemerkt dass vieles was ich tue mit der Alkoholsucht meines Vaters zusammenhängt.

Zum Beispiel habe ich ohne es wirklich zu merken, immer darauf geachtet wie viel ein Mann in meiner Gegenwart trinkt. Und wenn es mehr als zwei Bier wurden, dann war die Geschichte für mich gelaufen. Ich ekel mich regelrecht vor Betrunkenen und kann selber nichts anrühren. Mehr als ein Schnaps nach dem Essen ist nicht drin. Erst Stephie hat mich darauf hingewiesen als sie das von sich selbst erzählte.

Inzwischen kann ich halbwegs damit umgehen, wenn ein Freund oder eine Freundin in meiner Gegenwart trinken. Aber das musste ich auch erst lernen.

Bis jetzt ist jede Beziehung von mir nach einem Jahr gescheitert. Ich habe schon gedacht ich bin Beziehungsunfähig, aber erst mein jetziger Freund hat mir gezeigt, dass es nicht an mir liegt.

Ich finde es super, dass man hier mal mit Leuten reden kann die ungefähr das gleiche durchmachen oder durchgemacht haben.

Nach Weihnachten muss ich wieder zu meinem Hausarzt. Dann werde ich mit dem nochmal über meinen Vater reden. Vielleicht kann er ihn in eine Klinik einweisen. Ich bin am Ende meiner Kräfte und muss jetzt schauen dass ich mir nicht auch noch Weihnachten verderben lasse.

Vielen Dank für eure Unterstützung!

Liebe Grüße
Cherlindrea

(Der Name kommt aus dem Film/ Buch "Willow")

Skye

Beitrag von Skye » 23.12.2006, 11:20

Hallo Cherlindrea,

sein eigenes Leben zu beenden, weil andere mit dem ihrem nicht klarkommen, kann nicht die Lösung sein. Auch wenn es sich um die eigenen Eltern handelt. Ich denke auch nicht, dass das wirklich Deine Absicht war oder ist, sondern das Du mit Deiner Hilflosigkeit und dem Druck nicht mehr klarkommst. Bei der Sinnlosigkeit die Du dadurch in Deinem Leben fühlst, sind solche Gedanken schon fast normal. Ich kenn das..

Mir geht es ähnlich wie Dir, meine Mutter trinkt seit Jahren, denkt keiner merkt etwas, ins Krankenhaus geht es nur noch, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, alle Krankheiten haben selbstverständlich andere Ursachen und mein Vater steht resignierend und hilflos daneben. Sein Mittel der Wahl mit dieser Situation umzugehen ist Verdrängung, bei Deiner Mutter scheint es mir ähnlich zu sein.

Dich räumlich zu trennen ist schon einmal ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber das allein wird nicht reichen. Ich wohne schon seit vielen Jahren nicht mehr mit meinen Eltern zusammen und habe trotzdem immer hervorragend funktioniert. Eine kleine Andeutung und schon stand ich parat. Du musst Dich auch emotional abgrenzen, wenn es Dir besser gehen soll.

Deine Eltern können Dich nur zur Sklavin machen, wenn Du es zulässt. Sie müssen nur Andeutungen machen und schon funktionierst Du ganz wunderbar. Warte doch einfach einmal ab, bis sie Dich wirklich bitten, etwas zu tun. Bis sie fragen, ob Du etwas für sie erledigen kannst. Dann kannst Du entscheiden, ob Du das wirklich möchtest. Du hast jedes Recht auch einmal nein zu sagen. Das ist anfänglich sehr schwer und das schlechte Gewissen folgt auf dem Fuß, das kenne ich sehr gut. Doch es hilft, der Effekt ist ganz enorm. Anfänglich wird es auch sicher Probleme geben, vielleicht auch Vorwürfe, weil Deine Eltern dieses Verhalten nicht kennen, aber sie werden sich dran gewöhnen. Allein die Vorwürfe sind ein gutes Zeichen, dass Du auf dem richtigen Weg bist, etwas zu ändern und wieder mehr an Dich zu denken.

Laß Dir bloß nicht einreden, Du wärst egoistisch und würdest nur an Dich denken, denn das stimmt nicht. Es gehört nicht zu den Aufgaben einer Tochter, sich für Eltern aufzuopfern die sich selbst helfen können, aber nicht wollen. Denn auch Deine Mutter ist Deinem Vater nicht hilflos ausgeliefert, es liegt in ihrer Hand etwas an ihrem Leben zu ändern. Es bedeutet nicht gleich, das Du sie nicht liebst, aber Liebe ist eine gegenseitige Sache und bedeutet nicht bedingungslose Aufopferung allein einer Seite. Es ist schwer auseinander zu halten, wann man wirklich gefragt ist und helfen sollte und wann man sich um Dinge kümmert die andere gut selbst erledigen können. Schließlich hat man es ja jahrelang so gehalten lieber alles zu erledigen, als die falsche Entscheidung zu treffen oder andere zu enttäuschen. Mit der Zeit findet man das raus, bis dahin macht man vielleicht den einen oder anderen Fehler. Aber auch das ist erlaubt…….

Was mir sehr dabei geholfen hat und noch immer hilft, das durch zu ziehen ist, dass ich mir immer wieder sage, sie sind erwachsen und in der Lage sich um sich selbst zu kümmern. Sie können es, wenn sie nicht wollen, ist es nicht mein Problem. Sie sind keine hilflosen Kinder, die umsorgt werden müssen, weil sie es selbst noch nicht können. Meine Eltern sind erwachsen und für sich selbst verantwortlich, so wie auch ich für mich selbst verantwortlich bin. Auch Deine Eltern sind erwachsen und in der Lage sich um sich selbst zu kümmern. Du tust es ja auch…..

Setze Dich und Dein Leben wieder an Position eins Deiner Prioritäten, denk jetzt erstmal an Dich.

Ich wünsche Dir ein schönes, geruhsames und ruhiges Weihnachtsfest…….

Skye

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