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Hmm, hallo...

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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Gwilithiel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 1
Registriert: 28.12.2006, 18:09

Hmm, hallo...

Beitrag von Gwilithiel » 28.12.2006, 18:24

Wie soll ich anfangen ... ?

Ich bin 19 Jahre alte, weiblich, und die Tochter eines Alkoholikers. So könnte man sein Trinkverhalten wohl bezeichnen.
Noch wohne ich zu Hause, ich stehe kurz vor dem Abitur und kann mir keine eigene Wohnung leisten. Ich bin Einzelkind.
Seitdem ich denken kann, trinkt mein Vater, er geht einer geregelten Arbeit nicht, trinkt dort auch nicht, aber sobald er zu Hause ist, fängt er an Wein oder bier zu trinken.
In meiner frühesten Kindheit kann ich mich an Situationen erinnern, wo mein Vater nach der Arbeit in die Kneipe gefahren und dann besoffen nach Hause gekommen ist. (Besoffen, so hat mir meine Mutter damals erklärt, war mein Vater ... ich wusste damals noch kein anderes Wort dafür)
Am 18.11.1997 hatte er eine Autounfall ... er ist beim Abbiegen abgekommen und in ein anderes auto gefahren. Ich war in der vierten Klasse ... und mein Vater fuhr beturnken in das Auto vom Vater eines Klassenkameraden, in dem siene kleine Schwester mit ihren Freundinnen saß.
Meine Mutter bekam einen Anruf und musste mich mitnehmen ... ich stand die ganze Nacht unter eine Laterne und habe alles mit angesehen. An diesem Tag schnitt ich mir die Haare ab.

Ich schreibe morgen weiter, es ist noch eine Menge zu erzählen ... aber ich kann grad nicht mehr, hier ist wieder die Hölle los.

Warum ich das hier erzähle? Ich MUSS einfach irgendetwas tun ... irgendwas. Ich werde sonst verrückt, wenn ich es nicht schon bin. Weil sich hier einfach nichts ändert. nichts.

Teaser

Beitrag von Teaser » 28.12.2006, 21:59

Hallo Gwilithiel,

das hört sich alles sehr schlimm an. Das Gefühl verrückt zu werden, weil man den ganzen Wahnsinn nicht mehr erträgt, kann ich gut nachempfinden.

Möglicherweise hilft es Dir, Dich so gut es eben geht auf Dein Abi zu konzentrieren. Damit rückt zumindest Dein Auszug und ein eigenes, besseres Leben in greifbare Nähe.

Bin gespannt auf Deine weiteren Beiträge, wenigstens hier mal alles "loswerden" zu können, tut Dir sicher auch gut!

Take care
Teaser

Kerstin1978

Beitrag von Kerstin1978 » 28.12.2006, 22:18

Hallo Gwilithiel.

zunächst einmal ein herzlich Willkommen meinerseits !

Was Du berichtest, kommt mir im Großen und Ganzen bekannt vor. Mein Vater ist auch, seit ich denken kann, Alkoholiker. Etwa 6 Monate, bevor ich geboren wurde, hatte er einen Autounfall, daraufhin auch seinen Führerschein verloren.
Bei uns war es auch stets so, dass er kaum von der Arbeit, sich umgezogen hatte, um anschließend in die Kneipe zu verschwinden.
Was ich hier letztendlich begriffen habe ist, dass ich ihm nicht helfen kann und schon gar nicht ändern. Ich kann nur für mich persönlich etwas ändern, indem ich nicht mehr alles bzw. gar nichts mehr an mich ran lasse, was die Krankheit meines Vaters angeht. Und das gleiche kann ich Dir ebenfalls nur raten. Löse Dich von dem Gedanken, ihm helfen zu wollen bzw. zu können. So lange Dein Vater keine Einsicht zeigt, wird sich nichts ändern.

Ich habe auch unter diesem enormen Druck mich auf mein Abitur vorbereiten müssen. Es war eine Katastrophe damals, zumal mein Vater wegen Insolvenz seines Arbeitgebers arbeitslos war. Es war die Hölle....aber ich habe mein Abi bestanden.
Nach meiner bestandenen Lehre dauerte es auch nur noch 6 Monate, bis ich in meine eigene Bude gezogen bin. Aber wirklich "losgelöst" war ich dennoch nicht...kontrollierte er doch stets, ob auch mein Auto jeden Morgen vor meiner Türe stand.... .

Ich möchte Dich keineswegs entmutigen, aber viele Dinge ändern sich nicht, wenn man grübelt, grübelt und nochmals grübelt....man muss für sich selbst ins Reine mit seinen Gedanken kommen. Ändern werden wir "Kinder" nie etwas....wir können nur unserem Leben einen Sinn geben.

Hast Du denn ne Freundin, der Du Dich anvertrauen kannst oder vielleicht schon hast ?
Bei mir wusste es auch anfangs keiner, bis ich 1992 meine bis heute beste Freundin kennen gelernt habe. Ihr habe ich es zuerst anvertraut, dann eine ganze Weile niemandem. Keinem Lehrer, keinem anderen Mitschüler oder dergleichen....heute denke ich, hätte ich es mal besser gemacht, dann hätte mein Umfeld wenigstens gewusst, was los ist, warum ich so zurück gezogen lebe, etc.

Erzähl ruhig noch mehr über Dich und Deine Situation. Wenn Du hier mal in den einzelnen Threads schaust, wird Dir das ein oder andere mehr oder weniger bekannt vorkommen.
Wichtig ist: Du bist nicht allein !!!
Aber auch: Du bist WICHTIG !!!

Und verrückt bist Du mit Sicherheit nicht, diesen Part haben ganz andere übernommen ;-)

Gruß,
Kerstin

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