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Feude, das Forum gefunden zu haben.

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Julie1
neuer Teilnehmer
Beiträge: 10
Registriert: 26.12.2006, 10:14

Feude, das Forum gefunden zu haben.

Beitrag von Julie1 » 26.12.2006, 10:27

Hallo,
habe das Forum hier gefunden und stell mich kurz vor.
Bin knapp 40, seit 2 Jahren in Therapie, beruflich sehr erfolgreich (nach äußeren Kriterien), organisationsstark, flexibel und schnell und sehr viel arbeitend (mit Freude daran).
Mein Vater hatte schon immer Probleme mit dem Alkohol. Die Spannungen wurden in den letzten beiden Jahren immer unerträglicher für mich (was mein Problem ist), so dass die Therapie nicht mehr zu vermeiden, sondern im Nachhinein ein Glücksfall war. Ging soweit, dass ich meinen Therapeuten sehr vermisste, wenn er nicht da war, auf ihn wartete wie ein Kind, da die Stunden eben für mich waren, da war jemand, der sich um mich echt kümmert (voll bescheuert - ich weiß, schäme mich auch für diese kindlichen Gefühle in meinem Alter, aber sie SIND da). Habe oft nur geheult, oder war aggressiv bis sehr abwehrend.
Mein Vater trinkt noch heute - ruft mich, wenn meine Mutter mal nicht da ist (da sie manchmal wegfährt, um sich zu erholen - an, jetzt sogar schon morgens betrunken. Dann sagt er , dass er aufhören muss, wegen Herzproblemen, dabei trank er auch am Weihnachtsabend, zwar nicht zuviel, aber eben auch noch kurz vor Mitternacht den Wein (nach Bier).
Es tut einfach auch heute noch oft "sauweh", dass mein Vater (auf den ich als Kind immer gewartet habe, dass er ja heimkommt) sich so kaputt macht. Stehe ihm emotional und auch beruflich noch oft zu nahe.
Durch die Therapie ist es mir gelungen, mich mehr mitzuteilen, sagen sogar Freunde. Beruflich gibt es mehr Perspektiven. Es geht zwar alles sehr, sehr langsam, aber es geht vorwärts. Mir geht es dieses Jahr an Weihnachten besser als im letzten Jahr und ich kann die Therapiepause aushalten (habe mehr Möglichkeiten).

Danke für die Beiträge hier, haben mich vorhin zum Teil sehr bewegt!
Das tut gut!
Liebe Grüße,
Julie

Teaser

Beitrag von Teaser » 26.12.2006, 11:11

Hallo Julie,

herzlich willkommen hier im Forum!!! :D

Professionelle Hilfe hast Du Dir ja schon geholt. Vielleicht stößt Du ja hier auch noch einige Gedanken, die Dir weiterhelfen.

Mich erstaunt es immer wieder, wie klar und sachlich Außenstehende eine Situation beurteilen können, während man selbst(trotz allen Grübelns) oft die einfachsten Zusammenhänge nicht sieht.

Liebe Grüsse

Teaser

Julie1
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Beiträge: 10
Registriert: 26.12.2006, 10:14

Beitrag von Julie1 » 26.12.2006, 11:58

Hallo Teaser,

danke für Deine Antwort. Habe schon viele Deiner Beiträge gelesen.
Was meinst Du genauer mit "Mich erstaunt es immer wieder, wie klar und sachlich Außenstehende eine Situation beurteilen können, während man selbst(trotz allen Grübelns) oft die einfachsten Zusammenhänge nicht sieht."

Ich selbst sehe darin, dass ich überhaupt erst sehr spät merkte, dass das wirklich auch ein Problem war (ohne Vorwurf), hatte das nie für ein Problem (Alkoholismus / Spannungen / Suizidandrohungen meines Vaters) gehalten, das eben auch noch mein jetziges Leben beeinflusst. Dann noch: mein Unvermögen klarer Grenzen zu sehen, mal lauter etwas zu sagen (zu meinem Vater), mehr Mut zu haben, etwas zu sagen (was ich jedem anderen raten würde). Sehe meinen Vater oft als "armen Menschen" an, der halt nicht die Möglichkeiten hatte bzw. heute nutzt, sich mit sich auseinanderzusetzen. Warum sollte ich ihm also Vorwürfe bzw. Druck machen? - Melde mich aber mehr, wenn meine Mutter (die sich auf ihre eigene subtile Art wehrt) massiv beleidigt wird.
Auch klar ist: kämen andere zu mir, würden mir ähnliche "Geschichten" erzählen, wäre ich voller Mitgefühl und Verständnis, was ich noch immer nicht genügend für mich habe. Denn: hey, ich bin alt, trage schon seit x - Jahren die Verantwortung für mich, meinen Beruf, meine Umgebung.
Erst durch die Therapie merkte ich, dass es durchaus auch seine Berechtigung hat zu fragen, was ICH jetzt will, was ich jetzt BRAUCHE. Mir fiel es zum Beispiel auch schon schwer Therapiestunden abzusagen (ich finanziere die Therapie aus eigener Tasche), da ich zuviel Arbeit hatte, wäre nur wegen ihm gekommen, damit er nicht umlegen muss.
Letztes Mal hat er es extra betont, dass er es gut findet, dass ich merke, wann ich es für MICH zu viel wird. Tat gut - er verdient ja Geld mit mir. :D
O.k. das soll kein Suhlen in Selbstmitleid sein, sondern bin auf der ernsthaften Suche nach Mitgefühl für mich, ohne den Blick für meine Umgebung zu verlieren bzw. ihn wieder neu zu finden.

Danke für's Lesen,
Julie :D

Teaser

Beitrag von Teaser » 26.12.2006, 12:23

Ich meine, wenn andere eigene Textstellen hervorheben, die einem selbst beim Schreiben als gar nicht so bemerkenswert erschienen.

In Deinem ersten Beitrag bin ich z.B. an der Stelle "hängen geblieben":
da war jemand, der sich um mich echt kümmert
Da fragt man sich doch, was ist denn da schief gelaufen, wenn man dieses Gefühl ausgerechnet(und scheinbar ausschließlich) bei seinem Therapeuten empfindet.
Was könnte ich denn in meinem Privatleben ändern, um mich auch von anderen Menschen so angenommen zu fühlen? Setze ich meine Prioritäten richtig? Dazu würde auch passen, dass Du Deine berufliche "Belastung" sehr betonst.

So in der Art meinte ich das.

LG
Teaser

Julie1
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Beitrag von Julie1 » 27.12.2006, 12:43

Hallo Teaser,

mhm, ausschließlich erhalte ich diese Gefühl, dass ich jd. um mich kümmert, nicht in der Therapie, sondern vor allem bei Freunden. Das suche ich auch, versuche mich da mehr zu öffnen. Das gelingt auch immer besser.
Die therapie nützt ja nichts, wenn ich nich im Alltag manches umsetze und mutiger werde.
Insofern: schief gelaufen ist da gar nichts.
Berufliche Belastung ist hoch, klar, gehe da auch auf, voller Engagement und Freude, war aber oft auch Familienersatz. Auch da ändert sich aber etwas.

Um mich noch mehr von anderen Menschen angenommen zu fühlen, ist es besser, sich etwas offener, auch manchmal verletzlicher zu zeigen, ihnen ebenfalls empathisch gegenüber zu sein, Anteil nehmen.
Das fällt mir eher weniger schwer.

Liebe Grüße,
Julie.

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