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Was können wir bloß tun?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

Moderator: Moderatoren

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tiger1983
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 19.01.2007, 12:09

Was können wir bloß tun?

Beitrag von tiger1983 » 19.01.2007, 12:40

Hallo,
ich möchte euch gerne meine Geschichte erzählen und wäre für einige Tipps und Ratschläge dankbar.

Vor ungefähr 10 Jahren (ich war 13) ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass meine Mutter sich verändert hat. Vor allem abends war sie irgendwie so "komisch". Außerdem kapselte sie sich völlig von ihren Freunden und Bekannten ab. Ich dachte, dass es mit der Scheidung von meinem Vater zusammenhängt, aber mir wurde sehr schnell klar, dass sie dem Alkohol verfiel. Sie versteckte ihre Wein- und Sektflaschen immer in einem Schrank. Zuerst habe ich versucht es zu verdrängen und habe mit niemandem darüber geredet. Es war mir einfach peinlich und ich dachte, dass mir sowieso niemand glaubt. Ein paar Jahre später, ich war ungefähr 18, sprach ich das erste Mal mit meiner großen Schwester darüber, die mittlerweile mit ihrem Freund zusammen lebte. Wir beschlossen zu einer Suchtberatunsstelle zu gehen und unserer kleinen Schwester erstmal nichts davon zu sagen.

Ein paar Monate später entdeckte ich in unserem Mülleimer dann 5 leere Weinflaschen in Zeitungspapier eingewickelt, ergriff meinen ganzen Mut und sprach meine Mutter das erste Mal darauf an. Sie versuchte sich natürlich raus zu reden. Die Flaschen hätten sich über einen längeren Zeitraum angesammelt und sie hatte Angst, dass wir uns unnötig Sorgen machen, wenn sie sich offen weg wirft. Im Endeffekt hat das Gespräch nichts gebracht. Ich sprach sie noch ein oder zwei Mal darauf an und bekam nur blöde Kommentare zurück.

Vor etwas über einem Jahr bin ich dann von zu Hause ausgezogen und habe meine kleine Schwester sozusagen alleine zurückgelassen. Ich dachte, dass sie nichts wüsste, aber vor ein paar Monaten erfuhr ich, dass sie auch schon länger darüber bescheid wusste und sich nur nicht getraut hat etwas zu sagen.

Mittlerweile trinkt meine Mutter nicht "nur" Sekt und Wein, sondern versteckt auch härteren Alkohol, wie z. B. Wodka. Vorgestern Abend soll sie wohl eine halbe Flasche Sekt und drei große Gläser Wodka mit O-Saft getrunken haben. Das ist doch nicht normal oder? So mitten in der Woche?!

Meine Schwestern und ich sind jetzt jedenfalls an einem Punkt angelangt, an dem wir sagen, dass wir unbedingt etwas machen müssen. vor kurzem hat sie nämlich meine kleine Schwester grundlos zur Sau gemacht und konnte sich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern.

Ich habe Angst um meine Mutter und auch um meine Schwester. Nur leider hab ich keine Ahnung, wie ich meine Mutter davon überzeugen kann, dass sie ein Problem hat.

Sorry, dass es so lang geworden ist. Würd mich über ein paar Antworten freuen.

Viele Grüße
tiger1983

carp
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Beitrag von carp » 19.01.2007, 13:20

Hallo tiger1983

Sucht hat immer eine Geschichte, ich möchte dir damit sagen deine Mutter hat nicht nur ein Alkohol - Problem sie hat auch andere Probleme.
Du solltes dich mit deinen Geschwistern und deiner Mutter einmal zusammen setzen und darüber reden, denn deine Mutter braucht Hilfe,immer so tun als ob ihr das nicht seht ist falsch, solange du die Augen zu machst wird deine Mutter auch weiter trinken
Überlege einmal dein Vater ist ausgezogen deine große Schwester und jetzt auch du, hast du dich einmal gefragt wie deine Mutter sich fühlt,sie ist vielleicht einsam, sie wartet vielleicht darauf das ihr mit ihr redet, einfach zu sehen und Mitleid haben hilft deiner Mutter nicht.
Der nächste Schritt wäre dann deine Mutter davon zu überzeugen das sie Hilfe braucht und sie dazu zu bewegen sich auch Hilfe zu holen,zb. bei ihrem Arzt, Suchtberatung Selbsthilfegruppen ect..
Deine Mutter ist nicht in der Lage sich selbst zu helfen,weil sie denkt den einzigen den sie hat ist der Alkohol, also stehst du und deine Geschwister in der Pflicht deiner Mutter zu helfen. Es wird auch bestimmt für dich nicht einfach werden, aber drei Mädchen groß zu ziehen war bestimmt auch nicht einfach.
Denk mal über mein Posting nach , und melde dich wieder.

liebe Grüße Carp

henri
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Beitrag von henri » 19.01.2007, 23:37

Hallo tiger und herzlich willkommen

Als Kinder habt ihr eurer Mutter gegenüber kaum Druckmittel, wie ein Partner sie beispielsweise hat. Ihr könnt daher nur versuchen, mit ihr vernünftig zu reden und sie zu überzeugen, etwas für sich zu tun. Das sollte nach Möglichkeit dann geschehen, wenn sie nüchtern ist. Vorwürfe helfen dabei nichts, denn dann wird sie abblocken. Erzählt ihr in dem Gespräch, wie ihr euch fühlt, wenn sie getrunken hat und wie sie dann eure kleine Schwester behandelt.

Mehr werdet ihr nicht tun können. Verantwortlich seid ihr aber keinesfalls für sie, das ist sie nach wie vor selbst. Leider habe ich keine bessere Antwort für euch. Wenn sie nicht einsieht, dass sie ohne Alkohol ein wesentlich schöneres Leben hätte, könnt ihr sie nicht dazu zwingen.

Lieben Gruß
Henri

lavendel
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Beitrag von lavendel » 20.01.2007, 14:36

hallo tiger,

herzlich willkommen hier im forum.

ich kann mich henri nur anschliessen: ihr solltet mit ihr reden, wenn sie nüchtern ist, und von euren gefühlen erzählen, dass ihr euch sorgen macht und dass sie ewas tun sollte. aber zwingen könnt ihr sie nicht, ihr könnt nur hoffen. was ich mir auch vorstellen könnte: dass du mal im internet nach selbsthilfegruppen bei euch in der nähe suchst (kreuzbund, aa, guttempler), das ausdruckst uns es ihr hinlegst. einfach um zu demonstrieren, das ihr euch GROSSE sorgen macht. ein gespräch kann man verdrängen, aber solch eine auflistung könnte vielleicht auch an ihr nagen.

zu dem was carp suggeriert: sorry, das halte ich für schmarrn. ihr seid nicht "schuld", dass eure mutter trinkt, ihr seid auch nicht für ihre einsamkeit verantwortlich. und ihr habt keinerlei verantwortung in dem sinne, sie hat euch großgezogen und jetzt schuldet ihr ihr was. natürlich, sie ist eure mutter, aber dass sie trinkt, ist ihre entscheidung. lasst euch da bloss kein schlechtes gewissen einreden, sowas ist ganz mies.

wie alt ist denn deine kleine schwester? ist es irgendwie abzusehen, dass sie auch ausziehen könnte, wenn deine mutter weitertrinkt und es für sie zu belastend wird?

lieben gruß

lavendel

tiger1983
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Registriert: 19.01.2007, 12:09

Beitrag von tiger1983 » 22.01.2007, 08:22

Hallo lavendel,

danke für den Tipp. Ich werde mich gleich mal über Selbsthilfegruppen bei uns informieren und meiner Mutter so etwas hinlegen. Meine kleine Schwester ist erst 15 und muss es demnach noch ein bisschen mit und bei meiner Mutter "aushalten". Ich hoffe aber, dass sie endlich etwas gegen ihre Sucht tut, wenn wir mit ihr reden. Das letzte Gespräch, das ich mit ihr geführt haben (bezogen auf das Thema Alkohol) ist auch schon wieder über ein Jahr her...

Liebe Grüße
tiger1983

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